Michaels Reisetagebuch: Leben und Arbeiten in Irland - Interview mit Günther Beyer

Günther Beyer (Jahrgang 1953) aus Mülheim/Ruhr zog im Frühjahr 2004 nach Irland, um hier zu leben und zu arbeiten. Seine ersten Eindrücke hinterfragt Michael in einem aktuellen Interview. Wichtig für alle, die einen ähnlichen Schritt vorhaben:


Frage: Günther, wann bist du in Irland angekommen?

Günther: Ich bin mit meinem Auto und Wohnwagen Anfang April 2004 über Frankreich und England per Fähre nach Dublin gekommen. In Kenmare (Co. Kerry) habe ich mich mit meinem Freund Klaus-Dieter getroffen, um dort eine Woche lang zusammen Golf spielen zu können. Danach bin ich nach Blarney (Co. Cork) gekommen, weil es da den einzig vernünftigen Campingplatz weit und breit gibt. Für Cork habe ich mich entschieden, weil ich nicht nach Dublin wollte; die Hauptstadt ist mir viel zu gross. Ich komme aus dem Ruhrgebiet und wollte jetzt mehr in die Natur.

Frage: Kannst du dich noch erinnern, was dich die Reise nach Irland gekostet hat?

Günther: Autofahrt, Benzinkosten, Fähre, Mautgebühren - grob geschätzt etwa 400 Euro.

Frage: Wann und wo hattest du deinen ersten Arbeitstag?

Günther: Bisher habe ich noch nicht gearbeitet. Ich beginne erst am 30. August 2004 bei der Firma »Apple« in Cork.

Frage: In welcher Branche ist dein neuer Arbeitgeber tätig?

Günther: Computer.

Frage: Wie bist du auf den Job aufmerksam geworden?

Günther: Durch die Recruitment-Agency »Fastnet«. Ich habe mich nach meiner Ankunft in Cork zunächst im Internet schlau gemacht, was Jobangebote angeht. Zuerst will immer jeder deinen Lebenslauf (CV) haben. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Recruitment-Agencies die gleichen Jobs anbieten. Die eine Job-Agency sagte mir, dass »Apple« gerade keine Leute suche, bei »Fastnet« habe ich dann das Gegenteil gehört. Ich habe dann den Job im Bereich »Technical Support« bei »Apple« bekommen. Vorher hatte ich noch zwei weitere Vorstellungsgespräche, wo ich aber nicht genommen worden bin.

Frage: Wie werden dann deine Arbeitszeiten sein?

Günther: Ich fange am 30. August morgens um 9:00 Uhr an. Zuerst gibt es eine vierwöchige Schulung. Danach habe ich eine 39-Stunden-Woche und 20 Tage Urlaub. Die genauen Arbeitszeiten kenne ich noch nicht. Frühester Beginn ist 7:00 Uhr.

Frage: Du hattest damals noch keine Wohnung, als du in Irland eingetroffen bist?

Günther: Nein. Mit dem Wohnwagen war das alles sehr viel günstiger. Mir waren ja die ziemlich hohen Preise der »Bed & Breakfast«-Unterkünfte sehr wohl bekannt. Ich wollte aber auch nicht wochen- oder monatelang auf »B & B's« oder Hotels angewiesen sein.

Frage: Was haben dich die Nächte auf dem Campingplatz gekostet?

Günther: Wohnwagen, Stromanschluss... Etwa 20 Euro pro Nacht.

Frage: Hast du denn jetzt inzwischen eine feste Unterkunft gefunden?

Günther: Ja. Ich bin in Cork zu verschiedenen Maklern (Property/Letting-Agent) gegangen und habe mich dort eingehend informiert. Bei einem dieser Agents habe ich dann das Haus gefunden, in dem ich jetzt in der Nähe von Ballincollig zur Miete wohne. Ich habe mir auch erst dann die Unterkunft gesucht, als ich den Job fest hatte. Mir ist es wichtig, auf dem Land zu wohnen und nicht in der Stadt. Das geht aber auch nur, weil ich ein Auto habe.

Frage: Kannst du uns das Haus beschreiben, in dem du wohnst?

