Michael Schubert beschreibt seine 104-tägige Reise nach Singapur und durch Australien. Die Seiten werden durch ein Reiseforum, einen Grusskartenservice, eine Linkhitliste, einen ChatRoom sowie free SMS & free E-Mail-Konto abgerundet


21. Reisetag:
Montag, 25. Januar 1988

Der Tag begann mehr schlecht als recht, doch er entwickelte sich dann noch zu einem herrlichen Finale. Das Wetter spielte auch mit; es zeigt sich wieder von seiner besten Seite. Die Temperaturen waren sehr angenehm.

Ich stand schon früh gegen 8:00 Uhr auf und bekam als erstes eine unerfreuliche Nachricht auf den Tisch: Gundula hatte über Nacht ihre Pläne geändert und wollte nun nicht mehr mit mir zu den zwölf Aposteln an der berühmten Great Ocean Road trampen. Sie hatte sich spontan dazu entschlossen, schon heute nach Melbourne zu trampen. Ich war ziemlich sauer, wie ich ehrlich gestehen muss. Es ist eben immer ein ziemlich blödes Gefühl, wenn man vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Wegen ihr war ich ja heute auch so früh aufgestanden. Sonst wäre ich bestimmt noch ein Stündchen im Bett geblieben. Ich mache aber auch keinen Hehl daraus, dass ich einen vollen Tag mit Gundula durchaus genossen hätte. Bullshit!

Es drohte nunmehr ein langweiliger Tag zu werden. Port Fairy bot herzlich wenig Attraktionen. Ich plante die nächsten Stunden mit dem Braunschweiger Torsten zu verbringen, den ich ja gestern kennen gelernt hatte. Allerdings wollte auch er heute noch nach Melbourne fahren – allerdings erst gegen 16:00 Uhr.

Ich ging kurz in den Ort und kaufte mir unter anderem eine Tageszeitung. Torsten und ich haben dann die Zeitung gemeinsam gelesen. Dazu tranken wir Kaffee und rauchten einige Zigaretten. Er zeigte mir dann tolle Fotoaufnahmen von seiner Reise durch Thailand. Später gingen wir dann gemeinsam in die Ortschaft und danach an den Strand, der etwas abseits von der steinigen Küste lag. Es war eine herrlich lange Beach mit weißem Sand. An manchen Stellen war es sehr überlaufen und zwar immer dort, wo das Schwimmen und Surfen erlaubt war. Es war ein langes Feiertagswochenende und das wurde von vielen Kurzurlaubern aus dem Großraum Melbourne ausgenutzt. Außerdem waren auch noch Schulferien.

Torsten ging nach einer Weile zurück in die Jugendherberge und ich startete zu einer langen Wanderung am Strand entlang. Ich ging etwa eine ¾ Stunde in die eine Richtung und drehte dann wieder um. Das war schön und viel interessanter, als ohne etwas zu tun, im Sand zu liegen. Arme, Beine und Gesicht bekamen immer mehr (rote!) Farbe.

Auch heute hielt mein Heißhunger auf Geflügel an. Ich ging in den Ort und holte mir wieder ein halbes Hähnchen, das aber wieder nicht so berühmt war. Teilweise war es innen noch rot. In der Jugendherberge konnte ich mich dann gerade noch von Torsten verabschieden, der nun nach Melbourne abreiste. Ich stellte mich dann auf einen langweiligen Abend ein.

Die Wende kam dann aber urplötzlich, als ich draußen Diana laufen sah, wobei es sich um die Diana handelte, die ich in Camperdown kennen gelernt hatte und die mich nach Perth eingeladen hat. Diana Rowell war eine Engländerin aus New Romney/Kent, die erst heute in der Jugendherberge Port Fairy eingetroffen war. Falls es so etwas wie Liebe auf den ersten Blick gab, woran ich eigentlich nicht so recht glaubte, so mag es jetzt passiert sein. Ich war sofort von Diana, die übrigens dreiundzwanzig Jahre alt war, hingerissen. Selbst Gundula geriet schnell in Vergessenheit.

Sie war eine liebenswerte Erscheinung und beeindruckte mich durch ihre Freundlichkeit und durch ihren Charme. Ihre herrlich gelockten roten Haare, die mich eher an eine Irin erinnerten, luden förmlich zum Kraulen ein. Ihr Gesicht wurde durch eine niedliche Stupsnase gezeichnet. Außerdem hatte sie eine sexy Figur! Ihre hautengen Jeans betonten ihr Hinterteil, wie es optimaler nicht ging. Soweit die Äußerlichkeiten.

In mir spielten sich starke gefühlsbetonte Kämpfe ab. Ich war durchaus etwas eifersüchtig, als sie zwei ankommende Deutsche zu freundlich begrüßte. Darunter war übrigens auch der Süddeutsche, der mir schon in der Jugendherberge Geelong missfiel. Ich konnte die gierigen und geifernden Blicke richtig erahnen. Machen wir es kurz: Mit Diana passierte nichts! Ich konnte es mir noch so sehr wünschen. Nichts von dem was ich mir in meiner Phantasie vorstellte, geschah auch nur annährend. Sie war einfach zu allen höflich und charmant. Es wäre albern und naiv, wenn ich mir eingebildet hätte, sie wäre nur zu mir nett gewesen.

Diana arbeitete in einem Londoner Vorort als Krankenschwester. Leider wird auch sie in die entgegensetzte Richtung reisen. Es wäre natürlich zu schön gewesen, wenn wir uns nochmals wiedergetroffen hätten.

In der Jugendherberge lernte ich die australischen Freunde Paul (18 Jahre) und Michael (21 Jahre) kennen. Sie besaßen ein Auto und wollten mich doch tatsächlich morgen mit zur schwer erreichbaren Jugendherberge Mount Richmond nehmen. Das war eine wirklich gute Nachricht! Die Australier sorgen einmal mehr für ein saugutes Image!

Michael war ein sehr sympathischer, viel jünger aussehender Typ, während Paul das genaue Gegenteil darstellte. Er war außerordentlich dick, stotterte etwas und sah sehr ungepflegt aus. Zudem sah er deutlich älter als achtzehn Jahre aus. Nichtsdestotrotz war auch er sehr nett und zuvorkommend.

Gegen 19:30 Uhr gingen Diana, Paul, Michael und ich noch auf den Swutsch. Auch der sehr scheu wirkende Australier Scott gesellte sich später noch zu uns. Im Pub tranken wir noch ein Bier. Dabei haben wir uns prima unterhalten. Meine Augen waren nur bei Diana.

Um 20:30 Uhr gingen wir dann auf die Griffiths Island, wo sich im Prinzip jeden Abend ein Naturschauspiel ereignete, was ich allerdings erst heute erfuhr. Bei Sonnenuntergang kommen in das Vogelreservat, wo Gundula und ich gestern noch versackten, Schwärme von Muttonbirds vom Meer zurück geflogen, die zur Nacht ihre Nester aufsuchten. Das ist auch der Grund, warum wir gestern, als wir die verbotene Abkürzung durch das Reservat nahmen, nur einen einzigen Vogel aufscheuchten – alle anderen waren noch über dem Meer!

Wir mussten eine Weile warten, wurden dann aber entschädigt. Die Tiere drehten zunächst über dem Reservat ihre Runden und flogen dann tiefer und tiefer. Oftmals flogen sie nur rasiermesserscharf über unsere Köpfe hinweg. Dann raschelte es; und –schwupps!- war einer der Vögel auch schon in seinem unterirdischen Nest verschwunden.

Wir gingen dann von der künstlichen Insel zurück in den Pub, wo jetzt Live-Musik gespielt wurde. Scott, der scheue Australier, kam jetzt nicht mehr mit. Paul, Michael, Diana und ich bezahlten den Eintritt von $AUS 3 und wurden mit ausgezeichneter Musik von der Chris Kenna Band überrascht. Die Musik war zwar ohrenbetäubend und durchaus Hardrock-ähnlich, aber irre super!

Diana zeigte mir die Adresse ihrer deutschen Freundin, die sie noch dieses Jahr besuchen will. Ich fiel fast vom Hocker, als ich sah, dass ihre Freundin in der Gemeinde Seevetal; nur ein Katzensprung von Buchholz entfernt, wohnte. Sie versprach, mich dann auch besuchen zu wollen. Sollte sie das tun, wird sie bei ihrer Freundin übernachten und nicht in meinen Armen, wie ich mir das vielleicht gewünscht hätte. Ich schmolz dahin; Diana verdrehte mir arg die Augen.

In der Lounge saßen wir praktisch direkt vor der Band. Von hier aus konnte man auch all die tanzenden Besucher gut beobachten. In der Pause kamen zwei Originale nach vorne ans Mikrofon und gaben ein paar Country-Songs zum besten. Sie sangen ohne jede musikalische Begleitung und ernteten dafür stürmischen Applaus.

Die Band spielte weiter und die Stimmung ging weiter dem Siedepunkt entgegen. Michael forderte nun Diana zum Tanz auf. Später forderte die Engländerin dann auch Paul und mich auf. Sie war eben zu allen freundlich! Obwohl Tanzen nicht zu meinen ausgeprägten Hobbys zählte, gab ich mit Diana eine Darbietung. Die Songs waren derart gut, dass ich vor Begeisterung lauthals mitsang.

Schon nach kurzer Zeit schwitzte ich derart, dass mir der Schweiß wie Wasser die Stirn hinab lief. Fast wurde mir sogar übel; weil ich es so übertrieb.

Gegen 0:30 Uhr war das hörenswerte Konzert der dreiköpfigen Band dann zu Ende und wir gingen bester Stimmung in die Jugendherberge zurück, wo sich Dianas und mein Weg leider für heute trennten. Ich ging noch unter die Dusche, was nach der Tanzerei auch bitter nötig war. Außerdem cremte ich noch Arme und Beine ein, die heute von der Sonne ziemlich gerötet worden sind.

