Michael Schubert beschreibt seine 104-tägige Reise nach Singapur und durch Australien. Die Seiten werden durch ein Reiseforum, einen Grusskartenservice, eine Linkhitliste, einen ChatRoom sowie free SMS & free E-Mail-Konto abgerundet


11. Reisetag:
Freitag, 15. Januar 1988

Schon recht früh stand ich heute Morgen in der Jugendherberge Forrest Lodge auf. Wie in den Tagen zuvor, erfüllte ich auch heute meine Duty mehr schlecht als recht. Teil der Übernachtungsgebühr in den meisten Jugendherbergen ist ja, jeden Morgen eine kleine Arbeit auszuführen (z. B. Staub saugen, Tische abwischen usw.).

Draußen herrschte erneut wolkenloser Himmel. Die Temperaturen schienen schon jetzt rekordverdächtig zu sein. Als erstes verabschiedete ich mich von den Brüdern Lyndon und Russell, mit denen ich gestern so einen schönen Tag in den Blue Mountains gehabt habe. Ich würde beide wahrscheinlich in Melbourne wiedersehen. Aufgefallen war mir besonders positiv, dass ich in den Tagen, wo ich Lyndon und Russell um mich hatte, zwischen beiden kein einziges böses Wort gefallen ist.

Ich hatte die Tage in Sydney optimal genutzt. Ich verließ die Jugendherberge Forrest Lodge und fuhr mit dem Bus in die Innenstadt. Am Terminal von Greyhound stellte ich mein Gepäck ab und begab mich zunächst in die Hauptgeschäftsstraße, wo ich zunächst frühstückte. Außerdem schrieb ich dort noch ein paar Ansichtskarten.

In der Westpac-Bank tauschte ich einen Reisescheck um. Die Westpac-Bank scheint zu den wenigen Geldinstituten in Australien zu gehören, die beim Einwechseln von Reiseschecks keine zusätzlichen Gebühren nimmt. Andere Banken berechnen bis zu $AUS 5(!).

Der anschließende Ablauf im Greyhound-Bus-Terminal erinnerte mich eher an die Abfertigung auf einem Flughafen. Man musste regelrecht einchecken und sein Gepäck aufgeben. Mir kam das ein wenig albern vor. Ich hatte gleich eine Fahrtkarte bis Melbourne gekauft, was mich insgesamt $AUS 57 gekostet hatte.

Die Klimaanlage im Bus funktionierte zum Glück nicht. Um 12:30 Uhr fuhr der Greyhound-Bus pünktlich ab. Während der etwa dreihundert Kilometer langen Fahrt nach Canberra hielt ich ein kleines Nickerchen. Der Bus war nicht überfüllt und so hatte ich ausreichend Platz für meine Beine.

Nach gut vier Stunden erreichte der Bus gegen 16:15 Uhr die australische Hauptstadt Canberra. Laut Wetterbericht herrschten hier heute satte 38 °C Hitze. Unglaublich! Es war aber trotzdem nicht unerträglich, weil es eine trockene Hitze war und die Luftfeuchtigkeit mit der in Singapur überhaupt nicht zu vergleichen war.

Mit dem Stadt-Bus ging es dann in die Miller Street. Die Jugendherberge war recht nahe gelegen, aber mir war ja bekannt, dass sie voll belegt war. Ausweichquartier sollte ein Campingplatz in unmittelbarer Nähe sein. Er nannte sich Motor Village Canberra. An der Rezeption wurde mir für mein Zelt ein Stellplatz für ziemlich happige $AUS 10 zugewiesen.

Bei brütender Hitze baute ich erstmals das von meinem Vater geschenkt bekommene Zelt auf. Fliegen umschwirrten mich dabei ständig. Zu meiner Überraschung befand sich der Stellplatz nicht auf einer Rasenfläche, sondern auf total ausgetrocknetem, betonharten Boden.

Es war praktisch nicht möglich, die Heringe mit reiner Muskelkraft in den Boden zu bekommen. Ich lieh mir aus einem der Nachbarzelte einen Hammer aus und damit bekam ich die Heringe binnen kürzester Zeit sicher befestigt. Das Zelt war aufgebaut! Ich hatte ein schattiges Plätzchen erwischt. Ich hatte stechenden Durst und musste immer wieder etwas trinken.

Ich duschte noch und setzte mich dann in den Fernsehraum, wo ich mir den bekannten Science-Fiction-Film Close Encounter of the Third Kind (Unheimliche Begegnung der dritten Art) in der englischen Originalfassung anschaute. Es war ein ziemliches Glück, dass dieser sehenswerte Film gerade heute ausgestrahlt wurde, wo ich nichts anderes zu tun hatte. Allerdings nervten die vielen Werbeunterbrechungen.

Der sehr modern eingerichtete Campingplatz lag in wunderschöne Landschaft eingebettet. Für eine Hauptstadt hatte ich das nicht erwartet. Rundherum befand sich Wald- und Buschgebiet. Gegen 23:00 Uhr lag ich in meinem Zelt und konnte erwartungsgemäß nur schlecht schlafen. Der Untergrund war knallhart und im Schlafsack war es viel zu warm, während der Kopfbereich ziemlich abkühlte. Bei Nacht kamen die eigenartigsten, durch Tiere verursachten, Geräusche aus dem Buschgebiet.

Info: Canberra

12. Reisetag:
Sonnabend, 16. Januar 1988

Das Zeltdach war am Morgen wieder klatschnass; vermutlich Kondenswasser, was auch nicht gerade für eine besonders gute Qualität des Zeltes sprach. Draußen ist es nachts eben kühl und im Schlafsack fängt man schnell an zu schwitzen.

Gegen 7:30 Uhr stand ich auf und begann sofort mit dem Abbau meines Zeltes. Die Sonne stieg langsam über den Bäumen hervor. Schlafsack und Zelt hing ich über ein Geländer. Aufgrund der Trockenheit trocknete alles sehr schnell. Jetzt verpackte ich mein Hab und Gut wieder im Rucksack.

Ich duschte noch schnell und begab mich dann zur Bushaltestelle. Nach einiger Wartezeit fuhr ich in die Innenstadt von Canberra. Meinen Rucksack stellte ich im Greyhound-Terminal ab.

Es wurde auch heute wieder sehr heiß. Im Laufe des Tages zogen einige Wolken auf. Es war dann ziemlich hart für mich, mir die lange Wartezeit bis zur Abfahrt meines Greyhound-Busses nach Melbourne um 20:30 Uhr zu vertreiben. Zunächst spazierte ich durch die Innenstadt von Canberra, die eine Fußgängerzone besaß. Zuerst nahm ich jedoch ein ziemlich kostspieliges Frühstück in einem Cafe´ ein. Für Schinken und Eier, zwei Scheiben Toast, Kaffee und Milch bezahlte ich stolze $AUS 8,70!

Im Laufe des Tages wurde ich dann wieder vom Durst geplagt. Die Fliegen umschwirrten mich hartnäckig. Canberra hatte für meinen Geschmack nicht sonderlich viel zu bieten. Die Hauptstadt Australiens bestand vorwiegend aus hässlichen Betonbauten; allerdings mit sehr viel Grün rundherum. Irgendwie sah alles etwas künstlich aus. Selbst der See Burley Griffin war kein echter See! Der Designer Walter Burley Griffin, nachdem der See benannt wurde, hat die Hauptstadt Canberra gestaltet.

Auf dem See unternahm ich gegen 13:00 Uhr eine Bootsrundfahrt, genau wissend, dass mich diese langweilen würde. Aber so war ich wenigstens für zwei Stunden ausgelastet. Ich setzte mich nach draußen und ließ mich von der Sonne bescheinen. Es war eine triste Tour, die darüber hinaus mit $AUS 9 auch noch sehr teuer war. Nach zwei Stunden fand ich mich am Bootsanleger wieder.

