Binge Drinking ist normal in Irland
Irische Männer trinken dreimal so viel Alkohol wie irische Frauen. Mindestens einmal pro Woche kommt es im Durchschnitt zum »binge drinking«, dem »Saufen bis zum Umfallen«. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die sich mit der irischen Trinkkultur beschäftigt.
Die Studie verglich Irlands Trinkgewohnheiten mit denen von sechs anderen europäischen Ländern: Finnland, Schweden, Deutschland, Grossbritannien, Frankreich und Italien (= ECAS-Staaten).
Forscher fanden heraus, dass irische Trinker 12,1 Liter reinen Alkohols pro Jahr verbrauchen, das fast zweimal dem Niveau der oben genannten ECAS-Staaten entspricht. Die einzige Ausnahme ist Grossbritannien, wo der Verbrauch bei neun Litern liegt.
Irische Männer trinken dreimal soviel wie Frauen und unter den Männern ist es auch eher unwahrscheinlich, dass eine Bereitschaft, dass exessive Trinken zu stoppen, vorhanden ist.
Die Studie fand heraus, dass »binge drinking« in Irland deutlich häufiger als in irgendwelchen anderen der oben genannten Staaten auftritt.
Fast die Hälfte der Männer in Irland (48%) und 16% der Frauen nehmen mindestens einmal pro Woche an einem »binge drinking« teil. Die entsprechenden Zahlen für Grossbritannien, dass das höchste Niveau von »binge drinking« unter den ECAS-Ländern hat, liegen bei 38% bei den Männern und 12% bei den Frauen.
Die Studie zeigt auf, dass Veranstaltungen, auf denen Alkohol angeboten wird, in 58 von 100 Fällen in »binge drinking« enden.
»Binge drinking« ist am häufigsten in der jüngeren Altersgruppe verbreitet und nimmt mit höherem Alter ab.
Die Studie bringt zudem hervor, dass es in Irland mehr Probleme pro Trinker gibt als in den anderen Ländern. 32% haben nach dem Alkoholkonsum bedauert, was sie während des Trinkgelages gesagt oder getan haben. Bei 11,5% kam es beim »binge drinking« zu gewalttätigen Schlägereien.
Der akute Alkoholkonsum führt in Irland immer häufiger zu Problemen am Arbeitsplatz (»Blaumachen« nach Trinkgelagen) und natürlich auch im Familienleben (Agressivität, Prügeleien).
Weibliche Trinker erfahren deutlich öfter Konsequenzen, die auf den Alkokohlkonsum zurückzuführen sind. 22% der Frauen haben nach dem Trinken Dinge bedauert, sie sie gesagt oder getan haben. Schlägereien und Unfälle unter Frauen kommen zweimal so häufig vor wie in anderen Ländern.
Die Resultate dieser Studie entstammen dem »Department of Health« in Verbindung mit der Regierungskampagne »Think before you drink - less is more« (»Denke bevor du trinkst - weniger ist besser«).
Alkoholproblem in Irland - Irische Ärtzte schlagen Alarm
Mit dem stark zunehmenden Alkoholkonsum unter Jugendlichen in Irland, ist auch die Zahl der Suizide stark angestiegen. In 20 Fällen von Selbsttötung wurden vorher erhebliche Mengen von Alkohol konsumiert.
Rolande Anderson, Sachverständiger in Sachen Alkoholabhängigkeit, erwähnt die zahlreichen Familien, die bereits vom Alkoholismus zerstört worden sind. »Was hier abgeht«, beschreibt Anderson als »nationalen Skandal«.
Herr Anderson betont, dass es eine deutliche Verbindung zwischen Alkohol, Depression, Angst und Selbstmord gibt.
Dr. Ronan Herane, Psychiater in Dublin, betont, dass die Fehlanwendung von Alkohol in 70 - 90 Fällen zu einer Depression führt. Wenn ein Patient unter Angstzuständen leidet und gleichzeitig alkoholabhängig ist, müsse die Alkoholkrankheit zuerst behandelt werden.
In Irland werden Alkoholprobleme immer noch ignoriert und zum grossen Teil immr noch unterschätzt.
Die Notfallaufnahmen in den irischen Krankenhäusern stehen am Rande des Kollapses. Zwischen Mitternacht und den frühen Morgenstunden hat fast jede Einweisung in irgendeiner Weise mit Alkohol zu tun. Das können akute Alkoholvergiftungen oder Suizidversuche sein, aber auch alkoholbedingte Folgen von Schlägereien oder Unfällen.
»Alkohol verursacht Angst, Verlust von Selbstachtung und Selbstvertrauen«, sagt Dr. Hearne. Er ergänzt, dass von den 448 Selbstmorden, die es im letzten Jahr in der Republik Irland gegeben hat, vorher 20 Prozent erhebliche Mengen Alkohol getrunken haben.
Von Alkohol abhängigen Menschen erwartet man, dass sie ihrer Sucht ins Auge sehen. Erst dann, so heisst es, sei Hilfe möglich. In Irland hat kein Verantwortlicher die Problematik ausreichend erkannt. Wie will man sie da bekämpfen?
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Auch die Tageszeitung Evening Echo hat sich mit dem exzessiven Alkoholkonsum Jugendlicher in Cork beschäftigt. Eine Reportage könnt ihr hier nachlesen:
 Reportage: Drunk, half-dressed and not even 16
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