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Das gesamte Tagebuch gibt es jetzt zum Es ist kaum glaubhaft, aber es steht eine neue große Überseereise auf dem Programm. Gut 8 ½ Monate nach dem Ende meiner umfangreichen Hawaii-Neuseeland-Kanada-Tour, steht ein neuer Trip auf dem Programm. Das im Vordergrund stehende Reiseziel soll Australien sein. Abstecher nach Singapur und Bali/Indonesien sind ebenfalls geplant. ![]() Bevor es aber richtig los geht, stehen wie fast immer, einige Sorgen und Probleme an. Damit meine ich natürlich die Angst vor Krankheit oder Unfall unterwegs oder andere Möglichkeiten, dass so ein Unterfangen scheitern könnte, zum Beispiel Geldverlust durch Diebstahl oder schlechte Kalkulation. Und Heimweh? Damit hatte ich noch nie ein Problem, aber wer weiß? Vielleicht kommt es dieses Mal auf, denn im Laufe des Jahres 1987 hatte sich eine heimliche Beziehung zu meiner verheirateten Kollegin Jenny entwickelt, auf die ich jetzt verzichten musste. Sehnsüchte nach meinem Hund Wurzel, nach abwechslungsreicherem Essen sowie nach meinem Lieblingshobby, dem Fußball, traten ja schon während meiner letzten Reise auf. Zum Glück habe ich ja jetzt schon ein wenig Erfahrung, was sonst noch lästig und angenehm werden könnte (die oftmals eintönigen und sich stets wiederholenden Fragen nach dem Woher und Wohin; aber auch die Arroganz manch anderer Reisender). Ich hoffe natürlich vorwiegend auf positive und schöne Reiseerlebnisse und will den Pessimismus zunächst einmal an die Seite stellen. Sonst könnte ich ja gleich zu Hause bleiben. Für meine neue Reise wünsche ich mir: Gesundheit, attraktive und spektakuläre Erlebnisse, die Bekanntschaft interessanter Menschen, eine gute Finanzhaushaltung. Außerdem wünsche ich mir, dass ich meine diesjährige Reise auch wieder aus Gründen der Begeisterung verlängern kann. Eine ziemliche Liste von Wünschen und Hoffnungen sind das also. Was ist dieses Jahr mit meinem Schweizer Freund Alex, den ich 1985 in Schottland kennen gelernt habe und der mich 1987 in Hawaii und Neuseeland viele Woche begleitet hatte? Er will kommen; allerdings erst Ende Februar oder Anfang März und dann auch nur für knappe fünf Wochen. Er will sich dabei völlig auf Australien beschränken. Falls alles klappt, werden wir uns, um meinen Geburtstag herum, in Cairns treffen. Bis dahin fließt aber noch eine Menge Wasser den Rhein hinunter. Alex will dann auch noch eine Kollegin aus der Bank, wo er in Genf arbeitet, mitbringen. Er hatte immer wieder bestätigt, dass es sich hierbei nur um eine gute Kollegin, keineswegs aber um eine intime Beziehung handelte, was dazu hätte führen können, dass ich mich als drittes Rad am Wagen behandelt sehen könnte. Der Grund, warum Alex für nur fünf Wochen nach Australien kommen will, liegt auf der Hand: Er will seinen Job in der Genfer Bank nicht kündigen und nutzt somit nur seinen kompletten Jahresurlaub für diese Reise aus. Auch der Schweizer Militärdienst wartet schon wieder auf ihn. Doch nun endlich zum heutigen Tagesablauf: Vieles verlief ähnlich wie schon 1987. Ich hatte bei meiner Oma in Hamburg-Harburg übernachtet und verließ bereits um 5:00 Uhr morgens ihre Wohnung mit meinem treuen Rucksack auf den Schultern. Ich begab mich zur fünf Minuten entfernten S-Bahn-Station Heimfeld. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr war es heute mit Temperaturen von 8 bis 10 ° C sehr mild. Natürlich lag kein Schnee. Ich fuhr mit der S-Bahn zum Hamburger Hauptbahnhof , von wo ich um 6:02 Uhr mit dem Eurocity nach Frankfurt/Main fuhr. Während der Bahnfahrt nahm ich im Speisewagen ein ziemlich teures, aber wenig gutes Frühstück ein. Der Eurocity traf um 10:45 Uhr im Bahnhof des Frankfurter Hauptbahnhofes ein. Hier telefonierte ich mit dem Busunternehmen Greyhound, wo ich mich vergewisserte, ob ich auch tatsächlich den günstigen Buspass für Australien vor Ort kaufen könne. Dieses war zum Glück möglich. Eigentlich wollte ich noch mit meinen hessischen Freunden Olaf und Dagmar telefonieren, doch beide befanden sich im Urlaub in der Schweiz. Mit dem Zug fuhr ich dann das letzte kleine Stück bis zum Frankfurter Flughafen, wo ich schon bald von der Fluggesellschaft, der Garuda Indonesian Airways abgefertigt wurde. Bis zum Abflug hatte ich ja noch reichlich Zeit. Die Garuda war dieses Jahr die von mir gewählte Fluggesellschaft. Das Ticket hatte mich DM 2.650,-- gekostet. Ich