Michaels Reisetagebuch: Singapur-Australien - Die Lagune der Delfine

Die Lagune der Delfine

Auf der Insel Sentosa vor Singapur können die Urlauber hautnah Bekanntschaft mit den freundlichen Pink Dolphins machen.

Die Haut ist glatt, ledrig, fast samtig. Pat, der größte Delfin der Gruppe, hält still, wenn ein neugieriger Besucher festen Halt an seiner Rückenflosse sucht. Dann beschleunigt er mit ein, zwei Schwanzschlägen, gleitet wie ein Pfeil durchs Wasser, geschmeidig und kraftvoll. An diesem Morgen sind von diesem Erlebnis zwei ältere Ladies aus Hongkong ebenso begeistert wie drei Teenager aus Indien und der sechsjährige Alexander.

Pat und noch fünf weitere Delfine -darunter ein Jungtier- sind in der Dolphin Lagoon zu Hause. Außergewöhnlich ist die Farbe der Pink Dolphins: Die Haut der erwachsenen indopazifischen Buckeldelfine leuchtet in zartem Rosa. Sie wirken dadurch noch etwas freundlicher als ihre grauen Kollegen.

In der kleinen Bucht der Insel Sentosa vor Singapur gibt es täglich zwei Shows. Dabei darf jeweils ein zufällig ausgewählter -und meist jugendlicher- Zuschauer kurz zu den Delfinen ins Wasser. Eine intensivere Erfahrung verspricht allerdings eine Privataudienz bei den sympathischen Meeressäugern, die sie am Vormittag vor ihrem ersten Auftritt maximal neun Fans gewähren.

"Unsere Gäste kommen aus der ganzen Welt und reservieren Monate im voraus", sagt Delfin-Trainerin Cindy Wan. Viele nutzen einen Stopover-Aufenthalt im Stadtstaat, um sich diesen Traum zu erfüllen.

Angetan mit Gummischuhen und Schwimmwesten bekommt man in der Morgensonne zunächst erklärt, dass man Delfinen nicht in den Mund und ins Blasloch greift: "Euch würde es auch nicht gefallen, wenn jemand in eurer Nase bohrt". Ein leichtes Platschen aufs Wasser wie einst in der TV-Serie Flipper - und schon schwimmt zu jedem Steg ein Delfin. An den Kunststücken haben alle ihre Freude: Klatscht man kräftig in die Hände, steigt Pat aus dem Wasser, balanciert auf dem Schwanz und lässt sich die Flossen schütteln. Nach Drehungen oder Küsschen freut sich Pat auf einen Fisch zur Belohnung.

Seit 1999 ist die Bucht gesperrt. Die Dolphin Lagoon gehört zum Aquarium Underwater World, in dem Haifische, Rochen und urzeitlich anmutende Dugongs (Seekühe) schwimmen. Wer will, der kann mit Sauerstoffflasche und Taucheranzug auch zu diesen Tieren ins Becken steigen.

Das Ozeanarium, eine der größten Attraktionen Sentosas, ist mit einer Gondelbahn und über eine Brücke mit dem Festland verbunden. Besucher aus Singapur und Urlauber erholen sich in diesem perfekt organisierten Freizeitpark. Kostenlose Busse verkehren zwischen Schmetterlingspark und 3-D-Kino, zwischen Musikbrunnen und einem nachgebauten Merlion-Löwen, dem Wahrzeichen der Stadt. Man kann Golf spielen, Museen besuchen, am Strand faulenzen oder durch den Dschungel wandern. Interessant ist der Blick von der Endstation der Gondelbahn auf die Kräne des Hafens und auf die unzähligen Tanker und riesigen Containerschiffe in der Straße von Malakka.

Auch vor der Dolphin Lagoon kreuzen die Ozeanriesen. Doch für sie hat niemand ein Auge, denn es geht zu Pat ins Wasser. Erst lässt sich der Delfin streicheln, dann zieht er einen Gast nach dem anderen ein Stück hinaus in die Bucht. "Wie ein Unterwasser-Motorrad", strahlt Alexander. Das gut zweieinhalb Meter große Tier bewegt sich vorsichtig und sanft. Selbst als es aus dem Wasser schnellt und in hohem Bogen elegant über die Köpfe hinweg springt, erschrecken weder die beiden Damen noch der Junior.

Am Ende der Schwimmstunde bekommt Pat einen Pinsel zwischen die Zähne und malt jedem als bleibende Erinnerung ein Bild. Er streckt den Kopf aus dem Wasser, setzt einen Strich und malt mit Bedacht den nächsten Kringel. So füllt sich jedes Blatt in leuchtendem Blau, kräftigem Rosa und frischem Grün. Vielleicht wird es zum Grundstock für eine außergewöhnliche Kunstsammlung.

Es gibt in Singapur übrigens noch weitere talentierte Tiere: Im Jurong-Vogelpark greift regelmäßig ein Papagei zum Pinsel und im Zoo kann man gerahmte Gemälde kaufen, die von Elefanten gemalt wurden.