Michaels Reisetagebuch: Leben und Arbeiten in Irland: Arbeiten in einem Callcentre



Leben und Arbeiten in Irland: Arbeiten in einem Callcentre
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Ulrich
aus Deutschland

Meine Erfahrungen mit Apple: Im Sommer 2005 bin ich nach Cork umgezogen, um dort bei Apple im Verkauf zu arbeiten. Bei Apple ist der Verkauf so eingeteilt, dass die MacIntoshs und die iPods sowie das zu den iPods gehörende Hifi-Zubehör in zwei separaten Arbeitsbereichen verkauft werden. Ich wurde für die Verkaufsabteilung der MacIntoshs eingestellt.
Nach zwei Wochen Training, das im Wesentlichen aus Verkaufsstrategien und aus Produkttraining bestand, begann ich dann am Telefon zu arbeiten und MacIntoshs zu verkaufen, bei einem Umsatz-Soll von € 12.000 pro Tag. Am ersten Arbeitstag nach dem Training erreichte ich einen Umsatz von € 6.500, das wurde als zu gering angesehen und so wurde ich ab dem 2. Arbeitstag dann "zu Trainingszwecken" in die Verkaufsabteilung der iPod's versetzt. Hier hatte ich entsprechend andere Umsatzziele (€ 80.000 pro Monat statt € 12.000 pro Tag) zu erfüllen, da die verkaufte Ware einer anderen Preiskategorie angehörte. Im Verkauf der iPods wurde auch üblicherweise keine Provision bezahlt - als ich zu denen versetzt wurde, wurde mein Arbeitsvertrag, der die Bezahlung von Provision enthielt, jedoch nicht dahingehend geändert. In meinem Arbeitsvertrag war daher immer noch die Bezahlung von Provision enthalten.
Mein Umsatz im 1. Monat im iPod-Verkauf war dann durchschnittlich, seit dem zweiten Monat waren meine erzielten Umsätze durchweg unter den ersten drei Plätzen in meiner Arbeitsgruppe. Erwähnt wurde das ansonsten nicht weiter, jedoch wurde ansonsten alles und jedes bemängelt - ich hätte zu wenig Zubehör verkauft, zu wenige Anrufe mit einem Abschluss beendet (dabei kamen im Verkauf alle Anrufe rein, auch von Kunden, die technische Probleme hatten oder sich beschweren wollten - was soll man denen verkaufen?). In dieser Zeit hatte ich Umsätze von jeweils € 100.000 pro Monat auf einer kontiuierlichen Basis erzielt, bei einem monatlichen Umsatzziel von jeweils € 80.000 und im Weihnachtsgeschäft 2005 hatte ich einen monatlichen Umsatz von € 200.000 (auf dem 2. oder 3. Platz der Arbeitsgruppe) erzielt bei einem Soll von € 130.000.
Als dann im Spätherbst neue Mitarbeiter für den Verkauf der MacIntoshs eingestellt wurden, war meine "Trainingsmassnahme" bereits Dauerzustand geworden, während einige der neu eingestellten Kollegen im Bereich des MacIntosh-Verkaufs in ihren ersten Arbeitstagen absolut null Umsatz hatten, ohne dass das für sie Folgen gehabt hätte. Teilweise hatte ich mit meinen iPod-Verkauf auch höhere Umsätze als mancher Kollege mit dem Verkauf von MacIntoshs.
Nach zehn Monaten habe ich dann Apple gefeuert. Um dieses Kasperletheater zu beenden, habe ich dann an einem Freitag im März 2006 bekanntgegeben, dass ich am nächsten Montag nicht mehr bei Apple arbeiten werde. Von der in meinem Arbeitsvertrag enthaltenen Provision habe ich überhaupt nichts gesehen. Von einem Recruiter und von ehemaligen Kollegen habe ich später erfahren, dass Apple überhaupt keine Provision im Verkauf mehr berzahlt. Überflüssig zu erwähnen, dass von meinen damaligen Kollegen, soweit ich noch mit denen in Kontakt war, niemand mehr bei Apple arbeitet...


Frank
aus Deutschland

Hallo Michael, ich finde Deine Homepage, auf die ich ganz zufällig gestoßen bin, sehr interessant, und da ich auch in einem Callcenter arbeite, habe ich mir zu Deinem Bericht als Callcenter Agent ein paar Notizen gemacht, die ich Dir mitteilen möchte:

- Ich arbeite seit Januar 2000 in einem amerikanischen Callcenter in Deutschland. Von Zuhause zur Arbeit sind es 26 km.

- Am Anfang meiner Tätigkeit hier im Callcenter machte ich auch Technical Support. Die Schulung war in Deutsch, aber die Schulungsunterlagen und die Datenpflege ist in Englisch. Es ist so wie Du schreibst: "Es ging im Prinzip nur darum, wie ich mit unfreundlichen oder ungeduldigen Kunden am Telefon umgehe, was ich tun, wie ich reagieren und was ich entgegnen würde. Immer wieder versicherte mir der Team Leader, dass der Job nicht kompliziert sei und dass es ja auch noch eine vierwöchige Schulung gebe, wo einem alles notwendige beigebracht würde".

- Es ist tatsächlich genauso, wie Du es beschreibst, viel Computererfahrung, die in diesem Job nicht gefragt ist, das technische Verständnis ist das A und O. Da ich nicht so über dieses verfüge, hat es mich in einen anderen Bereich verschlagen. Lange Zeit arbeitete ich in der Empfangszentrale eines großen IT Unternehmens. Seit der Vertrag des Auftraggebers nach 6 Jahren nicht verlängert wurde und alles nur noch billiger sein muß, ist es echt nicht mehr schön. Die ständige Angst seinen Arbeitsplatz zu verlieren - ich habe Frau, Kinder und Haus.

- Mittlerweile hat mein Unternehmen einen Betriebsrat, was die Rechte des Einzelnen doch ein wenig verbessert.

Von den Personen mit denen ich vor 7 Jahren meine Schulung begann ist schon sehr lange keiner mehr hier im Callcenter beschäftigt.

Aber es ist tatsächlich so, wie Du es schreibst. Trotzdem bin ich gerne hier, weil auch, wie Du schreibst, ein sehr gutes Arbeitsklima vorherrscht, nur das man ständig mit der Angst leben muß, seinen Job zu verlieren.