spazierte auf dem riesigen Rhein-Main-Flughafen herum und war einmal mehr über die unglaublich heftige Bewaffnung der deutschen Polizei erstaunt. Meinen blauen Rucksack hatte ich schon frühzeitig aufgegeben. Hoffentlich kommt er auch planmäßig an den jeweiligen Zielen an. In einem ziemlich teuren Flughafen-Restaurant aß ich etwas zu Mittag. Danach ruhte ich mich auf den weichen Sesseln in der Wartehalle etwas aus und beobachtete all die unterschiedlichen Menschen. Auf der Anzeigentafel wurde gemeldet, dass mein Flug, der zunächst nach Abu Dhabi ging, Verspätung haben würde. Aus den zunächst angegebenen fünfundzwanzig Minuten wurden schnell 1 ¼ Stunden, ehe es endlich losging. Die Maschine war extrem voll, was ich schon bald erkennen konnte. Um 16.10 Uhr hob meine Maschine, eine Boing 747, Flug GA 895 ab und verließ Frankfurt/Main. An das Fliegen werde ich mich wohl nie gewöhnen; auch bei diesem Start war mir ziemlich unbehaglich zumute. Hervorragend waren allerdings meine Sitznachbarn während des Fluges. Schon nach wenigen Worten freundete ich mich mit dem bald 28-jährigen Klaus aus Ditzingen/Baden-Württemberg an. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch und hatten uns während des langen Fluges viel zu erzählen. Klaus saß hinter mir. Er wollte nach Jakarta und etwa sieben Wochen in Indonesien bleiben. Wir würden uns also nicht wieder treffen; das war schnell klar. Neben mir saß das Berliner Pärchen Monika und Renald, die auch sehr nett und freundlich waren. Beide nahmen an einer -bis in alle Einzelheiten geplanten Reise- mit einer Reisegruppe durch Singapur, Indonesien und Thailand teil. Draußen wurde es jetzt dunkel. Mit so netter Gesellschaft ging die Flugzeit aber ziemlich zügig um. Der Flug verlief angenehm ruhig. Jetzt wurde von den hübschen indonesischen Stewardessen etwas zu Essen gereicht; ich hatte allerdings kaum Appetit. Der Kinofilm, der danach an Bord gezeigt wurde, bestand nur aus gewalttätigen Action-Szenen und war von daher überhaupt nicht mein Fall. Es war 21:45 Uhr mitteleuropäischer Zeit, als wir in Abu Dhabi landeten. Hier hatten wir einen Zwischenstopp und konnten die Maschine verlassen. Hier, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, war es jetzt schon drei Stunden später; also 0:45 Uhr. Ich war nicht nur erstmals in Arabien, sondern auch erstmals auf dem asiatischen Kontinent. Die Boing 747 mußte hier aufgetankt werden und das sollte etwa eine Stunde dauern. Klaus und ich gingen derweil in die Flughafenhalle und beobachteten das rege Treiben. Überall sah man Schriftzeichen, die in keinster Weise zu entziffern war. Draußen war es selbst zu dieser späten Uhrzeit noch sehr warm. Es gab einige geöffnete Fenster, wo herrlich milde Luft hereinströmte. Dann wurde uns mitgeteilt, dass sich der Weiterflug verzögern würde. Es gäbe technische Probleme! Das war natürlich alles andere als beruhigend für uns. Nach geraumer Zeit ließ die Garuda den wartenden Fluggästen Orangensaft und ein Sandwich ausschenken. Das Brot schmeckte allerdings überhaupt nicht. Es dauerte und dauerte! Schließlich war der Weiterflug auf 5:30 Uhr (Abu Dhabi-Zeit) festgelegt. Also gute sechs Stunden nach der Landung. Dauerte der Tag nicht ohnehin schon lang genaug? Gut, dass ich in Klaus einen so netten Bekannten gefunden hatte, mit dem die Wartezeit etwas schneller verging, als wenn ich jetzt die ganze Zeit in die Luft geschaut hätte.
Um 5:30 Uhr wurden wir dann erst ins Flugzeug gelassen. Kurz nach 6:00 Uhr verließ die Boing 747 mit rund sechsstündiger Verspätung den Flughafen von Abu Dhabi. Flug GA 895 hatte einen guten Start. Ich war so müde und erschöpft, dass ich mir gleich die Decke über das Gesicht zog und auch bald einnickte. Aber nach gut einer Stunde wurde bereits das Frühstück serviert und damit war es mit der Ruhe vorbei, zumal es draußen auch längst hell geworden ist. Von großem Appetit war bei mir ohnehin nicht die Rede. Nach dem Frühstück konnte ich dann nicht mehr schlafen. Erst Stunden später klappte es noch einmal kurzzeitig. Wir flogen über den Indischen Ozean. Unter uns war es sehr wolkig. Durch viele Luftturbulenzen schwankte der Flieger oft sehr stark. Durch die staubtrockene Luft im Flugzeug waren meine Lippen ausgedörrt. Monika lieh mir ihren Labello, der aber auch nicht lange half. Mit der Zeit wurde das Sitzen und die damit verbundene geringe Beinfreiheit immer unangenehmer.
