Michaels Reisetagebuch - Michael beschreibt seine 104-tägige Reise nach Singapur und durch Australien (Schwerpunktthema). Die Seiten werden durch ein Reiseforum, einen Grusskartenservice, eine Linkhitliste, einen ChatRoom sowie free SMS & free E-Mail-Konto abgerundet.


41. Reisetag:
Sonntag, 14. Februar 1988

Mit großen Schritten geht es in Richtung des tropischen Nordens, wo Regenzeit herrscht und bei großer Schwüle immer wieder schwere Gewitter niedergehen. Gewiss ist es in Kürze mit den vielen trockenen Tagen, die ich bisher genießen durfte, vorbei.

Mit meinem entfernten Weisheitszahn, wo ich noch in Mount Gambier und Adelaide Zahnärzte konsultieren musste, hatte ich überhaupt keine Probleme mehr. Das verschriebene Antibiotikum hat eindeutig geholfen.

In Port Hedland schien am Morgen wieder die Sonne und natürlich war es schon in den frühen Morgenstunden sehr heiß. Ich packte alle meine Sachen wieder im Rucksack zusammen und ging etwas frühstücken. Wie gestern nahm ich auch heute in der Snack Bar ein leckeres englisches Frühstück zu mir.

Zwei Engländer aus dem Backpacker´s wollten heute ebenfalls nach Broome. Pünktlich um 10:00 Uhr fuhr der fast leere, dafür aber voll klimatisierte Greyhound-Bus ab. Im Fahrzeug traf ich auch die beiden Däninnen wieder, die ich flüchtig in Geraldton kennen gelernt hatte. Unverändert hatte ich aber wenig Lust, mich zu unterhalten. Um nicht falsch verstanden zu werden: Nach tiefer gehenden Gesprächen dürstete es mich schon; nicht aber nach diesen ewig gleich ablaufenden, oberflächlichen Kurzgesprächen nach dem Wohin willst Du? und Woher kommst Du?. Bestimmt hielten mich die Däninnen und die Engländer für arrogant, was ich aber bedauern würde.

Während der langen Busfahrt durch die Great Sandy Desert, die aber gar nicht so sandig war, sondern eher an die Nullarbor-Ebene erinnerte, las ich viele Seiten in meinem Roman, der mich total in den Bann zog. Wie schon damals in Neuseeland hatte ich großes Glück mit meinem Lesestoff, den ich mehr oder weniger zufällig ausgewählt habe.

Der Busfahrer hatte mittlerweile einen Videofilm, einen Action-Film mit James Coburn, eingelegt. Von der nahen, achtzig Meilen langen Beach, sahen wir absolut nichts. Dafür aber umso mehr vom Rasthaus in Sandfire, wo wir eine Mittagspause einlegten. Einmal mehr kam ich zu dem Ergebnis, dass mein Geld, dass ich in das zweiwöchige Busticket investiert hatte, rausgeworfenen war. Nach diesem Trip könne ich dann aber wohl bei Wetten dass... im Fernsehen auftreten, weil ich dann bestimmt jedes der Rasthäuser, an dem wir gehalten haben, am Geruch wiedererkönnen würde.

Heerscharen von Fliegen attackierten uns vor der Tür des Rasthauses. Gelangweilt ging ich in den kühlen Pub und trank eine teure Dose für $AUS 2,20. Sehr zügig ging es dann weiter nach Broome, meinem heutigen Etappenziel. Im Bus hatte ich noch ein kurzes Schläfchen gehalten. Überraschenderweise traf der Bus dann schon etwas eher als geplant in Broome ein. Es war 17:30 Uhr auf meiner Armbanduhr. Hier endete meine dritte Etappe auf dem langen Weg nach Darwin.

Der Busfahrer setzte die Däninnen, die Engländer und mich am Campingplatz ab. Die tropische Schwüle war beim Ausstieg wie ein Keulenschlag! Durch die vielen Niederschläge in dieser Region waren die hübschen Pflanzen und Blumen alle in herrlichen Farben zu bestaunen. Das fiel mir nach den vertrockneten Büschen in den Wüstenregionen jetzt sofort auf.

Auf einer Tafel stand zu lesen, dass es keine Zeltstellplätze mehr gab! Das stimmte dann aber doch nicht, als ich nachfragte. Für $AUS 5,50 konnte ich mein Zelt auf dem sehr schönen –direkt am Ozean gelegenen Campingplatz- aufbauen. Die Däninnen und die Engländer mussten sich ein Zelt ausleihen.

Wir befanden uns jetzt in den Tropen und dort wurde es bekanntlich schon sehr früh dunkel. Beim Aufbau des Zeltes hatte ich überhaupt keine Probleme mehr; die Griffe beherrschte ich mittlerweile blind. Binnen weniger Minuten war ich total nass geschwitzt, als ob ich samt Kleidung im Meer gebadet hätte. Das pure Wasser lief mir über den Körper. Mein Gott – war das heiß und schwül!

Was eventuelle Regenfälle betraf, hatte ich bei der Leiterin des Campingplatzes vorsichtshalber mal nachgefragt. Das letzte, schwere Gewitter soll es am Freitag vor einer Woche gegeben haben. Für die kommende Nacht im Zelt hoffte ich natürlich auf Niederschlagsfreiheit.

Der Himmel war wolkenlos; obwohl das in den Tropen auch nicht viel zu sagen hat. Es kann sich –im wahrsten Sinne des Wortes- blitzschnell ein Gewitter entwickeln. Die Grillen zirpten lautstark. Die Palmen bewegten sich leicht in der abendlichen Brise, die vom Meer her kam, aber keinerlei Abkühlung brachte.

Wo es feucht war, scheuchte ich fette Eidechsen auf, die keinerlei Hindernisse kannten. Senkrechte Wände liefen sie in Sekundenschnelle empor. Kleinere Echsen, die Geckos, schauten mir beim Duschen interessiert zu.

Ich wollte mich mit kaltem Wasser erfrischen, doch das Element kam ebenfalls nur warm aus der Leitung. Hätte noch gefehlt, dass ich unter der Dusche auch noch geschwitzt hätte ... Wenige Minuten, nachdem ich die Dusche verlassen hatte, schwitzte ich schon wieder. Mein Zelt scheint den Strapazen auch nicht mehr gewachsen zu sein. An der hinteren Stange entdeckte ich einen Riss im Tuch. Von den Däninnen und den Engländern sah ich nicht mehr viel. Niemand war da mit dem ich noch einmal auf ein Bier hätte losgehen können, aber daran war ich selber schuld.

Es war erneut kein berauschender Tag. Broome war auch nur ein kleiner Ort und wird die Perle des Nordens genannt. Viele Touristen verbrachten ihre Urlaubstage hier. Es gab hier auch ziemlich viele Motels und Hotels. Bei hereinbrechender Dunkelheit ging ich noch in ein kleines Einkaufszentrum und löschte meinen erbärmlichen Durst. Ich fühlte mich unwohl, weil ich so furchtbar schwitzte.

Es war erst 20:00 Uhr. Es gab kaum einen Platz, wo ich mich zum lesen oder schreiben hätte hinsetzen können. Einen Aufenthaltsraum gab es auf dem Campingplatz nämlich nicht. Ich legte mich dennoch ins Zelt und begann mit meiner Taschenlampe in dem neuen Roman Am anderen Ende des Tages von Klaus Konjetzky zu lesen. Eine böse und ironische Geschichte, die mir beim Lesen sofort Freude bereitete.

Immer wieder griff ich nach meinen im Zelt deponierten Getränken, aber dem ständig vorhandenen Durst wurde ich nicht Herr. Draußen unterhielten sich die anderen. Ich fühlte mich allein. An Schlaf war bei diesen Temperaturen nicht zu denken. Mit freiem Oberkörper lag ich auf meinem Schlafsack. Sofort wurde auch dieser feucht; es war alles so klebrig!