Günther: Das Haus (Doppelhaushälfte) ist komplett möbliert und ca. 80 m2 gross, Erd- und Obergeschoss, es hat drei Schlafzimmer unterschiedlicher Grösse, Wohnzimmer mit Kamin, Küche, Bad mit Wanne und Duschkabine und eine Terrasse. Die Miete beträgt 750 Euro pro Monat, eine Kaution von 750 Euro musste ich beim Property/Letting-Agent hinterlegen. Es muss aber betont werden, dass es ausserhalb grosser Städte, also auf dem Lande, sehr schwer ist, ein Haus auf Mietbasis zu finden. Man kann Häuser normalerweise nur käuflich erwerben, in den ersten etwa 6 Monaten bekommt man als Ausländer in Irland aber bei keiner Bank einen Kredit.

Frage: Was für Behördengänge hattest du denn hier nach deiner Ankunft abzuwickeln?

Günther: Ein Bankkonto zu bekommen empfand ich als schwierig. Banken wollen nicht nur einen Nachweis haben, wo man genau wohnt, sondern welchen Job man wo hat. Wenn man aber beides noch nicht hat, gestaltet sich dieses als recht kompliziert. - Dann musste ich eine PPS-Nummer beantragen, was recht einfach war. Ich musste allerdings über eine halbe Stunde in der Schlange warten. Wichtiger Tipp von meiner Seite: Man sollte unbedingt seine deutsche Sozialversicherungsnummer kennnen und man muss zwei Dokumente als Identitätsnachweis vorlegen. Beim ersten Mal hatte ich nur meinen Pass dabei, aber das genügte nicht. Auch hier musste ich einen Wohnsitz nachweisen können. Als ich noch auf dem Campingplatz wohnte, war es mir nicht möglich, eine PPS-Nummer zu beantragen. Später habe ich dann aber gehört, dass mir der Campingplatzbesitzer eine Bescheinigung hätte ausstellen können.

Frage: Wer hat dir dabei geholfen, dich in den ersten Tagen zurecht zu finden?

Günther: Niemand.

Frage: Was waren deine ersten Eindrücke innerhalb der ersten Tage?

Günther: Es war wunderschön. Mein Freund Klaus-Dieter und ich waren jeden Tag auf dem Golfplatz - das Wetter war herrlich. Auch die Zeit danach war stressfrei, weil ich mich wirklich gut vorbereitet hatte. Gute Vorbereitung ist alles.

Frage: Und wie sind deine Eindrücke jetzt - nach fünf Monaten?

Günther: Nach wie vor positiv. Das einzige, was mich hier wirklich nervt sind die irischen Autofahrer. Die scheinen alle noch zu üben. Ich habe den Eindruck, die Führerscheine werden nach dem Zufallsprinzip verteilt. Da ich zwanzig Jahre lang berufsbedingter Autofahrer in Deutschland war, weiss ich von was ich rede.

Frage: Was hast du in Deutschland gemacht?

Günther: Ich war selbstständig, hatte ein Taxiunternehmen.

Frage: Was ist aus dem Unternehmen geworden?

Günther: Ich habe es samt der Lizenz verkauft. Ich wollte etwas anderes machen. Mir war klar, dass ich mit knapp über 50 Jahren in Deutschland keinen Job mehr finden würde; da haben manche mit 35 Jahren ja schon Schwierigkeiten. Das ist hier in Irland anders. Und ich wusste ja, dass hier in Irland deutschsprechende Mitarbeiter gesucht werden. Das war der Grund, warum ich nach Irland gegangen bin.

Frage: Hast du Heimweh? Vermisst du Freunde und Familie?

Günther: Ich vermisse meinen Sohn David und meine Lebensgefährtin Vera. Vera besucht mich gerade für eine Woche. In etwa sechs Wochen kommt sie dann endgültig.

Frage: Dein Sohn nicht?

Günther: Nein, er ist alt genug, lebt jetzt sein eigenes Leben. Das heisst aber nicht, dass er uns nicht bald mal besuchen kommt.

Frage: Was kannst du denjenigen empfehlen, die einen ähnlichen Schritt vorhaben?

Günther: Ich kann erstmal nur empfehlen, den Mut aufzubringen. Ganz einfach ist es sicher nicht. Voraussetzung ist, dass man anfangs zumindest einigermassen Englisch versteht. Ich sage immer, dass man eine englischsprachige Zeitung einigermassen verstehen können sollte - nicht jedes Wort, aber sinngemäss. Die Iren sind freundlich, sie nehmen aber relativ wenig Rücksicht, wenn man der Sprache nicht mächtig ist, was ja in Deutschland nicht anders ist.

Schlußwort: Günther, vielen herzlichen Dank für das Gespräch. Ich wünsche dir und Vera, dass alles so verläuft, wie ihr es euch vorstellt.

Interview: Michael Schubert (Stand: 2005)
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