Monika und Renald waren schon am Gepäckschalter. Auch hier verabschiedete ich mich. Am Gepäcklaufband war mein Rucksack dann eines der ersten Gepäckstücke, das ich sah. Das klappte prima! Den Zoll konnte ich ohne Kontrolle passieren. In der Flughafenhalle ließ ich dann meine Buchung im Hotel Majestic bestätigen und zahlte $SG 10 vorab. Überall pustete mir hier die unangenehm kalte Klimaanlagenluft entgegen. Dran werde ich mich wohl fortan gewöhnen müssen. Ich erkundigte mich nach der Bushaltestelle, die ich auch schnell fand. Es handelte sich um die Linie 390. Als ich das Flughafengebäude verlassen hatte, knallte mir die tropisch-schwüle Luft wie ein Keulenschlag entgegen. Wahnsinn! Mir blieb förmlich die Luft weg! Es waren bestimmt über 30 ° C bei einer barbarischen Luftfeuchtigkeit. Der Himmel war wolkenverhangen. Als ich den Bus bestieg, gab es sofort Sprachprobleme. Der Fahrer konnte mich überhaupt nicht verstehen; er war sogar etwas ungehalten. Ich versuchte mein bestes Englisch – es nützte nichts. Und das hier an einem internationalen Flughafen! Schließlich schien die Verständigung doch noch zu klappen und ich fuhr mit meinem schweren und monströsen Rucksack in die Bencoolen Street. Vieles erinnerte mich an meinen ersten Tag auf der hawaiianischen Insel Oahu im letzten Januar: meine Müdigkeit, der Temperaturunterschied, der enge Bus, ein ungehalten, gestresst wirkender Busfahrer, der rege Straßenverkehr ...
Von der Bencoolen Street hatte ich aber noch eine ganz schöne lange Wegstrecke zum Hotel Majestic in der Bukit Pasoh Road zurückzulegen. Ich wollte mich schon, mit meinem Stadtplan bewaffnet, zu Fuß auf den Weg dorthin machen. Der Rucksack klebte mir auf dem klatschnassen T-Shirt. Von der anderen Seite der belebten Straße sah ich einen älteren asiatischen Mann, der offensichtlich nach mir rief und winkte. Sicher wollte er mich, wie hier so üblich, zu einem Hotel lotsen. Als Europäer wird man hier ja sofort erkannt; erst recht, wenn man mit einem riesigen Rucksack durch die Straßen marschiert. Zum Diskutieren hatte ich nach dem langen Flug und meiner Müdigkeit keine Lust. Missmutig ging ich dennoch zu ihm herüber. Es war gar nicht so einfach, hier, ohne platt gefahren zu werden, die Straße zu überqueren.
Doch plötzlich entführte mich Ken in ein anderes Hotel. Ich fand mich plötzlich in einem Hinterhof wieder, wo mir Ken eine dunkle Fahrstuhltür öffnete. Angst kroch jetzt in mir hoch. Ich wunderte mich, dass ich überhaupt mit ihm ging. Jetzt wurde ich etwas ungehalten, gab mir aber alle Mühe, ihm dieses nicht so offensichtlich zu zeigen. Ich stieg tatsächlich in den Fahrstuhl. Oben zeigte Ken mir nun das Hotel und bot mir einen Kaffee an, der scheußlich schmeckte. Wahrscheinlich hatte er vorher ein Schlafmittel hinein getan. Plötzlich fuhren wir mit dem Fahrstuhl wieder hinunter, ohne dass mich Ken den Kaffee austrinken ließ. Wir verblieben, dass ich morgen zu ihm kommen solle, falls ich mit dem Majestic-Hotel nicht zufrieden sein sollte. Das würde ich aber gewiss nicht tun. Ich stand an der von Ken empfohlenen Bushaltestelle. Nach einiger Zeit kam dann auch der angekündigte Bus. Wieder gab es Sprachprobleme. Ich sah mich sogar gezwungen, wieder auszusteigen, weil der Busfahrer mich überhaupt nicht verstand. Ich war aber darauf angewiesen, dass er mir die richtige Bushaltestelle zeigte, wo ich aussteigen musste. Ken kam wieder zu mir und erklärte mir nochmals, dass ich als Ziel nicht die Bukit Pasoh Road angeben sollte sondern besser die Neal Road, was ich beim nächsten Bus dann auch tat. Diesmal klappte es und ich zwängte mich mit meinem Rucksack in den total überfüllten Bus. Alle Fenster waren geöffnet, was wenigstens für etwas Luftbewegung im Fahrzeug sorgte. Der Fahrer zeigte mir freundlicherweise die richtige Station, wo ich aussteigen musste. Jetzt musste ich nur noch eine Straße überqueren. Ich hatte die Bukit Pasoh Road jetzt endlich erreicht! Schnell entdeckte ich das Majestic-Hotel. Auch am Abend kühlte sich die Außentemperatur in keinster Weise ab. Der Äquator war schließlich nur noch wenige hundert Kilometer entfernt. Das Hotel sah optisch nicht so toll aus. Nichts für europäische Augen! Ich ergab mich jetzt meinem Schicksal und ließ mir das vorab bestellte Zimmer zeigen. Ich brauchte heute noch nicht zu bezahlen. Ich hatte eh nicht mehr soviel Singapore-Dollar dabei. Die Frau an der Rezeption übergab mir einen Zettel, den ich an einen alten Mann weiterreichte, der im 2. Stock offensichtlich Wache hielt. Ich bekam das Zimmer mit der Nummer 201. Der Raum war groß und bestand aus zwei Betten, wie das so üblich war in asiatischen Ländern, wo man eigentlich nicht allein reiste. Der Fußboden war kahl und von der enormen Hitze aufgeheizt. Im Zimmer befand sich ein Waschbecken; aus dem Wasserhahn floss extrem gechlortes Wasser. Eine Klimaanlage befand sich auch im Zimmer, die ich aber kaum einmal anstellte. Ich stand ja mit Klimaanlagen schwer auf Kriegsfuß und betrachtete sie als krankmachende Bakterienschleudern. Ferner gab es im Zimmer einen