Info: Northern Territory

42. Reisetag:
Montag, 15. Februar 1988

Vom Durst wurde ich in dieser heißen Nacht stark heimgesucht. Ruckzuck war die 1,5-Liter-Flasche Limonade leergetrunken. Die Flüssigkeit hat meinen Magen vermutlich nie erreicht; alles wurde sofort wieder ausgeschwitzt.

Um 6:30 Uhr knallte die Sonne in mein Zelt. Ich stand dann auch sofort auf, denn im Zelt war es jetzt nicht mehr auszuhalten. Mit klatschnasser Haut baute ich mein Zelt ab. Den schweißdurchtränkten Schlafsack musste ich zum Trocknen erst einmal über die Leine hängen.

Nun war ich so früh aufgestanden und mir grauste etwas davor, wie ich mich hier im kleinen Ferienort Broome wohl bis zu meiner Abfahrt beschäftigen sollte. Nach der Dusche fühlte ich mich etwas besser, was aber nur ein paar Minuten anhielt. Ich setzte mich in ein schattiges Plätzchen und las in meinem Buch. Vor mir wurde der Rasen bewässert und das war der Grund für ganze Armeen von Eidechsen, die fast mit Lichtgeschwindigkeit über den Rasen flitzten.

Gegen 9:30 Uhr verließ ich schließlich den Campingplatz. Ich stellte meinen Rucksack im Greyhound-Depot bis zum Abend unter. Danach ging ich langsam und mit vielen Trinkpausen in den Ortskern von Broome. Der Name Chinatown für die Innenstadt täuschte doch ziemlich! Ich setzte mich nach draußen unter ein schattiges Dach eines Cafe´s und nahm die immer wieder gut schmeckenden Bacon and Eggs als Frühstück zu mir.

Wie schon erwähnt, war es hier in den abgeschiedenen und schwer zu erreichenden Gegenden Australiens ziemlich teuer. Das Frühstück war aber sehr appetitlich zurecht gemacht. Auf dem Teller lagen sogar kleine Früchte, die hübsch garniert waren.

Auch heute gab ich im Laufe des Tages wieder viel Geld für Getränke aus. Es war aber auch wirklich heiß und schwül! Mittags gab es keinen Schatten mehr. Auf einer Wiese beobachtete ich im Kreis sitzende Aborigines, die es sich unter einem einsamen Baum bequem gemacht hatten.

Jetzt entschloss ich mich, die Cable Beach aufzusuchen. Vielleicht ergab sich hier die Möglichkeit am Meeresufer entlang zu laufen. Doch der Weg zum Strand war länger als erwartet und bereits nach einer Strecke von zwei Kilometern glaubte ich zu verdursten. Wie ein gieriges Tier trank ich in einem Motel eine eiskalte Cola und gab meinen Plan schnell wieder auf. Ohne Auto war man einfach nicht flexibel genug.

Ich spazierte zurück nach Broome und setzte mich in einen Pub, wo für einen Montagnachmittag ziemlich viel Betrieb herrschte. Auch die beiden Engländer, die gestern mit im Bus saßen, waren hier. Ich setzte mich zu ihnen an den Tresen. Das Blatt wendete sich und in den nächsten Stunden haben wir drei uns glänzend unterhalten. Der eine hieß David und der andere John. Letzterer feierte heute seinen 31. Geburtstag. Er gab für David und mich einige Bier aus. Ich wollte bei der Hitze nicht so viel Alkohol trinken, doch John bestellte immer wieder nach. Am Ende waren es fünf ziemlich große Gläser.

Zu den Themen, über die wir sprachen, gehörte natürlich auch mein Lieblingssport, der Fußball. Außerdem redeten wir über unsere Reise und auch über Politik. John und David hatten in diesem Pub schon seit den frühen Vormittagsstunden gesessen und wurden betrunkener und betrunkener. Das war auch der Grund, warum ich die beiden jetzt nicht mehr so gut verstehen konnte.

Plötzlich kam eine Aborigines-Frau auf David zu. Sie hatte eine extrem schwarze Haut und riesige, wulstige Lippen. Sie war stockbesoffen und konnte sich weder auf dem Stuhl noch auf ihren eigenen Beinen halten. Nun flüsterte sie David ins Ohr, ob er es ihr nicht besorgen wolle. Erwartungsgemäß lehnte er das Angebot der völlig verwahrlosten Frau ab.

Obwohl ich noch nicht viele Aborigines getroffen habe, so weiß ich doch, dass die weiße australische Bevölkerung die Ureinwohner zum großen Teil ablehnt; eben weil sie so heruntergekommen sind und weil sie so viel trinken und sich ordinär zu artikulieren pflegen. Die meisten Aborigines arbeiten nicht. Viele haben resigniert und fühlen sich in ihren von der australischen Regierung zugewiesenen Reservaten nicht wohl. Ich bekam diese Problematik jetzt aus nächster Nähe mit.

Bis 18:00 Uhr saß ich im Pub mit John und David zusammen. Beim Hinausgehen fühlte ich das Bier im Kopf. Es war jetzt nicht mehr ganz so schwül; wahrscheinlich hat es irgendwo ein Gewitter gegeben. Vor dem Greyhound-Büro wartete ich auf meinen Bus. Eine weitere Nachtfahrt stand auf dem Programm. Der Besuch im Pub mit John und David hatte den Tag sehr angenehm bereichert. Die beiden Engländer wollten noch einige Tage länger in Broome bleiben. Vermutlich wird der Pub ihr Hauptbetätigungsfeld sein, denn auch sie hatten resigniert, was die Unternehmungen in dieser Gegend betrifft; besonders dann, wenn man keinen fahrbaren Untersatz hatte.

Mit Verspätung fuhr der Greyhound-Bus dann ab. Es war bereits dunkel und im Innenraum empfindlich kühl. Mich wunderte, dass ich weiterhin von Erkältungen verschont blieb. Erwartungsgemäß war der Bus nur mäßig gefüllt und so konnte ich mich wieder über zwei Sitze ausstrecken und relativ gut schlafen. Kurz nach Mitternacht stoppte der Coach in Fitzroy Crossing.

Reportage: Das unvorstellbare Rot des Wüstenstaubs

43. Reisetag:
Dienstag, 16. Februar 1988

Hier, in der Raststätte Fitzroy Crossing, kaufte ich mir etwas zu trinken und setzte mich vor die Tankstelle. Es war eine heiße und sternenklare Nacht. Unter den Bäumen saßen einige Aborigines. Ein jüngerer Farbiger kam stockbesoffen auf mich zu und schnorrte eine Zigarette von mir. Mit etwas Verspätung fuhr der Coach dann weiter. Wir fuhren durch Rinderland. Zäune gab es hier nicht mehr; der Bus musste immer wieder abbremsen, wenn die großen Tiere den jetzt nur noch fahrradwegbreiten Highway überquerten. Ich konnte während der Fahrt ziemlich gut schlafen.

Es wurde langsam hell. Die Landschaft bot jetzt ein attraktives und nicht mehr so eintöniges Bild. Wir befanden uns jetzt in den Kimberley´s, wo es Hügel, saftgrüne Pflanzen und Flüsse gab. Gegen 8:00 Uhr kam der Bus mit leichter Verspätung in dem Grenzort Kununurra an. Auch an diesem Morgen war es brütend heiß und unwahrscheinlich schwül.

Ich fand die Jugendherberge schnell. Die junge Leiterin des Hauses war im Moment nicht da und so duschte ich erst einmal. Die Benutzung der Waschmaschine war frei und so nutzte ich die Gelegenheit, meine Klamotten zu waschen. Für so einen kleinen Ort war die Jugendherberge ziemlich gut besucht. Leider gab es in jedem Zimmer riesige Ventilatoren an der Zimmerdecke.

Die Jugendherberge lag am Ortsausgang; eingebettet in einer Vielzahl von farbenprächtigen, tropischen Pflanzen. Das war auch der Grund für das Vorkommen unterschiedlichen Getiers. Es gab Heuschrecken von einer Größe, wie ich es nicht für gehalten hätte. Ich sah überall Eidechsen und fette Frösche.