Stefan
aus A-Wien

Hallo Michael! Ich komme schon seit längerer Zeit immer wieder mal auf Deiner Homepage vorbei und muss sagen, dass die wirklich super ist. Es ist gut, die Sichtweisen, die Du und andere über Irland haben, kennen zu lernen. Ich selbst war ein Jahr lang in Cork, genauer gesagt von April 2001 bis April 2002. Ich glaube Du kannst Dir schon denken, dass ich einen Einjahresvertrag bei RCI hate. Ich hatte damals aber volles Glück. Ich war damals 21 Jahre alt und es war mein erster längerer Aufenthalt im Ausland. Daher wusste ich auch noch nicht so richtig, was einen in so einem Callcentre erwartet. Mein besagtes Glück war, dass ich in der Travel Admin einen Job bekommen habe und daher mit dem Timesharing selbst eigentlich nichts zu tun hatte. Die Arbeit war in Ordnung, obwohl es auch kein Traumjob war, allerdings in der RCI-Welt vielleicht schon. Es sind jetzt erst fast fünf Jahre her, dass ich nach Irland ging. Trotzdem bin ich der Meinung, dass ich doch noch ein anderes Irland erlebt habe als Du, und überhaupt als all jene, die sich derzeit dort befinden. Ich war danach noch zweimal in Irland. Einmal auf einer Hochzeit und im letzen Sommer war ich mit meiner Freundin in Irland. Ihr hat das Land sehr gut gefallen, ich hatte allerdings so meine Enttäuschungen erlebt. Irland war schon zu meiner Zeit sehr teuer, das ist aber jetzt noch viel ärger. Auch die Iren klagen mittlerweile über die teuren Preise und überhaupt über vieles. Es scheint wohl zu stimmen, dass eine boomende Wirtschaft die Menschen nicht unbedingt glücklicher macht - eine Erfahrung die der Kontinent schon Jahrzehnte früher gemacht hat.
Cork hat zwar jetzt eine nette St.-Patrick-Street, die Grand Parade hat aber "früher" besser ausgesehen. Trotzdem, ich bin immer noch ein großer Irland-Fan, was daran liegt, dass ich dort eben doch noch eine sehr gute Zeit und viel Spaß hatte. Ich hatte auch viel Kontakt zu einheimischen Bevölkerung. Die Iren sind meiner Meinung nach, zumindest habe ich das so erlebt, hilfsbereit und Fremden gegenüber sehr offen. Manche sehen das nicht so. Jeder hat eben andere Erfahrungen. Ich akzeptiere es allerdings nicht, wenn Leute über die einheimische Bevölkerung schimpfen, obwohl sie nichts mit ihnen zu tun (haben wollen). Das trifft aber auf jedes Land zu. Sicher, wenn man sich in Irland wohl fühlen will, ist es ganz nützlich, wenn man gerne ins Pub geht, ist aber kein Muss. Trotzdem, wenn jemand Alkohol verabscheut und noch dazu ein richtiger Großstädter ist, dem kann ich maximal einen Irlandurlaub empfehlen, aber niemals Irland für längere Zeit.
RCI war für mich schon aufgrund meines Aufgabengebiets leicht(er) zu ertragen. Dass es dort Jahr für Jahr schlimmer wird, das höre ich immer wieder. Ich hatte es um ganze "fünf Jahre besser"! Weil Du den oberflächlichen Umgang unter den RCI-Mitarbeitern bemängelt hast, muss ich sagen, dass ich das so nicht empfunden habe. Kann mir aber vorstellen, dass das durch die hohe Fluktuation bei RCI immer schlimmer wird. Bei mir war es zum Schluss dann auch schon so, dass ich mich um Neuankömmlinge nicht mehr viel gekümmert habe. Selbst sind mir in der Zeit auch viele gute Freundschaften weg gebrochen, aber auch neue hinzugekommen. Daher kann ich mir schon vorstellen, dass der ständige Wechsel der Stimmung dort auf lange Sicht nicht gut tut. Über die Firma RCI und die Branche in der sie verankert ist, soll sich jeder seine eigene Meinung bilden. Als positiv habe ich das Relocation Package von RCI empfunden. Ein Monat Bed & Breakfast und Hin- und Rückflug wurden bezahlt und der Lohn war immer pünktlich auf dem Konto. Das macht den Start schon leichter. Über die Arbeit und das Produkt selbst, sollten sich jene, die sich bei RCI bewerben, vorher Gedanken machen. Ohne Irland oder gar RCI auf ein Podest zu heben, muss ich doch sagen, dass es woanders oft auch nicht besser ist.
Ich ging nach dem Jahr in Irland nach Holland, ein Land, von dem ich mir viel erwartet hatte, wo ich aber, bis auf meine Freundin, die ich dort kennen gelernt habe, fast nur mit Schwierigkeiten zu tun hatte. Natürlich musste ich auch dort im Callcentre arbeiten, zu schlechteren Konditionen als bei RCI allerdings, so dass ich es schnell bereute, Irland verlassen zu haben. Ich habe ja auch in Deinem Forum jemanden über Holland klagen gelesen, was ich nachvollziehen kann. Die Niederlande sind sicher ein interessantes Land, aber dort ist auch nicht alles so super, locker und liberal wie man das oft glaubt. Außerdem soll man die Wohnungsnot, Wohnungspreise und die Bürokratie dort nicht unterschätzen.
In diesem Land kann man schnell im Callcentre einen Job finden, ohne Niederländisch zu sprechen. Wer aber einen 'normalen' Job haben will, hat die Sprache gut zu beherrschen, wie in jedem anderen Land ja auch. Kurz gesagt: Nicht blindlings in dieses Land laufen, ihr könntet es bereuen! Was ich oft nicht verstehe, ist, dass sich die Deutschen in ihrem Land oft überhaupt nicht mehr wohl fühlen. Zumindest lese und höre ich das immer wieder. Ich selbst komme aus Österreich, habe allerdings in Irland und Holland viele Deutsche kennen gelernt. Meistens sehr nette Leute. Deutschland selbst mag ich auch sehr gern, was nicht jeder Österreicher von sich behauptet. Daher kann ich auch den Unmut und dieses dauernde sich selbst zu Tode jammernde Land nicht ganz verstehen. Sicher, eine so hohe Arbeitslosigkeit schlägt sich bestimmt aufs nationale Gemüt. Aber gut, ich habe dort noch nicht gelebt, und kann es daher auch nicht beurteilen. Soweit mal kurz meine Gedanken zu dem Thema, mit dem sich Deine Homepage beschäftigt. Ich hoffe es geht Dir gut, und dass Du bald wieder eine neue Herausforderung findest, sei es in Deutschland oder in einem anderen schönen Land. Würde mich freuen, mal von Dir zu lesen. Und weiter so mit deiner Homepage, eine sehr gute Idee! Beste Grüße aus Wien. Stefan


Elke
aus Schottland

Ich habe im Sommer 2002 bei der großen Computerfirma mit den drei großen weißen Buchstaben in Schottland angefangen. Im Service Centre war das Call-Volumen schon recht hoch, wobei ich das "Glück" hatte, nach kurzer Zeit für die Datenbankpflege zuständig zu sein, d.h. ich war für eine Weile von Anrufen befreit und so hielt sich das Call-Volumen mit so ca. 150/160 Anrufen/Tag eigentlich noch in Grenzen. Nach einem 3/4 Jahr bin ich in ein anderes Team gewechselt, wo wir mit wenigen Inbound- und Outbound-Calls, dafür mehr administrativen Sachen beschäftigt waren – das hat auch soweit Spaß gemacht. Nachteil bei dieser Firma ist und bleibt aber die Bezahlung – von den 'Benefits' (welche Benefits?) will ich gar nicht reden. Deswegen bin ich Anfang 2004 in ein anderes Callcentre gewechselt, wo neben den deutschsprachigen Regionen auch Anrufe aus UK/Irland bearbeitet werden. Das Call-Volumen hier ist locker und beläuft sich im Normalfall an "stressigen" Tagen auf 60 – am Wochenende mit Minimalbesetzung natürlich entschieden mehr, aber immer noch in erträglichem Rahmen. Momentan haben wir einen kleinen Personalengpaß, was a.) die Anrufzahl erhöht aber b.) hoffentlich nur vorübergehend ist. Und mit 16.000 Pfund Jahresgehalt + diverse Benefits kann ich mich über die Leistungen auch nicht beschweren. Das ständig (kurzfristig) neue Regelungen eingeführt werden, scheint wohl überall die Regel zu sein – und ist ja auch in Ordnung, wenn man rechtzeitig darüber informiert wird (bzw. würde). Was allerdings bei solchen Sachen wirklich nervt sind die Ausnahmen von der Regel, die in den meisten Fällen erst erwähnt werden, wenn’s schon zu spät ist. Für diejenigen, die Abenteuerlust packt und denken, dass das ein supertoller Weg ist, für eine Weile ins Ausland zu gehen, dem sei gesagt: Unterschätzt das Ganze mal nicht! Es ist ein stressiger Job, in der Regel schlecht bezahlt bei hohen Lebenshaltungskosen und man ist eher eine Nummer als ein Mensch. Das Gehirn wird nicht nennenswert strapaziert (könnt ihr morgens getrost zu Hause im Bett lassen und nach der Arbeit wieder abholen), die Nerven unter Umständen um so mehr. Kunden motzen Euch an – weil sie sonst niemanden erreichen. Also nichts für zart-besaitete. Ein Callcentre-Job ist nichts für Leute, die die Karriereleiter empor klettern wollen. Wenn der Job allerdings nur dazu dienen soll, Rechnungen zu bezahlen, man nach der Schicht die Arbeit Arbeit sein lassen kann und man sich die Freizeit angenehm verplant, ist es auf jeden Fall einen Versuch wert. Ich jedenfalls habe den Schritt auf diese Weise noch nicht bereut (liegt vielleicht aber auch an meinem 'Ochsengemüt'). Liebe Grüße, Elke