Zwischen den beiden Großstädten Melbourne und Sydney, die sich auch heute noch nicht grün sind, gab es viele heftige Streitereien. Beide Städte erhoben den Anspruch, Hauptstadt Australiens zu werden. Dieser Streit wurde nie beigelegt. Lachender Dritter war dann die Stadt, die zwischen Sydney und Melbourne lag: Canberra wurde schließlich Hauptstadt Australiens.

Langsam spazierte ich in die Stadt zurück und begab mich zum Busterminal, wo ich mich in den Sessel des Wartesaales setzte und vor mich hin döste. Im aufgestellten Fernsehgerät wurde ein Kricketspiel übertragen. Die Wartezeit ging mir ziemlich auf die Nerven. Aus purer Langeweile ging ich dann noch einmal etwas essen. Die Wolken am Himmel sahen mittlerweile ziemlich bedrohlich aus. Es sah nach einem Gewitter aus. Es war jetzt schwülwarm.

Pünktlich um 20:30 Uhr fuhr der Greyhound-Bus dann in Richtung Melbourne ab. Eine rund 650 km lange Wegstrecke lag jetzt vor uns. Das bedeutete, dass ich die ganze Nacht im Bus sitzen würde. Ich empfand den Bus als wenig komfortabel. Die Sitze waren eng an eng aneinander gereiht. Ich hatte erschreckend wenig Platz für meine Füße. Die Klimaanlage war ebenfalls nicht besonders angenehm, aber von der Temperatur her war es noch auszuhalten.

An diesem schwachen Tag hatte ich dann noch ein wenig Glück: Überraschenderweise war der Bus nämlich nicht voll besetzt, so dass ich einen Platz entdeckte, wo ich mich über zwei Sitze ausbreiten konnte. Selbst das war aber immer noch sehr eng und ich dachte mit Grausen an zwei- bis dreitägige Touren im Bus, was an der Westküste Australiens völlig normal ist.

Die Fahrt nach Melbourne verlief unauffällig. Immer wieder stoppte der Bus in Orten oder an Checkpoints. In merkwürdigen Stellungen versuchte ich auf meinen zwei Sitzen wenigstens etwas Schlaf zu finden. Ich hatte meinen Jugendherbergsschlafsack aus dem Rucksack geholt, in den ich mich verkroch. In der Nacht wurde es sehr kalt im Bus, was durch die ätzende Klimaanlage verursacht wurde.

An den Straßen fielen mir immer wieder die gelben Warnschilder auf, die vor querenden Kängurus warnten. Diese Schilder gab es hier so oft, wie es in Deutschland Wildwechsel-Hinweise an den Straßen gibt!

Canberra: Kein Bus, kein Taxi - Schalter nicht besetzt

13. Reisetag:
Sonntag, 17. Januar 1988

Kurz nach 1:00 Uhr machte der Bus in Albury eine Pause. Hier befanden wir uns in unmittelbarer Nähe zur Grenze zwischen den Bundesstaaten New South Wales und Victoria. In einem vierundzwanzig Stunden lang geöffneten Restaurant erfrischte ich mich mit einem Getränk. Ich hatte ziemlichen Durst. Dabei rauchte ich noch eine Zigarette. Draußen war es angenehm mild.

Kurz vor 2:00 Uhr setzte der Busfahrer die Fahrt nach Melbourne fort. Jetzt konnte ich etwas besser schlafen, denn ich war ziemlich müde. Erst kurz vor unserer Ankunft in Melbourne wurde ich wieder richtig wach. Voller Überraschung nahm ich zur Kenntnis, dass die Straßen hier regennass waren. Es musste einen kräftigen Schauer gegeben haben. Sollte das Wetter also in Melbourne doch unbeständiger sein als in anderen Gebieten Australiens, wie immer wieder gesagt wird?

Um 6:30 Uhr erreichte der Bus den Terminal in der Hauptstadt Victorias. Hier stand nun der Besuch bei meinem Freund Peter R Holland auf dem Programm, den ich 1985 in der Jugendherberge Lübeck kennen gelernt hatte. Der Kontakt ist seitdem nie abgebrochen. Nach seinem Besuch im letzten Juni bei mir in Buchholz war dieses jetzt praktisch die Gegenvisite bei Peter in Melbourne. Ich war von daher sehr erfreut, dass Peter mich am Busterminal abholte. Ursprünglich wollte ich mit dem Zug in den Stadtteil Caulfield fahren.

Es regnete jetzt nicht mehr. Peter lud meinen Rucksack in seinen zweisitzigen Fiat ein. Wir fuhren in sein Zuhause; er wohnte in der Ripley Grove. Hier lebte Peter mit seiner Mutter und seiner Zwillingsschwester Annette und seiner 37-jährigen, behinderten Schwester Judy. Außerdem lebten noch sechs zugelaufene Katzen mit im Haus. Das gepflegte Grundstück, das Haus und die Innenausstattung machten einen wohlhabenden Eindruck.

Ich wurde im Haus der Hollands sehr freundlich aufgenommen. Meinen Rucksack stellte ich in Peter´s Zimmer ab. Nach der netten Begrüßung ging ich als erstes unter die Dusche. Zum Frühstück bekam ich Müsli mit Milch und Kaffee gereicht. Vermutlich werde ich bis Mittwoch bleiben und bis dahin die Tage in Melbourne genießen.

Ich war überrascht, wie freundlich alle Familienmitglieder zu mir waren. Für heute hatte Peter einen Ausflug in Richtung Süden geplant. Er wollte mit mir nach Port Phillip Bay, ein Ort, der am Pazifischen Ozean gelegen war, oder, noch korrekter ausgedrückt, an der Bass Strait. Peter´s Schwester Annette, eine Polizistin, wollte uns begleiten. Ich musste viel von Buchholz und meinem bisherigen Trip erzählen.

Gegen 10:30 Uhr fuhren wir dann in dem Auto von Peter´s Mutter los. Ich saß vorn neben Peter, während Annette hinten im Wagen Platz genommen hatte. Die Außentemperatur war deutlich niedriger als in den letzten Tagen. Vielleicht hatten wir jetzt noch 20 – 23 °C. Bis auf einige wenige Tropfen blieb es aber den ganzen Tag niederschlagsfrei. Wolken und Sonne wechselten sich dabei ständig ab.

Insgesamt legten wir heute insgesamt 300 Kilometer zurück. Zunächst ging es in den Küstenort Portsea. Hier aßen wir in einem Hotel zu Mittag. Peter und Annette luden mich zum Essen ein, was mir etwas unangenehm war. Schließlich durfte ich im Haus der Hollands bereits kostenfrei logieren und Essen bekam ich dort schließlich auch noch. Zudem muss ich betonen, dass es sich bei diesem Hotel um kein billiges Lokal handelte. Wir setzten uns mit dem Essen nach draußen. Ich aß eine große Portion Wiener Schnitzel mit Pommes frites und Salat.

Im Wasser der Bay beobachteten wir Taucher, die vermutlich nach Überresten suchten, die der Zusammenstoß zweier Sportflugzeuge vor wenigen Tagen verursachte.

Mit dem Wagen fuhren wir dann nach Londonbridge, womit wir auch den Pazifik erreicht hatten. Hier sahen wir eines der vielen Felsengebilde, wo sich im Laufe von Millionen von Jahren Aushöhlungen im Gestein gebildet haben – sogenannte Blow Holes. Auf einer Anhöhe befand sich ein großes Gelände der Regierung, das von der Armee genutzt wurde. Das Gebiet war von hässlichem Stacheldrahtzaun umgeben, dass die schöne Umgebung ziemlich verschandelte.