Bei der Anmeldung lernte ich die etwa 45-jährige Österreicherin Emilie kennen, die nach der Scheidung von ihrem Mann und ihren nun erwachsenen Kindern jetzt die Chance zu einer großen Reise ergriff. Emilie war eine tolle und bewundernswerte Frau, mit der es eine Freude war, sich zu unterhalten. Sie kam aus Wien, war liebenswürdig und charmant. Wir würden heute den ganzen Tag zusammen verbringen. Zunächst unterhielten wir uns auf der Veranda der Jugendherberge bei einer Zigarette. Ich schwitzte erbärmlich und musste immer wieder etwas trinken. Von einer Regenzeit habe ich hier im Norden bisher noch überhaupt nichts bekommen.

Kununurra ist ein sympathischer, kleiner Ort, der neu im Entstehen ist, weil es hier Edelsteinminen (Diamanten und Gold) gibt, die abgebaut werden sollen; übrigens sehr zum Unwillen der Aborigines!

In Kununurra gab es alle wichtigen Geschäfte und Banken. Außerdem natürlich einen Pub und sogar ein Schwimmbad. Gegen Mittag verließen wir zur absolut schattenlosen Zeit die Jugendherberge und gingen in die Stadt. Emilie sprach sehr schlechtes Englisch und ich half ihr in der National Bank of Australia bei der Übersetzung. Sie will sich Geld von Österreich nach Kununurra schicken lassen und dann ein Konto eröffnen.

Emilie führte anschließend ein Telefonat nach Österreich und auch ich investierte $AUS 2, um kurz zu Hause anzurufen. Ich erkundigte mich, ob zu Hause alles klar ist. Ich hatte den großen Zeitunterschied vergessen und klingelte meine Mutter aus dem Bett. Erst das Bellen meines kleinen Hundes Wurzel habe sie geweckt. Damit war die Frage nach dem Wohlbefinden meines Hundes natürlich auch gleich erledigt. Ruckzuck war die Zeit um und das Gespräch beendet.

Den Nachmittag verbrachten Emilie und ich im sehr freundlichen Schwimmbad der Stadt, wo der Eintritt nur $AUS 1,20. Das Bad war in tropischem Stil eingerichtet und teilweise mit einem Strohdach überdeckt. Überall gab es farbenfrohe Blumen und Pflanzen. Wir gingen dann sofort ins Wasser, das allerdings auch sehr warm war und von daher keine große Erfrischung darstellte.

An einer Stelle des Schwimmbads kam ein Schwall Wasser wie aus einer Dusche herausgeschossen und an einer anderen Stelle blubberte es heftig. Auf einer Rutsche gelang man dann in ein anderes Bassin. Unter dem Strohdach war die Temperatur prima auszuhalten. Gegen Abend war es dann nicht mehr so schwül.

Emilie und ich haben uns die ganze Zeit nett unterhalten. Im Wasser waren wir dreimal. Eine günstige Investition für einen abwechslungsreichen Nachmittag. Am Abend gab es dann wieder einen farbenprächtigen Sonnenuntergang. Emilie machte Fotos. Nach Einbruch der Dunkelheit verließen wir das Bad und wollten noch etwas essen. In den einen Pub wurden wir wegen unzweckmäßiger Kleidung nicht herein gelassen! Man höre und staune!

So gingen wir in das Hotel, wo auch die Busse abgefertigt wurden und wo es deshalb auch etwas teurer war. Ich aß ein leckeres Gericht; bestehend aus Hühnchen, Salat und Gemüse – dazu trank ich ein Bier. Emilie hatte sich ein appetitliches Fischgericht bestellt. Aufgrund der Eisluft ausströmenden Klimaanlage saßen wir draußen im Garten.

Vor uns spielte sich nun ein kleines Drama ab. Wir beobachteten einen weißen Australier und eine total betrunkene Aborigines-Frau, die sich gegenseitig übel beschimpften. Alle Vokabeln, die es in der Vulgärsprache auch nur annährend gibt, wurden benutzt. Zwischendurch waren die beiden dann mal wieder friedlich und saßen einträchtig am uns gegenüberliegenden Tisch. Plötzlich zog sich die Frau ihre Unterhose aus, hockte sich breitbeinig vor den Mann und pinkelte durch die Ritzen der Sitzbank ins Gras. Alle anderen Gäste, die auch noch draußen saßen, konnten der Aborigines-Frau beim Pinkeln zuschauen, während sie ihr Abendessen einnahmen.

Wieder starteten die beiden, auf die sich alle Blicke gerichtet hatten, eine neue, lautstarke Auseinandersetzung. Der Australier erhob sich jetzt, ging um den Tisch und ohrfeigte die Frau. Es war die totale Demütigung. Wankend kam die Aborigines-Frau nun ausgerechnet an unseren Tisch und stellte sich als Esther vor. Sie erzählte uns, dass sie in Halls Creek lebt – wo immer das auch sein mag. Scheinbar lebte sie dort mit dem Weißen zusammen . Er hieß Glen und kam wenig später auch an unseren Tisch. Beide schnorrten Bier und Zigaretten von uns.

Emilie schien überhaupt nicht schockiert zu sein; sie befragte Esther ausführlich über das Leben der Aborigines. Wir beide konnten das Gestammel von Esther, die so schrecklich betrunken war, kaum verstehen. Schließlich schenkte Esther ihr Stirnband der Österreicherin. Und Emilie bedankte sich bei Esther, indem sie ihr ihr Halstuch überreichte.

Ich schaute immer wieder in das exotische Gesicht von Esther, die so dicht vor mir saß. Sie hatte dicke Wangen, ein interessant geformtes Kinn und eine sehr flache Nase, die in ihrem Gesicht einen markanten Platz einnahm. Ich war nicht fähig auch nur annährend zu schätzen, wie alt Esther wohl sein mochte. Ihren Berichten zufolge ist sie stolz, eine Aborigines zu sein und sie betonte immer wieder, wie sehr sie ihre Hautfarbe liebe. Sie erzählte, dass sie erst kürzlich daheim ein Salzwasserkrokodil erschossen habe. Zuvor hatte die gefährliche Echse noch ihren Hund weggeschnappt. Ob´s stimmt?

Dieses Gespräch und die Szenen, die Emilie und ich hier erleben durften, empfand ich als außerordentlich eindrucksvoll. Beim Abschied drückte mir Esther mit ihren großen Lippen noch einen Kuss auf die Wange. Ich war sehr gerührt.

Kurz vor 22:00 Uhr verließen Emilie und ich den Pub. Auf dem Weg zurück zur Jugendherberge sahen wir dann noch einen männlichen Aborigines, der eine Frau (seine?) an den Haaren herumzerrte. Die Grillen zirpten jetzt lautstark. Welch ein milder Abend. Ich dachte noch sehr lange an die traurigen und deprimierenden Erlebnisse, die wir heute mit den Aborigines erlebt haben.

In der Jugendherberge war ich noch unter der Dusche. Ich setzte mich noch einen Moment in den Gemeinschaftsraum. Der Ventilator pustete hier aber derart unangenehm, dass ich mich doch ins Bett verabschiedete, obwohl ich gar nicht müde war. Aber auch im Zimmer war der Ventilator die ganze Nacht in Betrieb. Ich lag im unteren Bett und hing Handtücher davor, was ein guter Schutz war. Trotz des Ventilators war es aber sehr heiß im Zimmer. Ein interessanter Tag ging zu Ende.