alten Stuhl, einen uralten Nachtschrank und beschmierte, fast blinde Spiegel. Es gab aber einen Balkon und wenn ich die Tür öffnete, hatte ich augenblicklich das bunte, nie nachlassende Treiben der Bukit Pasoh Road unter mir. Um mich herum sah ich fast ausschließlich Hochhäuser. Wenn ich erwartet hätte, dass durch die geöffnete auch nur ein Hauch von kühler Luft gekommen wäre, sah ich mich getäuscht – im Gegenteil! Ich zog meine verschwitzte Kleidung aus und ging sofort unter die Dusche, die sich, genau wie die Toilette, auf dem Gang befand. Alles war sehr einfach und bescheiden in diesem Hotel. Trotzdem kostete eine Nacht immerhin $SG 29! An der Wand im Badezimmer huschte ein Gecko entlang; eine große, ziemlich hässliche Echse. Als mir das Wasser der Dusche in die Augen lief, brannte es durch das Chlorwasser wie Hölle. An der Rezeption lernte ich später noch einen eigenartigen Deutschen kennen, der sich sehr tuntig benahm. Die weiche, leiernde Sprache, die riesengroßen Ringe und die gespreizten Finger ließen diesen Eindruck aufkommen. Ich verließ das Majestic-Hotel und überquerte die Straße. Ich besorgte mir ein paar kleine Flaschen Cola, um meinen stechenden Durst zu löschen. Am Abend unternahm ich dann nicht mehr viel. Zu viele Eindrücke sind seit meinem Abflug in Frankfurt/Main auf mich eingeströmt. Ich war müde und ziemlich fertig. Wahrscheinlich litt ich jetzt unter einem Kulturschock. Ich lernte sehr schnell, dass es eher die jungen Menschen, die der englischen Sprache mächtig sind. Die älteren Menschen hielten an ihren, meist chinesischen, Dialekten fest. Ich musste mich wohl damit abfinden, dass ich hier in Singapur eher auf mich allein gestellt sein würde. Ich konnte mir im Augenblick nicht vorstellen, wo man Bekanntschaften mit anderen Reisenden knüpfen konnte. Es gab keine Jugendherbergen in Singapur! Und wenn man auf den Straßen mal europäische Gesichter entdeckte, waren es zumeist Pärchen. Singapur allein erleben zu müssen, machte mich nicht gerade euphorisch. Im Bett bedeckte ich mich nur mit einem dünnen Leinentuch, dass binnen weniger Minuten durchgeschwitzt war. Ich notierte die ersten Eindrücke in meinem neuen Reisetagebuch. Außerdem blätterte ich noch im Kicker-Sportmagazin, das ich mir bereits in Hamburg gekauft hatte. Ich lauschte noch dem pulsierenden Leben auf den immer noch überfüllten Straßen. Schnell schlief ich ein. Gegen 2:00 Uhr war es dann mit der Nachruhe zunächst vorbei. Der Jetlag meldete sich! Ich hatte mich nicht nur an den neuen Zeitrhythmus zu gewöhnen, sondern auch an die stark geänderten Temperaturen. Jetzt surrte auch noch eine Stechmücke über meinem Kopf umher. Die Malariagebiete Asiens waren nicht weit entfernt, obwohl städtische Gebiete gewöhnlich mit dieser Tropenkrankheit weniger zu tun hatten.
Ich blieb noch lange wach liegen. Die Mücke ließ sich durch mein mitgebrachtes Autan überhaupt nicht abschrecken; und der Verkehr auf den Straßen ließ auch nicht nach.
Meine Übernachtungsstätte, das Majestic-Hotel lag in unmittelbarer Nähe der pulsierenden Chinatown. Dieser Stadtteil besteht aus vielen interessanten und sehr alten Gebäuden, wo überall viel Wäsche vor den Fenstern hing, die bei der extrem hohen Luftfeuchtigkeit, die in Singapur herrschte, gewiss nur schlecht trocknete. Das merkte ich auch an meinen Klamotten. Laut meinem Reiseführer leben in Chinatown 75.000 Menschen auf etwa zwei Quadratkilometern zusammen. Die Geschäfte wirkten in den alten Fassaden oft düster und schmuddelig. Immer wieder wurde ich angesprochen, wenn ich auch nur etwas länger vor einem Geschäft weilte. Eingangstüren scheinen diese Geschäfte nicht zu besitzen; sie waren einfach nur offen. Nachts wird aber ein Gitter heruntergelassen und so der Laden abgeriegelt. Auch in Singapur fährt man auf den Straßen links. Es wimmelt hier nur so von Einbahnstraßen! Fußgängerwege gab es oft nur auf einer Straßenseite. Der gesamte Stadtstaat von Singapur hatte nur eine Größe von 618 km². Die Einwohnerzahl liegt bei etwa 2,5 Millionen. Wegen der strengen Familienplanungsgesetze ist die Bevölkerungsexplosion hier praktisch gestoppt. Bei Singapur handelt es sich um eine Halbinsel, die per Brücke mit dem Nachbarland Malaysia verbunden ist. Neben Englisch wird häufig der chinesische Dialekt Mandarin gesprochen. Überall, besonders in den Geschäften, sieht man häufig chinesische Schriftzeichen. Mit diesem Absatz habe ich mir Mühe gegeben, das Land Singapur wenigstens etwas vorzustellen; wenngleich wohl jede gedankliche Vorstellungskraft hinfällig ist, solange man nicht hier gewesen ist. Früh am Morgen weckte mich der Straßenverkehr vor dem Hotel. Mit dem Schlafpensum konnte ich für die erste Nacht durchaus zufrieden sein. Wieder war es sehr warm, so dass ich als erstes unter die Dusche ging. Da ich in der Nacht nicht genügend zu trinken hatte, litt ich jetzt unter ziemlichem Durst. Ich schnappte mir meine Umhängetasche und meinen Geldgurt und verließ das Hotel Majestic. Über die New Bridge Road durchquerte ich die Chinatown. Als wichtigsten Termin wollte ich mir