Es wehte jetzt ein böiger Wind und so war es ziemlich frisch. Jetzt fuhren Peter, Annette und ich an die Gunnamatta Beach, wo wir am Strand entlang spazierten. Das Meer wurde jetzt, besonders wegen des Windes, von Surfern eifrig genutzt. Es gab aber auch einige Schwimmer. Viele Touristen und Wochenendurlauber hielten sich hier auf.

Unser nächstes Ziel war das Cape Schank auf der Mornington-Halbinsel, wo sich ein Leuchtturm befand. Auf einer längeren Brücke, die über steiniges Gebiet führte, ging es nun zu den Pulpit Rocks; tolle Felsengebilde, von denen man einen großartigen Ausblick auf das Meer hatte. In großer Entfernung konnte man die Skyline von Melbourne erkennen.

Wir fuhren jetzt durch den Ort Rosebud, wo Jennys Tante wohnte. In Buchholz hatte mir Jenny bekanntlich ihre Adresse zwecks Besuchs gegeben. Zweimal versuchten wir es an ihrer Haustür, doch sie war nicht zu Hause. Morgen will ich es per Telefon erneut versuchen, sie zu erreichen.

Unser Ausflug ging weiter zum Aussichtspunkt Arthur´s Seat in der Nähe von Dromana. Hier hatten wir einen wunderschönen Ausblick auf die Bay und den Ozean. Das Wetter hatte sich noch freundlicher entwickelt. Nun fuhren wir die lange Strecke bis nach Caulfield zurück. Auf den Straßen rund um Melbourne herrschte ziemlich reger Verkehr. Viele Menschen beendeten jetzt offensichtlich ihre Wochenendausflüge.

Am Abend waren wir zurück in Caulfield. Annette erhielt nun eine sehr schlimme Nachricht. Ein Freund von ihr ist bei einem Fallschirmsprung tödlich verunglückt. Hunderte Male war er erfolgreich abgesprungen; heute musste etwas schief gegangen sein. Sie war total geschockt und musste sogar weinen. Für Annette war es damit alles andere als ein guter Tagesabschluss.

Ich ging unter die Dusche und bekam Saft und Kaffee gereicht. Audrey, Peter´s Mutter, bewirtete mich sehr freundlich und zuvorkommend. Mit Peter saß ich noch über meinen Landkarten und wollte von ihm den optimalen Weg für meine weitere Tour herausfinden, doch das stellte sich als gar nicht so einfach heraus. Kaum eine kleinere Stadt, wo sich auch eine Jugendherberge befand, wurde von irgendwelchen öffentlichen Verkehrsmitteln angefahren. So ist man wohl auf den Besitz eines Autos sehr angewiesen.

Immer nur die größeren Orte anfahren wollen und immer nur in Greyhound-Bussen sitzen, wollte ich eigentlich nicht. Natürlich war die Natur ein wichtiger Aspekt, hier in Australien zu reisen. Peter und ich wollen morgen in der Innenstadt umfangreiche Informationen einholen.

Am Abend war ich total übermüdet. Das war sicher kein Wunder, hatte ich doch in den letzten beiden Nächten alles andere als gut geschlafen. Gegen 22:30 Uhr kippte ich erschöpft ins Bett, das mir Audrey so nett bezogen hat.

Info: Victoria

14. Reisetag:
Montag, 18. Januar 1988

Unglaublich tief und fest schlief ich in dieser Nacht! Endlich mal wieder ein vernünftiges Bett! Bis zum Morgen wachte ich nicht auf. Ich hörte nicht einmal, wie Peter das Zimmer verließ.

Erst gegen 9:30 Uhr stand ich auf und erfrischte mich unter der Dusche. Anschließend begab ich mich dann in die Küche, wo mir Audrey, Peter´s Mutter, ein Frühstück servierte. Es gab Müsli mit Milch und Toast. Obwohl ich noch hungrig war, lehnte ich aus vermutlich falscher Bescheidenheit einen Nachschlag ab.

Peter hatte sich für den heutigen Tag frei genommen. Bekanntlich arbeitet Peter für Porsche, was auch erklärt, warum er ab und zu mal nach Deutschland kommt. Zudem ist Peter ein leidenschaftlicher Formel 1-Fan!

Peter´s Schwester Annette arbeitete heute ebenfalls nicht. Aus Betroffenheit über den plötzlichen Tod ihres Bekannten ging sie heute nicht zu ihrer Polizeidienststelle.

Schon bald nach dem Frühstück fuhren Peter und ich in seinem Fiat in die Innenstadt von Melbourne. Das Wetter war auch heute wieder schön. Am Morgen gab es zwar noch einige Wolken, die aber im Laufe des Tages einem blauen Himmel wichen. Es wurde 27 °C warm.

In der Stadt gab es heute für mich einiges zu tun und Peter führte mich überall hin. Als erstes stand ein Gang ins Government-Büro auf dem Programm, wo ich offiziell nach einer Arbeitserlaubnis fragen wollte. Ich interessierte mich immer noch für einen Job in einem australischen Krankenhaus oder noch mehr für eine Tätigkeit in einer Jugendherberge. Doch im Büro gab es eine schnelle und kurze Ablehnung auf Ausstellung einer Arbeitserlaubnis. Das ging schon mal schief!

Ich telefonierte dann mit Käthe Kwasnicki, der Tante von Jenny. Jetzt war sie anwesend und morgen würde ich dort zu einem Besuch aufkreuzen.

In einem Büro der Autoversicherung bekam ich dann ein Buch mit einer Übersicht über Campingplätze im ganzen Land. Im Greyhound-Terminal erkundigte ich mich nach Verbindungen zu meinem vermutlich nächsten Ziel, Warburton. Im Büro des Jugendherbergsverbandes fragte ich nach einem Rabatt für das günstige Busticket der Greyhound-Coaches. Außerdem wollte ich dort meinen Aufenthalt in der Jugendherberge Warburton reservieren lassen, was leider nicht klappte. Aber es scheint auch nicht unbedingt notwendig zu sein, wie mir bestätigt wurde.

Im Bahnhof erkundigte ich mich noch nach Zugverbindungen nach Geelong. Diese Stadt soll Zwischenstation auf meinem weiteren Weg nach Westen sein. In einem kleinen Restaurant aßen Peter und ich zu Mittag. Ich spendierte ihm dieses Essen. In der Shell-Tankstelle bekam ich noch eine vernünftige Landkarte von Australien. So hatte ich heute allerhand zu tun.

Am Nachmittag fuhren Peter und ich zum Botanischen Garten, der schön anzuschauen war. Herrliche Pflanzen und Blumen sowie Seen mit Schwänen gab es hier zu sehen. Es gab hier ein Kriegerdenkmal, das sich Shrine of Remembrance nennt. Vom Turm hatte man einen großartigen Ausblick auf das Meer und die City von Melbourne.

Wir unternahmen jetzt einen Spaziergang am Fluss Yarra entlang. Wir sahen das große Zelt für ein Open-Air-Konzert und auf der anderen Flussseite den Olympiapark. In unmittelbarer Nähe werden derzeit die Australischen Tennis Open ausgetragen, eines der vier Grand-Slam-Turniere, die im Jahr gespielt werden.

Unterwegs tranken wir noch einen Milkshake. Mit dem Fiat ging es noch über eine große Brücke, die über den Yarra River führte. Auch hier war der Ausblick überwältigend. Peter hatte in der Zwischenzeit das Autodach entfernt; es war jetzt sehr warm geworden.

Jetzt machten wir noch einen Abstecher in den Stadtteil Malvern, von wo ich morgen nach Rosebud fahren will, um Jennys Tante zu besuchen. Peter erkundigte sich nach einer günstigen Verbindung.

Es war dann früher Abend, als wir wieder Caulfield erreichten. Sogleich stellten wir die Nachrichten im Fernsehen an. Da es in Australien sehr viele Auswanderer gibt, gibt es einen Kanal, der sehr viel deutsches und griechisches Programm anbietet. Ich war jedenfalls einigermaßen erstaunt, als plötzlich die deutsche Serie Drei Damen vom Grill begann, die hier in Australien in deutscher Fassung mit englischen Untertiteln lief und in den Programmzeitschriften mit Three Ladies and their Hot-Dog-Stand angekündigt wurde.