Anna
aus IRL-Cork

Hallo Michael, habe die Seite jetzt per Zufall entdeckt! Na sowas, du hast hier in Cork auf der gleichen Strasse gewohnt; ja, und auch bei dieser Hölle in Apple geschuftet. Dort habe ich vor einer Woche aufgehört. Freiwillig, wie so viele andere vor mir. Es ist jetzt noch schlimmer als was du beschreibst. Die ständigen Schikanen waren wir alle satt. Einen Tag bevor ich gegangen bin ist eine Kollegin ausgerastet, wäre beinahe physisch auf den Manager losgegangen, diese Witzfigur hatte Angst von einem jungen Mädel, musste sich zwei andere Manager holen. Tja, wenn die die Menschen wie Dreck behandeln, sollten die sich auch nicht so sicher fühlen. Irgendiwe wissen die doch selbst, dass der Druck unmenschlich ist. Bin immer noch traumatisiert glaube ich, habe dort sechs Monate lang ausgehalten. Liebe Grüsse! Anna


Wolfram
aus USA-Miami

Hallo! Ich habe auch von 2003 bis 2004 bei Apple gearbeitet; war aber ganz ok. Muss sagen, die waren da immer ganz fair - bis auf die Valerie, aber die kann mich mal! Sonst war Cork sehr schön und es ging schon gut was ab; aber ich würde auch nie mein ganzes Leben lang in einem Callcentre arbeiten wolle. Wenn man jung ist, ist das aber super. Bin jetzt in Miami und dort als Webadmin tätig. Wolfram


Martin Straka
z. Zt. IRL-Dublin

Hallo Michael, da ich nach Dublin gegangen bin, um dort im Callcentre anzufangen, habe ich mich mal bei Google ein wenig umgesehen und bin schließlich auf Deine Homepage gestoßen. Wahrscheinlich war es nicht die beste Idee, einen Tag vor Arbeitsbeginn Deine Erfahrungen zu lesen. Nun, ich werde mich auf meinen Job dort nicht weiter einlassen und unmittelbar kündigen. Vielleicht habe ich mehr Glück in einer anderen Branche, ansonsten gehe ich zurück nach Deutschland. Was ich mich schon beim ersten Mal Lesen Deines Berichts gefragt habe: Wieso bringst Du eine Erfahrungsberichte nicht in Buchform raus? Wenn man bedenkt, wieviele Menschen bei diesen Callcentres durchgezogen werden, dann gibt es zumindest eine nicht unerhebliche Zielgruppe, die an diesen Erfahrungsberichten und Gedanken zur "modernen Fließarbeit" Interesse haben könnte. Herzliche Grüße, Martin


Andy
aus Irland

Hallo Micheal, die Berichte über Callcenter sind schon irgendwie korrekt, aber ich denke es sollte dabei erwähnt werden, dass es sich um ungelernte und unerfahrene Kräfte handelt - wer ein abgeschlossenes Studium und ordentliche Berufserfahrung hat, der kann auch einen besseren Job und bessere Bezahlung bekommen. So gesehen ist dein Irland-Arbeits-Bericht leider recht einseitig. Ich bin Diplom-Wirtschaftsinformatiker und arbeite ebenfalls in Irland und bin sehr zufrieden damit! Gruss Andy


Alice
aus Deutschland

Deine Website ist mit einem Wort - toll! Mit mehreren: Informativ, vielseitig, riesig und ehrlich! Ich habe noch nicht alles gelesen, aber Deine Berichte über Irland sind einmalig gut. Genauso habe ich es empfunden, als ich dort gearbeitet habe - bisher dreimal (Im Urlaub hingegen ist es durchaus angenehm). Vor dem Boom arbeitete ich in einem Hotel - ganz schrecklich. Das Chaos, aber angeblich lief alles perfekt. Und die böse Deutsche nahm einen Arbeitsplatz weg. Beim letzten Aufenthalt arbeitete ich zwar in Firmen, die hauptsächlich Callcentre waren, alledings in der Finanzabteilung. Aber die Bezahlung und die Aufstiegsmöglichkeiten waren nicht toll. Außerhalb Dublins hatte ich aber sehr angenehme und fleissige irische Arbeitskollegen, auch ältere. In Dublin mit den jungen, partymachenden und nicht sehr veranwortungsbewussten Leuten war es oft nicht gut auszuhalten, wobei da manche Deutsche prima mitgemischt haben. Es liegt auch oft am Alter und ob man das Geld braucht. Deine Berichte brachten manche schlimme Erinnerung wieder hoch und erinnerten an viel Heimweh. Im Urlaub fahre ich wieder hin, aufs Land und mit Familie, denn Irland ist sehr schön, wie Du weisst. Ohne die paar Freunde, die "echt" waren, hätte ich es damals nicht geschafft. Wünsche Dir alles Gute auf Deinen nächsten Unternehmungen! Alice


Uwe
aus Berlin

Deine Callcentre-Erfahrungen sind der Hammer, und auch was andere dazu schreiben. Genauso habe ich auch vieles erlebt. Ich war bei IBM in Ballycolin, Dublin 15. Habe es geschafft bei einem Distributor in Berlin unterzukommen. Falls Du noch in irgendeinem Callcenter abhängst, rufe mich mal an, dann kannste schön Outbound machen.