Reportage: Australien - der Gifttier-Kontinent

44. Reisetag:
Mittwoch, 17. Februar 1988

Leider hatte ich heute früh keine Gelegenheit mehr, mich von der Österreicherin Emilie zu verabschieden. Wahrscheinlich schlief sie noch. Ich packte recht flott mein Gepäck zusammen. Bevor ich zum Hotel aufbrach, von wo der Bus abfuhr, ging ich noch auf die Toilette. Doch als ich den Toilettendeckel öffnete, erstarrte ich förmlich zur Salzsäule. In der ersten Schrecksekunde vermutete ich, dass mein Vorgänger nicht gespült hatte; aber im zweiten Moment erkannte ich, dass eine riesenhafte Kröte in der Toilettenschüssel saß. Das durfte nicht wahr sein. Die australische Tierwelt war scheinbar schon dabei, sich die Toiletten als ihren neuen Lebensraum zu erobern! Ich musste die Toilette wechseln, sonst hätte ich noch auf die Kröte pinkeln müssen und das wollte ich nun doch nicht.

Vor dem Kununurra-Hotel wartete ich dann auf die Abfahrt meines Greyhound-Busses zu einer weiteren Etappe der ewiglangen Strecke Perth-Darwin. Mit geringer Verspätung ging die Fahrt um 9:00 Uhr los. Kurz danach überquerten wir die Grenze. Wir verließen den australischen Bundesstaat Western Australia und erreichten das Northern Territory. Mit diesem Grenzübertritt war auch eine erneute Zeitumstellung verbunden. Die Uhren wurden um 1 ½ Stunden vorgestellt.

Vom Wetter her war es unverändert heiß und schwül! Also alles wie gehabt! Der Bus legte um 13:30 Uhr in Victoria River seine erste Pause ein. In Kathrine, bekannt durch die atemberaubende Schlucht, folgte kurz darauf eine weitere Unterbrechung der Fahrt. Ich schlief im Bus oder las in meinem Roman.

An einer Stelle war ein riesiger Road Train einen Abhang herunter gestürzt. Außer einem totalen Fahrzeugschaden ist nichts weiter passiert; der Fahrer wurde nicht verletzt.

Der Tag verging während der Fahrt im Greyhound-Bus überraschend schnell. Um 17:30 Uhr erreichten wir schließlich das Dorf Pine Creek, wo ich in der Jugendherberge Station machen wollte. Der Bus hielt an einem kleinen Lebensmittelgeschäft und gerade bekam ich noch mit, wie die Polizei vor dem Laden einige Aborigines festnahm, die dort anscheinend in betrunkenem Zustand randaliert haben sollen.

Die Jugendherberge war nur wenige Meter entfernt. Es war ein einfaches Haus und ich bezahlte nur $AUS 4 für die eine Nacht. Sid, ein Australier, der die Leiterin des Hauses vertrat, erledigte die Anmeldeformalitäten und stellte mich allen anwesenden Gästen vor. Viele hatte es allerdings nicht nach Pine Creek verschlagen. Einige Australier waren hier, die in der Nähe arbeiteten und zwei Inder, die mit dem Motorrad unterwegs waren.

Ich hatte mir ein Bett aussuchen können, das auf der überdachten Veranda stand. So konnte ich die Nachtluft einatmen; war auf der anderen Seite aber dem Ungeziefer ausgeliefert, dass es hier in Hülle und Fülle gab.

Die Geschäfte hatten mittlerweile geschlossen und so hatte ich nichts zu essen. Auf der Veranda stand auch ein Videorekorder. Sid hatte dort den erotischen Film 9 ½ Weeks mit Mickey Rourke und Kim Basinger eingelegt, den ich ja schon einmal im Kino gesehen hatte.

Nach Ende des Films ging ich mit 17-jährigen Australier Steve in den Pub und aß dort eine Kleinigkeit. Wir saßen draußen und tranken noch zwei Bier. Diese abendliche Aktion sprengte natürlich wieder meinen Etatrahmen. Richtig sparsam bin ich in den letzten Tagen ohnehin nicht gewesen; hoffentlich rächte sich das nicht noch mal.

Gegen 22:00 Uhr waren wir zurück in der Jugendherberge, wo ich noch einen Augenblick in mein Tagebuch schrieb. Die Dusche lieferte nur kaltes Wasser, was mich bei diesen Außentemperaturen aber keineswegs störte. Ich legte mich dann in mein Bett auf der Veranda. Ich hatte mich vorher mit Dimp eingerieben und hatte während der Nacht auch keine Last mit irgendwelchen Moskitos.

Reportage: Karijini Nationalpark

45. Reisetag:
Donnerstag, 18. Februar 1988

Es war wirklich die richtige Entscheidung gewesen, halbdraußen auf der Veranda zu übernachten. Am Morgen war es aber schon zu früher Stunde unruhig, da einige zur Arbeit aufbrachen. Die meisten arbeiteten in Minen, um Rohstoffe, vorwiegend Gold, abzubauen.

Ich stand gegen 8:00 Uhr auf und guckte zunächst etwas Fernsehen; überwiegend Nachrichten und Sport im Frühstücksprogramm. Um 9:00 Uhr holte ich mir dann aus dem nahen Laden etwas Milch und in der Jugendherberge aß ich dann etwas Müsli. Ich hatte überhaupt nichts auf dem Programm in diesem kleinen Goldminendorf, wo es keinerlei Attraktionen gab. Trotzdem verging die Zeit recht gut, denn ich brachte mein Reisetagebuch auf den aktuellen Stand. Außerdem las ich meinen Roman zu Ende.

Ein süßer, kleiner Hund namens Benny versetzte mich in besondere Begeisterung. Später versuchte ich dann noch Geld umzutauschen , was aber nicht klappte. Es war allerdings auch nicht so dringend notwendig. Die Hitze forderte auch heute wieder alles von Mensch und Tier.

Ich ging in den Pub und trank schon am Vormittag ein Bier. Dabei schrieb ich einen Brief an meinen Kumpel Andreas in Buchholz. Plötzlich spürte ich Sehnsucht nach Jenny und wollte mit ihr telefonieren. Die Verbindung klappte sofort; allerdings war ihr Ehemann zuerst am Apparat, was ich eigentlich verhindern wollte. Für $AUS 2,50 konnte ich nicht lange mit Jenny sprechen, allerdings erzählte sie mir, dass sie auf meinen Brief, den ich kürzlich an das Krankenhaus schrieb, wo wir arbeiten, bereits geantwortet habe. In Cairns werde ich den Brief dann wohl in Händen halten.

In der Jugendherberge ruhte ich mich dann noch etwas auf meinem Bett aus. Weil es so heiß war, ging ich noch einmal unter die kalte Dusche. In einer der Goldminen gab es offensichtlich eine Explosion. Sid kam am Nachmittag von der Arbeit und berichtete darüber. Er hatte wieder einen Stapel Videofilme unterm Arm. Den ersten Film, den er in den Rekorder einlegte, war eine ziemlich dumme Komödie.

Doch dann holte er noch einen anderen, brisanteren Film aus seiner Tasche. Verschwörerisch schaute er mich an. Er hatte All American Girls dabei, einen Porno, wie er mir mit einem Augenzwinkern zu verstehen gab. Porno in der Jugendherberge? Es gibt nichts, was es nicht gab!

Shirley, die Leiterin der Jugendherberge, war immer noch nicht zurück und Sid übernahm weiterhin die Vertretung. Es gab aber noch ein recht gut aussehendes blondes Mädchen hier, mit dem ich mich bisher noch nicht so viel unterhalten hatte. Zum Film: Der Porno war sicher kein Porno im Sinne, was ich darunter verstand. Es war ein Film, in dem es wirklich pausenlos zur Sache ging, aber es gab weder Nahaufnahmen noch sonst etwas, was einen Hardcore-Film ausmachte; es war sicher nur ein Softporno. Für Sid war der Film aber trotzdem eine Sensation, weil Australien, was Sex angeht, sehr prüde war.

Ich schaute auf meine Uhr und musste feststellen, dass ich das Filmwerk nicht bis zum Ende mit anschauen konnte, da mein Bus in Kürze abfahren würde. In einer Vereinigungspause packte ich mein Gepäck zusammen. Sofort hatte die Blonde meinen Platz vor dem Bildschirm eingenommen. Schade, dass ich jetzt los musste...

