Michaels Reisetagebuch: Leben und Arbeiten in Irland - Old Head: Die Klippen - Ersatz fürs eigene Haus?

Old Head

Die Klippen - Ersatz fürs eigene Haus?

Es mag sich eigenartig anhören, aber die Klippenwelt am 'Old Head' ähnelt dem eigenen Haus. Wie ich komme ich darauf? Ganz einfach: Weil es hier scheinbar fast alles gibt, was man auch in einem Haus vorfindet. Beginnen wir mal mit dem Bett: Die Klippen bieten 'Betten' für jeden Geschmack: von hart (an der Landzunge) auf steinigem Untergrund bis flauschig-weich auf dem dichten grünen Gras auf der Spitze der Klippen. Auch die Rückenlehnen der Sessel sind -je nach Steilheit der Klippen- verschiedenartig einstellbar.

Wenn es mal regnet, kann man sich bequem in einer der durchaus zahlreich vorkommenden Höhlen unterstellen. Am Lagerfeuer kann man sich die leckersten Sachen zubereiten: In freier Natur schmeckt einfach alles. Mit einer Angel und der notwendigen Erfahrung kann man sich die köstlichsten Fische aus dem azurblauen Meer angeln. Wenn man mal kein Messer dabei hat, ist das auch kein Problem. Hier gibt es derart viele spitze Steine, dass man sich schnell zu helfen weiss.

Das Fernsehgerät ersetzt die spektakuläre Natur. Da gibt es auch für jeden Geschmack etwas: Vom Tierfilm bis zum Kriegsfilm. Kriegsfilm? Ja, denn in einer besonders unheimlichen und sehr schwarzen Höhle entdeckten Rico und ich eine See-Mine aus dem II. Weltkrieg, die dort eingekeilt zwischen bizarren Felswänden hing: Verrostet, aber kugelrund. Zu vermissen scheint sie niemand. Diese Höhle ist nur bei Ebbe erreichbar und wahrscheinlich ist hier noch nie ein Mensch vor uns gewesen. Diese Felsenlandschaft erinnerte uns nicht nur einmal an Szenen aus 'Jurassic Park'. Hier gab es eigenartige Felsmarkierungen, faszinierende Farne und Millionen kleiner Muscheln an den Felswänden, die leise im Wind schmatzten. Die Natur war hier so irreal faszinierend, ja fast schon prähistorisch, dass wir jede Sekunde mit einem mittelgrossen Saurier gerechnet haben, der aus einer der dunklen Höhlen nach dem Rechten schaut.

Wenn man Durst hat, kann man diesen auch hier stillen, denn aus den Felsen quoll kühles Süsswasser. Alternativ kann man sich an den Eutern der zahlreich grasenden Kühe bedienen und versuchen, etwas Milch zu bekommen. Aus den Felsen schälen sich Formationen, die einen Tisch darstellten. Kleinere Steine waren natürliche Stühle, die man mit einigen Algen weich abpolstern konnte. Und wenn es heiss ist, wie beispielsweise am heutigen Tag, bieten Nischen in den Höhlen einen idelalen Kühlschrankersatz. Rico, der ständig vergisst, einen Teller mitzubringen, brauchte auf das köstliche Barbeque auch nicht verzichten: Es gibt hier tausende von vollkommen flachen Steinen, die mehr als ein Teller-Ersatz sind.

Und was ist mit der Hygiene? Auch hier ist für jeden Geschmack etwas dabei: Für richtige Männer das barbarisch kalte Meerwasser mit seinen fiesen Wellen oder -für Warmduscher- ein Bad in der herrlichen Felsen-Badewanne. Nach jeder Flut füllt sich die Wanne mit frischem Wasser und bei Ebbe erwärmt sich dieses zügig. Auch das eine oder andere Fischlein schlengelt sich durch die Wanne (als Ersatz für das Quietsche-Entchen).

***

Rico und ich erlebten einen weiteren atemberaubenden Tag am 'Old Head'. Es war der bisher wärmste Tag des Jahres. Wir hatten 26 Grad im Schatten und solche Temperaturen kommen in Irland nur alle Jubeljahre mal vor. Himmel und Meer waren blau und auch die Môwen und Tölpel schienen diesen grossartigen Tag zu geniessen. Irland ist zu beneiden um diese begeisternde Natur. Einziger Wermutstropfen: Ein nackter Spanner, der sich oben auf der Kuhwiese versteckte und immer schnell abhaute sofern wir näher kamen. Ein Nackter in Irland? Meine Güte! Hier zieht man sich nicht mal in der Sauna aus.

Weiter zu: 'Old Head' im Sommer