heute gleich die Daten für den Weiterflug nach Sydney/Australien bestätigen lassen. Das Büro der Garuda Indonesian Airways lag aber ziemlich wie außerhalb und ich musste ganz schön weit gehen. In Chinatown lagen Snack-Bars, Restaurants und Straßenküchen dicht an dicht beieinander. Für meinen Frühstücksgeschmack war nichts dabei. So begab ich mich schließlich in einen Laden, wo ich Nudeln mit Spiegelei als Morgenessen serviert bekam. Dazu trank ich gutschmeckenden Kaffee aus einem Glas. Es gab soviel zu sehen! Die Hitze setzte mir arg zu, trotzdem freute ich mich natürlich über das großartige Wetter. Es fiel kein einziger Tropfen Regen. Nach dem Frühstück rauchte ich eine Zigarette. Man sagt von Singapur, dass man für das Wegwerfen einer Zigarettenkippe hohe Strafen zahlen müsse, doch ich beobachtete dieses Verhalten unzählige Male bei anderen, ohne das auch nur das geringste passierte. Ich setzte meinen Weg fort. Immer wieder hielt ich an und bestaunte meine exotische Umgebung. Das Büro der Garuda fand ich schnell. Die junge Dame hinter dem Schalter bestätigte meine Flugdaten völlig unbürokratisch. Sie beantwortete mir auch meine Fragen und schon nach wenigen Minuten war das Thema abgehakt und ich ging wieder. Das Büro der Garuda befand sich in einem großen Einkaufszentrum, dem Goldhill Square. Auf vielen Ebenen gab es Geschäfte und Büros. Diese große Einkaufszentrum gehörte zum typischen Stadtbild Singapurs. Auf einem anderen Weg ging ich zurück. Ich aß eine Kleinigkeit bei McDonalds und machte einige kleine Besorgungen. So kaufte ich mir ein Einreibemittel gegen Moskitos, Briefmarken und einen nicht zu engen Sonnenhut. Mein Tagesetat war schon allein durch die hohe Übernachtungsgebühr arg strapaziert. So hatte ich für andere Ausgaben eigentlich kaum noch Geld. Überproportional viel Geld gab ich für Getränke aus, die ich aber prompt wieder ausschwitzte. Über die South Bridge Road ging ich langsam zum Hotel zurück, wo ich um 16:00 Uhr müde und erschöpft eintraf. Bei der Hitze hatte ich einen ziemlich langen Fußweg hinter mich gebracht. Mein Raum war von der Klimaanlage jetzt angenehm kühl. Auf dem Bett streckte ich mich aus und döste etwas vor mich hin. Ich nähte das soeben gekaufte Singapur-Wappen auf meinen Rucksack und ordnete meinen Papierkram etwas. Gegen 18:30 Uhr machte ich dann noch einen abendlichen Spaziergang durch Chinatown. Die Dunkelheit bricht abends bricht abends übrigens recht schnell –zwischen 19:00 und 20:00 Uhr- herein. Morgens wird es gegen 7:00 Uhr hell. Chinatown bei Nacht! Das war erst recht faszinierend. Kein einziges Geschäft hatte geschlossen. Auch der Straßenverkehr hatte in den Abendstunden kein bisschen nachgelassen. Das Leben sprudelte. Überall wirbelten asiatische Sprachfetzen durch die Nacht. Aus Geschäften, wo man HiFi-Geräte kaufen konnte, erklangen exotische Gesänge. Ich ging in den People´s Park, ein pulsierendes Einkaufszentrum unter freiem Himmel. Ich hatte Appetit und wollte in einem der unzähligen chinesischen Restaurants etwas essen. Geröstete Ente mit Reis hörte sich auf einer Speisekarte verführerisch an, doch war es ein ziemlicher Reinfall. Das Essen war nicht richtig warm und das Fleisch strotzte nur so von Knochen und Knorpeln. Auch der Preis war ziemlich hoch. Gut und erfrischend war nur das Lagerbier Tiger Beer, das mir aber umgehend in den Kopf stieg. Ich saß an einem Tisch auf der Veranda. Leider waren auch hier die Ventilatoren aufgedreht, so dass es wieder sehr zugig war. Am Tisch kam ich mit einem jungen Mann aus Malaysia ins Gespräch, der eigenen Angaben zufolge, hier in Singapur lebte. Er berichtete mir von seiner Schwester, die als Krankenschwester in München arbeitet und von seinem Onkel, der in Australien als Lehrer arbeitet. Beide sollen momentan aber hier in Singapur sein. Edado, so hieß der Malaye, lud mich für morgen zu sich nach Hause ein. Er sei stolz, mich als Deutschen bei sich zu Gast zu haben. Ich war nicht so sicher, ob ich zusagen sollte; ich war schon etwas misstrauisch – besonders in solch exotischen Ländern. Ich sagte Edado dann schließlich doch zu und wir wollten uns dann morgen wieder hier im People´s Park treffen. In einem Nachbarlokal gab mir Edado dann noch ein Bier aus. Der Malaye sprach ein ziemlich gutes Englisch. Ans Englischsprechen musste ich mich erst wieder gewöhnen. Jetzt, in der Anfangsphase, hatte ich so meine Verständigungsprobleme. Außerdem konnte man sich beim Sprechen nicht richtig konzentrieren. Der laute Sound der Klimaanlagen und der nie nachlassende Verkehr sorgten schnell für Konzentrationsstörungen. Überall wurde geschnattert, überall kam Musik aus den Haus- und Geschäftseingängen! Draußen liefen mir dann entsetzlich dicke Käfer über den Weg. Widerlich: Sie kamen aus der Kanalisation gekrabbelt; womöglich handelte es sich um Kakerlaken, aber sie waren schon irrsinnig groß! Edado´s Onkel war auch noch kurz vorbeigekommen. Bald danach trennten wir uns dann wieder. Edado fuhr mit dem Bus nach Hause und ich kehrte gegen 21:00 Uhr wieder zum Majestic-Hotel zurück.