Der Greyhound-Bus fuhr sogar etwas eher ab. Meine letzte Busetappe auf dem Weg von Perth nach Darwin hatte begonnen. Der Trip dauerte nur noch 2 ½ Stunden. Freundlicherweise setzte mich der Fahrer direkt vor der Jugendherberge ab, die allerdings zehn Kilometer außerhalb von Darwin lag. Alle anderen Traveller, die sich noch im Bus befanden, wollten vermutlich ins Backpacker´s Hostel, das zentraler lag.

Die Jugendherberge bot ein ziemlich trostloses Bild. Kein anderer Gast war zu sehen. Das Büro hatte bis 22:00 Uhr(!) geschlossen. Es herrschte eine Grabesstille und nicht eine Sekunde habe ich den Eindruck gewinnen können, dass es sich um eine Jugendherberge in der Hauptstadt des Northern Territory handeln könnte. Eher erwartete ich so ein Haus in der abgeschiedenen Weite des Outback.

Die Jugendherberge war nur überdacht; rundherum war alles offen. Es war schon dunkel und der Himmel wurde immer wieder von Wetterleuchten erhellt. Ein Opossum rannte durch die Vorhalle und eine Katze sprang plötzlich vor mir auf den Tisch. Draußen zirpten die Zikaden. Weiter entfernt gab es ein zauberhaftes Froschkonzert. Das war also Darwin!

Lediglich vier oder fünf andere Gäste übernachteten in dieser Jugendherberge. Sofort befestigte ich eine Nachricht an der Pinnwand. Ich suchte nach jemandem, der im Auto zum Ayers Rock oder alternativ nach Queensland fahren würde. Hierüber unterhielt ich mich auch mit einem Australier, den ich hier flüchtig kennen lernte. Er hatte vielleicht Verbindungen. Ich wollte natürlich möglichst nicht in einem Rutsch zum Ayers Rock fahren, sondern in möglichst kleineren Tagesetappen.

Der Australier telefonierte jetzt mit einem Mann, der eine Nachricht hinterlassen; allerdings nach Townsville in Queensland wollte. Es stellte sich aber heraus, dass er erst Mitte nächster Woche losfährt, weil er unerwartete Probleme mit seinem Auto bekam. Allerdings betonte er gleich, dass er in nur einer großen Etappe nach Townsville durchfahren wolle, was sich für mich jetzt aber nicht mehr so attraktiv anhörte. Ich wollte auf keinen Fall so lange in Darwin bleiben wollen.

Um 21:45 Uhr meldete ich mich dann endlich in der Jugendherberge an. Im Zimmer gab es eine Klimaanlage! Das gab mir jetzt den Rest! Nur das nicht!

Ich duschte noch mit einigen Echsen und setzte mich noch in die überdachte Vorhalle, wo gerade das Opossum von vorhin lautstark einen Blecheimer umgestürzt hatte und darin wohl Nahrung vermutete.

Ich habe noch etwas gelesen und geschrieben. In der Nacht war es dann aber sehr ruhig.

Reportage: Australien fährt Asiens Wirtschaftswunder entgegen

46. Reisetag:
Freitag, 19. Februar 1988

Erst gegen 8:30 Uhr wachte ich heute in der Jugendherberge Darwin auf. Ich ging unter die Dusche und fuhr dann mit dem erstbesten Bus in die zwölf Kilometer entfernte City. Hier soll übrigens in Kürze eine moderne Jugendherberge eröffnet werden, was wohl erklärt, warum in dieses Haus, in welchem ich derzeit untergebracht bin, kein Cent mehr investiert wird.

Ich fühlte mich eigentlich doch recht wohl hier. In der Nacht war es angenehm ruhig und ich konnte ausgezeichnet schlafen.

Mit dem Stadtbus erreichte ich die Innenstadt. Für die Hin- und Rückfahrt zahlte ich $AUS 1,80. Als erstes ging ich in die beiden privaten Herberge, die es hier gab und hinterließ Nachrichten am Schwarzen Brett. Ich gab die Hoffnung nicht auf, eine Mitfahrgelegenheit zum Ayers Rock zu finden.

Ich selbst entdeckte dann auch eine interessante Anzeige. Jemand suchte Mitfahrer nach Adelaide! Natürlich wollte ich nicht nach Adelaide, aber es war unter Umständen die Möglichkeit wenigstens bis nach Alice Springs zu kommen. Ich ging in eine Telefonzelle und rief die angegebene Nummer an. Der Ansprechpartner war im Moment aber nicht zu Hause. Ich solle es später noch einmal versuchen.

Ich wollte jetzt eine Kleinigkeit frühstücken. Im Cafe´ stellte ich plötzlich voller Schrecken fest, dass mir mein kleines, grünes Notizbuch mit allen Adressen und Telefonnummern abhanden gekommen ist. So lief ich schnellen Schrittes –trotz der drückenden Schwüle- zum Telefonhäuschen zurück. Aber auch hier war das Notizbuch nicht mehr. Wie ärgerlich!

Ich fragte auch in den anliegenden Geschäften nach dem Verbleib (vielleicht hatte es dort jemand abgegeben). Auch in die privaten Herbergen lief ich zurück und schaute noch einmal nach. Sogar im Fundbüro der Polizei war ich. Das kleine Büchlein, mit dem wirklich niemand etwas anfangen kann, blieb verschwunden. Ich musste mich mit dem Verlust schweren Herzens abfinden. Schweren Herzens kaufte ich mir ein anderes, was aber die wertvollen Telefonnummern und Adressen nicht beinhaltete.

Ich ging dann noch in die öffentliche Bibliothek und wollte Bücher ausleihen, was aber nur über einen sehr bürokratischen Weg möglich war und somit hatte ich keine Chance. Meine beiden ausgelesenen Romane schickte ich auf dem Postweg zurück nach Perth. Das kostete mich schlappe $AUS 8,50, worüber ich mich anschließend sehr ärgerte.

Erfreulich war dann wenigstens, dass ich hier in Darwin eine aktuelle Ausgabe der deutschsprachigen Zeitung Diese Woche in Australien erhielt. Ich kaufte mir noch einen Kugelschreiber und in der Westpac-Bank tauschte ich wieder einen Reisescheck um.

Vom Wetter war es heute wolkig mit einzelnen Aufheiterungen aber heiß wie eh und je. Die Fußgängerzone machte mit den vielen tropischen Pflanzen einen freundlichen Eindruck. Doch schon recht bald danach hatte ich nichts mehr zu tun. Selbst zu einem Besuch des berühmten Gefängnismuseums an der Fanny Bay konnte ich mich nicht durchringen. Die Hitze machte mich faul und träge.

Etwas später fuhr ich mit dem Stadtbus wieder zur Jugendherberge zurück. Es gab hier einen kleinen Swimmingpool hinter dem Haus, an den ich mich jetzt verzog. Die Benutzung kostete nichts. Ich legte mich dann auf mein Bett und las in der vorhin gekauften Zeitung. Besonders aufregende Meldungen standen aber nicht darin.

Später lernte ich den Iren James aus Dublin und den Franzosen Thierrey Guillemin aus Paris kennen. Wir beschlossen, am Abend gemeinsam in einen Pub zu gehen, um dort eine Kleinigkeit zu essen. Leider waren wir dort in unserer legeren Kleidung nicht gern gesehen; durften aber gnädigerweise draußen Platz nehmen. Ich aß ein Schnitzel mit Salat und Brötchen. Dazu tranken wir ein Bier.

Das Wetterleuchten hatte wieder eingesetzt. James, Thierrey und ich haben uns sehr unterhalten. Gemeinsam gingen wir zur Jugendherberge zurück, wo sich der Franzose sogleich in sein Bett verzog, weil er die letzten beiden(!) Nächte im Bus verbracht hatte.

