Nie mehr ohne Gurt
Wer im Flugzeug nicht angeschnallt ist, kann sich schwer verletzen
Die Deutsche Lufthansa hat jetzt eine generelle Anschnallpflicht eingeführt. Diese gilt auch bei allen Lufthansa-Regionalpartnern wie zum Beispiel Eurowings. In der Vergangenheit wurde lediglich empfohlen, die Gurte während des Fluges anzulegen. Die Neuregelung hat unter vielen Fluggästen zu teilweise kontroversen Diskussionen geführt. Nicht jeder Passagier hatte Verständnis dafür und konnte den Nutzen für seine Sicherheit erkennen. Dabei hat die Neuregelung handfeste Hintergründe.
Jahr für Jahr kommt es im weltweiten Luftverkehr immer wieder zu zahllosen Verletzungen und Todesfällen unter Passagieren durch überraschend auftretende Turbulenzen während des Fluges. Fast immer sind die Fluggäste dabei nicht angeschnallt. Einige Beispiele unter vielen: Am 28. Dezember 1997 gerät eine Boing 747 der Fluggesellschaft United Airlines beim Flug von Tokio nach Honolulu über dem Pazifik in heftige Turbulenzen. Der Kapitän fordert die Passagiere zum Anschnallen auf.
Viele Fluggäste beachten die Anweisung nicht. Wenig später werden die Turbulenzen so stark, dass der Kapitän zeitweise sogar strukturelle Schäden am Flugzeug befürchtet. Währenddessen spielen sich in der Kabine grauenvolle Szenen ab. Passagiere, Handgepäck und Verpflegung werden durch die Luft gewirbelt. Ein Fluggast stirbt, 18 Menschen werden schwer und 171 leicht verletzt.
Ein anderer Fall: Beim Flug von Tampa nach Las Vegas fliegt ein Airbus A320 der Fluggesellschaft America West durch Turbulenzen. Die Piloten warnen durch Aktivierung der Anschnallzeichen und Durchsagen vor der Gefahr. Eine 70-jährige Frau ignoriert die Hinweise und beginnt durch das Flugzeug zu spazieren. Der Versuch endet mit einem Knochenbruch an der Hüfte.
Entsprechende Vorfälle werden im Luftverkehr akribisch von den jeweils zuständigen Flugsicherheitsbehörden erfasst und je nach Ausmaß der Auswirkungen als Unfall oder Zwischenfall eingestuft. Wer sich die Mühe macht, die entsprechenden Berichte auszuwerten, stößt auf eine schier unüberschaubare Anzahl von Vorfällen im Zusammenhang mit Turbulenzen. Schon der Einblick in die Erfassungstätigkeit einzelner Luftfahrtbehörden offenbart erschreckende Erkenntnisse.
Bei Turbulenzen handelt es sich um Luftbewegungen, denen das Flugzeug während seiner Reise ausgesetzt ist. Sie treten in Folge von Unwettern auf, über Wüstengebieten infolge der steigenden Warmluft und durch Bodenunebenheiten, auf die der Wind trifft. Aus diesem Grund ist der Flug in Bodennähe häufig besonders turbulent. Das gilt auch für Flüge über Gebirge, bei denen die starken Bodenunebenheiten starke Auf- und Abwinde verursachen.
Während des Fluges in großer Höhe treten Turbulenzen weit seltener auf, können aber auch zum Beispiel am Rand der großen Jetstreams vorkommen. Jetstreams sind mächtige und sehr kraftvolle Luftströmungen, die unseren Globus in großer Höhe -häufig von West nach Ost- umfließen.
So genannte "Luftlöcher" gibt es in der Atmosphäre allerdings nicht. Sackt das Flugzeug plötzlich kräftig durch, hängt das mit der speziellen Form der Tragflächen zusammen. Diese sind bei jedem Flugzeug so geformt, dass durch ihre spezielle Wölbung an der Oberseite Auftrieb entsteht. Trifft während des Fluges eine kräftige Windböe zusätzlich von vorn auf die Tragfläche, erhöht das kurzzeitig den Auftrieb. Ebbt die Windböe plötzlich ab, sackt das Flugzeug entsprechend für einen kurzen Moment durch. Dem Flugzeug selbst können Turbulenzen normalerweise nicht gefährlich werden. Es ist für weit größere Belastungen ausgelegt. Für die Passagiere aber werden sie zu einer großen Gefahr - sofern sie nicht angeschnallt sind.
Die Piloten erfahren häufig im Vorfeld von den Turbulenzen. Die Informationen teilen sich die Piloten untereinander weltweit über Funk mit. Gerät ein Flugzeug in eine Zone mit Turbulenzen, geben die Piloten die Information an die nachfolgenden Flugzeuge weiter. Deren Besatzung kann dann die Passagiere warnen. Trotz genereller Anschnallpflicht, wie sie jetzt die Lufthansa eingeführt hat, ist es den Passagieren natürlich auch weiterhin gestattet, während des Fluges aufzustehen - wenn man etwa zur Toilette muss.
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