Andre
aus IRL-Dublin (2. Beitrag)

Da ich bereits 2 Jahre in Dublin zubringe, kann ich vieles in Deinem Fazit (http://www.mkschubert.de/eire/job5.html) nachvollziehen und auch manchem zustimmen, möchte aber doch eine kurze Gegenmeinung formulieren:
1. Cork ist für mich, obwohl ich dort nur einige Tage war, ebenfalls eine Stadt, in der ich auf keinen Fall arbeiten würde. Wer in Irland neben schöner Landschaft und Saufgelagen auch noch etwas Kultur geniessen will, kommt sicherlich wenn überhaupt nur in Dublin auf seine Kosten. Hier konzentriert sich offensichtlich das gesamte Kulturleben Irlands mit einer Vielzahl an Theatern, Konzerten, Programmkinos, Sporteinrichtungen etc. Dublin ist einfach Hauptstadt und um ein vielfaches grösser als Cork, Galway oder Limerick (daher natürlich noch viel mehr Saufgelage!). Trotzdem hinkt Dubin in manchen Dingen immer noch so mancher kleinen deutschen Stadt in Sachen Freizeitmöglichkeiten hinterher.
2.Klassische Callcenterarbeit ist sicherlich die moderne Form der Fließbandarbeit und wird auch entsprechend meist nur knapp über staatlichem Mindestlohn (derzeit knapp € 15.500 p.a. oder € 7,65/h) entlohnt. Wer in Irland weniger als € 20.000 verdient, sollte sich keine Illusionen machen: Das Preisniveau lässt trotz geringer Besteuerung nur einen sehr minimalistischen Lebensstil zu. Mit gleichem Lohn lebt es sich in machen Teilen Deutschlands sicherlich besser! Das durschnittliche Industriegehalt in Irland liegt derzeit übrigens bei ca. € 30.000, im öffentlichen Dienst sogar bei € 40.000! Wer mit entsprechender Qualifikation einen der besser bezahlten Jobs in Irland findet, wird die Insel vielleicht anders wahrnehmen.
3. Die Dunkelheit im Winter ist in der Tat frustrierend, allerdings liegt Cork auf der geographischen Breite des Ruhrgebiet. Die Dunkelhait unterscheidet sich daher nicht wesentlich von der in Deutschland.
4. Der kleine Irlandtest (http://www.mkschubert.de/eire/test.html) ist übrigens sehr witzig und kann zudem Leuten, die herkommen wollen, durchaus als Hilfe dienen. Man kann allerdings auch ohne Alkohl und Drogen ansatzweise glücklich sein.


Bärbel Nowacki
aus Tönisvorst

Ich habe selbst als Callcentre-Agent gearbeitet. Nach langer Arbeitslosigkeit habe ich mich mit einer 'Ich-AG' selbständig gemacht. Das war am 1. November 2003 - nun nach fast zwei Jahren werde ich die 'Ich-AG' wieder beenden, da ich keine Kunden finde. Ich habe mich auf Terminierungen und Service-Calls spezialisiert. Der Job macht mir Spass, aber ich werde in diesem Job nicht wieder arbeiten können, da es in meinem Umkreis keine Tätigkeiten gibt.


Daniel I.
aus dem Odenwald

Unsere Firma ist ein Dienstleister zwischen Leuten, die eine Übernachtungsmöglichkeit suchen und Hotels, die sich für diese Menschen auf unserer Homepage präsentieren. Ich arbeite teilweise auch im Callcentre bei uns und verkaufe (oder probiere es zumindest) eben diese Hotelpräsentationen an Hotels zu bringen, allerdings ohne eine Quote im Nacken zu haben - Gott sei Dank. Die Reaktionen der Hoteliers können unterschiedlicher nicht sein, manch einer lehnt strikt ab, der nächste wird aggressiv, der andere hört dir zu und der nächste hat zu dem Zeitpunkt keine Zeit, an dem du anrufst. Es ist Gott sei Dank eine kleine Firma und der Chef ist ein sehr bodenständiger Mann, der sehr genau weiss, was er will; unsere Fluktuation ist zwar auch ziemlich hoch -von fünf Neuen gehen nach kurzer Zeit wieder drei (wegen Nichtbestehens der Probezeit)- aber der Druck "scheint" geringer zu sein. Auch werden gute "Callcentre Agents" nicht so gedeichselt, dass sie immer mehr und mehr leisten müssen. Dennoch denke ich, dass ich Arbeit im Callcentre echt nur kurze Zeit machen könnte, weil die Tätigkeit doch sehr eintönig ist und ich ausserdem nicht der Mensch bin, der jeden Tag über die Maßen kommunikativ ist. Wenn man eine Gewerkschaft für diese Art der Berufe bilden könnte, die genau die Arbeits-, Lohn-, und Urlaubsbedingungen festlegt, würde sich vieles verbessern und die Wertigkeit der Callcentres sicher erhöhen.


Björn
aus Kassel

Ich arbeite seit 2001 in einem Callcentre in Kassel. Es handelt sich hierbei um den First-Level-Support für Kabelfernsehen für ganz Hessen. Will sagen ich arbeite in der Störungsannahme und berate Kunden was man machen kann wenn Probleme auftauchen, und sollte es sich als Störung rausstellen (zeigt dann irgendwann die Intuition), disponiere ich Techniker. Zwischendurch habe ich auch in diversen anderen Abteilungen gearbeitet. Ich habe immer mit Kunden am Telefon zu tun gehabt. Derzeit arbeite ich mit Festvertrag in einem Büro wo im Höchstfall acht Leute aufeinanderhocken. Nur spärlich gegen den Lärm der anderen geschützt, wird es ganz schön stressig teilweise. Ich bearbeite an guten Tagen ca. 100 Kunden und an schlechten bis zu 400 Kunden in einer Schicht (trifft nur bei Massenstörungen zu!). Aufstiegschancen sind gleich Null bei uns. Jetzt im Moment scheint es so als ob die Firma sich eventuell verkleinern will. Aufgrund der derzeitigen Arbeitsmarktlage in Deutschland überlege ich, ob es sich vielleicht lohnt nach Irland, Grossbritannien oder wohin auch immer zu gehen, um dort zu arbeiten. Im Moment verdiene ich zwischen 2.000 - 2.500 € netto im Durchschnitt und frage mich natürlich, wie denn so die Einstiegsgehälter sind.


Dagmar
aus den Niederlanden

Hier in den Niederlanden ist es EXAKT dasselbe! Wirklich, meine Erfahrungen decken sich bis ins kleinste Detail mit den von dir beschriebenen. Der Unterschied hier ist, das es viele hochqualifiezierte junge Leute gibt, die das Callcentre nur als Sprungbrett benutzen. Die arbeiten dort ein Jahr, bis sie wissen wie hier alles funktioniert. Dann kehren viele entweder zurück nach Hause, fangen hier an zu studieren oder suchen sich einen Job im erlernten Beruf/Studienabschluss. Schon ganz interessant, das diese Callcentre-Branche überall auf dieselbe Weise arbeitet. Die wollen einfach flexibel bleiben und sich nicht an langjährige Mitarbeiter binden. Wenn die Geschäfte mal schlechter laufen, dann wird man die ja nicht wieder los. Jedenfalls hier in Holland. Jemanden kündigen geht hier auch nicht so einfach, da muss man dann halt schauen, dass die Leute von selbst gehen. Ausserdem ist es für die Firmen billiger Mitarbeiter im Höchsttempo einen Monat einzuarbeiten und den dann ein Jahr zu Niedriglöhnen arbeiten zu lassen. Die Firma hat so nie Angestellte, die jedes Jahr eine Lohnerhöhung wollen.


Saskia
aus GB-Belfast (Nordirland)

Seit ich im Januar 2004 nach Belfast (Nordirland) gezogen bin, arbeite ich nun schon im 2. Callcentre im Kodak Service & Support Team/Technical Support. Bin hier nach Belfast wegen meinem Freund gezogen, der aus Nordirland kommt. Die Arbeit im Callcentre ist manchmal echt anödend und langweilig und man wird nicht gefordert. Aber dann macht man einfach etwas nach der Arbeit, was den Geist mehr fördert! So helfe ich mir immer über die 8 1/2 Stunden, die ich hier arbeite nach dem Motto "Nach der Arbeit mach' ich das und das". Wir bekommen übrigens hier im Callcentre keine Gehaltserhöhungen. Bleibt immer auf 14.000 £ pro Jahr. Das sind 430 £ nach Steuern alle zwei Wochen. Allerdings kann man sich nach geraumer Zeit für eine gehobenere Position bewerben (z. B. Team Leader etc.), was auch nicht schlecht ist!