Draußen öffneten sich die Himmelsschleusen. Ein heftiger Wolkenbruch ging nieder. Allerdings donnerte es kaum oder nur sehr leise. Die Blitze zuckten jedoch taghell über den Nachthimmel. Die Niederschlagsmenge war enorm. Ich legte mich in mein Bett, um hier das Gewitter besser verfolgen und genießen zu können.

Meine Versuche, eine Mitfahrgelegenheit nach Alice Springs zu finden, verliefen bisher alle im Sande. So drohen also neue Busfahrten, worauf ich wenig Bock hatte.

Reportage: Darwin - Verschmuste Rucksäcke

47. Reisetag:
Sonnabend, 20. Februar 1988

Weder der Franzosen und noch der Ire weckten mich am Morgen, wie es abgesprochen schien. Thierry war offenbar schon frühzeitig in die Innenstadt aufgebrochen, während James immer noch schlief. Nun gut.

In aller Schnelle machte ich mich fertig und begab mich flott zur Bushaltestelle, um wenigstens den Bus um 9:20 Uhr zu erwischen. Natürlich hatte das Gewitter am gestrigen Abend in absolut keiner Weise für Abkühlung gesorgt. Es war wieder sonnig und schwül-heiß. Alles wie gehabt.

In der Innenstadt von Darwin ging ich zunächst noch einmal zu den beiden Backpacker Hostel´s, um eventuelle Mitfahrgelegenheiten auszukundschaften. Ich rief eine Person an, die eine vielversprechende Anzeige am Schwarzen Brett hinterlassen hatte; allerdings war die schon längst abgereist, wie ich zu hören bekam.

Ein letztes Mal ging ich in das Fundbüro der Polizei, wo aber mein kleines Notizbuch, das ich gestern verloren hatte, nie aufgetaucht ist. Im Greyhound-Büro buchte ich nun meine für morgen angedachte Etappe in Richtung Süden. Ich erledigte diese Buchung missmutig; weil ich doch so auf eine Mitfahrgelegenheit im Auto gehofft hatte. Aber ich muss da auch geduldiger sein und eventuell ein paar Tage länger hier in Darwin verweilen, was ich aber auch nicht wollte.

Nach meinem Besuch im Greyhound-Büro ging ich in die Fußgängerzone, wo ich jetzt frühstücken wollte. In einem kleinen Cafe´ traf ich Thierry, mit dem ich den weiteren Tag verbrachte. Thierry war wirklich ein sympathischer Kerl. Er ist fünfundzwanzig Jahre alt und arbeitete bis zu seiner Abreise bei einer Bank in der französischen Hauptstadt Paris.

Im Café bestellte ich mir ein getoastetes Sandwich und trank einen Kaffee dazu. Draußen spielte eine schottische Folkloregruppe mit ihren Dudelsäcken, der wir anschließend zuhörten. Später fuhren wir dann an die Fanny Bay, wo sich ein altes Gefängnis befand, das noch bis 1979 in Betrieb war und nun zur Besichtigung freigegeben war. Man konnte auch den Galgen betrachten, der im Jahre 1952 letztmalig zwei Menschen hingerichtet hat.

Die einzelnen Zellen waren der Härtefälle nach angebaut. Es sah alles ziemlich trostlos aus. Der Eintritt in dieses ehemalige Gefängnis war frei. Am Ende unseres Besuchs trugen wir uns noch in das Besucherbuch ein. Es war erbärmlich heiß jetzt. Es war Mittagszeit und immer wieder mussten wir etwas trinken.

Die nahe Fanny Bay lud auch nicht zum Verweilen ein. Schwimmen war aufgrund gefährlicher Meerestiere ohnehin nicht erlaubt. Nicht nur Haie hatten hier ihren bevorzugten Lebensraum; auch extrem gefährliche Quallen, wie die Seewespen konnten hier durchaus für ungewünschten Körperkontakt sorgen.

Schon bald danach fuhren wir deshalb mit dem Bus in die Innenstadt von Darwin zurück. Hier mussten wir nun ziemlich lange auf die Abfahrt des Stadtbusses zurück zur Jugendherberge warten.

Die Hauptstadt des Northern Territory war am Samstagnachmittag total ausgestorben; nur die Touristen spazierten die Fußgängerzone auf und ab. Von dem verheerenden Zyklon Tracy, der diese Stadt im Jahre 1974 verwüstet hatte, sah man keine Spuren mehr. Thierry und ich tranken erneut etwas. Der Franzose buchte jetzt seine für morgen geplante Fahrt nach Townsville in Queensland.

Schließlich hatte die Warterei ein Ende und wir konnten um 16:20 Uhr zur Jugendherberge zurück fahren. Sofort gingen Thierry und ich in den Swimmingpool, wo wir uns fast eine Stunde aufhielten. Es war der mit Abstand beste Platz bei diesen enormen Temperaturen.

Wir waren in dieser Nacht zu viert in der Jugendherberge. Außer Thierry und einem Mädchen weilte noch der Belgier Jean-Francois hier, der mir lustigerweise von seinem Bekannten in Schneverdingen erzählte; nur wenige Kilometer von Buchholz entfernt.

Der Himmel bezog sich jetzt wieder. Es donnerte und regnete etwas. Mit dem Belgier habe ich mich nett unterhalten. Zu dritt gingen wir dann noch, als der Regen aufgehört hatte, zu der Snack-Bar am Highway. Blitze jagten über den Himmel! Nach dem Imbiss gingen wir wieder in die Jugendherberge zurück. Es gab erneut einen heftigen Regenschauer.

In der Halle der Herberge saßen wir noch beisammen. Thierry und Jean-Francois unterhielten sich jetzt auf französisch, während ich in mein Reisetagebuch schrieb. Die Ruhe hier im Haus war unglaublich. Nur die Frösche quakten in der Ferne. Einzelne Regentropfen flutschten durch das Dach. Die Temperatur war jetzt etwas angenehmer. Gegen 22:30 Uhr lag ich im Bett.

Kakadu-Reportage: Das Land der sechs Jahreszeiten

48. Reisetag:
Sonntag, 21. Februar 1988

Ich muss schon sagen Auch meinen anderen neu gekauften Roman, Die geschützten Männer, eine utopische Erzählung, begeisterte mich sehr. Gleich nachdem ich in der Jugendherberge Darwin erwacht bin, las ich zunächst in diesem Buch.

Ich konnte mir heute mit allem Zeit lassen, denn bis zur Abfahrt des Busses dauerte es noch. Am Vormittag passierte nichts von Bedeutung. Wir saßen entweder in der Halle herum oder der Franzose Thierry und der Belgier Jean-Francois spielten Pool-Billard.

Alles in allem ein sehr ruhiger, typischer Sonntagvormittag. Vom Wetter her war es heute heiter bis wolkig und heiß. Zum Frühstück aß ich Müsli mit Milch. Thierry wollte heute per Bus die lange Strecke bis nach Townsville in Queensland angehen.

Wir verabschiedeten uns. Er fuhr etwa eine Stunde vor mir ab. Der Belgier Jean-Francois wollte noch etwas länger hier in der Jugendherberge Darwin bleiben. Viel konnte er nicht heute nicht tun, denn es fuhren am Sonntag absolut keine Busse in die Innenstadt, was für die Hauptstadt eines australischen Bundesstaates schon sehr schwer nachzuvollziehen war.

Um 13:30 Uhr fuhr dann mein Greyhound-Bus pünktlich ab. Mein Ziel sollte heute der Thermalort Mataranka, südlich von Kathrine, sein. Mataranka war eine Zwischenetappe auf dem langen Weg nach Alice Springs. Eine Mitfahrgelegenheit im Auto hatte ich bekanntlich nicht gefunden. Dieser Bus, mit dem ich jetzt fuhr, war besonders voll und das ließ wenig Hoffnung aufkommen, während der morgigen Nachtfahrt nach Alice Springs schlafen zu können. Unzufriedenheit machte sich bei mir breit. Lange Strecke mit dem Bus zurückzulegen, war einfach nicht mein Ding! Die bevorstehende Bus-Etappe nach Alice Springs und dann weiter nach Queensland ließen bei mir keine Vorfreude aufkommen. Erst in Queensland drohte ein Lichtblick, weil ich ja dann mit dem Schweizer Alex einen Wagen mieten würde.

