Spezialität Fisch-Kopf-Curry
Ein Kochkurs in Singapur mit einem Blick in Familien-Küchen
Die Inderin hat schon Kochschüler aus den USA, Australien, Hongkong und Deutschland in ihrer Küche um Töpfe und Pfannen versammelt. Nun drängt es sich nicht unbedingt auf, soweit zu fliegen, um einen Schnupperkurs in indischer Küche zu erleben. Wer sich aber die paar Stunden Zeit genommen hat, mit Dhershini, wie sie sich nennen lässt, über einen der bunten, duftenden und hektischen Märkte zu gehen, wird dieses Erlebnis nicht vergessen.
Die Tourismus-Verantwortlichen des südostasiatischen Stadtstaates haben erkannt, dass Shopping-Malls und Luxushotels alleine vor allem europäische Besucher nicht glücklich macht. Singapur wird von etwa 75 Prozent Chinesen und 15 Prozent Indern bewohnt - was lag also näher, als diese ethnische Vielfalt auch für den Besucher erlebbar zu machen. Viel wurde investiert und restauriert; die "Ethnic Quarters" sind jetzt ein unverzichtbarer Teil jeder Reise.
Eine Sehenswürdigkeit sind zum Beispiel der viktorianische Prachtbau Lau Pa Sat mit seinen Food-Ständen, die Chinatown Food Street oder das wuselige Maxwell Road Food Centre. Etwas teurer, aber ein ungewöhnliches Erlebnis ist das Banana Leaf Apolo in Little India - hier wird das Essen auf großen Bananenblättern serviert. Die Hausspezialität ist Fisch-Kopf-Curry.
Sogar die Edelrestaurants in den großen Hotels bieten chinesische Menüs für einen Preis, den man hier zu Lande beim "Chinesen um die Ecke" zahlt. Wer sich traut, sollte im Ritz Carlton mal fragen, ob er dem chinesischen Chefkoch Fok Kai Yee über die Schulter schauen darf. Es ist erstaunlich, was der Chef alles mit einem Wok veranstalten kann. Ein Tipp für Besucher: Wenn auf Speisekarten und Preisschildern das Dollarzeichen steht, ist immer der Singapur-Dollar gemeint und nicht der doppelt so teure US-Dollar.
Zwar ist ganz Singapur gewissermaßen eine "China Town". Doch das Herz des alten chinesischen Viertels hat die Regierung erst mit viel Aufwand wieder zum Schlagen gebracht. Viele neue Geschäfte, Food Markets oder die chinesischen Apotheken locken die Touristen an - manchmal wurde die Farbe allerdings etwas disneymäßig dick aufgetragen. Wie problematisch die früheren Lebensverhältnisse dort waren, zeigt eindrucksvoll auf drei Etagen das neue Chinese Heritage Centre. Dass auch in diesem Museum das Essen eine zentrale Rolle spielt, ist nicht erstaunlich.
Denn darin sind sich Chinesen, Malaien und Inder einig - Essen ist im Stadtstaat so ziemlich das Thema Nummer eins.
Deshalb sind auch alle Bevölkerungsgruppen unter den Dächern der Wet-Markets versammelt. Hier gibt es so ziemlich alles, was wächst, blüht, kreucht und fleucht. Auch wenn man sich mit Gourmetexpertin Dhershini Winodan durch das Takka Centre an der Buffalo Road in Little India drängelt, ist das ein Erlebnis. Die indische Kochlehrerin in ihrem bunten Sari ist dort gut bekannt. Schließlich besitzt sie auch ein Restaurant und kauft im Takka Centre für ihre Küche ein: hier Curry-Blätter, dort frisch zubereitete Kokosmilch, Gemüse und viele Früchte.
Dhershini Winodan's Restaurant Chat Masala liegt außerhalb der City in der Upper East Coast Road. Dorthin verirrt sich kaum ein Tourist, hier essen die Einheimischen. Und hier erzählt die geschäftstüchtige Inderin, was die Kochschule bei ihr kostet: Ein vier- bis fünfgängiges Menü zu kochen und anschließend zu essen. schlägt umgerechnet mit 25 Euro pro Person zu Buche. Mit Einkaufstour werden 35 Euro fällig.
Es sind nicht nur die indischen Gewürze und die lockere Atmosphäre - zu Hause in der Küche der Familie erlebt der Tourist ein Singapur, zu dem er sonst kaum Zugang findet. Und bekommt am Ende eines aufregenden Tages noch einen fast philosophischen Rat mit, der den Hobbykoch noch zu Hause begleiten wird: "Don't ever hurry a curry" - sei niemals hektisch beim Kochen mit Curry.
Kochunterricht und Marktbummel in Singapur werden auch von den Kochschulen at-sunrice und Cookery Magic offeriert. Sie bieten alle asiatischen Küchen wie Chinesischen, Thailändisch, Indisch und auch singapurianische Spezialitäten an.
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