Gegen 1:00 Uhr lag ich dann im Bett und dachte an Diana. Binnen vierundzwanzig Stunden habe ich zwei ungewöhnlich attraktive Frauen kennen gelernt – und nichts ist passiert! Wahrscheinlich werde ich alt! Aber ehrlich gesagt: An Gundula dachte ich schon gar nicht mehr!

Info: Naturwunder Australien (Reportage)

22. Reisetag:
Dienstag, 26. Januar 1988

Von Tag zu Tag erhöht sich bei mir die Unruhe über meinen erst kürzlich operativ entfernten Weisheitszahn. Bei der kleinsten Bewegung empfinde ich im Gesichtsbereich ein eigenartiges Druckgefühl. Besonders unangenehm ist es, wenn ich meine Wange berühre. Im Augenblick sieht es aus, als ob ich wohl nicht um einen Zahnarztbesuch herumkommen werde.

Nach einer kurzen Nacht weckte mich Michael Harrison, der Australier, gegen 7:45 Uhr. Anlässlich der heutigen 200-Jahr-Feier Australiens gab es im Stadtzentrum von Port Fairy ein kostenloses Frühstück, was wir uns nicht entgehen lassen wollten. Daher war frühes Aufstehen angesagt.

Diana, Michael, Paul, Scott und ich begaben uns zusammen in den Ortskern. Es gab Spiegelei, Brot, Wurst, Saft und Kaffee, was wirklich nichts kostete. Zurück in der Jugendherberge packte ich meinen Rucksack zusammen. Der Abschied stand unmittelbar bevor. Michael Harrison machte noch ein Erinnerungsfoto von uns. Diana, die Engländerin, sah in ihrem luftigen Rock besonders sexy aus. Allerdings war ich nicht der einzige, den dieser Anblick begeisterte. Auch die beiden Deutschen schienen in ihre Richtung zu gieren.

Gewiss würden alle heute einen schönen Tag am Strand verbringen, denn das Wetter entwickelte sich wieder prächtig. Zu meiner Freude drückte Diana mir zum Abschied noch ein Küsschen auf die Wange, was mir den Abschied noch schwerer machte. Paul und Michael hatten meinen Rucksack bereits im Auto untergebracht. Wenig später verließen wir die Jugendherberge und fuhren in Richtung Portland.

An einem Aussichtspunkt hielten wir an und bewunderten die Umgebung. Im kleinen Küstenort Portland kaufte ich noch ein paar Lebensmittel für meinen Aufenthalt in der abgelegenen Jugendherberge Mount Richmond ein.

Gegen Mittag erreichten wir dann die Nioka-Farm, die gleichzeitig auch eine assoziierte Jugendherberge war. Laut Herbergsführer gab es hier fünf Betten. Alles war hier anders als in den normalen Jugendherbergen. Hier gab es nichts außer wilder und schöner Natur! Die nächsten Geschäfte lagen rund vierzig Kilometer –in Portland!- entfernt. In die andere Richtung waren es etwa dreißig Kilometer bis nach Nelson, wo man hätte einkaufen können.

Ruth und Terry waren die Besitzer der Nioka-Farm. Sie hatten noch zwei Töchter. Michael und Paul, die mich so hilfsbereit mitgenommen haben, wurden auch noch zu einer Tasse Tee ins Haus eingeladen. Sie wollten heute allerdings noch weiter nach Mount Gambier.

In Aufbruchstimmung befand sich eine Gruppe Rollschuhläufer aus Frankreich, die hier die letzte Nacht verbracht hatten. Drei Mann, die gemeinsam Australien auf Rollschuhen durchquerten – das muss man sich mal vorstellen! Heute wollten die drei noch bis Portland kommen.

Mein Bett stand in einer Art von Kabine mitten im Garten. Es war absolut sauber hier wie man es nicht immer kannte. Das Bett besaß sogar eine Heizdecke! Über Nacht sollte ich der einzige Gast in dieser Jugendherberge sein.

Die Farm besaß eine große Anzahl von Schafen, dazu gab es natürlich Arbeitshunde, Katzen, Rinder, einen kakaduähnlichen Vogel, der Gonzo hieß. Es gab Pferde und ein Emu, die in Gehegen untergebracht waren. Hühner, Tauben und viele freilebende Tiere auf den Weiden ergänzten das Bild.

Gegen Mittag kamen zwei Trucks, die eine große Anzahl von Schafen verluden und nach Melbourne bringen wollten. Hierbei hätte ich sicher gern geholfen, erinnerte es mich doch sehr stark an die Art, die ich schon in Neuseeland auf der Farm der Murphy´s kennen gelernt hatte. Aber ich traute mich noch nicht, meine Hilfe anzubieten.

So saß ich dann während des Nachmittags meist herum und schrieb überwiegend in mein Reisetagebuch. Später nahm mich Terry dann mit. In seinem Wagen fuhren wir dann zu seinem Nachbarn, um Heuballen aufzuladen. Dabei half auch der in Ägypten geborene Tolly mit, der ein Freund des Hauses war.

Die Heuballen waren mit Striemen zusammen gebunden und ziemlich schwer. Sie sollten auf den Wagen verladen werden. Terry warnte mich eindringlich vor hochgefährlichen Schlangen, die hier leben und sich mit Vorliebe zwischen den Heuballen ausruhten, weil es dort für sie angenehm warm war. Grundsätzlich stieß Terry zunächst jeden Ballen um, damit er sah, ob sich dort Reptilienbesuch eingenistet hatte oder nicht.

Die aufgeladenen Heuballen fuhren wir auf Terry´s Farm ab. Von Ruth gab es zwischendurch eine Tasse Kaffee. Zwischen 18:00 Uhr und 19:00 Uhr ruhte ich mich auf meinem Bett etwas aus. Dann gab es im Fernsehen die Nachrichten, die heute natürlich ganz im Zeichen der 200-Jahr-Feier standen.

Zum Abendessen gab es Rindfleisch mit Gemüse; als Nachtisch wurde Eis mit Beeren gereicht. Es kristallisierte sich dann doch mehr und mehr heraus, dass ich am Donnerstag in Mount Gambier voraussichtlich einen Zahnarzt aufsuchen werde. Ruth konnte mir einen guten benennen und gab mir die Adresse der Praxis. Ich plante, so lange in Mount Gambier in einem Motorcamp zu bleiben, bis ich ohne Beschwerden war. In diesem Motorcamp wollte ich aber nicht in meinem Zelt hausen, sondern vielmehr in einem der zur Verfügung stehenden Wohnwagen. Diese Geschichte nervte mich natürlich schon und passte mir überhaupt nicht ins Konzept. Es bedeutet große Umständlichkeiten und natürlich würde es auch meinen Reiseetat belasten, weil ich den Zahnarzt schließlich bezahlen musste. Aber im Moment sah es so aus, als ob mir nichts anderes übrig bleiben würde.

Für mich bestand dann morgen die Alternative, mit Ruth nach Portland zu fahren oder mit Terry die Schafe zu drenchen. Ich entschied mich natürlich für letzteres. Als Duty, die ja in Jugendherbergen üblich waren, bekam ich die Aufgabe, das Geschirr zu spülen.

Da das Wasser hier sehr knapp war, blieb nach dem Abwasch nur Zeit für eine kurze Dusche. An giftige Reptilien und Wasserknappheit musste ich mich erst einmal gewöhnen.

Der Tag auf dieser herrlich gelegenen Farm inmitten paradiesischer Natur neigte sich dem Ende zu. Ich legte mich in mein Bett und schrieb noch ein paar Worte. Als ich das Licht ausknipste, schien nur das Licht des Mondes in mein Zimmer ...

23. Reisetag:
Mittwoch, 27. Januar 1988

Erst gegen 9:00 Uhr stand ich heute morgen auf. Ich genoss die Ruhe und das gemütliche Bett. Draußen war es wieder wolkenlos. Die Sonne würde bis zum Untergang pausenlos scheinen. Und die Temperatur stieg bis auf stattliche 26 °C. Ich erfrischte mich im Bad und nahm mir dann in der Küche mein Frühstück. Es gab leckeres Müsli, Kaffee und Toast dazu. Anschließend spülte ich wieder das Geschirr.

Ehe es dann zusammen mit Terry endlich zu den Schafen ging, dauerte es noch etwas. Ich setzte mich nach draußen und streichelte die schlauen und lieben Hunde. Erstmals sah ich heute auch einen Kookaburra, ein großer Vogel, der sich auf einem Zweig niederließ und seine berühmten Laute ausstieß.

Terry hatte derweil schon einige Lämmer in ein Gehege gebracht. Gegen Mittag ging es dann endlich los. Mit seinem Kleinlaster fuhren Terry und ich zu den Schafen. Ich stellte auf die hintere Plattform und so fühlte ich den Wind dieses wunderschönen Landes. Einige der Hunde standen mir auf dem Wagen; die anderen liefen begeistert vor dem Fahrzeug her.

Im Stall füllte Terry jetzt das Drenching-Mittel ab. Diese Verabreichung eines Wurmkur-Medikamentes kannte ich ja schon von meiner Zeit in Neuseeland. Im März letzten Jahres hat mir Farmer Kevin Murphy ja genau dieses beigebracht. Mit Hilfe einer pistolenartig aussehenden Spritze wird den Schafen die Dosis seitlich in das Maul verabreicht. Die Methode ist sehr schweißtreibend, weil man sich in dem engen Gehege ständig vorwärts bewegen muss, nachdem man einem Schaf die Dosis verabreicht hat.