Bernard
aus Remshalden

Bereits vor sieben Jahren habe ich bei einem dieser grässlichen Callcentres eines ehemaligen PC-Herstellers im Norden Dublins gearbeitet. Bei dem habe ich es immerhin fast ein ganzes Jahr lang ausgehalten und wollte anschliessend gar nichts mehr davon wissen, am Telefon zu arbeiten. Seit zwei Jahren versuche ich jedoch wieder, an einem Callcentre in Irland in einer Position zu arbeiten, in der ich meine bisherige Berufserfahrung in der Administration von Netzwerken einbringen kann. Ich hatte in dieser Zeit mehrere Interviews, sowohl telefonisch wie auch vor Ort. Aus Gründen, die mir verborgen bleiben oder die ich nicht nachvollziehen kann (z. B. 'they felt your communication skills were not strong enough' wenn ich im Bewerbungsgespräch bei einer Frage das, was ich denen sagen wolte, nicht korrekt übersetzen konnte), erfolgte jedoch keine Einstellung.
Auch mit den Bewerbungsverfahren selbst habe ich zum Teil sehr schlechte Erfahrungen gemacht. So wurde ich z. B. bei einem telefonischen Interview eines PC-Herstellers im Südwesten Irlands nach einer Liste meiner Kunden gefragt. Sicher, ich glaube denen, dass die gerne eine Liste meiner Kunden hätten - ich hätte auch gerne eine Liste von denen ihren Kunden. Ich habe denen einen Kunden als Referenz angegeben und dann nie wieder etwas von denen gehört.
Bei einem anderen PC-Hersteller, der mehrere Niederlassungen in Dublin und im Landesinnern betreibt, hatte ich für den Flug zum Interview selbst aufzukommen - nur um dann dort gesagt zu bekommen, nächste Woche doch bitteschön nochmals zu erscheinen. Darauf habe ich lieber verzichtet. Da ist das Verfahren eines anderen PC-Herstellers aus Dublin, über vier Wochen lang ständig den Termin für das Vorstellnugsgespräch innerhalb von 2-3 Tagen anzukündigen, ebenso kurzfristig wieder abzusagen und einen neuen Termin anzukündigen usw. bis zuletzt der Einstellungstermin innerhalb von 14 Tagen angekündigt wurde und dann ebenso kurzfristig entschieden wurde, mich doch nicht einzustellen, eher als lästig zu beurteilen.
Auch die Bürokratie macher Callcentre in Irland scheint merkwürdige Blüten zu treiben - da habe ich ein Bewerbungsschreiben an ein Callcentre in Belfast (Nordirland) gerichtet und dann bekomme ich Post von deren Recruitment-Officer mit einer Telefonnummer des Monitoring Officers, den ich anrufen sollte, um mir von dem die Bewerbungsformulare schicken zu lassen. Da war jedesmal, wenn ich anrief entweder besetzt, der Anrufbeantworter sprang an oder es nahm niemand ab. Ein auf dem Anrufbeantworter erbetener Rückruf erfolgte auch nicht.
Ich sehe es auch nicht ein, für den Vertrag eines Telekommunikationsanbieters auf freiberuflicher Basis von drei Monaten die Kosten für den Flug zum Vorstellungsgespräch selbst zu tragen, 1.000 Einstellungsformulare für dieses Unternehmen auszufüllen, in Irland für diese drei Monate eine Limited zu gründen um dann nach drei Monaten wieder aus Irland verschwinden zu müssen.
Ich sehe es ebenfalls nicht ein, beruflich wieder von vorn anzufangen und von einer dieser kleinen "Schanghai"-Agenturen, die gutbezahlte Tätigkeiten für Profis ausschreiben und den Bewerbern dann nur Tätigkeiten für Berufsanfänger anbieten, auf den Leim zu gehen, oder sinnlos Geld für Flüge zu Vorstellungsgespräche auszugeben, bei denen man dann doch nicht eingestellt wird.
Muss man denn, wenn man bei einem Callcentre in Irland arbeiten will, ungeachtet seiner Berufserfahrung wieder als Berufsanfänger arbeiten?
Ich verstehe das nicht, denn ich denke, dass die Arbeit in einem Callcentre nicht grundsätzlich schlecht ist. Eigentlich sollte man nanehmen, dass es auch Bedarf an qualifizierten und berufserfahrenen Mitarbeitern für Arbeitsplätze am Telefon gibt. Ich bin auch mit den meisten der grossen Arbeitsvermittler in Irland sehr zufrieden und ich sehe, dass sich deren Agenten um die Bewerber bemühen und sich auch selbst über unqualifizierte Bewerbungsverfahren ärgern.
Ich würde gerne wieder nach Irland gehen, um dort zu bleiben und in einem Callcentre in einer Anstellung arbeiten, in der ich meine Berufserfahrung einbringen kann - leider sehe ich für mich jedoch keine Möglichkeit dazu. Ich weiss auch nicht, ob diese Möglichkeit grundsätzlich besteht - so wie sich die Arbeitgeber in Irland bei ihren Einstellungsverfahren verhalten, habe ich eher den Eindruck, die bekommen zu viele Bewerbungen und wollen potentielle Bewerber abschrecken.
Als Nachtrag noch einen Kommentar zur Bewerberauswahl eines Herstellers von Softwarelösungen zu Sicherheitsfragen aus dem Chiltern Valley bei London, ebenfalls ein US-amerikanisches Unternehmen - denen war ich im technischen Interview zu gut. Die haben als Begründung meine Bewerbung abzulehnen, angegeben, ich hätte die Fragen im technischen Interview zu detailliert(!) beantwortet. Also, sowas habe ich bisher noch nie erlebt - und dabei wäre das eine Stelle im Enterprise Support gewesen (wie gehen die mit ihren Geschäftskunden um?). Ich habe mich über diese Begründung in aller Form beschwert - ich denke jedoch nicht, dass das etwas bewirkt.