Nun war es wieder Zeit für das Abendessen. Neben Audrey, Annette, Judy und Peter waren noch zwei Gäste anwesend. Es handelte sich zum einen um Peter II, der mit dem abgestürzten Fallschirmspringer befreundet war und zum anderen um Steve, einem Freund von Peter II – er war US-Amerikaner und Mathematiklehrer. Beide hatten zuletzt in Papua-Neuguinea gearbeitet.

Nach einem weiteren schönen Tag hier bei Peter und seiner Familie, ging es dann bald zu Bett. Peter musste morgen früh zeitig aufstehen, denn auf ihn wartete ein Arbeitstag bei Porsche.

15. Reisetag:
Dienstag, 19. Januar 1988

In dieser Nacht ist es nun wieder passiert: Am Morgen wachte ich mit Halsschmerzen auf. Ich war unglücklich über die erneuten Schluckbeschwerden, die sich zwar noch in Grenzen hielten, aber durchaus unangenehm waren. Zudem litt ich unter Kopfschmerzen. Meine Beine fühlten sich total schwer an. Ich fühlte mich müde und matt! Ich griff sofort zu meinen mitgebrachten Pencillin-Tabletten. Hoffentlich werden die helfen. Während so einer Tour kann man sich wirklich keine Krankheiten erlauben. Aber Schuld an diesen häufigen Erkältungskrankheiten sind einfach die überall vorkommenden Klimaanlagen. Peter ging heute Morgen zur Arbeit. Ich setzte mich zu seiner Mutter Audrey und seiner behinderten Schwester Judy in die Küche. Ich hatte keinen Appetit; nur vom Müsli naschte ich etwas.

Schon bald danach verließ ich das Haus der Hollands und begann meinen Tagesausflug nach Rosebud, wo ich die Tante von Jenny treffen wollte. Der recht lange Weg zum Bahnhof Malvern machte mir arg zu schaffen. Auf den Zug brauchte ich nicht lange zu warten. Er fuhr um 9:15 Uhr ab; die Fahrt dauerte fünfzig Minuten. Für die Fahrt zahlte ich $AUS 2,50. In Frankston stieg ich in den Bus um, der mich für weitere $AUS 3,40 nach Rosebud brachte. Diese Etappe dauerte rund vierzig Minuten.

Das Wetter war auch heute herrlich. Am Morgen gab es ein paar Wolken; danach schien jedoch ununterbrochen die Sonne und es wurde wieder sehr warm. In Rosebud hätte ich mich statt des Besuchs bei Jennys Tante am liebsten unter einen schattigen Busch gelegt – so erschöpft und schlapp fühlte ich mich. Alles fiel mir schwer; erst recht das Englischsprechen.

An einem Informationsstand erkundigte ich mich dem Weg zur Whitehead Grove. Der Mann brauchte sehr lange, um mir den Weg zu erklären. Ich spazierte dann los, fand aber schnell heraus, dass es ziemlich weit bis zum Haus von Jennys Tante war. Mit dem Bus hätte ich durchaus noch zwei Stationen weiterfahren können. Als einziger war ich mit einer Jacke bekleidet herum. Alle anderen waren wesentlich leichter angezogen. Mir war aber überhaupt nicht warm. Sicher hatte ich etwas Fieber. Mir ging es wirklich nicht gut!

Kurz nach 12:00 Uhr traf ich bei Jennys Tante ein. Sie hatte schon auf mich gewartet. Sie sprach nur noch gebrochen deutsch; es war mehr eine Kombination aus deutsch und englisch. Schließlich lebte sie schon seit 1949 hier in Australien. Sie war sehr nett zu mir und erkundigte sich nach Jenny, die sie allerdings kaum kannte. Auch bei ihrem Besuch in Deutschland hatte sie Jenny nicht getroffen. Ich zeigte ihr das Foto, das Jenny mir geschenkt hatte.

Jennys Tante hieß übrigens Käthe Kwasnicki. Ihr Ehemann war vor vier Jahren ganz plötzlich an einem Herzinfarkt gestorben. Seitdem lebte Käthe hier in Rosebud. Sie hat zwei erwachsene Kinder, aber bisher noch keine Enkelkinder. Sie ist 66 Jahre alt und sie hält sich mit regelmäßiger Gymnastik und gesunder Ernährung fit. Vielleicht ist ihr Leben etwas langweilig. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie viel zu tun hatte. Immer wieder betonte sie, wie viel Geld sie hatte und sie dieses oder jenes nicht nötig habe. Haus und Grundstück machten wirklich einen wohlhabenden Eindruck.

Es blieb aber nicht aus, dass sie auch Äußerungen der übleren Art von sich gab. So schimpfte sie ständig über die Aborigines und über deren mangelhaften Hygiene. Sie schimpfte über deren Trunksucht und Faulheit. Leider sagte sie noch ganz andere Sachen, die mich ziemlich anwiderten und die ich hier nicht wiedergeben will.

Ich war ziemlich erstaunt, wie deutlich sie zu mir sprach; zumal sie meine politische Einstellung gar nicht kannte. Zudem hatte ich nicht den Eindruck, dass sie sich oft aussprechen konnte; es sprudelte nur so aus ihr heraus. Sie machte allerdings auch einen verbitterten und hartherzigen Eindruck; selbst die Kängurus waren ihr ein Dorn im Auge. Zu mir war sie aber sehr freundlich.

Sie bereitete mir ein Mittagessen zu, obwohl ich überhaupt nicht hungrig war. Ich zog es heute vor, verstärkt zu trinken. Eine Nachbarin kam herüber und machte ein gemeinsames Foto von Käthe und mir. Sie versprach, Jenny und mir einen Abzug zuzuschicken. Sie schrieb auch noch ein paar Grußworte in ein Aerogramm, das ich morgen an Jenny senden will.

Auch bei Käthe hätte ich übernachten können, wie sie mir netterweise anbot. Ich fühlte mich aber bei Peter und seiner Familie gut aufgehoben. Über vier Stunden blieb ich bei Käthe. Sie begleitete mich zur Bushaltestelle und zeigte mir einen deutlich günstigeren Weg. Sie spendierte mir noch ein Eis und wartete mit mir auf den Bus. Zum Abschied gab sie mir noch einen lieben Kuss auf die Wange und winkte mir noch zu, als der Bus abfuhr.

Aus lauter Erschöpfung hielt ich im Bus ein Nickerchen. Meine Beine waren schwer wie Blei. In Frankston hatte ich gleich Anschluss an einen Zug nach Malvern. Der lange Weg zurück nach Caulfield war beschwerlich. Zu Audrey hatte ich gesagt, dass ich zwischen 16:00 Uhr und 18:00 Uhr zurück sein werde; tatsächlich war es aber 19:10 Uhr, als ich im Haus der Hollands eintraf. Peter hatte offenbar schon nach mir gesucht.

Seine Mutter Audrey hatte so ein leckeres Essen zubereitet; ich bekam kaum einen Bissen herunter. Meine Kopfschmerzen nahmen wieder zu; ich nahm ein Aspirin. Ich fühlte mich dann etwas besser. Jetzt brauchte ich mich nicht mehr zu bewegen. Am Esstisch haben wir uns alle nett unterhalten.

Wenn das Unwohlsein nicht gewesen wäre, hätte ich diesen Tag sicher noch mehr genießen können. Zusammen mit Peter schaute ich mir noch die Nachrichten im Fernsehen an. Bald danach war wieder Schlafenszeit angesagt. Ich war optimistisch, dass es morgen wieder besser ging.