Es war dabei sehr wichtig, dass kein Schaf vergessen wurde. Genauso wichtig war es aber auch, dass keinem Tier zweimal eine Dosis verabreicht wurde. Da konnte man schnell einmal den Überblick verlieren. Binnen fünf Minuten war Terry mit einem Pferch durch. Das ist so unglaublich schnell, dass einem die Worte fehlten. Ich durfte dann auch endlich mal ran. Sofort kam ich aufgrund der ungewohnten Tätigkeit ins schwitzen. Wie als Rucksack trug ich die Medizinflasche auf dem Rücken und kämpfte mich von Schaf zu Schaf durch.

Der Schweiß perlte mir in der Mittagshitze von der Stirn. Meine sonnenverbrannten Beine rieben außerdem an der rauen Wolle der Schafe. Einmal sprang ein Lamm vor Aufregung in die Höhe und so rasselten wir mit unseren Köpfen zusammen. Ich brauchte etwa fünfzehn Minuten mit der Abfertigung. Später ging Terry dann von der einen Seite, während ich ihm von der anderen Seite entgegen arbeitete. Wir trafen uns dann immer in der Mitte. Nach jeder Verabreichung mit dem Wurmmittel trieben die Hunde die Schafe in eine andere Umzäunung, während von der anderen Seite neue Schafe nachkamen.

Die Sonne brannte vom Himmel und es staubte wie in der Sahara. Die Abermillionen von Fliegen ließen nicht von mir ab. Aber es brachte riesigen Spaß. Das Armband meiner Uhr gab zuerst auf und riss im Zuge der harten Arbeit entzwei. Später wurde es aber von einem australischen Mann repariert, der mit seiner Familie am Nachmittag auf der Farm eintraf und bis morgen bleiben wollte.

Zwischendurch war es Zeit fürs Mittagessen. Ruth war am Morgen nach Portland gefahren und noch nicht wieder zurück. Ich las in der Pause in der Zeitung und erfuhr auf der Wetterseite, dass der deutsche Winter mit Durchschnittstemperaturen von +6 ° C immer noch recht mild war. Von Schnee war überhaupt keine Rede. Aber das ist mir im Moment sowieso egal. Hier hatte ich mit Hitze und Fliegenschwärmen zu tun!

Am Morgen hatte Ruth für mich beim Zahnarzt Dr. Reed in Mount Gambier angerufen und einen Termin für mich am morgigen Freitag ausgemacht. Außerdem reservierte sie mir einen Platz im Wohnwagen eines Motorcamps, wo ich Ruhe hatte und mein Zeltproblem auskurieren konnte. Wichtig war, dass ich nicht bis 17:00 Uhr vor irgendwelchen Jugendherbergstüren warten musste, sondern, falls nötig, sofort liegen konnte. Ich hoffte natürlich, dass ich um eine blutige Behandlung herum kommen würde. Allerdings war mir nicht ganz wohl bei dem Gedanken, bei dieser großen Hitze in einem Wohnwagen liegen zu müssen.

Nachdem Terry und ich mit der Verabreichung des Anti-Wurm-Medikaments fertig waren, unterhielt ich mich etwas mit der eingetroffenen australischen Familie und las in meinem Buch unter einem schattigen Baum. Später machte ich noch einen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt, wo man einen eindrucksvollen Blick auf den Pazifischen Ozean hatte, dessen Tosen man bis zur Farm hören konnte.

Am Nachmittag hatte ich noch versucht, dem Emu, das zur Farm gehörte und auf der Pferdekoppel untergebracht war, näher zu kommen. Aber unglaublich schnellen Schrittes entwich es mir.

Um 19:00 Uhr ging ich unter die Dusche. Jetzt guckte ich die Nachrichten und danach gab es Dinner. Ich hatte Hunger wie ein Wolf und genoss die kleinen Lammkoteletts, die Ruth heute Abend zubereitet hatte. Dazu gab es frischen Salat und Kartoffeln. Zum Nachtisch servierten Ruth´ Kinder noch Eis, das mit Melonenstückchen gespickt war.

Die Schafe, die am Nachmittag von uns behandelt worden sind, mussten nun von der Weide, wo sie hoffentlich die Würmer ausgeschieden hatten, weggetrieben werden. Dazu nahm mich Terry mit, wofür ich sehr dankbar war. Ich sprang wieder auf die Ladefläche des Wagens und auf ging´s.

Es war ein kaum zu beschreibendes Bild, wie die Schafe vor uns hergetrieben wurden. Und dazu das Panorama mit der untergehenden Sonne. Die Landschaft bekam jetzt eine goldene Farbe. Welch eine Weite, welch ein atemberaubend schönes Land – und ich war mittendrin! Das musste die unendliche Freiheit sein, die ich jetzt im leichten Fahrtwind spürte.

Ich packte noch ein geschwächtes Schaf und hob es über einen Zaun, wo es sich schon bald wieder erholte. Alle Tiere waren schließlich auf der Weide. Leider konnte ich bisher keine Kängurus oder Emus entdecken, die es ja in Australien in großer Zahl gibt. Ich war Terry sehr dankbar für diese abendliche Fahrt. Jetzt fuhren wir zur Nioka-Farm zurück.

Wir zerkleinerten noch etwas Holz, was Terry mit seiner Axt zügig erledigte. Ich transportierte das Holz dann mit einer Schubkarre zum Haus. Jetzt bekamen auch die fleißigen Hunde ihr Futter. Die Pferde kamen dem Napf von Hund Max arg nahe, so dass er halb mutig, halb ängstlich, bellte.

Im Wohnzimmer des Farmhauses guckten wir noch etwas Fernsehen. Gegen 23:30 Uhr ging ich dann in meine Koje und war froh über den schönen Ablauf dieses Tages.

Reportage: Indian Pacific - There is nothing out there

24. Reisetag:
Donnerstag, 28. Januar 1988

Die australische Familie, die gestern Nachmittag noch eingetroffen war, schlief im Nebenraum der Kabine. So weckte mich am Morgen das Knarren der Tür. Unverändert stand heute bevor mit extrem heißen Temperaturen von etwa 36 °C. Keine einzige Wolke war am Himmel erkennbar. Meine Gedanken aber kreisten um den bevorstehenden Zahnarzttermin in Mount Gambier.

Zunächst aber gab es Frühstück. Es gab wieder Müsli mit Milch und Toast. Anschließend packte ich wieder meinen Rucksack zusammen. Würde ich heute nicht zum Zahnarzt müssen, wäre ich gewiss noch etwas länger auf der Nioka-Farm geblieben.

Vier ältere Damen hatten sich auf der Farm eingefunden, die ebenfalls mit Ruth zum einkaufen nach Mount Gambier wollten. Vorwiegend wollten sie nach Wolle schauen, was deren gemeinsames Hobby ist. Gegen 10:45 Uhr ging es los. Für mich war es die einmalige Chance, umsonst und ohne Trampversuche nach Mount Gambier zu kommen. Zu sechst saßen wir in Ruths Wagen.

Während der Autofahrt überquerten wir die Bundesstaatengrenze Victoria – South Australia. Das war gleichzeitig der Moment, wo die Uhren um eine halbe Stunde zurückgestellt wurden. Ich war Ruth sehr dankbar, denn sie brachte mich freundlicherweise zum Motorcamp, wo ich jetzt meinen Rucksack im Büro abstellte.

Danach regelte sie für mich den Zahnarztbesuch bei Dr. Reed, der seine Praxis eine Straße weiter hatte. Die Assistentin von Dr. Reed war eine in Ostpreußen geborene Deutsche, die mir bei der Schilderung meines Zahnproblems half. Vorher verabschiedete ich mich noch von Ruth. Ich brauchte überhaupt nicht lange zu warten. Schon kam ich an die Reihe. Dr. Reed war sehr nett und vorsichtig.

Zunächst fertigte er eine Röntgenaufnahme an. Zu meiner Überraschung konnte er aber weder bei der Untersuchung noch bei der Betrachtung des Röntgenbildes irgend etwas ungewöhnliches an der operierten Weisheitszahnstelle entdecken. Was aber verursache dann die leichte Schwellung meiner Wange und was verursachte das unangenehme Druckgefühl bei bestimmten Bewegungen?

Dr. Reed schlug mir vor, morgen nach Adelaide zu fahren und dort im Dental Hospital den Zahnarzt Dr. Robinson aufsuchen. Dr. Reed konnte ein Abszess zwischen Wange und Zahn nicht völlig ausschließen. Er gab mir einen Brief und die Röntgenbilder für eine eventuelle Weiterbehandlung mit auf den Weg. Für die Behandlung zahlte ich $AUS 25 per Kreditkarte. Ich verließ die Praxis und hoffte auf Besserung.

Die nächsten Minuten arteten dann in Stress aus, denn ich musste sowohl die Zugverbindung nach Adelaide als auch die dortige Übernachtung in der Jugendherberge sicherstellen. Ich stand deshalb unter Druck, weil schon wieder ein Wochenende bevor stand. Es war schon ungünstig genug, dass ich erst am morgigen, späten Freitagnachmittag bei Dr. Robinson sein konnte.

Die Zugreservierung ging klar und auch die Übernachtung in der Jugendherberge Adelaide wurde mir zugesagt, die ich problemlos mit meiner Kreditkarte buchen konnte.

Natürlich brauchte ich im Motorcamp nicht in dem teureren Wohnwagen übernachten. So wählte ich wieder einen Zeltstellplatz, der mich nur $AUS 8 kostete. Ruckzuck hatte ich das Zelt unter schattigen Bäumen aufgebaut. Der Campingplatz lag zentral im Stadtzentrum von Mount Gambier.

Bei der Bank tauschte ich noch einen Reisescheck gegen Bargeld um. Aufgrund des anhaltend schönen Wetters entschied ich mich für den Kauf von FlipFlop´s, die es günstig für AUS 4,99 in einem Laden gab. Wegen der hohen Temperaturen habe ich sehr viel getrunken.

