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Marcus Becker (Jahrgang 1975) aus Norddeutschland kam im Spätwinter 2006 nach Irland. Welches sind seine Erfahrungen auf der »grünen Insel«?
Marcus: Am 10. März 2006 in Dublin.
Marcus: Jede Menge Nerven. Ich habe eine Woche, bevor ich anfangen sollte, meine Zusage bekommen. Innerhalb von einer Woche musste ich meine Wohnung in Deutschland aufgeben und eine Unterkunft in Dublin organisieren. Anfangs bin ich in einer Wohngemeinschaft mit drei polnischen Mitbewohnern untergekommen. Gekostet hat mich das gar nichts, weil ich zu der Zeit auf Zeitarbeit war und nach etlichen Behördengängen vom Arbeitsamt einen Zuschuss von 1.000 € bekommen habe, außerdem gab es ein 300 € Relocation Package von der irischen Firma.
Marcus: Mein erster Arbeitstag war am 13. März 2006 bei CPL in Clonskeagh (im Südosten von Dublin). Ich bin hier bei CPL Managed Services angestellt, CPL arbeitet fuer Hewlett-Packard und Hewlett-Packard für Syngenta (Outsourcing). Wir unterstützen alle möglichen Anwendungen die Syngenta benutzt. Da hätten wir Microsoft Applikationen, SAP, AIRIM, Citrix, DELPHI, BISAM und viele andere Programme. Auf der einen Seite ist es sehr
interessant, auf der anderen Seite muss man sich selbst organisieren und lernen wie die Programme funktionieren. Wir können im Selbststudium auch Zertifikate ablegen und bekommen nach erfolgreichem Kurs -Voranmeldung ca. 3 Monate- die Prüfung bezahlt zum
MCSE, Sprachzertifikate und anderes.
Marcus: Also, ich musste erstmal eine PPS-Nummer bekommen, dafür habe ich vom Unternehmen früher frei bekommen. Draufhin musste ich meinen 12A-Antrag abschicken, was mir in der ersten Woche gelungen ist. Danach nur noch drei Monate Emergency Tax (40%) bezahlen und dann bekam ich endlich mein erstes normales Gehalt. Ich hasse die Tax Revenue...
Marcus: Die netten Kollegen auf der Arbeit, von den Teamleadern gab es so gut wie keine Unterstützung. Überhaupt kam ich mir ziemlich alleine vor, wer hier in Irland nicht fragt, der bekommt auch nichts. Und nicht nur einmal fragen, sondern bis zu 10mal.
Marcus: Ich wurde von einer deutschen Jobagentur angeschrieben, ob ich noch interessiert wäre in Irland zu arbeiten. Ich hatte mich da ein Jahr zuvor mal eingetragen und einen Lebenslauf abgeschickt. Daraufhin hatte ich ein Interview bei Accenture, das mir überhaupt nicht gefallen hat und ich dann dort auch nicht angefangen habe.
Marcus: Wir haben drei unterschiedliche Schichten: Marcus: Ich wollte erst nach Australien, aber vorher ein wenig in einem englischsprachigen Land arbeiten. Außerdem stehen bei einem Umzug nach Australien auch Probleme mit Visa usw. an. Da kann man besser erst in Europa Erfahrung sammeln.
Marcus: Ich war immer ein Einzelgänger, jedoch halte ich E-Mail Kontakt zu meinen Freunden in Bremen und Hannover. Hin und wieder fliege ich auch mal rüber um ein längeres Wochenende dort zu verbringen.
Marcus: Ich wohne jetzt mit einem Iren (45) und einer Italienerin (36) zusammen. Wir sind ein lustiger Haufen, jeder berufstätig und eher von ruhigerem Gemüt. Ich zahle nun 400 € für ein sehr kleines Zimmer, dafür haben wir aber ein grosses Wohnzimmer und eine schöne Küche. Nach hinten ist sogar ein kleiner Garten, in dem wir gerade im Sommer viel Grillen.
Marcus: Ja, weil ich kein Bed & Breakfast hatte, bzw. nicht wusste, das CPL so etwas bezahlt.
Marcus: Also wir hatten einen Mitbewohner zwischendurch, der war etwas jünger und es klappte eher nicht. Jetzt wo die Italienerin eingezogen ist, scheint alles wieder gut zu laufen. Insgesamt wechseln die Mitbewohner leider ziemlich häufig. Man hat sich gerade gewöhnt, da findet einer etwas besseres.
Marcus: Erwarte nichts, dann kann man nicht enttäuscht werden. Hier ist es total anders als in Deutschland. Nichts ist wirklich pünktlich oder richtig geregelt. Die meisten Sachen werden aus dem Bauch heraus entschieden, das hat Vor- und Nachteile.
Marcus: Das Rauchen ist in allen Pubs und öffentlichen Gebäuden verboten. Die Iren sagen alle "Well, it depends", besonders was die Ankunft von öffentlichen Verkehrsmitteln betrifft. Bier und Essen sind viel zu teuer, sowie die Unterkünfte.
Marcus: Dadurch, dass die öffentlichen Verkehrsmittel erst um 06:30 Uhr anfangen, bekomme ich morgens ein Taxi gestellt. Es gibt in jedem Pub, neben seltsamen anderen Produkten, auch deutsches Bier. Die Leute sind unglaublich höflich und zuvorkommend, anders als in deutschen Großstädten. In den Fußgängerzonen gibt es ständig Leute, die sich irgendwie produzieren, teils mit Musik oder Kunst. Das ist oft wirklich sehr interessant, da ja auch gleich das College in der Stadt ist.
Schlußwort: Marcus, vielen herzlichen Dank für das Gespräch. Ich wünsche dir noch eine gute und erfolgreiche Zeit in Irland!
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