16. Reisetag:
Mittwoch, 20. Januar 1988

So war es dann auch. Ich schlief tief und fest. Am Morgen taten mir weder die Beine weh, noch hatte ich Kopfschmerzen. Die rechte Mandel sorgte beim Schlucken noch für leichte Beschwerden, aber insgesamt kann man sagen, dass das Penicillin schnelle Wirkung gezeigt hat.

Um kurz nach 7:00 Uhr stand ich heute Morgen auf. Schon jetzt verabschiedete ich mich von Peter und seiner Zwillingsschwester Annette. Beide mussten zur Arbeit. Ich dankte beiden für die wunderbare Gastfreundschaft. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt. Hoffentlich sehe ich Peter recht bald wieder.

Da es noch relativ früh am Morgen war, legte ich mich noch einen Moment ins Bett und döste ein wenig vor mich hin. Später ging ich dann in die Küche, wo mir Audrey wieder Müsli mit Milch zubereitete. Dazu gab es –wie immer- eine Tasse Kaffee! Ich schrieb danach schnell den Brief an Jenny, in welchem ich ihr ausführlich vom Besuch bei ihrer Tante berichtet habe.

Schließlich war der Moment gekommen, wo ich wieder meinen Rucksack zusammen packte. Audrey und Judy brachten mich dann noch zur Straßenbahnhaltestelle in der Hawthorn Road. Der Abschied war gekommen. Ein wenig traurig war ich schon, jetzt gehen zu müssen. Aber vielleicht ist etwas wahres dran an dem Sprichwort, man solle gehen, wenn es am schönsten ist. In jedem Fall hatte ich auch meine Tage in Melbourne optimal genutzt.

Bei erneut sonnigem und sehr warmem Wetter fuhr ich jetzt also mit der Straßenbahn in die Stadt. Ich stellte meinen Rucksack für kurze Zeit im Greyhound-Terminal ab und erkundigte mich am Bahnhof erneut nach Zugverbindungen nach Geelong und deren Notwendigkeit, einen Sitzplatz reservieren lassen zu müssen oder nicht.

Bei Mc Donalds nahm ich dann einen kleinen Mittagsimbiss ein. In der Fußgängerzone war wieder viel los. Eine Reihe von Straßenkünstlern präsentierten ihr Programm und bewogen viele Passanten, zuzuschauen.

Um 13:30 Uhr fuhr dann der Martyr´s-Bus in Richtung Warburton. Dieser Ort sollte mein heutiges Etappenziel sein. Um 15:10 Uhr traf ich dort ein. Die Jugendherberge befand sich in unmittelbarer Nähe. Früher war das Gebäude mal ein Bahnhof gewesen. Die Jugendherberge war wunderschön gelegen und in traumhaft schöne Landschaft eingebettet.

Warburton war nur ein kleines Dorf, aber alles war sehr idyllisch hier – eine Wohltat nach den Großstädten Sydney, Canberra und Melbourne. Auch die Jugendherberge war einfach eingerichtet. Es gab sechs Betten für Männer und sechs Betten für Frauen sowie ein Familienzimmer. Der Gemeinschaftsraum war sehr gemütlich mit einer Couch ausgestattet. Außerdem gab es hier einen schönen Kamin.

Der Blick aus dem Fenster präsentierte die farbenprächtige Landschaft. Einen Warden gab es hier nicht. Eine ältere Dame kam am Abend vorbei und holte das Geld für die Übernachtung ($AUS 6 pro Nacht) ab. Zwei US-Amerikaner waren hier, die gemeinsam unterwegs waren sowie der freundliche Australier Tony aus Balwyn, einem Stadtteil von Melbourne. Nicht zu vergessen die Kanadierin Faith aus Mississauga bei Toronto. Mit Faith verabredete ich mich für morgen, den etwa 1.250 Meter hohen Mount Donna Buang zu besteigen. Darüber freute ich mich sehr, denn allein zu wandern ist nur halb so schön.

Am frühen Abend setzte ich mich in den Gemeinschaftsraum und las in meinem langweiligen Buch Geschichten für uns - schon der Buchtitel hörte sich wenig spektakulär an. Prompt schlief ich auf der Couch ein.

Erstmals während dieser Reise bereitete ich mir dann in der Küche die berühmt-berüchtigten Spiegeleier auf Brot zu, von denen ich ja schon in Neuseeland mehr als genug hatte. Ich hatte zuvor im Ort etwas eingekauft.

Am Abend schrieb ich noch meine Eindrücke im Tagebuch nieder. Danach studierte ich die Landkarte, duschte und wusch einen Teil meiner Klamotten. Später habe ich mich dann noch sehr nett mit Tony unterhalten, der in der High School von Melbourne als Lehrer Mathematik und Erdkunde unterrichtet.

Nach 23:00 Uhr ging ich dann ins Bett. Während der ganzen Nacht hörte man draußen das urige Geschrei australischer Vögel.

Info: Bankkonto in Australien

17. Reisetag:
Donnerstag, 21. Januar 1988

Die beiden Amerikaner verließen schon in aller Frühe die Jugendherberge Warburton. Ich stand gegen 8:45 Uhr auf. Mein Bett war außerordentlich bequem und ich habe ausgezeichnet schlafen können. Tony, der über mir schlief, hatte mit den Mücken arg zu kämpfen, wie er mir am Morgen zu berichten wusste.

Auch Tony wollte sich Faith und mir anschließen, um den Mount Donna Buang zu besteigen. Erst wurde aber noch gefrühstückt. Ich füllte meine Wasserflasche ab. Außerdem besorgte ich mir im kleinen Eckladen noch ein Mineralwasser, das ich auf die Wanderung mitnehmen wollte. Wir mussten mehr Getränke mitnehmen, weil wir nicht genau wussten, wie lang die Wanderung sein würde. Außerdem war noch nicht ganz klar, wie warm es heute werden würde.

Am Morgen schien die Sonne wie immer und alles sah nach einem weiteren schönen Tag aus. Faith, Tony und ich begannen unsere Wanderung um 10:00 Uhr hinter der wackligen Swing-Bridge, wo sich übrigens auch ein Seniorenwohnsitz befand. Schon nach kurzer Zeit ging es steil bergan und es war recht anstrengend. Der Track war aber durchweg gut zu erkennen und jederzeit sicher zu begehen, weil es trocken war.

Wir wanderten jetzt durch waldiges Gebiet, wo es tolle Pflanzen zu bestaunen gab. Hier gab es Eukalyptusbäume und urige Farne. Immer wieder schauten wir auf den Boden, um ja nicht aus Versehen auf eine sich sonnende Schlange zu treten. Auf dem Pfad sahen wir immer wieder Kothäufchen, aber auch Lehrer Tony wusste nicht, welches Tier sich hier entleert hat.

Aus den Bäumen hörten wir immer wieder das Pfeifen, Rufen und Zwitschern exotischer Vögel, was mich immer wieder daran erinnerte, dass ich mich am anderen Ende der Welt befand. Besonders imposant waren die Rufe des Lyrebird, der die Rufe und Laute anderer Vögel imitieren kann. Der Vogel gilt als sehr scheu, doch ich konnte ihn mehrere Male im Buschwerk gut erkennen. Aufgeregt rannte das pfaugroße, graue Tier hier herum. Das war schon ein tolles Erlebnis!

Immer wieder lagen Äste und Baumstämme über dem Weg, die wir übersteigen mussten. Wildbäche gab es hier leider nicht. Lediglich einmal floss ein kleines Rinnsal über den Weg. Wir gingen langsam und ließen uns beim Wandern viel Zeit. Hier oben war es ziemlich kühl; trotzdem schwitzte ich durch das Wandern. Ich zog mir aber keine Klamotten aus, denn ich wollte nicht einen Erkältungsrückfall provozieren.