Trotz der Hitze unternahm ich noch eine Wanderung zum Blue Lake, einem See vulkanischen Ursprungs, der extrem blaues Wasser hatte. So etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen. Im Laufe des Jahres, so ließ ich mir berichten, wechselte seine Farbe in ein trübes Grau. Niemand hat dafür eine plausible Erklärung!

Im Motorcamp hatte ich noch meine Wäsche gewaschen und Antibiotika von der Apotheke abgeholt, die mir Dr. Reed noch verschrieben hatte. Ich legte mich dann in mein Zelt und habe etwas in meinem Buch gelesen. Aus Langeweile ging ich etwas essen – zum Schlafen war es einfach noch viel zu früh!

Während der Nacht im Zelt wachte ich immer wieder auf. Es war aber wenigstens warm und trocken. In dieser Nacht gab es keine Probleme mit der Kondensation an der Zeltwand.

Info: South Australia

25. Reisetag:
Freitag, 29. Januar 1988

Auch ohne Wecker wachte ich am Morgen pünktlich auf. Das Zelt war überall so gut wie trocken; die Nacht war mild gewesen. Schon jetzt konnte man es sich mühelos ausrechnen, wie heiß es heute wieder werden würde.

Ich packte alle meine Sachen zusammen. Pech hatte ich mit einem der drei Gürtel, die meine Iso-Matte und mein fest Zelt zusammen hielten – er riss und so mussten die beiden anderen alles so gut es ging zusammenhalten.

Am Bahnhof von Mount Gambier wartete der Zug nach Adelaide bereits, der aber nur aus einem Waggon bestand. Busse und Bahnen verkehren wirklich ziemlich sparsam. Im Abteil war es eisig kalt. Die Klimaanlage war auf Höchststufe eingestellt. Ich musste mich wieder dick wie im Herbst anziehen.

Um 8:20 Uhr fuhr der Zug ab und die nächsten sieben Stunden verbrachte ich in diesem langsam fahrenden Zug. Der Fahrpreis hatte $AUS 23 betragen. Ich las derweil in der Zeitung, aß mehrfach eine Kleinigkeit und schlief auch ein bisschen. Zeitweise unterhielt ich mich mit einer Frau, die neben mir saß und nach Murray Bridge wollte.

Gegen 15:40 Uhr traf der Zug dann in Adelaide, der Hauptstadt von South Australia ein. Als ich das Abteil verließ, traf mich draußen fast der Schlag. Eine drückende Gluthitze schlug mir wie ein Keulenschlag entgegen. Es waren bestimmt Temperaturen nahe der 40 °C-Grenze.

Nach der Langeweile im Zug begann jetzt die totale Hetzerei durch Adelaide, denn ich musste ja zum Zahnarzt und das sollte jetzt so manchen Irrweg geben. Mit dem Rucksack auf den Rücken schwitzte ich erbarmungslos. Als erstes musste ich feststellen, dass es keinen Bus vom Bahnhof gab, der in die City fuhr. So musste ich zunächst zum Anzac Highway laufen. Die Fahrerei mit den Stadtbussen stresst immer sehr, wenn man sich nicht auskennt. Am Victoria Square musste ich dann auch noch umsteigen! Vom Busfenster aus sah ich eine große Menschenmenge, die offensichtlich auf jemanden wartete. Wie sich erst später herausstellte, waren diese Menschen alle auf die britische Prinzessin Diana und Thronfolger, Prinz Charles, die anlässlich der australischen 200-Jahr-Feier in Adelaide weilten.

Schließlich erreichte ich das Krankenhaus. Dort stellte sich aber heraus, dass ich zum Shell-Gebäude unterhalb der Straße musste. Wieder Lauferei mit dem Zeitdruck im Nacken! Schließlich schaffte ich es. Jetzt erfuhr ich, dass der Arzt zu dem ich sollte, Dr. Robinson, Urlaub hatte. Dieses sei der Praxis von Dr. Reed auch mitgeteilt worden. Trotzdem war ich nicht umsonst hier, denn sein Partner, Dr. Chandler, wollte meinen Zahn untersuchen, doch der praktizierte in seiner Privatklinik, die sich in der Hutt Street befand. Voller Mitleid wollte mir die Praxis schon die Taxikosten ersetzen; ich entschied mich dann aber für die Busfahrt dorthin. Wieder Rennerei und Fahrerei.

Schließlich erreichte ich auch die Privatklinik, wo ich mich zunächst kurz erfrischte und mir die Zähne putzte. Schließlich empfing mich Dr. Chandler, der sehr viel zu tun hatte. Er war gerade am operieren. Der Zahnarzt war sehr nett und hörte sich geduldig mein Problem an. Die Untersuchung fand in seinem unaufgeräumten Büro statt. Eine Schwester assistierte mit einer Taschenlampe. Dr. Chandler fummelte mit den Fingern in meinem Mund herum. Mit seinen Erklärungen, die er vor sich hin murmelte, konnte ich wenig anfangen. Es mag sich um eine leichte Schwellung handeln, die sich mit einer Chance von 50:50 zu einem schmerzhaften Abszess führen könne. Der Arzt riet mir, die Behandlung mit dem Medikament Amoxil fortzusetzen. Er stellte mir dann noch ein weiteres Rezept aus, wobei er mir aber riet, zunächst abzuwarten.

Einerseits war ich sehr froh, dass er die besagte Stelle nicht wieder öffnen musste; andererseits war ich natürlich etwas beunruhigt, weil die Wange eben geschwollen war und es dort ein ziemlich unangenehmes Druckgefühl gab. Tatsache war, dass ich seit der Entfernung des Weisheitszahnes nur Probleme hatte.

Ich verließ die Praxis von Dr. Chandler und begab mich zur Jugendherberge, die nicht mehr weit entfernt war. Das Haus war natürlich voll. Gut, dass ich vorher telefonisch reserviert hatte. Die wahnsinnige Hitze setzte mir jetzt zu. Es war unglaublich schwül. Auch das Zimmer, in dem insgesamt acht Leute schliefen, war überhitzt. Wieder und wieder musste ich meinen Durst löschen.

Vor der Haustür der Jugendherberge lag ein Buch, in dem Autofahrer Mitfahrgelegenheiten anboten. Tatsächlich entdeckte ich auch ein tolles Angebot, welches mit meinen Plänen harmonierte. Eine Engländerin namens Sandra –sie wohnte im gegenüberliegenden Backpacker´s Hostel suchte einen Mitfahrer, der mit ihr in vielen kleinen Etappen nach Perth fuhr und bereit war, das Benzingeld zu halbieren. Das wirklich genau das, was ich wollte.

Ich ging sofort hinüber in das Backpacker´s und erkundigte mich nach dem Raum, indem Sandra untergebracht sein sollte, doch wie sich herausstellte, war sie gerade in der Stadt unterwegs. Ich hinterließ eine Nachricht.

Zurück in der Jugendherberge ging ich jetzt endlich unter die Dusche. Das Haus war sehr angenehm und gar nicht weit von der City entfernt. Ich setzte mich dann nach draußen in die schwülheiße Witterung. Von Abkühlung in den Abendstunden konnte wirklich überhaupt keine Rede sein.

Wenig später lernte ich den 40-jährigen Alastair Kimber kennen, der im vor der Jugendherberge ausliegenden Buch nach Informationen über Westeuropa suchte, Alastair lebte hier in Adelaide und plante eine größere Reise. Gemeinsam fuhren wir in einen Pub. Ich rechnete jetzt nicht mehr mit einer Antwort von Sandra.

Ganz geheuer war mir Alastair nicht. In einem überfüllten Pub kamen wir nicht hinein, da ordentliche Kleidung verlangt wurde, die ich leider in absolut keiner Weise anzubieten hatte. Alastair und ich fuhren weiter und ruckzuck waren wir in seinem Haus, was nicht verabredet gewesen ist. Er zeigte mir sein Haus; ich aber drängte auf einen Pub in der Nähe der Jugendherberge. Schließlich fuhren wir auch dorthin.

Im Pub war es wegen der auf Hochtouren laufenden Klimaanlage eiskalt. Alastair und ich haben uns dann noch prächtig unterhalten. Ich trank ein kühles Bier, während ich dem Australier mit unterschiedlichen Informationen über Westeuropa dienen konnte. 1989 will er möglich seine Reisepläne verwirklichen.

Gegen 23:30 Uhr war ich dann zurück in der Jugendherberge. An der Zimmertür hing ein kleiner Zettel, indem Sandra, die Engländerin, nach mir fragte. Mist – und ich bin nicht da gewesen. Ich freute mich aber trotzdem und hoffte auf ein Treffen morgen früh. An Schlaf war in dem heißen Zimmer nicht zu denken.

Reportage: The Ghan - die transkontinentale Eisenbahn

26. Reisetag:
Sonnabend, 30. Januar 1988

Gierig trank ich in der trocken-warmen, ungesunden Zimmerluft wieder reich während der Nacht. Am Morgen stand ich dann in der Jugendherberge Adelaide nicht zu spät auf, weil ich nicht genau wusste, wann die beste Zeit ist, um die Engländerin Sandra im Backpacker´s Hostel aufzusuchen. Zur Erinnerung: Sie suchte jemanden, der mit ihr nach Perth fährt und sich an den Benzinkosten beteiligt. Vielleicht wartete sie schon jetzt auf mich, um dann ihren weiteren Tagesablauf gestalten zu können.

Vorher ging ich aber noch unter die Dusche, um wenigstens den Hauch einer kühlenden Erfrischung zu bekommen. Um 8:30 Uhr ging ich dann hinüber ins Backpacker´s. Sandra war allerdings noch nicht richtig wach und so verabredeten wir uns für 9:30 Uhr. Ich las derweil in der Zeitung.