Im Bus wurde ein langweiliger Videofilm vorgeführt. Ich vertiefte mich in mein Buch und machte ein Nickerchen. In Kathrine kam es dann zu einer etwa einstündigen Pause, wo ich mich an einem halben Hähnchen erfreute.

Gegen 19:15 Uhr erreichten wir Mataranka. Hier stiegen unerwartet viele Reisende aus. Die Touristen wurden von der Thermalquelle angezogen und übernachteten in der Jugendherberge, auf dem Campingplatz oder im Motel. Es war mittlerweile dunkel. Unter den tropisch grünen Pflanzen sah die hell erleuchtete Bar schön aus. Trotzdem hatte ich hier nie und nimmer so viele Touristen erwartet, zumal wir hier neun Kilometer vom eigentlich entfernt waren. Ich fühlte mich nicht besonders wohl.

Jeder schien jeden zu kennen; unzählige Pärchen fielen mir auf. Die beiden Däninnen, die ich letztmalig in Broome gesehen hatte, waren auch hier. Die Jugendherberge war dafür mit dem Zweibettzimmer umso attraktiver. Niemand teilte den Raum mit mir. Ich setzte mich nach draußen an die Bar. Ich spielte mit dem Gedanken, früh ins Bett zu gehen.

Unerwartet setzten sich dann die beiden dänischen Mädchen zu mir. Wenig später gesellten sich auch noch das deutsch-italienische Pärchen Angela und Ciro aus Witten/Ruhr zu uns. Wir haben uns dann während des Abends sehr nett unterhalten. Ich freute mich über den anschließenden Vorschlag, noch an diesem Abend die Thermalquelle aufzusuchen. Dazu mussten wir ein kleines Stück durch den Regenwald zurücklegen, was bei der Dunkelheit ein besonderes Vergnügen war.


Ciro ging mit seiner Taschenlampe voraus und leuchtete uns den Weg. Das kleine Gewässer, das bei mir den Eindruck des Paradieses hinterließ, war auch bei der Dunkelheit gut besucht. Wir gingen sofort ins Wasser. Auch andere Badende hatten ihre Taschenlampe dabei. Blitze zuckten über den Nachthimmel! Das Wetter war traumhaft und das Bad war das totale Vergnügen.

Jetzt gingen wir an die Bar zurück und tranken dort ein letztes Bier. Ich zog mich danach in mein Zimmer zurück und las noch in meinem Buch. Ich hoffte, dass die Zeit bis zum Treffen mit Alex in Cairns zügiger vergehen würde. Bis zum Wiedersehen waren es noch etwa zwei Wochen!

Tempolimit auf dem »Stuart Highway«: Eine der letzten legalen Raserstrecken der Welt gehört der Vergangenheit an: Seit 1. Januar 2007 gelten im australischen Northern Territory auf allen Straßen Geschwindigkeitsbegrenzungen, also auch auf dem »Stuart Highway«. Wer in Zukunft auf der Strecke von Alice Springs nach Darwin fährt, muss sich an Höchsttempo 130 km/h halten. Dies hatte die Regierung in Darwin wegen der vielen tödlichen Unfälle verordnet. Die meist geradeaus führende Straße ist nur zweispurig; immer wieder wandern Kamele und ganze Rinderherden auf dem Asphalt. Die Maßnahme wird von Teilen der Bevölkerung heftig kritisiert.

Reportage: Schmuckschmiede im Outback

49. Reisetag:
Montag, 22. Februar 1988

Erneut konnte ich den heutigen Morgen ziemlich ruhig angehen lassen. In meinem Zweibettzimmer konnte ich ausgezeichnet ausschlafen. Voller Spannung las ich noch in meinem Roman. Ich packte dann wieder meinen Rucksack zusammen und stellte ihn nach unten in den Flur.

An der Rezeption nebenan in der Bar meldete ich mich ab und gab den Zimmerschlüssel zurück. Zum Frühstück bestellte ich mir dann ein getoastetes Sandwich und trank einen Kaffee dazu. Ciro und Angela waren auch schon wach.

Die Möglichkeiten, etwas zu unternehmen, waren auf den Thermalteich im Regenwald begrenzt. Die Däninnen unternahmen allein einen Spaziergang durch den Wald und etwas später brachen auch Ciro und Angela auf. Meine Stimmung war nicht die beste.

Nach meinen täglichen Eintragungen ins Reisetagebuch ging ich zum Teich und ließ mich in das traumhaft warme Wasser fallen. Welch eine traumhaft schöne Landschaft umgab mich hier. Kaum eine Menschenseele war hier. Gestern konnte man die Umgebung noch nicht so genau beurteilen, denn es war ja schon dunkel. Das Wasser war glasklar. Überall wuchsen saftig grüne Pflanzen, die so typisch für den Regenwald waren.

Später gesellten sich noch Ciro und Angela zu mir ins Wasser. Gute 1 ½ Stunden verbrachte ich ununterbrochen in diesem herrlichen Gewässer; ich fror kein bisschen. Mittags aßen wir eine Kleinigkeit in der Bar. Der lange Aufenthalt im Thermalwasser hatte mich aber ziemlich müde gemacht.

Trotzdem gingen wir am Nachmittag erneut ins Wasser. Jetzt aber hatten wir Taucherbrille und Schnorchel von Angela dabei. Erstmals in meinem Leben schnorchelte ich und es klappte gleich auf Anhieb recht gut. Welch eine herrliche Unterwasserwelt bot sich mir unter der Oberfläche. Pflanzen bewegten sich wie in Zeitlupe mit der sanften Strömung des Wassers.

Winzig kleine Fischchen schwammen nur wenige Zentimeter neben mir vorbei. Kaum zu glauben, dass sie bei der warmen Temperatur des Wassers existieren konnten. Witzig war es auch, die Körper der anderen Badenden zu beobachten. Es war einfach zu traumhaft. Man konnte jetzt erahnen, wie großartig ein Schnorchelgang im Ozean sein musste. Vielleicht würde ich das ja auch noch erleben dürfen. Wir alle blieben zwei Stunden im Wasser.

Ich hatte total verschrumpelte Fingerkuppen. Das Gehen an Land ähnelte eher einem Taumeln. Unerwartet positiv verlief der heutige Tag. Wir saßen noch gemütlich an der Bar beisammen, unterhielten uns und schrieben Ansichtskarten an die Daheimgebliebenen. Natürlich tranken wir auch etwas.

Dann stand für mich ein weiterer Greyhound-Bustrip auf dem Programm. Der Gedanke, wieder etliche Stunden in bewegungsarmer Position im Bus zu sitzen, erschreckte mich. Ich hatte überhaupt keine Lust dazu. Ich ergab mich meinem Schicksal und wechselte vom tropisch-warmen Abend in Mataranka in den eisgekühlten Greyhound-Bus. Mit Verspätung begann die Fahrt, doch der Fahrer holte den Zeitverlust schnell wieder auf. Im Fahrzeug war es, wie gestern schon befürchtet, total voll. Die Beinfreiheit war unglaublich eingeschränkt. Neben mir saß die 20-jährige Deutsche Elke aus Ludwigshafen, die mich mit ihrem niedlichen Charme sofort becircte.

Während wir in der Enge des Busses beisammen saßen, haben wir uns gut unterhalten. So ging die Zeit einigermaßen gut über die Bühne. Immer wieder legte der Bus kommerzielle Pausen an Raststätten ein. So hielt der Fahrer zunächst in Daly Waters und schon eine Stunde später in Dunmurra. Auch die beiden Däninnen fuhren im Bus mit. Sie wollten wie Elke und ich nach Alice Springs.