Natürlich stellte ich mich als erstes unter die erfrischende Dusche. Anschließend las ich noch etwas in meinem Bett. Auf dem Balkon rauchte ich dann noch eine letzte Zigarette. Während der Nacht konnte ich relativ gut schlafen, aber zwischendurch wachte ich immer wieder auf. Dann hatte ich grundsätzlich heftigen Durst!
Auf naivste Art und Weise wurde ich heute der Länge nach beschissen. Ich wurde fast ein Opfer von Edado und seinem Onkel. Erst hinterher wurde mir bewusst, wie schnell man in einen Hinterhalt gelockt werden kann. Die Geschichte, die sich heute mitten in Singapur abspielte, hätte auch ganz anders ausgehen können. Ich werde gleich darauf zurückkommen. Am Morgen war ich wieder wie gerädert, denn eigentlich ging ich in Deutschland zu dieser Uhrzeit ins Bett. Aber wenn ich noch etwas vom Tag haben wollte, musste ich mich jetzt erheben. Es war 8:30 Uhr. Vom Bett aus nahm ich zur Kenntnis, dass die Sonne auch wieder schien und sich ein weiterer Schön-Wetter-Tag entwickelte. Das Wetter ist bisher noch besser als vor einem Jahr auf Oahu/Hawaii. Auf dem Flur des Hotels Majestic wurde ich zu einem Frühstück überredet. Es war ein englisches Frühstück, bestehend aus Schinken, Eier, Toast, Butter und Marmelade. Dazu gab es Kaffee. Für $SG 4,15 war das völlig in Ordnung. Ein englischer Traveller, der hier im Hotel weilte, gab mir noch den Tipp, die Sentosa-Insel zu besuchen, was ich morgen wahrscheinlich auch machen werde. Nach dem Frühstück fuhr ich mit dem Bus zunächst in die Stamford Road und dann weiter von der Selegie Road zur Krokodilfarm in der Sarangoon Street. Auf die Besichtigung dieser Krokodilfarm war ich ziemlich gespannt. Der Bus hielt kurz davor und der Eintritt war auch noch frei! Sogleich marschierte eine Führerin auf mich und zwei Mädchen zu, die auch gerade eingetroffen waren. Sie führte uns direkt zu den gefährlichen Echsen, die völlig bewegungslos in einem betonierten Bassin lagen. Manche hatten das Maul weit aufgerissen und warteten wohl darauf, dass sich zufällig dorthin etwas verirrte. Jetzt kam ein Mann, der zwei große Fleischstücke hinunter in das Bassin warf. Gierig schnellte ein Krokodil vor und war jetzt gar nicht mehr schläfrig. Es schnappte sich den Happen, während andere Krokodile neidisch nach der schnelleren Echse zu schnappen schienen. Die Krokodile waren dem Alter nach in den unterschiedlichen Bassins untergebracht. Die Führung war sehr schnell wieder beendet. Wir besichtigten noch ein paar Alligatoren und eine Python-Schlange sowie einen dicken Leguan. Der Grund für die hastige Führung lag auf der Hand: Im nebenan befindlichen Geschäft gab es Souvenirs aus Krokodillederhaut, die die Touristen kaufen sollten. Die Verkäuferin wollte eindeutig Ware loswerden. Ich kaufte nur zwei Ansichtskarten und verließ die Krokodilfarm nach diesem kurzen Abstecher wieder. Mit dem Bus fuhr ich jetzt in die City zurück und begab mich jetzt in den Central Park. All zu viel gab es hier nicht zu sehen. Die Bäume, Pflanzen und Blumen waren hübsch angelegt und das hier befindliche Schwimmbad lud zum Baden ein. Es war wieder unglaublich heiß! Immer wieder musste ich etwas trinken, weil ich so fürchterlich schwitzte. Im Park wechselte ich noch einige Worte mit einem dänischen Traveller. Ich ging dann zunächst zurück in mein Hotel, wo ich mich für einen Moment ausruhte. Viel Zeit zum Ruhen hatte ich aber nicht, denn ich war ja um 14:30 Uhr mit Edado im People´s Park verabredet. Er hatte ja vor, mich mit seiner Familie bekannt zu machen. In den nächsten Stunden bemerkte ich überhaupt nicht, wie ich seinen Lügen, die immer offensichtlicher wurden, auf den Leim ging. Skeptisch, bei dem was er sagte, war ich zwar häufig; unternommen habe ich aber erst im letzten Moment etwas. Ich entdeckte Edado schnell. Er schien mich schon zu erwarten und spendierte mir zuerst eine Cola. Danach rief er auf der Straße nach einem Taxi und pfiff großzügig auf den preiswerteren Bus. Wir fuhren dann auch nicht in die Bencoolen Road, sondern noch deutlich weiter hinter den Goldhill Square, wo ich gestern meinen Weiterflug bestätigt habe. In einem Appartementhaus klopfte er an eine Tür, doch es öffnete niemand. Seine Tante, die