Vom Wetter her war es wolkig und nicht mehr ganz so heiß. Ich traf Sandra dann vor der Tür der Jugendherberge. Wir gingen hinüber ins Backpacker´s, wo wir uns dann genauer unterhielten. Ihre Vorschläge trafen mit meinen Plänen genau überein. Das empfand ich als positive Überraschung. Sie wollte in einem langen Zeitraum von etwa zehn bis vierzehn Tagen in ihrem Wagen, einem Zweisitzer mit Schlafmöglichkeit hinten, nach Perth fahren. Gut war auch, dass sie nicht unbedingt in Jugendherbergen oder auf Campingplätzen übernachten wollte, um Geld zu sparen. Sie wollte in ihrem Wagen schlafen; ich würde dann mein Zelt in der freien Natur aufstellen. Auch Sandra war von der Idee angetan, Lagerfeuer zu entfachen und über dem Feuer das Essen zuzubereiten. Über die Höhe der Benzinkosten würden wir dann jeweils beim Tanken diskutieren. Besonders schön war, dass mich Sandra auch fahren lassen wollte. Ein paar Bedenken hatte ich zwar mit einem fremden Auto zu fahren; zumal ich zuletzt ja recht wenig Fahrpraxis hatte.

Die ganze Geschichte machte mir einen positiven Eindruck. Problematisch könnte es höchstens werden, wenn wir miteinander nicht auskommen würden, denn eines war klar: Auf der Fahrt gen Perth würden wir von morgens bis abends beisammen sein. Die Möglichkeit, sich mal aus dem Weg zu gehen, bestand nicht. Die nächsten Tage werden zeigen, wie sich alles entwickelt.

Ansonsten ist Sandra ein recht hübsches Mädchen. Sie will heute und morgen aber noch Bekannte in Salisbury besuchen. Start der großen Fahrt wird dann erst am Montag sein; einen Tag zu spät für meinen Geschmack. Wir trennten uns dann und ich begab mich in die Innenstadt der südaustralischen Hauptstadt.

Ich musste langsam gehen, denn meine neuen FlipFlop-Schuhe ließen (noch) kein schnelleres Gehen zu. Für einen Sonnabend hatten unerwartet viele Geschäfte geöffnet. Zunächst hatte ich Appetit auf ein gutes Frühstück. Dazu ging ich in ein kleines Restaurant. Ich gönnte mir ein englisches Frühstück mit Schinken und Eiern. Dazu gab es Toast. Alles war sehr nett garniert. Anschließend brachte ich mein Tagebuch wieder auf den aktuellen Stand.

In der Innenstadt war viel los. Die Fußgängerzone war sehr sehenswert. Hier in Adelaide fielen mir jetzt auch erstmals ärmere Menschen auf und welche, die ungepflegt herumlungerten. Leider gab ich heute reichlich Geld aus. In einem Army Shop kaufte ich mir für $AUS 12 eine neue Wasserflasche, die mehr Inhalt hatte als die, die ich besaß. Hier besorgte ich mir auch einen Gurt, der meinen in Mount Gambier zerrissenen Gürtel für mein Zelt und meine Iso-Matte ersetzen sollte. Ferner löste ich in einer Apotheke das Rezept ein, das mir Dr. Chandler gestern ausgestellt hatte.

In einem europäischen Buchladen kaufte ich mir für $AUS 5,80 einen Roman von Marie-Louise Fischer – keine große Literatur, aber gerade richtig zur Entspannung. Viele hochinteressante Neuigkeiten entdeckte ich dann in der nur in Australien erscheinenden deutschsprachigen Zeitung Diese Woche in Australien; speziell für die Deutschen gemacht, die in dieses Land ausgewandert sind.

Ausführlich wurde hier über die Auslosung zur Fußball-Europameisterschaft 1988 berichtet, die ja diesmal in Deutschland ausgetragen wird. In Gruppe 1 treffen Deutschland, Italien, Spanien und Dänemark aufeinander; in Gruppe 2 spielen England, Irland, Niederlande und die Sowjetunion. Der Kartenvorverkauf läuft schon auf vollen Touren.

Der Skandal um den Atommüll scheint immer schlimmere Kreise zu ziehen. Es besteht sogar der Verdacht, dass Material, welches zum Bau von Atombomben dient, über Deutschland nach Pakistan und Libyen gelangt sind.

Ich genoss das Lesen dieser Zeitung sehr. Offenbar gibt es jeden Dienstag eine neue Ausgabe. Da werde ich wohl jetzt die Augen offen halten.

Gegen 15:00 Uhr ging ich dann zur Jugendherberge zurück und setzte mich in den bereits geöffneten Gemeinschaftsraum und las in meinem neu gekauften Roman. Außerdem schrieb ich einen Brief an meinen Freund Frank nach Buchholz. Gerade als ich den Brief zum Postkasten bringen wollte, entdeckte ich Alastair Irgendwie hatte ich Lust auf einen Abend im Pub mit Live-Musik. Alastair und ich klapperten in seinem Auto einige Pub´s ab, wurden jedoch nicht fündig. Nirgendwo schien an diesem Sonnabend eine Band zu spielen. Schade!

Stattdessen aßen wir eine Kleinigkeit in einem chinesischen Take Away. Im Pub an der Ecke, gleich neben der Jugendherberge, tranken wir noch eine Tasse Kaffee, ehe sich der Tag langsam aber sicher wieder seinem Ende neigte. Abends kühlte es etwas ab, was auch der Grund dafür war, dass die Luft im Zimmer in dieser Nacht besser war.

Reportage: Wein - Down Under ganz oben

27. Reisetag:
Sonntag, 31. Januar 1988

Erneut deutete sich ein langweiliger Tag an, der wider Erwarten ganz ausgezeichnet verlief. Zunächst blieb ich aber bis 9:00 Uhr im Bett. Anschließend erledigte ich die lästige Duty. Ich konnte mich heute nicht davor drücken, denn ich sollte die Fenster an der Eingangstür putzen – direkt im Blickfeld des Warden! Danach blätterte ich in der Sonntagszeitung, die hier auslag.

Jetzt machte ich mich auf den Weg in die Stadt. Plötzlich lief mir der Australier Gavin über den Weg, den ich schon in der Jugendherberge Port Fairy kennen gelernt hatte. Seit Freitag hielt er sich in Adelaide auf. Er sah so ganz anders aus als die anderen Traveller. Aber nach Äußerlichkeiten soll man ja nicht gehen. Die nachfolgenden Stunden mit Gavin waren jedenfalls nicht von schlechten Eltern.

Das Wetter war wieder einmalig! Wolkenloser Himmel und dabei war es angenehm warm. Auf den dritten Regentag musste ich also weiterhin “warten“, was mich bestimmt nicht störte. Zunächst hatte ich aber Appetit auf ein Frühstück. Tatsächlich hatte ein Restaurant geöffnet, in das mich auch Gavin begleitete. Er trank aber nur eine Tasse Kaffee.

Es gab wieder leckere Bacon and Eggs sowie zusätzlich einen Pfannkuchen. Insgesamt war es aber etwas zu teuer hier. Gavin und ich schlenderten dann durch die Fußgängerzone, die am heutigen Sonntag wenig belebt war. Nur ein paar Touristen schlenderten vor den Geschäften dahin.

Plötzlich entdeckten wir am Denkmal des berühmten schottischen Dichters Robert Burns eine große Ansammlung von Menschen. Schotten, die nach Australien ausgewandert waren, trafen sich hier anlässlich des Geburtstages von Burns. Es war eine wunderschöne und farbenprächtige Vorstellung, die hier dargeboten wurde. All die karierten Trachten -die Männer natürlich in ihren Röcken, den Kilts!- boten ein tolles Bild. Vor allen Dingen begeisterten mich die Dudelsackspieler, die Tanzgruppen und ein temperamentvoll aufspielender Fiedler. Die populäre Volksmusik, die gespielt wurde, war hinreißend, wenngleich die Akustik etwas besser hätte sein können. Der Straßenlärm störte schon etwas. Beim Lied Should Auld Acquaintance Be Forgot fassten sich die Teilnehmer und Zuschauer bei den Händen und sangen lautstark mit. Anschließend folgte ein Dudelsackumzug durch die Straßen, der von der Polizei geleitet wurde. So eine Vorstellung hatten wir heute nicht erwartet.

Gavin, der Australier, und ich spazierten dann weiter zum Torrens River, wo in den hübschen Uferanlagen viel Betrieb herrschte. Von außen schauten wir uns die große Festival-Halle und den Kricket-Platz an. Plötzlich standen wir vor einem Golfplatz und nach einigen Minuten der Überlegung entschieden wir uns, eine Partie zu wagen. Auch Nichtmitglieder waren auf diesem Platz gern gesehen. Aber hier recht viel Betrieb herrschte, musste an den einzelnen Löchern mit Wartezeiten gerechnet werden.

Ich freute mich, dass wir uns dazu entschlossen hatten, ein Spiel zu wagen. Ich war aber schon ein bisschen nervös, mich vor den Wartenden zu blamieren, denn Golf hatte ich noch nie in meinem Leben gespielt! Die Distanz zwischen Abschlag und Loch waren nicht so arg weit; es war also nicht mit einem Platz vergleichbar, wo die wahren Meister spielten. Aber der Platz bot attraktive Hindernisse wie Bäume, Hügel, Sandlöcher, eine Straße und einen Fluss, wo der Ball natürlich möglichst nicht hinfliegen sollte. Ich bezahlte $AUS 7,40 für die Benutzung des Platzes, für das Leihen dreier Schläger, den Erwerb eines Balles und einiger Stifte, worauf der Ball beim Abschlag postiert wird.