Sören
aus IRL-Dublin

Also ich kann die Erfahrungen absolut nicht teilen, da ich in keinem reinen Callcentre arbeite. Also mein Job ist bei UPS im Billing, d. h. deutsche Kunden rufen an und wollen ihre Rechnungsprobleme gelöst haben. Das Ziel ist es, dieses gleich am Telefon zu erledigen (FCR = First Call Resolution), dazu sind die meisten Kollegen max 4,5 h/Tag eingeloggt und in dieser Zeit ist es »ähnlich« wie in einem Callcentre, da jeder, der meint ein Problem zu haben, mal eben durchruft - egal ob die Reklamation nun berechtigt ist oder nicht. In der Restzeit müssen die Anfragen bearbeitet werden, die am Telefon aufgenommen wurden. Es gibt dann noch diverse Admin-Tätigkeiten, was ich z. B. gerade mache. Da bin ich gar nicht am Telefon, sondern rufe nur Kunden zurück, um ihnen etwas mitzuteilen. Das mache ich seit über einem Jahr und werde das auch so bald nicht ändern, denn eine ruhigere Stelle gibt es gerade nicht. Es ist ein Riesenunterschied, ob Kunden anrufen oder man selbst derjenige ist, der anruft. Dabei ist nicht zu vergessen, dass ich keine Art von klassischem Outbound mache (also Kunden zu irgendetwas überreden muss), nein, ich sage nur, wie eine Prüfung von Reklamationen ausgefallen ist und sie müssen das dann so hinnehmen - Spielraum gibt es da keinen. Das Ziel ist der Weg, wie erkläre ich es dem Kunden so, dass er es akzeptiert, dass er nun doch keine Gutschrift bekommt. Das ist meistens recht einfach zu meistern, aber es gibt immer ein paar, die das nicht akzeptieren wollen und streiten dann ewig rum. Dieses ist aber eher die Ausnahme. Ich fange um 7.00 Uhr mit der Arbeit an und höre um 15.45 Uhr auf. Dazwischen gibt es 45 Minuten Mittagspause (unbezahlt) und 2 x 15 Minuten Pausen (bezahlt). Die Bezahlung ist auch o.k. (für ostdeutsche Verhältnisse weit über dem Durchschnitt und da ich aus Leipzig komme, nehme ich das als Maßstab) - was will man mehr.
Auch was die Lebenshaltungskosten angeht, kommt man gut über die Runden, wenn man auf kostenintensive Pubbesuche verzichtet und sich z. B. sein Bier im »Off Licence« holt. Meine Ausgaben belaufen sich im Monat auf etwa 600 Euro und da bleibt genug übrig. Wer also nichts am Monatsende hat, kann nicht mit Geld umgehen (meine Meinung). Zusammenwohnen mit anderen ist auch kein Problem, ich teile mir seit nunmehr 2,5 Jahren ein Haus, zuerst mit Iren (da war es nicht so toll) aber dann Umzug nach einem Jahr in der gleichen Gegend und dort kann ich nur von sehr guten Erfahrungen berichten, vielleicht liegts auch daran, dass ich nur mit zwei Deutschen zusammen wohne - aber auch mein Bekannter/Freund aus dem 1. Haus, wo ich wohnte, ist umgänglich und wir treffen uns immer noch jede Woche zum Squash - oder wenn er irgendwelche Besorgungen machen will, wo er meinen Rat braucht. Mit allen anderen aus dem 1. Haus habe ich keinen Kontakt mehr, obwohl ich bin in der gleichen Gegend geblieben bin, alle drei Häuser liegen nur je fünf Minuten Fußweg auseinander - aber es trennen sie Welten! Gruß, Sören


Claudia
aus GB-Manchester

Einen Job im Callcentre kann man nicht auf Dauer machen und Aufstiegschancen sind relativ gering, egal ob in Deutschland, Irland oder auch England. Oft gibt es bei Callcentres wenig Alternativjobs und diese sind dann hart umkämpft wenn diese dann mal intern ausgeschrieben werden. Es kommt auch immer ein wenig darauf an, ob dort, wo das Callcentre sitzt, vielleicht auch noch andere Abteilungen sind. In England hatte ich Glück und war nach nur 4 Monaten eine der Teamleaderinnen mit ein wenig mehr Verantwortung und anderen Aufgaben, d. h. nicht nur telefonieren. In Deutschland habe ich keine Chance gehabt in einen anderen Bereich oder andere Position zu wechseln. Wenn in anderen Bereichen (z. B. Vertriebsinnendienst) mal etwas ausgeschrieben war, haben sich ziemlich viele darauf beworben und trotz meiner Erfahrung im Vertrieb (inzwischen arbeite ich im Vertriebsinnendienst einer anderen Firma) hatte ich keine Chance.
Bei Callcentres kann es riesige Unterschiede geben, das kann die Arbeit selber, die Arbeitsbedingungen, Bezahlung etc. sein. Ist es Inbound oder Outbound, Kundenbetreuung/Support oder Verkauf … In England habe ich in einer Bestellannahme gearbeitet und dort sollten die Anrufe relativ kurz gehalten werden und man sollte auch eine gewisse Anzahl von Anrufen schaffen. Grundsätzlich muß man aber sagen, dass es in diesem Callcentre recht relaxed zuging. In Deutschland habe ich in einer Kundenbetreuung gearbeitet wo die Gespräche auch mal länger sein konnten, aber Druck gab es auch da. Mal mit Kollegen ein Schwätzchen halten war eigentlich nicht wirklich drin.
Was ich jetzt in diversen Foren gelesen habe bzw. von Bekannten gehört habe, scheint es in Irland nicht so einfach zu sein, einen Job außerhalb eines Callcentres zu finden, vor allem wenn man noch keine Arbeitserfahrung in Irland selber vorweisen kann. Mein Tipp wäre, es in England zu versuchen. Vor allem in und um London gibt es für Leute mit Fremdsprachenkenntnissen Jobs, die nicht im Callcentre sind. Oft ist in England das Callcentre zwar auch der Einstieg, aber viele finden danach ihre Jobs in anderen Bereichen. Mein erster Job in England war auch im Callcentre, aber nach einem Jahr hatte ich einen interessanten Job im Vertriebsinnendienst gefunden. Viele meiner ehemaligen Kollegen sind nach 1-2 Jahren in andere Jobs gewechselt, die nichts mehr mit Callcentres zu tun hatten.


Jörg

Ich kenne ein paar Callcentre in Deutschland, welche im Bereich »Assistance Dienstleistungen« tätig sind. Die Fluktuation der Mitarbeiter war und ist unglaublich hoch. Ich führe das auf die Verbindung Schichtdienste + relativ schlechte Bezahlung zurück. Dass die Ausbildung der Telefonisten, welche ja jetzt »Callcentre Agents« heissen, meist auch nur sehr oberflächlich ist, sei nur mal am Rande bemerkt.
Hier in Grossbritannien kenne ich auch 2-3 Unternehmen in diesem Bereich. Das hier ist dann die Steigerungsform. Hier kann man anrufen wo man will, egal ob Versicherung, Bank oder Behörde(!). Man landet grundsätzlich in irgendeinem Callcentre mit Leuten, die einem fast durch die Bank nur den Eindruck vermitteln, dass sie überhaupt nicht wissen, was sie tun. Die eindeutige Spitzenposition an Inkompetenz, welche ich je erlebt habe, ist das »Immigration Office« in Croydon das für alle Ausländerangelegenheiten auf dieser Insel zuständig ist und die logischerweise auch ein Callcentre -wo auch immer- haben.
Was mir zudem aufgefallen ist: In Deutschland haben die Callcentre wenigstens ordentliche Arbeitsplätze mit etwas Lärmschutz an ihren Hühnerstallarbeitsplätzen. Da es an entsprechenden Vorschriften hier mangelt, glaubt man beim Betreten eines Callcentres meist in ein Irrenhaus zu kommen. Da sitzen 3-4 Leute rund um einen ganz normalen Schreibtisch rum, auf dem gerade mal die Bildschirme ihrer PC's drauf passen und das sinnigerweise mit einem Lärmpegel, dass ich mich nur wundere, dass die auch nur irgendetwas verstehen. Habe solche Büros mit vielleicht 30 qm gesehen wo bis zu 10 Leute gearbeitet haben.
Die diesbezügliche Situation in Irland kenne ich nicht persönlich. Würde mich aber wundern, wenn es dort soviel besser wäre als in Grossbritannien. Wie gesagt, meine persönlichen Erfahrungen in Callcentres beziehen sich ausschliesslich auf »Assistance«-Betriebe im Rahmen irgendwelcher Versicherungsleistungen, also kein Vertrieb oder ähnliches.
Als ich nach ein paar Jahren beruflicher Pause mit über 40 den Wiedereinstieg ins Berufsleben vor mir hatte, habe ich mich seinerzeit auch in einem Callcentre beworben. Bin dann sogar von so einer Firma genommen worden. Glücklicherweise kann ich heute behaupten: Nicht als »Callcentre Agent«.
Vielleicht ist das bei UPS alles ganz anders. Immerhin scheinen die relativ gut organisiert zu sein. Und vielleicht hat man bei UPS damit sogar weitere Aufstiegsmöglichkeiten. Von dieser Branche weiss ich einfach nicht genug. Dass Auslandserfahrung immer hilfreich sei, das denke ich jedoch auch. Dazu in Irland wo einerseits zwar englisch gesprochen, aber europäisch gedacht wird, ganz besonders. Wenn diese Insel nur ein bisschen grösser wäre und ich meinen Job auch dort machen könnte, dann wäre ich lieber heute als morgen dort ansässig. Aber so ist es nunmal nicht und so muss ich meine Tätigkeiten in Irland immer auf ein paar ganz wenige Arbeitsbesuche pro Jahr konzentrieren. Man kann ja schliesslich nicht alles haben.