hier offensichtlich wohnen sollte, schien nicht daheim zu sein. Es stellte sich schnell heraus, dass sie wohl im Krankenhaus lag und Schwierigkeiten bei der Geburt ihres Babys hatte. Von der Schwester, die ja in einer Münchener Klinik arbeiten soll, war bei Edado nur noch einmal die Rede, als wir das Hospital passierten, wo sie angeblich einen zweiten Job hatte. Gut, die Tante war nicht zu Hause und wie der Zufall es wollte, erschien wieder der Edado´s Onkel auf der Bildfläche des Geschehens. Er saß zufällig in einem kleinen Lokal in der Nähe der Orchard Road, wo wir jetzt mit einem Taxi hinfuhren. Schon gestern Abend erschien der Onkel von Edado mehr oder weniger zufällig im People´s Park. Aber ich dachte noch immer an nichts böses. Ich hatte zwar überhaupt keine Lust, den ganzen Nachmittag mit den beiden zu verbringen, doch ich ließ aus Freundlichkeit fast alles mit mir geschehen. Auch bei den folgenden Gesprächen wurde ich nicht stutzig. Ständig fragte der Onkel nach meinem Reisebudget. Und immer wieder kam er auf das Spielcasino im australischen Melbourne zu sprechen. Dann wechselte er wieder das Thema und versuchte Mitleid zu erwecken, indem er von seiner Frau sprach, die im Krankenhaus bei der Geburt ihres Kindes angeblich um ihr Leben kämpft. Und er sitzt hier seelenruhig in einer Bar – und ich wurde immer noch nicht stutzig!
Der Krankenhausaufenthalt wäre so schrecklich teuer; natürlich gäbe es auch keine Krankenversicherung. Dann spendierte mir der Onkel wieder ein Getränk. Jetzt stand er plötzlich auf und ging davon. Unsere Wege schienen sich zu trennen. Angeblich musste der Onkel noch dringend Medikamente kaufen. Seinen Hotelschlüssel gab er seinem angeblichen Neffen (wieso Hotel?). Ich dachte, er hat hier eine Wohnung?. Wer wohnte denn nun in dem Appartementhaus, wo Edado vorhin anklopfte? Wenn dort seine Frau wohnen sollte, wieso wohnte der Onkel dann im Hotel?
Edado und ich fuhren mit dem Fahrstuhl in den 16. Stock des luxuriösen Hotels. Edado nahm den Schlüssel und schloss damit eine Zimmertür auf. Wir gingen hinein und nahmen darin Platz. Hier wohnte also der Onkel. Ein Koffer stand im Zimmer. Ansonsten sah ich nur die Einrichtung, die zum Hotel gehörte. Edado stellte den Fernsehapparat an, obwohl mich das Programm überhaupt nicht interessierte. Wieder bot er mir ein Getränk an. Kurze Zeit später klopfte jemand an die Tür. Es war Edado´s Onkel! Unfassbar: Nun wollte er mir das Kartenspielen beibringen und ich saß noch immer mehr oder weniger seelenruhig da. Erst langsam realisierte ich einiges und mir wurde mulmig zumute. Ich hörte mir die Spielregeln an, die mir der Onkel erklärte. Es handelte sich um das berühmte Zockerspiel Black Jack! Aber es kam noch besser: jetzt zeigte mir der Onkel einige Falschspielertricks und er wollte mich dazu trainieren, sein Partner und Mitwisser zu sein. Das sollte später dazu führen, dass ich nie verlieren könne. Also wollte er mich doch nicht bescheißen? Ich war so irritiert! Er zeigte mir jetzt alle möglichen Tricks, die ich mir gar nicht alle merken konnte. Was hatte das alles zu bedeuten? Immer wieder lobte er mich überschwänglich, wenn ich etwas kapiert hatte. Dann schlug das Ruder um! Der Onkel sprach plötzlich von einem Mann, der zum Spiel dazukommen sollte und der mit meiner Hilfe verlieren sollte. Der Erlös des Spieles, so der Onkel weiter, sollte für seine um ihr Leben kämpfende Frau sein und für die Rechnung der Ärzte! Alles sei so einfach, schließlich hätte ich die Tricks ja jetzt gelernt. Ich war mir bei weitem nicht sicher, ob ich von der Übersetzung her alles verstand, was er mir erzählte. Doch es gab spätestens jetzt keinen Zweifel mehr: Hier lief ein krummes Spiel ab! Der Onkel erhob sich jetzt aus seinem Sessel und ging zum Telefon, das sich am Bett befand. Er wollte offenbar den Mann anrufen und ihm Bescheid geben, dass er nun kommen solle. Edado versuchte mich jetzt offensichtlich, abzulenken. Er fragte, ob ich die Taschenspielertricks alle verstanden hätte. Er wollte jetzt mit mir ein Testspiel machen. Jetzt wurde es spannend: Ich stand auf und deutete an, gehen zu wollen. Was würde jetzt passieren? Mussten die beiden nicht Angst haben, dass