Am ersten Loch herrschte der meiste Andrang. Für die ersten beiden Löcher benötigten wir fast eine Stunde. Insgesamt dauerte das Spiel etwa 3 ½ Stunden. Es lohnte sich wirklich und ich lernte schnell. Ich hatte unerwartet wenig Mühe mit dem als nicht einfach zu lernenden Abschlag. Die größte Mühe bereitete letztendlich das Einlochen, wenn der Ball etwa einen bis zwei Meter vom Ziel entfernt lag. Da spielten einem die Nerven dann einen Streich. Im einzelnen erzielten Gavin, der schon öfter Golf gespielt hatte und mit den Regeln vertraut war, und ich folgende Ergebnisse: Loch 1: 65 m Entfernung, ich: 5 Versuche; Gavin: 3 Versuche (16.; Schwierigkeit des Lochs); Loch 2: 55m/5:4 (14.); Loch 3: 80m/7:3 (5.); Loch 4: 80 m/10:5 (7.); Loch 5: 80 m/7:4 (12.); Loch 6: 70 m/6:3 (10.); Loch 7: 155 m/7:3 (1.); Loch 8: 100 m/7:5 (3.); Loch 9: 80 m/8:4 (8.); Loch 10: 85 m/8:4 (4.); Loch 11: 80 m/7:3 (11.); Loch 12: 70 m/6:4 (18.); Loch 13: 75 m/7:4 (9.); Loch 14: 70 m/6:4 (17.); Loch 15: 70 m/6:4 (13.); Loch 16: 90 m/8:3 (6.); Loch 17: 110 m/6:4 (2.) und Loch 18: 70 m/4:5 (15.). Insgesamt benötigte Gavin nur 69 Versuche und ich fast doppelt so viele: 120. Nur beim letzten Loch war ich besser als Gavin. Erst nach dem Spiel stellte sich heraus, dass der Australier wenigstens einmal im Monat zu Hause Golf spielt. Es war vorgegeben, dass man möglichst nicht mehr als drei Versuche an den Löchern haben sollte, um par zu sein. Dieses schaffte Gavin sechsmal. Gegen 17:00 Uhr war das sehr unterhaltsame Spiel beendet. Genau die richtige Beschäftigung für einen Sonntagnachmittag.

Nach dem Spiel hatten wir beide etwas Appetit und so gingen wir in die Kindley Street, wo wir ein dänisches Hot Dog verspeisten, was mir natürlich deutlich besser schmeckte als die hier sonst so üblichen Hot Dog´s amerikanischer Art.

Gavin und ich gingen dann zur Jugendherberge zurück. Vom vielen Gehen, nicht zuletzt auf dem Golfplatz, war ich jetzt völlig erschöpft. Ich stellte mich sogleich unter die Dusche. Anschließend schrieb ich ein paar Briefe nach Buchholz, setzte meine Reisetagebuch-Chronik fort und las in meinem Roman.

Alastair kam auch heute vorbei. Wir wechselten aber nur ein paar Worte. Oben im Zimmer unterhielt ich mich etwas mit einem netten Schweden über die noch bevorstehenden Ziele in Australien.

Draußen war es mittlerweile deutlich abgekühlt, so dass man im Bett eine warme Decke benötigte. Der Monat Januar ging mit dem heutigen Tag zu Ende. Ab morgen stand die große Reise nach Perth auf dem Programm. Was für eine ewig lange Strecke, die es da zu bewältigen gab. Und die Frage war erlaubt: Wo würde ich wohl morgen Nacht schlafen.

Reportage: Weinfrühstück mit Koalas und Warnwesten

28. Reisetag:
Montag, 1. Februar 1988

Auch die dritte und letzte Nacht in der Jugendherberge von Adelaide ging zu Ende. Ich stand gegen 9:00 Uhr auf und packte in aller Schnelle meinen Rucksack zusammen. In der Küche trank ich noch eine Tasse Kaffee. Vor der Tür wartete ich dann auf Sandra, die mich abholen wollte. Sie kam schon etwas eher als verabredet.

Ich lud meinen Rucksack in ihren Ford Kombi ein. Anschließend nahm ich auf dem Beifahrersitz Platz und los ging´s. Mal sehen, wie weit wir zusammen kommen werden. Diese Frage stand jetzt im Vordergrund; besonders wenn man sich überhaupt nicht kennt. Das langfristige Ziel soll die westaustralische Hauptstadt Perth sein. Aber das erschien im wahrsten Sinne des Wortes, kilometerweit entfernt. Der direkte Weg nach Perth umfasst ungefähr 2.750 Kilometer!

Sandra und ich fuhren zunächst in einen Stadtteil von Adelaide, wo sie den Wagen auftankte; anschließend kauften wir Lebensmittel für die nächsten Tage ein. In der Post kaufte ich noch eine größere Anzahl von Briefmarken. Sandra erklärte sich spontan bereit, für uns beide zu kochen. Für heute Abend –wo immer das auch sein mag- standen Spaghetti Bolognese auf dem Speiseplan. Erstmals bezahlte ich meinen Anteil an den Spritkosten ($AUS 20) in die gemeinsame Kasse.

Es war unglaublich: Sandra war schon zwei Jahre unterwegs! Sie hat die unterschiedlichsten Länder bereist und es standen noch einige weitere auf ihrem Programm. So will sie noch nach Hongkong fliegen und mit der Eisenbahn nach Moskau fahren. Über Finnland und Schweden soll es dann im europäischen Sommer zurück nach England gehen. Sie lebt dort in der Nähe von Watford. Arbeiten tut sie im Laboratorium eines Krankenhauses.

Wir fuhren dann über Salisbury, Elizabeth und Gawler in das berühmte Weinanbaugebiet Barossa Valley, das in der Nähe der Ortschaft Tanunda liegt. Die Region ist bekannt dafür, das man hier überall kostenlose Weinproben genießen kann. Daran war besonders Sandra interessiert. Zuerst fuhren wir in die Kellerei Wards Gateway, wo wir etwa fünf Weine testeten. Während diese Kellerei noch ziemlich klein und übersichtlich war, war die anschließende Chateau Yaldara in Lyndoch bedeutend größer. Hier liefen auch erheblich mehr Touristen herum. Sandra testete noch mehr Weine; ich hatte längst aufgegeben. Auffallend viele Deutsche, die nach Australien ausgewandert sind, leben hier im Barossa Valley.

Um 13:15 Uhr gab es einen Diavortrag über diese Kellerei zu sehen. Anschließend nahmen wir noch an einer kurzen Führung teil, die aber nicht besonders interessant war. Lediglich die vielen Flaschen, die in den Regalen lagerten, waren imposant anzuschauen. Jetzt fuhren wir nach Gawler zurück. Ich kaufte mir unterwegs noch einen Trinkbecher und Sandra besorgte uns für das Abendessen und für die kommenden Tage eine Fünf-Liter-Flasche Rotwein aus einem Bottle-Shop, welcher recht günstig war.

Unser nächstes Ziel war der Flinders Ranges Nationalpark, der aber heute nicht mehr zu erreichen war. Sandras Tempo war mit 80 km/h nicht besonders hoch, so dass wir insgesamt nur langsam vorankamen. Das Wetter war heute nicht so berauschend (wolkig und nur mäßig warm); allerdings will ich nicht meckern, denn bisher bin ich ja sehr verwöhnt worden.

Sandras Ford passierte die Ortschaften Tarlee, Auburn und Clare. In Auburn machten wir eine kurze Pause. Sandra kaufte hier das Fleisch für die Spaghetti. Die Straße führte durch einsames und menschenleeres Gebiet. Die Hügel und Wiesen waren von der Trockenheit schwer gezeichnet. Schafe suchten auf den Wiesen nach Futter. Die Landschaft zeigte keine großen Unterschiede mehr.

Überraschend früh stoppten wir dann in Spalding auf einem Rastplatz außerhalb des Ortes. Hier war es erlaubt, Feuer zu entfachen und zu campen. Es war jetzt etwa 17:30 Uhr. Es war ziemlich frisch und es ging ein böiger Wind. Auf knallhartem Untergrund baute ich zunächst mein Zelt auf. Unzählige riesige Ameisen liefen hier herum. Das Zelt war trotz des Windes schnell aufgebaut, obwohl es am Eingang etwas einriss, was erneut nicht auf eine besonders gute Verarbeitung hin wies.

Ich hatte etwas Angst vor Regen, denn das Wasser sah alles andere als freundlich aus. Aber bei der lang anhaltenden Trockenheit wäre Regen in dieser Gegend schon ziemlich ungewöhnlich gewesen. Sandra würde im Wagen übernachten. Keine Frage: Aufgrund ihres attraktiven Aussehens wäre ich schon gern bei ihr gewesen.

In unmittelbarer Nähe unseres Rastplatzes floss der Hutt River, wo sich einige Vögel erfrischten. Sandra hatte uns mittlerweile einen Kaffee gekocht. Sie hatte zwei Kochplatten dabei, die sie mit Gas befeuerte. Wirklich praktisch; Sandra war bestens ausgerüstet.

Auf der Straße kamen hin und wieder Autos vorbei; auf den Rastplatz kam aber niemand. Sandra begann mit den Vorbereitungen für das Abendessen . Es duftete appetitlich. Ich ging aber erstmals unter die Brücke am Fluss – eine Toilette gab es hier nirgendwo.

Sandra hatte größere Mengen von Wasser in Tanks deponiert, was für die Durchquerung der Nullabor-Ebene von lebenswichtiger Bedeutung sein würde besonders dann, falls man mit dem Auto eine Panne haben sollte.

Ich hatte mich in der Zwischenzeit warm angezogen, denn der Wind ging durch Mark und Bein. Was sollte den Wind auch abhalten? Eine schützende Waldfläche gab es hier nicht mehr. Nachdem wirklich leckeren Abendessen –Sandra hatte Rotwein dazu ausgeschenkt- spülten wir auf primitive Art und Weise unten am Fluss das Geschirr.