David Semet
aus der Nähe von Stuttgart

Zuerst mal muß ich sagen dass Deine Seite echt interessant ist - vor allem Dein Erfahrungsbericht über das Arbeiten im Callcenter. Ich selbst bin jetzt 24 und leider gerade arbeitslos, deshalb habe ich mich auch auf eine Stelle in Dublin beworben, und wurde auch heute Mittag deshalb angerufen. An sich hat sich die Sache ja echt gut angehört, aber nachdem ich jetzt Deinen Erfahrungsbericht gelesen habe, komme ich ein bisschen ins Zweifeln. Beworben habe ich mich bei UPS in Dublin, und der Typ, der mich heute angerufen hat, hat halt auch von Telefonarbeit gesprochen - und auch wie es bei Dir war - mit einer vorherigen 4-wöchigen Schulung. Jetzt wollte ich Dich mal Fragen wie denn Dein endgültiges Fazit ist - war es aus Deiner Sicht eine gute Wahl nach Irland zu gehen, oder bereust Du es eher? Und falls Du irgend was (von Kollegen oder so) über UPS in Dublin gehört hast würde ich mich echt freuen falls Du mir Bescheid sagen kannst! Ich werde am 9.3. mein Vorstellungsgespräch in Deutschland haben, und will halt nicht "auf die Fresse fliegen", deshalb versuche ich an so viele Infos wie möglich zu gelangen. Bis dahin danke für den gut geschriebenen Erfahrungsbericht und hoffentlich bis bald. Grüßle aus der Nähe von Stuttgart, David Semet


Walter Steinberg
aus Möttau/Taunus

Im Ausland zu leben und zu arbeiten ist sehr interessant, aber den Callcenter Job, den sollte man nur als Einstieg wählen.


Bettina
aus IRL-Cork

Hallo, hier is Bettina, ja von "Apple" - so findet man einen Ex-Kollegen ist ja super. Ich habe mir deine Webseite angeschaut und muss sagen, ich könnte nie mehr in einem Callcentre arbeiten und du hast es dreimal versucht und es hat leider nie geklappt. Ich hoffe, du hast nun was besseres gefunden. Ich gebe Irland Ende März auf. Ich kann hier nicht wohnen, da ich keine Lust mehr zum "sharen" habe und das Leben ist hier einfach zu teuer, ich arbeite Vollzeit und muss die Wohnung mit wem teilen und habe trotzdem keinen Euro über am Ende des Monats.
Ich hasse Callcentres und würde nie mehr in einem arbeiten. Ich hatte es ja in Deutschland schon mal in einem Callcentre versucht, aber es war Horror für mich und bei "Apple" dachte ich, ist es ein bisschen anders, den Leuten helfen etc., aber es ist halt auch ein richtiges Callcentre, leider. Wie du schon sagst, der Druck und das Arbeitsklima, mit so vielen Menschen in einem Raum etc., das macht es einfach unerträglich. Sebastian ist der einzige den ich mal im Bus getroffen habe ein paar Mal, er ist schnell zum "T2" aufgestiegen und hatte sich dann als Teamleader beworben, was er sicher auch bekommen hat, aber ich habe ihn danach nicht mehr gesehen, weiss es also leider nicht, ob es geklappt hat für ihn. Ihm scheint es da wohl zu gefallen, aber er hat sich, meiner Meinung, auch negativ verändert seitdem er da ist (im Vergleich wie er in der Schulung war). Leider habe ich mit sonst keinem mehr Kontakt und weiss nicht wer dort noch geblieben ist, aber ich glaube so gut wie niemand mehr. Wer arbeitet schon lange in Callcentres?
In der Schulung waren wir doch alle gut, war doch einfach alles und mehr Spiel als lernen.
Nun bin ich bei Anwälten und das gefällt mir sehr gut. Leider ist das nur befristet und deswegen gehe ich, weil ich es in dem Jahr finanziell einfach nicht geschafft habe weiter zu kommen oder zumindest eine eigene Wohnung bezahlen zu können und das "House Sharen" ist einfach nichts auf Dauer für mich. Ich werde sehen wo ich in England einen Job bekomme und da bleibe ich, ich versuche aber London oder den Osten zu vermieden. Ich hoffe einfach nur, dass es klappt. Angst habe ich schon, aber es wird schon werden. Nur in ein Callcentre werde ich nie mehr gehen. Ich habe keine Lust wieder depressiv zu sein und sogar Selbstmordgedanken zu haben. Das dürfen andere machen, die damit umgehen können.
Ich finde es gut, dass du auf deiner Seite auch die negativen Seiten zeigst, denn das trübt Irland leider wirklich sehr, genauso wie die hohen, unwürdigen Preise (die mich hauptsächlich aus dem Land getrieben haben). Es ist einfach zu teuer und Cork mochte ich auch überhaupt micht. Ich bin nach wie vor ein Irland-Fan, ich mag die Leute und die Landschaft -besonders den Nordwesten- aber Cork ist abartig. Freunde konnte man da auch nicht finden, wenn man "normal" ist und sich nicht wie eine billige Nutte anzieht und benimmt.
Liebe Grüsse, Bettina


Andre
aus IRL-Dublin (1. Beitrag)

Es gibt nämlich durchaus auch Ausnahmen von dem von Dir beschriebenen Callcentersystem. Ich habe wahrscheinlich das grosse Glück gehabt, in einem Callcenter anzufangen, in welchem man die Herangehensweise an die Arbeit noch weitgehend selbstständig bestimmen kann. Natürlich gibt es auch in meinem Fall Messungen aller Art, aber solange man die vorbestimmten (Sales) Targets erreicht, fragt niemand wirklich nach Calltime o. ä. Durch diese Arbeitsweise gibt es wirklich eine ganze Reihe von Agents, die bereits seit 5 Jahren in dieser Position arbeiten. Ich selbst würde mich nach nun knapp 18 Monaten auch noch nicht als "abgenutzt" bezeichnen. In Deutschland habe ich schon viele schlechtere Jobs gemacht. Der sehr starke Drill in anderen Centern ist mir natürlich bekannt (habe selber Bekannte, die z. B. auch schon bei "Apple" in Cork gearbeitet haben, aber auch "UPS" in Dublin ist so ein Beispiel), ich kann den Sinn dahinter aber auch nicht verstehen. Wie soll sich eine 4-wöchige Trainingphase für ein Unternehmen auszahlen, wenn viele nach wenigen Wochen frustriert wieder kündigen? Gruss Andre