Tony erklärte uns, dass hier im Winter auch durchaus Schnee fallen könne. Die Wanderung machte sehr viel Spaß. Unterwegs trafen wir drei Deutsche, die dasselbe Ziel vor Augen hatten. Nach 3 ½ Stunden erreichten wir den Gipfel des Mount Donna Buang. Die Uhr zeigte 13.30 Uhr. Hier oben befand sich ein Aussichtsturm, den man besteigen konnte. Von hier hatten wir einen unglaublich schönen Ausblick auf die umliegende Landschaft!

Die Fliegen wurden immer lästiger. An eine Ruhepause im Liegen war überhaupt nicht zu denken. In Scharen fielen die Fliegen dann über uns her. Hier gab es Frischwasser und ich tauschte es gegen mein warm gewordenes Wasser in der Flasche aus. Um 14:15 Uhr erfolgte der Abstieg.

Hübsche rote Vögel sahen wir umher fliegen. Sie sahen aus wie Papageien, doch Tony meinte, es handele sich um Rosellas. Der Abstieg ging sehr zügig über die Bühne. Wir machten kaum noch Pausen. Teilweise war es recht steil und morgen würde ich gewiss heftigen Muskelkater haben. Ich war aber über mich selber erstaunt. Vor zwei Tagen dachte ich noch, vor Schwäche sterben zu müssen; schon heute war ich nun zu so einer langen Wanderung fähig! Konditionell hielt ich super durch.

Nach 2 ¼ Stunden waren wir um 16:30 Uhr wieder an der Ausgangsposition, der Swing-Bridge. Ich lechzte nach einem richtig kühlen Getränk um erstbesten Laden kaufte ich mir eine Kehle, die mir wie Öl die Kehle hinunter lief.

Es war jetzt sehr warm, aber angenehm. Tony wollte für uns beide ein Abendessen zubereiten. Er kaufte hierfür, mit viel Geduld, in verschiedenen Geschäften ein. Es sollte für uns zusammen nur etwa $AUS 5 kosten. Ich bot an, den Abwasch zu erledigen. Aus einem Bottle Shop holten wir uns noch ein paar Dosen Bier.

Das Essen schmeckte sehr gut. Der folgende Abend in der Jugendherberge war sehr angenehm – wie in der Familie (oder besser!). Nur Faith, Tony und ich waren in der Jugendherberge zu Gast. Gemütlich saßen wir bei Kaffee und Zigaretten im Aufenthaltsraum beisammen. Draußen lachte ein Vogel. Ich fühlte mich pudelwohl. So müsste jeder Tag verlaufen!

Der Australier und ich übten noch für eine Prüfung, die Tony morgen um 9:00 Uhr in Melbourne ablegen muss. Mit seinem VW-Käfer will er morgen in die Hauptstadt Victorias zurück fahren. Ein wirklich schöner Tag ging dann gegen 23:00 Uhr zu Ende.

Info: Australiens beste Reisezeiten:

Australien-Reisende sollten bedenken, dass der Kontinent mehrere Klimazonen besitzt. Im Norden ist es tropisch, im Süden gibt es deutlichere Temperaturunterschiede zwischen den Jahreszeiten. "Wenn man die verschiedenen Klimazonen verbinden möchte, empfehlen wir die Übergangsjahreszeiten wie Herbst und Frühling", sagt Eva Seller von Tourism Australia in Frankfurt/Main. Dabei kommt es jedoch auf die richtige Reihenfolge an: Im australischen Herbst von März bis Juni ist es sinnvoll, die Tour von Süd nach Nord aufzubauen. Von September bis November empfiehlt sich die umgekehrte Richtung von Nord nach Süd. Damit verlässt man den Norden vor der Regenzeit und erreicht den Süden mit steigenden Temperaturen - ohne einer grossen Hitze ausgesetzt zu sein. Auch der australische Winter im Juli und August komme für Reisende in Frage, die in Australien mehrere Klimazonen besuchen wollen.

18. Reisetag:
Freitag, 22. Januar 1988

Die Nacht war schnell zu Ende. Tony weckte mich schon um 6:45 Uhr in der Jugendherberge Warburton. Es war ein kalter Morgen! Die aufgegangene Sonne setzte die Landschaft jetzt in ein besonders farbenprächtiges Bild. Zügig packte ich meine Klamotten in meinem Rucksack zusammen, den ich in Tony´s kleinen VW-Käfer deponierte. Schon kurze Zeit danach fuhren wir ab. Die sympathische Kanadierin Faith schlief noch. Wir hatten uns bereits gestern Abend verabschiedet.

Tony hatte ja heute in Melbourne einen Prüfungstermin, zudem er pünktlich erscheinen musste. Umso näher wir Melbourne kamen, umso stärker wurde der Verkehr auf den Straßen. Tony wohnte im Stadtteil Baldwyn. In der Kürze der Zeit zeigte er mir noch sein Appartement; dann trennten sich unsere Wege.

Ich fuhr mit der Straßenbahn von der nahen Haltestelle in die City. Im Büro des australischen Jugendherbergsverbandes erkundigte ich mich wieder nach Bus- und Bahnverbindungen, die über die bevorstehenden Feiertage besonders kompliziert sein dürften.

Irgendwo in der City habe ich dann gefrühstückt. In der Westpac-Bank machte ich noch einen Reisescheck zu Bargeld. Ich telefonierte noch mit Russell und erklärte ihm meine angedachten Reisepläne. Eine Einladung über Nacht hätte ich gern angenommen, doch diese blieb aus. Schade! Übernachtungen bei Freunden waren bisher immer etwas ganz besonders und sorgten grundsätzlich für interessante Unternehmungen, als wenn man sich allein zurechtfinden musste.

Ich lief noch etwas durch die Melbourner Innenstadt und ging etwas später zum Bahnhof in der Spencer Street, von vwo ich um 13:00 Uhr mit dem Zug nach Geelong fuhr. Während der Fahrt dorthin machte ich ein kleines Nickerchen. Um 14:10 Uhr war ich bereits in der Stadt Geelong. Ich erfragte den Weg zur Jugendherberge, die ich zügig fand.

Vor der Tür saß ein anderer Deutscher, mit dem ich ins Gespräch kam. Er war aber nicht unbedingt mein Fall. Die Arroganz vieler Deutscher hatte mich schon in Neuseeland ziemlich genervt; diesmal war ich besser darauf eingestellt.

Die Jugendherberge war ein sehr nettes Häuschen, das direkt an der Bahnlinie lag. Um 17:00 Uhr kam die Leiterin und ich konnte mich wunschgemäß für eine Nacht anmelden. Was den anschließenden Aufenthalt in Jugendherbergen betraf, herrschte bei mir eine gewisse Ungewissheit. Ich wollte für morgen ein Bett in der Jugendherberge Camperdown reservieren lassen, doch allem Anschein zufolge, war das Haus voll. Ob die Möglichkeit bestand, als Notquartier auf einer Matratze zu schlafen, konnte mir niemand beantworten. Das alles behagte mir überhaupt nicht.

Ich spazierte am Abend noch in den südlichen Stadtteil von Geelong und aß eine Kleinigkeit. In der Jugendherberge beschäftigte ich mich mit weiteren Reiseplanung. Ich brütete über meinen Landkarten. Natürlich schrieb ich auch wieder in mein Reisetagebuch, meinem ständigen Begleiter.

Gegen 22:30 Uhr ging ich ins Bett, doch an Schlaf war überhaupt nicht zu denken. Vom Mädchenzimmer her schien das Licht direkt in mein Bett. Es herrschte außerdem ein reges Kommen und Gehen in meinem Raum. Besonders nervig war aber das nie enden wollende Geschnatter der Mädchen im Nebenraum.

Ein leider wieder sehr schwacher Tag neigte sich jetzt seinem Ende zu. Die Tagesabläufe schwanken in ihrer Attraktivität sehr, was ich ja schon 1987 in Neuseeland erleben durfte.

