Mitmenschlichkeit lohnt sich nicht
Alles, was ich in diesem bösartigen Land erlebe, steht ein paar Tage später in der Zeitung. Ich zitiere einen glänzenden Artikel aus dem 'Standard' vom 14. Mai 2009, verfasst von Gerhard Marschall, der als Pressesprecher im Parlament arbeitet.
Was hat Ebensee mit Frankenburg zu tun? Zwei Ereignisse in zwei Orten in Oberösterreich - die räumliche Nähe ist Zufall, der politische Zusammenhang hingegen nicht.
Ebensee am vergangenen Samstag: Vermummte, schwarz gewandete Gestalten pöbeln die Teilnehmer an der Feier zur Befreiung des Konzentrationslagers vor 64 Jahren an, empfangen sie mit ausgestreckten rechten Armen, schreien ihnen "Heil Hitler!" und "Sieg heil!" entgegen, attackieren sie mit Plastikgeschoßen. Die Gäste aus Italien und Frankreich können das alles kaum fassen; hässliches Salzkammergut.
Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) verspricht gnadenlose Aufklärung. Tatsächlich, wenig später sind die Täter ausgeforscht: fünf Burschen aus der Gegend, zwischen 14 und 17 Jahre jung. Doch die Ministerin relativiert sogleich. Es seien "die gegenseitigen Provokationen im Vormarsch", mahnt sie kryptisch.
Vielleicht möchte sie von der Ebenseer Schande ablenken. Und von peinlichen Versäumnissen. Denn eigentlich hätte der braune Spuk die Polizei nicht überraschen dürfen. Schon einmal, vergangenen Sommer, hat sich bei der KZ-Gedenkstätte eine ähnlich geartete Gesellschaft versammelt, um Krieg und Exekution zu spielen. Wehrsportübung und Lagerfeuerromantik. Dieses Mal ist alles schon ein bisschen ernster, realistischer.
Vielleicht aber meint Fekter (Foto) mit den "gegenseitigen Provokationen" die Vorkommnisse in Linz am 1. Mai, wo die Polizei eine Demonstration von angeblich vermummten Kommunisten brachial aufgelöst hat. Die Hintergründe sind dubios und höchst aufklärungswürdig. Augenzeugen und Fotos stellen die Szenerie ganz anders dar. Schon möglich, dass sich die Ministerin schützend vor die Polizisten stellen will, die da ordentlich hingelangt haben.
Das hätte sie sagen sollen. So dürfen sich die Überlebenden des Holocaust von ihr angesprochen fühlen. Sind sie eine Provokation, wenn sie sich alle Jahre Anfang Mai treffen, um der Befreiung aus der KZ-Hölle zu gedenken? Sollen sie besser daheim bleiben, um nicht zum Ärgernis für Einheimische zu werden? Oder will die Ministerin aufrechnen?
Das ist eine bekannte Methode zur Verharmlosung: die vergasten Juden gegen die vertriebenen Sudentendeutschen, Hitler gegen Stalin, der Holocaust gegen die Bombardierung von Dresden, grölende Neonazis gegen demonstrierende Kommunisten ...
Oder war das mit den "gegenseitigen Provokationen" einfach nur so hingesagt? Das würde es auch nicht besser machen.
Ortswechsel nur wenige Kilometer nordwärts, nach Frankenburg: Dort hat vor kurzem jener Christian Limbeck-Lilienau, der in seinem Haus die Zogajs aufgenommen hat, eine "Ermahnung" zugeschickt bekommen. Absender: Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck. Begründung: Er habe die beiden älteren Zogaj-Söhne nicht ordnungsgemäß abgemeldet, als diese in den Kosovo heimkehrten.
Die jungen Männer waren illegal eingereist, um die zwei kleinen Geschwister zur Mutter zu bringen, die mit ihrer Tochter Arigona in Frankenburg zurückgeblieben war, während der Rest der Familie ruckzuck außer Landes geschafft wurde.