Elisa
aus A-Wien

Ich habe mir ganz genau deine Erfahrungen als Call-Center-Agent durchgelesen und finde deinen Erfahrungsbericht sehr detailiert und wahrheitsgetreu ... eine ganz tolle Entscheidungshilfe ... durch diese Infos können klare Entscheidungen getroffen werden und kostbare Zeit geht nicht verloren!) vielen herzlichen Dank aus Wien, Elisa


Volker Neumann
aus Goslar

Dein Bericht über die Callcenter stimmt voll und ganz. Hast Du zufällig auch bei "Siemens" in Cork gearbeitet? Das ist jedenfalls der grösste Saftladen und alle die ich kenne, wollen dort weg. Ausserdem war ich für ein Jahr bei "Compaq" (nun "HP") in Dublin. Dort ist es schon besser. Gruss, Volker


Michael Beutler
aus Riemerling

Meine Callcentre-Erfahrung: Na, da hab ich auch was erlebt! Was die Führung betrifft, stimme ich Dir voll zu, was die Bezahlung angeht, weniger - ich habe in einem Callcentre gearbeitet, das nicht pro Jahr / Monat / Woche / Tag / Stunde bezahlt, sondern pro erfolgreichem Telefonat. Dabei war das allerdings nicht inbound wie bei Dir, sondern outbound. Und pro Telefonat-Terminvereinbarung gabs 5 Euro, zuzüglich 5 Euro bei erfolgreichem Abschluß (worauf ich keinen Einfluss habe) des Außendienstlers beim Termin vor Ort, alles zuzüglich MwSt, auf selbstständiger Basis. So, und jetzt noch die Krönung: Nach der ersten Zahlung für die erste Woche Telefondienst warte ich inzwischen seit 6 Wochen auf die Zahlung für den anschließenden ersten Monat, und die Abrechnung für den zweiten Monat wurde noch nicht erstellt! Wird sie wohl auch nicht mehr, weil sich die Chefs zerstritten haben und die Firma (englische Ltd. !!!) kein Geld mehr hat. Ich bin bedient!


Martina
aus GB-Belfast

Hallo, ich möchte Euch gerne über meine ersten vier Monate Erfahrung im Callcentre berichten. Ich arbeite bei GEM in Belfast und bin sehr froh, dass ich hier gelandet bin. GEM macht den Kundendienst für Cisco, MSN, Expedia, diverse Ringtone-Clubs und verschiedene TV-Verkaufssender. Ich habe hier nur kurz am Telefon gearbeitet und mache jetzt wieder den E-Mail-Customer-Service. Das macht mir mehr Spaß und ist auch amüsanter, weil die Kunden schriftlich schimpfen, anstatt mündlich. Natürlich gibt es viele Standardantworten die man einfach als E-Mail-Antwort einfügt. Aber es bleibt noch genug Spielraum, um dem Kunden individuell zu antworten. Das Betribesklima bei GEM ist sehr gut. Mir wurde bei der Wohnungssuche geholfen und ich konnte immer alles fragen. Natürlich gibt es bei uns auch die Qualitätskontrollen und die Teamleader-Gespräche. Aber die sollte man einfach als "nicht persönlich" abhaken. Was ich sehr gut finde: Wir haben so etwas wie eine Arbeitnehmervertreter, die einmal im Monat die Probleme der Mitarbeiter dem Management vorbringen. Und was ich super finde: Die Probleme werden ernst genommen! Ich hatte gerade die Situation, dass GEM eine Vertragsverlängerung mit einem Klingeltonhersteller gecancelled hat, weil wir es unverschämt fanden, dass den Handykunden per SMS einfach ein Abo auf´s Auge gedrückt wurde. Und zuletzt möchte ich noch sagen, dass ich jetzt bald über ein niegelnagelneues Fahrrad zum halben Preis verfüge, weil die Firma es unterstützen möchte, dass die Leute mehr mit dem Rad zur Arbeit fahren. Außerdem ist die nordirische Hauptstadt Belfast eine überschaubare und erschwingliche City: Es gibt genug bezahlbaren Wohnraum (Durchschnittspreis für eine Monatsmiete ca. £ 200). Auch die Lebensmittel, z.B. beim Lidl sind vom Preis her wie in Deutschland. Ich dachte erst, das ich mit £ 12.500 Jahresgehalt niemals auskommen würde. Falsch gedacht! Eine Kollegin hat vorher in Dublin/Irland gelebt und gesagt, dass Sie, obwohl Sie hier in Belfast weniger verdient, am Monatsende immer noch genug übrig hat.

Wie sehr der erste Eindruck täuschen kann, schildert der Bericht, den mir Martina einige Monate schickte:Zu meinem anfänglichen Erfahrungsbericht möchte ich bitte eine Ergänzung machen: Nach anfänglich positivem Eindruck bei GEM möchte ich noch meine Erfahrungen nach sechs Monaten in diesem Callcentre schildern. Ich habe dort im deutschen Team u.a. für eine Firma gearbeitet, die Geschicklichkeitsspiele und inzwischen auch Glücksspiele über das Internet anbietet. Der Kundenkontakt war ausschliesslich per E-Mail gewesen. Neben diesem Vertrag mussten wir noch zusätzlich für einen Ringtone-Club die Anrufe bearbeiten. Natürlich durfte die eine Firma von der anderen nichts wissen und als die Firmenvertreter im Callcentre vor Ort waren, wurden unserer Telefone einfach ausgeschaltet. Einige von uns wurden inzwischen entlassen, weil sie die Zielvorgabe von 100 E-Mails pro Tag nicht erreichen konnten. Kunststück, wenn man zusätzlich noch 80 Anrufe erledigen muss. Ausgesprochen mangelhaft war auch die Qualitätskontrolle von GEM, die erst nach drei Monaten richtig zum Einsatz kam. Oft waren die Beurteilungen falsch und mussten wieder "gegenkorrigiert" werden. Bei der Kontrolle der abgearbeiteten E-Mails gab es häufig "Zählunterschiede" von 20-30 Stück. Obwohl der Firmenleitung dieser Fehler bekannt war, wurden die "falschen" Zählergebnisse in unserer Qualitätsbeurteilung voll berücksichtigt. Inzwischen wurde auch ich, trotz insgesamt guter Beurteilung, entlassen. Grund: Ich hätte im Monat September bei drei E-Mails eine falsche Antwort gegeben. Die E-Mails wurden mir jedoch nie gezeigt. Mein letztes Gehalt habe ich zwar noch erhalten, jedoch wurden meine Überstunden und die verbleibenden Urlaubstage falsch berechnet. Trotz Beanstandung weigert sich GEM, mich richtig zu bezahlen. Inzwischen arbeite ich in der Personalabteilung eines anderen Callcentres in Belfast (LBM) und sehe somit von der "anderen Seite", wie mit den Mitarbeitern umgegangen wird. Viele werden von dem ganzen Stress und Druck krank und kündigen von allein. Und diejenigen, die nicht kündigen, werden "gegangen". Inzwischen hatte ich noch einmal ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch und werde nächsten Monat als kaufmaennische Mitarbeiterin in einem Vertriebsbüro hier in Belfast anfangen. Ich glaube, in einem Callcentre werde ich so schnell nicht wieder anfangen, weder am Telefon, noch in irgendeiner anderen Abteilung.


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