Angela und ihrer italienischer Freund Ciro fuhren bis Tennant Creek mit, wo sie in den Bus nach Queensland umstiegen.

Reportage: Canyon der Katzenmenschen

50. Reisetag:
Dienstag, 23. Februar 1988

Bevor wir Tennant Creek, wo es ja am 22. Januar ein schweres Erdbeben gab, erreichten, wurde im Greyhound-Bus ein Videofilm gezeigt. Danach versuchte ich etwas zu schlafen. Hinter Elke und mir saßen zwei Mädchen, die frühzeitig ausstiegen. Ich stürzte mich sofort auf den freigewordenen Doppelsitz. Die Freude, sich nun ausstrecken zu können, hielt nur gute zwanzig Minuten an, denn dann stieg eine schwer übergewichtige Aborigines-Frau zu, die genau dort sitzen wollte. Stöhnend ließ sie sich in die Sitze fallen.

Ich wechselte auf den Platz neben Elke zurück. Als ich mich als erster auf den frei gewordenen Doppelsitz stürzte, verfolgten mich neidische Blicke der anderen Fahrgäste. Nachdem ich dort aber nach nur zwanzig Minuten wieder aufstehen musste, hatte ich den Eindruck, die anderen warfen einen leicht hämischen und schadenfrohen Blick in meine Richtung.

Elke war nur von zierlicher Statur und das kam mir beim Schlafen zugute. Ich bewunderte, wie tief und fest sie während der ganzen Fahrt schlief. Einmal erwachte sie kurz und lehnte ihren Kopf ganz zauberhaft an meinen Unterarm. In der Enge des Sitzes war sie sogar in der Lage, sich etwas auf die Seite zu drehen so dass sie mir ihr rundes Hinterteil entgegen streckte.

Nach der Pause in Tennant Creek setzte ich meine verzweifelten Versuche, etwas Schlaf zu finden, fort. Es ging dann auch mehr schlecht als recht. Langsam ging die Sonne auf und dunkelblauer Himmel präsentierte sich. In Ti Tree Well wurde eine Frühstückspause eingelegt.

Es war 7:00 Uhr. Hinter der Snack Bar befand sich ein Gehege, wo ein paar Tiere frei herum liefen. Mich begeisterten vor allen Dingen die zahmen Kängurus, die mir aus der Hand fraßen und die ich streicheln konnte. Ich bat Elke darum, ein Erinnerungsfoto zu machen, was sie natürlich auch tat.

Die letzten Kilometer nach Alice Springs waren nun kein Problem mehr. Pünktlich um 9:30 Uhr erreichten wir diese touristenüberflutete Stadt tief im roten Herzen Australiens. Alice Springs war zugleich das Tor zum Ayers Rock. Da es noch früh genug war, konnte ich mich noch vor 10:00 Uhr in der Jugendherberge anmelden. Viele Fahrgäste aus dem Bus bevorzugen allerdings die privaten Herbergen. Ich bevorzuge unverändert die Jugendherberge.

Elke kam mit mir mit, obwohl sie eigentlich auch mehr dem Backpacker´s Hostel zugeneigt gewesen wäre. Sofort hatten wir die Idee, ein Auto zu mieten, um damit die attraktive Gegend um Alice Springs zu erkunden, doch der Plan verlief leider im Sande, weil man auf einen Mietwagen einige Tage hätte warten müssen; heute waren alle ausgebucht.

Zuerst ging ich unter die Dusche; anschließend ging ich in den Greyhound-Terminal, wo ich die für morgen geplante Tour nach Yulara buchte. Elke wollte mich dorthin begleiten und es war sogar angedacht, dass ich mit ihr mein Zelt teile.

Zusammen mit einer anderen Deutschen, Heike aus Kiel, gingen wir dann auf eine Tasse Kaffee in die Fußgängerzone. Das Klima in Alice Springs war wüstenhaft trocken. Von Schwüle war hier keine Rede mehr. Gott weiß, wann es hier zuletzt geregnet hatte. In Alice Springs lebten viele Aborigines.

Elke, Heike und ich gingen dann zum Stützpunkt der Royal Flying Doctor´s. Diese gemeinnützige Stiftung hilft Kranken oder Verunglückten im Outback, zum Beispiel in Aborigines-Reservaten oder auf entlegenen Farmen. In Flugzeugen werden die Kranken dann ins Krankenhaus der nächstgrößeren Stadt gebracht. Man muss sich wirklich die enormen Entfernungen einzelner Ortschaften vorstellen. Mit einem Krankenwagen war hier schnelle Hilfe nicht mehr gewährleistet.

Der Eintrittspreis ins Hauptquartier der fliegenden Ärzte betrug $AUS 1,50. Zuerst wurde den Besuchern ein kleiner Film vorgeführt. Anschließend erklärte uns eine Leiterin diesen medizinischen Service etwas genauer. Das war´s dann aber auch schon. Auch im Hauptquartier wurden reichlich Souvenirs für die vielen Touristen angeboten, die diese Kleinstadt bevölkerten.

Ich entdeckte dann noch die Nachricht, dass jemand Mitfahrer in seinem Wagen nach Cairns suchte. Bei großer Hitze suchte ich das Private Hostel auf, wo der Inserent seine Unterkunft hatte. Allerdings erfuhr ich, dass er bereits abgereist war, obwohl er in dem Inserat als Abfahrtsdatum den 26. Februar genannt hatte. Somit hatte sich auch dieses Thema erledigt.

Die Jugendherberge war ganztägig geöffnet. So nutzte ich die Gelegenheit und ruhte mich auf meinem Bett einen Moment aus. Später setzte ich mich dann in den Aufenthaltsraum. In diesem Moment betrat eine Aborigines-Frau, die an ihrer Lippe eine riesengroße Warze hatte, den Aufenthaltsraum. Sie wollte handgemachte Souvenirs der Ureinwohner verkaufen. Ihre Fahne war meilenweit zu riechen. Unverrichteter Dinge musste sie wieder gehen; niemand hatte ihr etwas abgekauft.

Einen weiteren, etwas überraschenden Zwischenfall, gab es wenig später. Beamte in Zivil zeigten den hier Anwesenden ihren Dienstausweis und wollten die Reisepässe kontrollieren. Sie kamen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von der australischen Einwanderungsbehörde, um festzustellen, ob sich hier illegale Reisende ohne gültiges Touristenvisum aufhielten. Es war alles in Ordnung und die Beamten zogen weiter.

Ich war dann noch kurz im Supermarkt und las danach auf dem Sofa in meinem utopischen Roman von Robert Merle. Bereits gestern in Mataranka hatte ich mich mit dem Schweizer Walter bekannt gemacht. Ihn sah ich hier heute wieder. Gemeinsam gingen wir am Abend noch in den Pub, wo wir uns bei einem Bier sehr nett unterhalten haben.

Vom Pub aus war es besonders eindrucksvoll zu beobachten, wie viele Touristen sich im Vergleich zur Einwohnerzahl hier in Alice Springs aufhielten. Und das alles wegen des Ayers Rock!

Auf dem Rückweg wurde Walter noch von einem Aborigines-Pärchen abgesprochen. Sie bettelten ihm um Zigaretten an, aber da er nicht rauchte, verwies er die beiden frecher Weise an mich. Dreist! Jetzt hatte ich die beiden am Hals und wurde prompt drei Zigaretten los. Während ich mit den beiden Ureinwohnern verhandelte, war Walter schon zur Jugendherberge zurückgekehrt.

In der Jugendherberge ging ich dann sofort unter die Dusche. Ich hielt mich dann noch im Gemeinschaftsraum auf, der eine ähnlich große Halle war, wie der in Darwin. Schon recht frühzeitig legte ich mich dann ins Bett; denn morgen früh mussten wir zeitig aufstehen. Die Besteigung des heiligen Berges der Aborigines, Ayers Rock, stand auf dem Programm.

Reportage: In einem Zug