Die zwei Fluchthelfer sind umgehend mit großem politischen Druck zur Rückreise motiviert worden, wobei der Staat auf verschiedenen Ebenen -vom Innenministerium bis hinunter zum örtlichen Polizeiposten- tatkräftig mitgewirkt hat. Das Ganze war also amtsbekannt, dennoch hat der kurzzeitige Quartiergeber die ordnungsgemäße Abmeldung versäumt.
Immerhin werde von der "Verhängung einer Strafe" abgesehen, heißt es in dem Bescheid, weil "das Verschulden des Beschuldigten geringfügig ist und die Folgen der Übertretung unbedeutend sind". Eine reine Banalität, lächerlich, aber Ermahnung muss sein.
Oder verbirgt sich dahinter vielleicht eine kleine, boshafte Revanche? Schließlich ist die Familie Zogaj zum Inbegriff für eine ebenso unmenschliche wie unsinnige Abschiebepraxis geworden. Und für viele zur Provokation. Auch für die Politik. Wer so jemandem Unterschlupf gewährt, darf sich nicht wundern, wenn der Staat zurückschlägt.
Oder Arigona (Foto), ist sie die Provokateurin? Jene 17-Jährige, von deren "Rehleinaugen" sie sich "nicht beeindrucken" lasse, wie Ministerin Fekter einmal gesagt hat.
Herr Limbeck-Lilienau leistet sich den Luxus gelebter Humanität. Anstatt so einem einen Orden umzuhängen, schikaniert ihn die Republik. Deutlicher lässt es sich nicht ausdrücken: Mitmenschlichkeit lohnt sich nicht! Die Botschaft kommt an. Auch in Ebensee.
Übrigens, die Innenministerin kommt aus Attnang-Puchheim. Das liegt zwischen Ebensee und Frankenburg, was aber Zufall ist.
Kommentar: Auch ich wurde, nur weil ich um mein Recht gekämpft habe, zum ausländischen Provokateur. Um von meiner Misshandlung durch österreichische Krankenhaus-Mitarbeiter abzulenken, versucht man mich jetzt, das Opfer, nachdem ich immer wieder neue Widersprüche und Mißstände aufgedeckt habe, zum Schweigen zu bringen; man will mich in ein diffuses Licht rücken.
Irgendetwas wird man schon finden! Man versucht das Opfer zum Täter zu machen. Genau das nennt man 'institutionellen Rassismus, auf den 'Amstesty Internation' erst vor wenigen Wochen aufmerksam gemacht hat (siehe hier)
Der österreichische Staat will auch hier eine Botschaft vermitteln, Nachahmer abschrecken:
- Um sein Recht kämpfen lohnt sich nicht!
- Misshandelnde Täter anzuzeigen lohnt sich nicht!
- Österreichische Staatsbürger anzuzeigen lohnt sich nicht!
- Eine Webseite zu veröffentlichen lohnt sich nicht!
Auch ich habe mit dem Aufzeigen dieses Falles um mehr Menschlichkeit gekämpft, habe immer wieder auf die hilflosen Patienten in der Grazer 'Sigmund Freud'-Klinik hingewiesen, die sich in keiner Weise gegen Gewalt und Mißstände wehren können. Auch habe ich anhand von Recherchen darauf hingewiesen, wie schikanös Ausländer in Österreich behandelt werden, wie Mißstände vertuscht werden. Aber: Mitmenschlichkeit lohnt sich nicht! Jetzt straft der Staat! So etwas hat man hier nicht gern ...
Um wie im obigen Fall arbeiten alle zusammen: Ärzte, Behörden, Justiz! Dem werden wir es zeigen! Der soll uns kennenlernen! Aber ein Rechtsstaat hat sich nicht zu revanchieren oder zu rächen! Mit Souveränität hat das absolut nichts zu tun.