Wie schon 1987 in Neuseeland, so gab es heute nun auch in Australien ein Erdbeben während meiner Anwesenheit. In Tennant Creek (Northern Territory) gab es das zweitschwerste Erdbeben in der australischen Geschichte mit einem Wert von 7,0 auf der Richterskala Todesopfer gab es nicht, was aber auch daran liegt, dass in dieser Gegend die Bevölkerungsdichte sehr gering ist.

19. Reisetag:
Sonnabend, 23. Januar 1988

Am Morgen sah ich zu, dass ich die Jugendherberge Geelong möglichst schnell verließ. Die Leiterin hatte noch einige Male versucht, die Jugendherberge in Camperdown zu erreichen, doch sie erzielte kein klares Ergebnis, so dass ich immer noch nicht genau wusste, ob es dort heute für mich eine Übernachtungsmöglichkeit gab oder nicht.

Der heutige Sonnabend war auch gleichzeitig der Auftakt zu einem langen Wochenende, wo die Geschäfte und Banken vier Tage geschlossen haben würden. Grund ist die 200-Jahr-Feier der Australier am kommenden Dienstag.

Der heutige 19. Reisetag war auch gleichzeitig der erste Tag mit sehr viel Regen und ziemlich kühlen Temperaturen.

Ich begab mich zügig zum Bahnhof von Geelong. Von der Innenstadt habe ich praktisch nichts gesehen und leider auch nichts vom nahen Hafen. Das war mir aber relativ egal. Um 9:30 Uhr fuhr mein Zug nach Camperdown ab. Für die Fahrt zahlte ich $AUS 10,40. Pünktlich um 10:50 Uhr traf mein Zug an meinem heutigen Etappenziel ein. Die Jugendherberge war einfach zu finden. Sie lag zentral zwischen Bahnhof und dem Stadtkern.

Der berühmte Glockenturm von Camperdown überragte alles. Ich erreichte die Jugendherberge; an der Tür empfing mich gleich die zu erwartende Botschaft, dass das Haus voll belegt sei. Zum Glück war die Leiterin aber noch im Hause. Sie war so freundlich und sicherte mir noch ein Bett für die Nacht zu. In der relativ großen Herberge war ich im Augenblick der einzige. Zwei Gruppen nahmen das Haus in Beschlag; zum einen eine australische Wasserskigruppe, die auf dem nahen See ihren Sport ausübten und eine Fußballmannschaft.

Der heutige Tag begann ähnlich schwach wie der gestrige endete. Ich wusste bei dem schlechten Wetter nichts mit meiner Zeit anzufangen. Außerdem sorgte ich mich immer mehr um den Aufenthalt in zukünftigen Jugendherbergen. Die meisten Herbergen waren ohnehin nur per Anhalter zu erreichen (Busse und Bahn wählten oft andere Strecken).

Zu meiner Überraschung entwickelte sich der heutige Tag doch noch positiv. Wie vom Zufall gelenkt, folgten unerwartete Unternehmungen. Zunächst ging ich in die Innenstadt von Camperdown, wo noch vereinzelte Geschäfte geöffnet hatten. Da es schon Mittagszeit war, ging ich in einen der Pubs, wo ein Mittagessen angeboten wurde. Während ich auf das Essen wartete, studierte ich die ausliegende Tageszeitung Age.

Ich verspeiste ein Wiener Schnitzel mit einem etwas laschen Salatteller dabei. Mittlerweile gingen draußen heftige Regenschauer nieder. Während des Essens kam ich mit einem einheimischen Pärchen ins Gespräch, die mit mir am Tisch saßen. Voller Freude registrierte ich, dass beide bereit waren, mir die umliegenden Seen zu zeigen. Er hieß Geoff Ryan und war Jockey bei Pferderennen. Aufgrund seiner geringen Körpergröße sah er auch genau so aus.

Seine Frau hieß Kerryn und beiden hatten offensichtlich erst im Mai letzten Jahres geheiratet. Beide lebten hier in Camperdown. Sie wohnten auf einer Farm am Ende der Stadt. Kerryn fragte mich schließlich, ob ich nicht Lust hätte, mir die Farm einmal anzuschauen. Ich stimmte begeistert zu! Leider war das Wetter für einen Farmbesuch denkbar ungeeignet.

Wir verließen den Pub und erreichten kurz darauf die Farm. Zuerst wurde ich der restlichen Familie vorgestellt, die gemeinsam die Tennis-Meisterschaften von Melbourne verfolgten. Im Wohnzimmer saßen aber nicht nur die Familienangehörigen, sondern auch Freunde und Bekannte. So hatte ich allerhand Hände zu schütteln. Interessiert wurde ich von allen Seiten beäugt und gemustert. Ich hatte selbstverständlich ausführlich über meine bisherige Reise zu berichten.

Einen Augenblick später zeigte Kerryn mir dann das Farmgelände. In erster Linie gab es hier Rinder und Pferde, aber auch ein paar Ponys und eine Zahl von Gänsen konnte ich entdecken. In ihrem Nest saß eine Entenmutter; der Erpel watschelte aufgeregt umher. Logisch: Auch hier gab es viele Hunde, wovon Bobby mir der liebste war. Er war noch ein Baby und er küsste mich gleich begeistert ab. Die beiden jüngeren Geschwister von Kerryn präsentierten mir ihre Ponys. In einem Stall lag ein erst vier Tage altes Rinder-Kälbchen. Absolut zauberhaft!

Wir setzten uns dann in Kerryn´s und Geoff´s Haus, dass neben dem der Eltern lag. Es gab eine Tasse Kaffee für mich und während ich eine Zigarette rauchte, zeigte mir Kerryn Fotos von der Farm und der Umgebung. Geoff präsentierte mir stolz Bilder von Pferderennen, die er selbst gezeichnet hatte.

Kurz danach zeigte Kerryn mir die beiden nebeneinander liegenden Seen, wovon der eine Süßwasser und der andere Salzwasser beinhaltete. Merkwürdig: Beide Seen sind außerordentlich tief. Es handelte sich um erloschene Vulkane und bei den Seen handelte es sich letztendlich um Krater. Die beiden umliegenden Hügel Mount Leura und Mount Sugarloaf sahen wirklich wie Vulkane aus.

Unsere kleine Nachmittagstour endete dann vor der Jugendherberge, wo ich mich nunmehr von Kerryn verabschiedete und für die netten Stunden bedankte. In der Jugendherberge konnte ich mich nun anmelden. Ich brachte meinen Rucksack auf mein Zimmer und ruhte mich etwas aus. Danach reservierte ich mir in den Jugendherbergen von Port Fairy und Mount Richmond die Betten, was wider Erwarten ohne Probleme klappte.

Nun kam ich verstärkt mit der Wasserskigruppe ins Gespräch, die mittlerweile in die Jugendherberge zurückgekehrt war. Diana Gillatt bot mir sofort ihre Urlaubsadresse in Perth an , wo ich sie besuchen kommen soll. Ich nahm das Angebot dankend an. Danach wurde mir angeboten, mit in den Pub zu kommen. Die gesamte Gruppe war dort und ich wurde von allen Seiten auch hier zu meiner Reise befragt. Die Wasserskigruppe nahm hier ihr Abendessen ein. Ich hatte zuvor noch ein halbes Hähnchen gegessen und war nicht besonders hungrig.

Die Gespräche mit der Gruppe waren sehr unterhaltsam. Später wurden ziemlich versaute Witze erzählt. Alle amüsierten sich königlich, was natürlich auch am üppigen Bierkonsum lag. Nicht alle Witze konnte ich verstehen, weil die Aussprache schon lange nicht mehr deutlich war.

Neben mir saß Russell, der mich und einige andere später noch in einen anderen Pub mitnahm, wo lautstarke Musik gespielt wurde, die von Videos ergänzt wurden.

