Dogwash
Waschstraße für Hunde
Gestern hat Benny mal wieder im Matsch gespielt. Sein Frauchen findet, seitdem rieche er "sehr streng nach Hund", und deshalb soll er jetzt gewaschen werden. Benny ist ein Bobtail mit grau-weißem Fell und verschiedenfarbigen Augen. Sein Frauchen heißt Linda und trägt einen rosafarbenen Pullover. Beide sind ein bisschen aufgeregt: Sie werden gleich Dog Wash benutzen, Cork City's erste Waschanlage für Hunde.
Dog Wash ist ein zwei mal drei Meter großer Aluminiumkasten mit einer Plexiglasscheibe. Er steht an der Tankstelle zwischen den Staubsaugern und der Einfahrt zur Autowaschstraße. Mit Dog-Wash könne man seinen Hund "auf hygienische und angenehme Art sicher und zuverlässig pflegen", verspricht die Info-Broschüre. Benny's Frauchen sagt, auf so etwas habe er schon immer gewartet. "Normalerweise schrubbe ich nach einer Hundewäsche vier Stunden lang das Bad."
2002 wurde erstmals eine Anlage in Spanien aufgestellt, seitdem gibt es den Köter-Reiniger auch in den Niederlanden, Irland, den USA, Kanada und auch in Deutschland (z.B. in Hamburg). In Großbritannien wäscht die Royal Air Force ihre Wachhunde in den Maschinen.
Bei Dog Wash können die Hundebesitzer wählen: Je nach Verschmutzungsgrad der Hunde gibt es verschiedene Programme. Die Kurzwäsche für fünf Minuten, die mittlere Reinigung und die 15-minütige Dauerwäsche nach heftigem Wälzen in frischen Kuhfladen. Entscheidend für die Dauer des Waschgangs ist nicht die Größe des Hundes, sondern die Länge seines Fells. Die Anweisungen für die Hundebesitzer sind klar: "Stelle zunächst den Hund auf die Waschplattform und sichere ihn durch eine Kette." Der süße Benny weiß nicht wie ihm geschieht, aber er lässt sich willig in der Maschine anleinen und sein Frauchen geht über zu Punkt zwei: "Benässe und shampooniere das Fell". Aus der Düse spritzt ein weißer Schaum, angeblich enthält er ein speziell für diesen Zweck entwickeltes Shampoo: Mit den geeigneten Bestandteilen der Kokosnuss soll der Hund "gründlich und nachhaltig" gesäubert werden. Die besondere Schaumformel ermögliche ein leichtes und gründliches Ausspülen, preist der Hersteller an. "Die meisten Hunde scheinen es zu mögen", sagt Graham O'Keafe. Er betreibt den Dog Wash Schon in der dritten Generation führt seine Familie den Laden. "Und immer offen für Innovationen", sagt Graham. 1963 hat sein Vater die erste Waschstraße eröffnet.
Hinter Bobtail Benny hat sich mittlerweile eine kleine Schlange gebildet. Der Samstagnachmittag ist immer noch traditioneller Waschtag, früher für Kinder, später für Autos und nun anscheinend auch für Hunde. Eine Dame in einem sehr bedrohlich engen Oberteil mit gigantischen Brüsten herrscht ihren Yorkshire-Terrier in der Schlange an: "Stop it! Those dogs won't fuck with you!" Eine weißhaarige Endsechzigerin erzählt dem Umstehenden, dass sie schon zum dritten Mal hier ist, aber nur zum Zuschauen, denn einen eigenen Hund hat sie nicht. Benny ist derweil im Waschgang Stufe drei angekommen: Ein Gebläse soll das Wasser aus dem Fell entfernen. Die Phase ist ein bisschen heikel, sagt Graham, besonders Kampfhunde könnten auf das Surren aggressiv reagieren. Vergangene Woche hat sich auch eine Hundepsychologin Dog Wash angeschaut und bemängelt, dass der Fön zu laut sei. Benny erträgt das Surren mit stoischer Ruhe, vielleicht weil er kein Kampfhund ist. Linda würde ihm jetzt gerne noch das Fell kämmen, hat aber die Bürste vergessen. Die Hauptsache aber ist, so steht es in der Waschanleitung: "Dein Hund ist jetzt befreit von Parasiten." Und Benny duftet jetzt auch noch ein bisschen nach Kokosnuss. Zum Anbeissen!