Die Wolken lockerten nun etwas auf und der Himmel färbte sich in eine seltsam rosa Farbe. Sonnenuntergangsstimmung! Auf dem fernen Hügel gab es eine kleine Windmühle – was für ein idyllisches Panorama. Mein Gott, könnten mich jetzt meine Freunde zu Hause sehen! Camping total mit Sandra in der totalen Einsamkeit Südaustraliens.

Vom Entzünden eines Lagerfeuers hatten wir allerdings Abstand genommen. Es war einfach zu trocken und gleichzeitig viel zu windig. Womöglich hätte der Funkenflug noch einen Buschbrand verursacht. Jetzt brach die Dunkelheit herein. Im Kombi hatte Sandra eine Petroleumlampe aufgestellt. Hier saßen wir jetzt zusammen und ich konnte die Ereignisse des Tages chronologisch aufarbeiten und niederschreiben.

Draußen war es jetzt stockfinster. Der Wind ließ die Bäume unheimlich rauschen. Ob die dicken Ameisen nachts schliefen? Ich glaube, Sandra war sehr froh, eine Art von Beschützer bei sich zu haben. Etwa gegen 22:00 Uhr ging ich –schweren Herzens- hinüber in mein Zelt und rollte mich in meinen Schlafsack ein. Sandra überließ mir ihre Iso-Matte, so dass ich doppelt gepolstert war. Jetzt war es weniger hart auf dem betonartigen Boden.

29. Reisetag:
Dienstag, 2. Februar 1988

Zum Glück blieb es während der Nacht trocken. Gegen 5:30 Uhr hatte nochmals kräftiger Wind eingesetzt, der an meinem Zelt heftig rüttelte. Zu meiner Überraschung zeigte sich der Himmel am Morgen wieder wolkenlos.

Gegen 7:00 Uhr stand ich auf; Sandra war schon etwas eher am werkeln. Sie hatte bereits den Inhalt ihres Wagens ausgeleert, weil sie in den Kartons Ungeziefer vermutete. Ich baute derweil mein Zelt wieder ab, das trocken aber staubig war. Auf dem Gaskocher bereitete ich mir eine Tasse Kaffee zu. Dazu aß ich etwas Brot mit Käse. Sandra und ich luden dann wieder alle Kartons in den Wagen ein. Keine Ahnung, ob sie fündig geworden ist.

Bald darauf verließen wir den Rastplatz hier in der Nähe von Spalding. Wir starteten zu unserer zweiten Etappe. Zunächst fuhren wir in die etwa 35 km entfernte Jamestown, einer kleinen Stadt, die aber alle wichtigen Geschäfte besaß. In einer öffentlichen Toilette füllte Sandra die Wasserbehälter ab. Ich kaufte mir noch Zigaretten und ein Deodorant, womit ich die im Moment zu kurz kommende Hygiene etwas ausgleichen konnte. Anschließend tauschte ich noch einen Reisescheck gegen Bargeld um. Im Supermarkt besorgte ich noch Apfelsaft und ein paar Kekse.

Schließlich ging die Fahrt weiter. Nächstes Ziel sollte Orroroo sein, doch auf halber Strecke passierte es dann. Ein plötzlich pfeifendes Geräusch am Auto. Was war das? Eine Panne! Und das bereits am zweiten Tag; nur einen Katzensprung von Adelaide entfernt! Das konnte ja noch heiter weiter.

Sandra öffnete kurzerhand die Motorhaube. Kühlwasser spritzte uns entgegen. Es roch widerlich. Leider hatte ich wenig Ahnung von Autos, so dass ich meist hilflos daneben stand. Sandra versuchte den Schaden zu diagnostizieren und zu beheben. Ich drehte mich um: Rundherum nichts als Einsamkeit; man konnte keinen Menschen erkennen. Es war staubig und die Sonne brannte von Minute zu Minute mehr. Es gab schon jetzt keinen Schatten mehr.

Es half nichts! Sandra brauchte eine Zange; sie selbst hatte keinen Werkzeugkasten dabei. Nach langer Zeit kam das erste Auto vorbei, dem wir zuwinkten. Der Fahrer hatte leider auch keine Zange dabei. Schließlich kam ein riesiger Truck, ein sogenannter Road Train vorbei, der helfen konnte. Es war mir schon etwas peinlich, daneben zu stehen, ohne etwas tun zu können.

Der Truckfahrer half insofern, dass wir wenigstens nach Jamestown zurückfahren konnten, was wir dann auch machten. Der Wagen musste in eine Werkstatt. Aber allzu schlimm schien der Schaden nicht zu sein. Gott sei Dank!

Während der rund zweistündigen Reparatur saßen wir meist herum, tranken etwas im Ort und aßen ein Eis. Der Mechaniker in der Werkstatt meinte es gut mit Sandra und berechnete ihr nur $AUS 20 für die Behebung des Schadens. Der Wagen lief wieder; Sandra und ich waren happy und konnten unseren Trip fortsetzen.

Wir entschieden uns jetzt aber, nicht mehr nach Orroroo zu fahren, sondern stattdessen den Weg über Gladstone zu benutzen, um zum Flinder´s Range Nationalpark zu kommen. In Gladstone wollten wir ein historisches Gefängnis besuchen, wo uns aber der Eintrittspreis von $AUS 2 zu hoch erschien. Es ging weiter über Laura nach Wirrabara. In Melrose wollten wir uns eigentlich noch heimlich auf einem Campingplatz duschen. Dort war kaum etwas los und so hätten wir ertappt werden können, wenn wir die sanitären Anlagen benutzt hätten, ohne dort Gast zu sein.

Der kleine Ort Melrose lag unterhalb des 959 Meter hohen Mount Remarkable im gleichnamigen Nationalpark. Wir hielten uns aber nicht weiter auf und fuhren über Wilmington nach Quorn, wo wir abermals eine Pause einlegten. Das letzte Teilstück führte uns dann nach Hawker.

Die Landschaft war durchaus eindrucksvoll, bot aber wenig Abwechslung. Alles war knochentrocken. An einer Stelle musste es sogar gebrannt haben. Die unzähligen Bäche, die es hier gab, waren ausnahmslos ausgetrocknet. Das Sonnenlicht hüllte die Hügel und Felder in ein wunderschönes Licht. Australien – das weite Land. Und ich war live dabei.

In Hawker ergab sich dann nur für mich die Möglichkeit, auf einem Campingplatz zu duschen, denn bis auf die Männer-Duschen waren alle anderen Räume verschlossen. Ungeduscht fuhr sie uns dann in ein unbewohntes Landstück unweit der Hauptstraße, aber in einem kleinen, windgeschützten Tal gelegen. Es war etwa 17:30 Uhr. Ich wollten wir unser Nachtlager einrichten. Ich machte mich wieder an mein Zelt, das ich zügig aufgebaut hatte.

Sandra wollte uns eine Suppe kochen. Sie holte den Gaskocher aus dem Wagen und versuchte eine Flamme zu entzünden. Doch im Bruchteil einer Sekunde sprang die Flamme auf das extrem trockene Gras über, was wir aber im letzten Moment löschen konnten. Die Wasserbehälter waren zum Glück griffbereit in der Nähe. Puh, das war knapp. Gekocht wurde nun auf der unasphaltierten Straße.

Ich war jetzt der totalen Fliegenplage ausgesetzt. Die Insekten kamen von überall her! Vermutlich rochen sie das Shampoo oder das Deodorant – keine Ahnung! Hunderte flogen um meinen Kopf herum und ich konnte nichts dagegen machen. Die Suppe war jetzt fertig. Sandra und ich setzten uns auf eine Decke. Die Sonne brannte auf uns hernieder. Beim Löffeln der Suppe musste ich aufpassen, dass mir dabei keine Fliege ins Maul flog. Erneut hatte Sandra Wein zum Abendessen gereicht.

Gegenüber war das Gelände eingezäunt – Farmland. Mein Gott, wer kann diese riesigen Gebiete umzäunen? Besonders häufig war die Umzäunung auch beschädigt; vermutlich weil Kängurus dagegen gesprungen sind, wenn sie die Straße überquerten. Diese Zäune mussten auch ständig kontrolliert und repariert werden.

Um uns herum standen ein paar einsame Bäume. Der starke Wind ließ bald nach. Die Sonne sank tiefer und erneut bot der Himmel einen farbenprächtigen Sonnenuntergang. Erneut war der Himmel in ein zartes rosa gefärbt. Gegenüber ging der Vollmond auf. Bei einbrechender Dunkelheit umschwirrte uns plötzlich ein kleiner Vogel – das war bestimmt eine Fledermaus! Die schönen, farbenprächtigen Rosellas hatten sich zur Nachtruhe in ihre Baumnester zurückgezogen. Bald war es dunkel und Sandra zündete im Wagen ihre Petroleumlampe an. Mir war so, als ob sich jemand draußen am Auto zu schaffen machte. Oder kam das Geräusch doch aus dem Innenraum. Es hörte sofort wieder auf. Bildeten wir uns das nur ein?

Ich ging in mein Zelt, doch Minuten später erstarrte ich. Unglaublich langsam kam ein Auto angefahren; das Fahrzeug war kaum zu hören. Das Auto hatte kein Licht eingeschaltet. Mir lief eine Gänsehaut über den Rücken. Ich verließ mein Zelt und schaute nach dem rechten. Ich sah, wie der Wagen auf dem anderen Hügel wendete; der Fahrer knipste jetzt das Licht an und fuhr jetzt geräuschvoll und mit großer Geschwindigkeit davon. Jetzt hörte ich ein paar Stimmen, die aber bald wieder im Dunkel der Nacht erstarben.