Als wir gegen 23:00 Uhr gingen, war es draußen empfindlich kühl. Russell machte nun den Vorschlag, in seinem Auto noch einen kleinen Ausflug zu machen. Diana und zwei andere, deren Namen ich nicht kannte, kamen auch noch mit. Zuvor zog ich mir in der Jugendherberge noch ein paar wärmere Klamotten an. Ich hatte einige Bedenken, ob Russell nicht schon zu viel getrunken hatte, fuhr aber trotzdem mit.

Zusammen fuhren wir auf den Mount Leura, von wo wir einen atemberaubenden Ausblick auf den südlichen Sternenhimmel genossen. Menschen, die in Großstädten leben, werden so etwas wunderschönes vermutlich nie gesehen haben. Das wunderschöne Kreuz des Südens, das ich schon in Neuseeland so gern betrachtet habe, war perfekt zu erkennen. In der Ferne zuckten riesige Blitze über den Himmel – Wetterleuchten! Gleich drei Sternschnuppen schienen vom Himmel zu fallen.

Abschließend ging es noch über den Campingplatz zu den beiden Seen, Lake Gnotuk und Lake Bullen Merri. Zwei Gäste vom Campingplatz führten uns zu einem Baum, wo einige quirlige Opossums ihr Quartier hatten.

Schließlich fuhren wir zur Jugendherberge zurück, wo ich mich ziemlich bald ins Bett legte. Es war mittlerweile nach Mitternacht und ich war unglaublich froh, den Abend mit dieser netten Wasserskigruppe verbracht zu haben, weil ich sonst sicher allein im Hause gewesen und bestimmt früh ins Bett gegangen wäre und eh nicht hätte schlafen können. Jetzt aber war ich müde und konnte bald einschlafen.

20. Reisetag:
Sonntag, 24. Januar 1988

Ich blieb noch recht lange im Bett und machte mir dann anschließend ein kleines Frühstück in der Küche. Draußen ging ein weiterer heftiger Regenschauer nieder. Es war außerdem sehr kühl. Am Morgen ging ich alles ruhig und besonnen an; ich war nicht in Eile. Bei einer Tasse Kaffee schrieb ich noch ein paar Zeilen in mein Reisetagebuch. Danach verließ ich die Jugendherberge Camperdown. Von der Wasserskigruppe hatte ich nichts mehr gesehen. Sie wollten schon frühzeitig zum See.

Eine Stunde vor Abfahrt des Busses spazierte ich langsam zum Bahnhof. Ich las noch etwas in meinem Roman. Mit etwas Verspätung fuhr der Bahnbus dann um 12:45 Uhr in Richtung Warrnambool ab, wo ich gegen 13:40 Uhr eintraf. Nach Port Fairy, meinem heutigen Etappenziel, gab es am Sonntag keinerlei Busverbindung. So musste ich –erstmals während dieser Reise- trampen.

Am Highway 1 wartete ich nur wenige Minuten und schon nahm mich ein junges Mädchen die etwa fünfundzwanzig Kilometer lange Strecke nach Port Fairy mit. Das Mädchen hätte mich auch bis Mount Gambier mitgenommen, denn dort lebte sie. Das hätte für mich günstig werden können, aber ich ja ein Bett in der Jugendherberge vorbestellt.

In Port Fairy schien die Sonne. Vom Meer her ging aber ein recht kräftiger Wind. In einem Imbiss aß ich als erstes ein halbes Hähnchen. Ich hatte einen richtigen Heißhunger auf Geflügel und wurde dann von einem lauwarmen Gockel ziemlich enttäuscht.

Anschließend suchte ich die Jugendherberge auf, die nicht weit entfernt lag. Sie war noch geschlossen. Port Fairy ist ein kleines Fischerdorf, das am Pazifischen Ozean liegt. Es gibt eine Reihe von Geschäften in der Hauptstraße.

Ich stellte meinen Rucksack vor der Haustür der Jugendherberge ab und ging zum Meer, das mich sogleich mit seinen hohen Wellen begeisterte. Leider wurde ich dann von einem Regenschauer überrascht. Das Wetter wechselt im Augenblick blitzschnell. In einer Snack Bar trank ich noch einen heißen Kaffee, denn mir war kalt.

Wieder zurück an der Jugendherberge schien die Sonne und auf dem Rasen lag die bezaubernde 20-jährige Sauerländerin Gundula, die wunderschön aussah. Mit ihr kam ich sofort ins Gespräch. Leider reist sie genau in die entgegengesetzte Richtung und so würde ich ihr nicht wieder begegnen.

Um 17:00 Uhr ging die Anmeldung vonstatten. Wir hatten einen Tagesraum übersehen, der sich hinter dem Haus befand und die ganze Zeit geöffnet war. In der Jugendherberge war es ziemlich voll. Viele sind mit dem Auto angereist.

Gundula und ich unterhielten uns im Gemeinschaftsraum. Immer wieder musste ich sie anschauen; ich war von ihrem hübschen Aussehen und ihrer attraktiven Figur fasziniert. Sie hatte ein freundliches Gesicht mit niedlichen Grübchen.

Abends entschlossen wir uns zu einem Spaziergang. Dazu gingen wir auf die Griffiths Island, die allerdings keine richtige Insel mehr war. Durch einen Steinweg war sie mit dem Festland verbunden. Hier befand sich ein Wanderweg, den wir aber immer wieder verließen, um auf den Felsbrocken am Ufer entlang zu hüpfen. Ein schöner Leuchtturm befand sich am Kap. Hier sahen wir den Pfad nun nicht mehr und so gingen wir querfeldein weiter. Wir orientierten uns an einer kleinen Pyramide, die sich auf einem Hügel befand.

Plötzlich versanken wir mit einem Bein bis zu den Knien im weichen Boden. Unter uns hatte der Grund nachgegeben. Wir gingen weiter, versanken aber immer wieder, was immer mit einem ziemlichen Schrecken verbunden war. Eine Reihe von Löchern befand sich nun im Boden. Möglicherweise handelte es sich um einen Hohlraum, den Tiere als Gang benutzten – aber wir wussten zunächst nicht, um welche Tiere es sich dabei handeln könnte.

Plötzlich versank Gundula wieder bis zu den Knien. Erschreckt floh ein Muttonbird aus einem Erdloch. Nun war es klar: Wir befanden uns inmitten einer riesigen Muttonbird-Kolonie, wo das Betreten verboten war! So ein Mist! Uns blieb nichts anderes übrig, als den Weg fortzusetzen. Hoffentlich zerstörten wir bei den ständigen Einbrüchen nicht zu viel von ihren Höhlen.

Nach einer Weile einer Weile erreichten wir wieder unsere Ausgangsposition. Niemand hatte unseren Frevel bemerkt, als wir ziemlich erschöpft vom anstrengenden Fußmarsch wieder normalen Grund unter den Füßen hatten. Wieder zurück in der Jugendherberge – erneut durchnässt von einem Regenschauer- saßen wir gemütlich im Gemeinschaftsraum beisammen. Wir kamen noch mit dem Deutschen Torsten ins Gespräch, der sehr nett war. Er ist Lehrer und auf Jobsuche. Gundula und ich hatten abgesprochen, morgen zum berühmten Port Camp zu trampen, wo sich die berühmten Gesteinsformationen, die zwölf Apostel, befanden. Dazu hatte ich eigentlich keine große Lust, weil die Great Ocean Road als ziemlich kompliziert zu erreichen gilt. Auf der anderen Seite bot sich mir die Möglichkeit, mit Gundula einen weiteren vollen Tag zu verbringen und das war gut so.

Später war ich noch unter der Dusche; danach ging ich ins Bett, das sehr bequem war. Auch das Zimmer war sehr geräumig. Hier konnte man es aushalten!