Führten die Männer etwas im Schilde? Konnte es sein, dass sie gleich mit Verstärkung zurück kehrten? Ich lauerte vor dem Zelt und rauchte nervös an einer Zigarette. Ich weckte Sandra in ihrem Kombi auf und schlug vor, nach einem anderen Rastplatz zu suchen. Die Engländerin beruhigte mich und schlug vor, hier zu bleiben. Ich stand der Wildnis –besonders bei Nacht- etwas hilflos gegenüber. Um es vorweg zu nehmen: Es kam niemand mehr zurück, doch an Schlaf war in dieser Nacht nicht mehr zu denken. Ich döste nur unruhig vor mich hin.

Ich muss gestehen, dass es mir hier etwas zu einsam war. Ich war davon überzeugt, in der Nacht Geräusche vor meinem Zelt zu hören. Was war das? Ein Tier? Ein großes oder ein kleines? Ein Mensch? Ein Känguru oder gar ein Dingo? Sandra lag bequem in ihrem Kombi. Für ein größeres Tier war mein kleines Zelt mit Sicherheit kein Hindernis. Es gab hier ja auch wilde Kamele, die zwar nicht bösartig waren, aber aufgrund ihrer Größe mein Zelt leicht übersehen konnten.

Der Vollmond schien in mein Zelt hinein. Draußen hörte ich das Tapsen von Tieren. Es war ganz deutlich zu hören. Auch Sandra verließ mitten in der Nacht das Auto. Auch sie konnte scheinbar nicht schlafen.

30. Reisetag:
Mittwoch, 3. Februar 1988

Wie gerädert stand ich morgens um 7:00 Uhr auf. Jetzt hätte ich noch das eine oder andere Stündchen schlafen können. Sandra war schon längst wach. Draußen entwickelte sich wieder ein sonniger und heißer Tag. Schon zu dieser frühen Tageszeit war es warm.

In kürzester Zeit packte ich wieder mein Zelt zusammen. Nach einer Tasse Kaffee wurden alle Utensilien wieder in Sandras Ford Kombi verstaut. Wie freundlich doch die ganze Umgebung bei Tageslicht aussah und wie unheimlich-bedrohlich war alles bei Nacht.

Unser heutiges Ziel sollte nun endlich der Nationalpark Flinder´s Range sein. Wenn ich auf die Straßenkarte schaute, hatte ich das Gefühl, Perth überhaupt noch nicht näher gekommen zu sein. Schon jetzt war es nicht mehr ganz einfach, geeignete Gesprächsthemen zu finden. Sandra und ich waren ja von morgens bis abends zusammen. Ich hatte manchmal auch Konzentrationsschwierigkeiten, weil ich ja im Moment wirklich ununterbrochen Englisch sprechen und verstehen musste. Das war, besonders wenn man müde wurde, ziemlich anstrengend.

Wir fuhren jetzt in Richtung Wilpena und wurden urplötzlich von einer großen Zahl Kängurus überrascht, die über die Straße hüpften. Sie kamen praktisch aus dem Nichts. War das ein tolles Gefühl, diese Beuteltiere jetzt in natura zu sehen. Beim Anblick dieser großartige Tiere, die bei den Einheimischen alles andere als beliebt waren, wusste ich: Jetzt bist Du wirklich in Australien!

Es war so niedlich: Einige Kängurus setzten sich auf ihren muskulösen Schwanz und ruhten sich darauf aus. Sie blieben auf Distanz und beobachteten uns. Richtig ängstlich waren sie aber auf keinen Fall.

Plötzlich flogen vor uns riesige Adler auf, die an einem verendeten Tier genagt hatten. Ein Fuchs lief fluchtartig davon und Kakadus umschwirrten uns immer wieder. Welch eine bezaubernde Tierwelt! Ich freute mich, all diese Tiere in freier Wildbahn sehen zu können. Aber die Kängurus begeisterten mich am meisten.

Im Flinder´s Range Nationalpark unterhielt sich Sandra dann mit dem Ranger und holte Informationen ein. Wir tankten den Wagen wieder auf und kauften im kleinen Laden etwas ein. Natürlich war hier alles sehr abgelegen. Es gab ein kleines Geschäft, eine Tankstelle, eine solarbetriebene Telefonzelle und einen Campingplatz.

Sandra und ich fuhren eine kurze Strecke und unternahmen dann einen Spaziergang zum Wangarra-Aussichtspunkt. Vor kurzem hatte es hier noch einen Waldbrand gegeben; alles war kohlrabenschwarz und roch noch immer verbrannt. Vom Aussichtspunkt aus konnte man genau erkennen, wo das Feuer gewütet hat und wo nicht. Wir marschierten zurück und fuhren mit dem Wagen auf nicht asphaltierter Straße zum Stoke´s Hill-Aussichtspunkt.

Anschließend folgte die fünfundzwanzig Kilometer lange Fahrt zu einer Schlucht, die besonders sehenswert sein soll. Unmittelbar vor unserem Ziel führte der Weg plötzlich durch knöcheltiefes Wasser mit rutschigen Steinen darin. Wir konnten und wollten es nicht riskieren, diese Stelle mit dem Wagen zu durchfahren. Eine Panne in dieser Gegend könnte verheerende Folgen haben. So fuhren wir dieselbe Strecke zurück. Von der Geschwindigkeit ging es nur langsam voran; die Fahrbahn war einfach zu schlecht.

Ich war über diesen Rückzug ziemlich froh, denn Sandra hatte vorgehabt, noch etliche weitere Kilometer auf ungeteerter Straße zurückzulegen. In diesem Nationalpark wollte ich nicht campieren; die vielen Tiere würden sicher wieder dafür sorgen, dass ich keine Ruhe finden würde.

Auf der Hauptstraße fuhren wir jetzt nach Hawker zurück. Unterwegs machten wir noch einmal Halt, um die Felsengebilde von Arkaroo zu besichtigen. Hier gab es Zeichnungen der Aborigines zu bestaunen. Bei glühender Hitze mussten wir dorthin wandern. Erneut passierten wir verbranntes Buschland. Zauberhaft: Aus der grauen Asche heraus sah man die ersten bunten Blüten. Die Natur heilte sich selber.

Die Felsen waren nicht besonders sehenswert. Die Zeichnungen waren kaum zu erkennen. Wir kehrten zum Wagen zurück und jetzt erstmals ein wenig Missstimmung zwischen Sandra und mir auf. Sie schlug mir vor, doch mit dem Zug von Port Augusta nach Perth zu reisen, um den lästigen Fliegen zu entgehen und um nachts besser schlafen zu können. Sie war selbst von den Insekten und der Hitze genervt und nicht in bester Stimmung. Ich war etwas von den Socken; ganz unrecht hatte sie ja nicht. Während der Weiterfahrt legten wir ein paar Schweigeminuten ein.

In Quorn erfrischte ich mich mit einem kalten Getränk. Sandra fragte mich hier abermals nach meinen weiteren Plänen. Aber während der Fahrt nach Port Augusta wieder und sie bedauerte, falls sie mich falsch verstanden hätte. Und das hatte sie wirklich, denn ich hatte nicht eine einzige Minute daran gedacht, mit dem Zug nach Perth fahren zu wollen. Gott bewahre! Aber vielleicht wäre mir etwas mehr Tempo in Richtung Perth lieb.

Offensichtlich wollte sie nur nicht, dass ich die harte und lange Wüstentour durch die Nullabor-Ebene widerwillig bewältige. Ich glaube aber, dass sie sich schnell besann, denn wenn ich nicht mit ihr gekommen wäre, hätte sie sicher die weiteren Benzinkosten allein tragen müssen. Auch wenn ich vielleicht nicht der große Beschützer war, der ich auch nie hätte sein wollen, so war es doch ganz einfach angenehmer, diese lange Strecke nicht allein bewältigen zu müssen. Die Abende in der Wüste allein verbringen zu müssen, waren gewiss nicht gerade erstrebenswert.

Aber eines war mir auch klar: Die harten Brocken dieses Trips würden erst noch kommen! Gute zehn Kilometer vor Port Augusta fanden wir eine Art von Parkplatz vor. Wegen der vielen Fliegen und der anhaltend großen Hitze wollte ich mit dem Aufstellen meines Zeltes noch etwas warten. Auch verhinderten wir damit, dass vorbeifahrende Autos frühzeitig erkennen konnten, dass wir hier über Nacht bleiben wollten.

Sandra war schon dabei das Essen vorzubereiten. Sie hatte ein Reisgericht mit Gemüse vorbereitet. Es wurde eine Riesenportion, die ich nur mit Mühe bewältigen konnte. Ich spülte wieder das Geschirr ab. Glühend rot versank die Sonne langsam hinter den weit entfernten Hügeln. Jetzt erst begann ich damit, mein Zelt aufzubauen. Allerdings sollte sich dieser späte Aufbau doch noch etwas rächen.

Der Boden war entweder hart wie Granit oder mit dornigem Gestrüpp überzogen. Ich fluchte furchtbar, denn es wurde dunkler und dunkler. Um überhaupt noch einen einigermaßen günstigen Platz zu finden, hatte ich mein Zelt hinter dem Zaun eines Privatgrundstücks aufgebaut. Sandra gab mir ihre Decke, damit die spitzen Dornen nicht mein Zelt zerstörten. Die Engländerin leuchtete mir jetzt mit ihrer Taschenlampe. Wahnsinn, wie schnell die Dunkelheit hereinbrach.

Schließlich schaffte ich es -trotz der Benutzung schlimmer Fluchworte- das Zelt aufzubauen. Danach setzte ich mich zu Sandra in den beleuchteten Wagen und schrieb Ansichtskarten. Schließlich kletterte ich wieder über den Zaun und begab mich in mein Zelt. Ich hoffte sehr, heute Nacht besser schlafen zu können!