ich etwas ausplaudern würde, wenn ich jetzt so einfach gehen würde? Es war eine verdammt gefährliche Situation, in welche ich mich hier begeben hatte. Ich griff nach meiner Tasche und wollte gehen. Sie ließen mich durchaus gewähren und waren dabei sogar übertrieben freundlich. Nur sollte ich unbedingt Geheimhaltung bewahren! Erst jetzt entdeckte ich, dass die Zimmertür mit einem Hängeschloss zusätzlich gesichert war! Ein Tuch lag vor der Tür, dass wohl dafür sorgen sollte, dass keine Geräusche nach außen dringen können. Ich konnte ungehindert gehen. Ich hatte wohl noch einmal Glück gehabt. Es hätte auch völlig anders für mich ausgehen können. Niemand auf der Welt hätte gewusst, wo ich bin und niemand hätte mich in diesem Hotel gesucht! Wenn ich hier im Hotelzimmer einen über den Schädel bekommen hätte und ausgeraubt oder ermordet worden wäre – ich hätte nicht die Spur einer Chance gehabt! Welch eine heikle Situation, in der ich mich hier befand! Edado begleitete mich nach unten. Wie ich zurück in mein Hotel kommen sollte, war ihm jetzt ziemlich egal. Er besaß sogar die Frechheit, mich jetzt direkt um Geld zu bitten. Wieder fing er mit seiner Tante an, die ja schließlich im Krankenhaus mit Blut versorgt werden müsse – und das koste Geld. Ich gab ihm tatsächlich $SG 10 und wunderte mich über mich selbst. Aber ich war so unglaublich erleichtert, jetzt wieder draußen unter Menschen zu sein. Edado waren die $SG 10 offensichtlich nicht genug – er forderte noch einen Nachschlag. Jetzt endlich blieb ich hart und lehnte ab. Wir verabschiedeten uns per Handschlag! Hoffentlich wird mir diese extrem heikle Situation zukünftig eine Lehre sein! Wie schon gesagt: Diese Geschichte hätte auch ganz anders ausgehen können. Nach diesem Erlebnis ging ich zu Fuß den langen Weg zu meinem Hotel zurück. Die Sonne brütete unverändert vom Himmel. Es war jetzt mittlerweile 18:15 Uhr. In meinem Zimmer griff ich zu meinem Tagebuch und schrieb meinen täglichen Bericht. Ich setzte mich dann in den Sessel auf dem schmalen Balkon. Oberhalb der Klimaanlage hatte eine Taube ihren Stammplatz, die ich jetzt beobachtete. Links davon lief ein dicker Gecko senkrecht die Wand empor. Am Abend verließ ich das Majestic-Hotel nochmals zu einem kleinen Spaziergang. Ich begab mich wieder in den People´s Park. Ich schaute mich nach Edado um, ob er sich wohl wieder ein neues Opfer ausgesucht hatte, doch ich konnte weder ihn noch seinen Onkel irgendwo sehen. Bei McDonalds holte ich mir noch eine Kleinigkeit zu essen. Mit einem Rundgang durch das Prostituiertenviertel endete dann langsam ein spektakulärer Tag in Singapur. Auch hier blieb es nicht aus, dass ich von den umstehenden Dirnen pausenlos angesprochen wurde. Sie riefen mir immer Siki Siki! zu – keine Ahnung, was das heißen sollte; vielleicht Ficki Ficki!. Ich verneinte dankend und ging schnurstracks zurück in mein Hotel, wo ich mich umgehend unter der Dusche erfrischte.
Auf dem Balkon rauchte ich noch eine Zigarette, bevor ich mich auf mein Bett legte und auf einen tieferen Schlaf hoffte, als in den letzten beiden Nächten. Doch auch in dieser Nacht schlief ich immer nur in kurzen Phasen und wurde erneut von heftigem Durst geplagt.
Ein weiterer Tag mit wunderschönem Wetter stand mir heute bevor. Die Sonne lachte schon am frühen Morgen in mein Zimmer im Majestic-Hotel in Singapur. Gegen 8:30 Uhr stand ich auf. Ich verließ schon bald das Hotel und suchte zuerst das Postamt auf, um vor dem Wochenende noch an Briefmarken zu kommen. In einer kleinen Straßenküche nahm ich dann ein exotisches Frühstück zu mir. Für nur $SG 2 bekam ich ein scharfes Nudelgericht mit Suppe und Kaffee. Für heute hatte ich einen Abstecher auf die Sentosa-Insel geplant. Dazu fuhr ich mit dem Bus bis zum World Trade Center am Hafen. Von hier aus fuhr eine Fähre auf die Insel. Die Fahrt dauerte nur fünf Minuten. Die Hin- und Rückfahrt kostete mich $SG 7, was ganz schön happig war. Sentosa Island war ein Ferienparadies für Touristen. Die Pflanzen, Blumen und Palmen boten ein bezauberndes Bild. Der Garten mit einer Reihe von Fontänen war herrlich angelegt und schön anzuschauen. Eine Musik-Fontäne würde aber erst am Abend spielen. Ich spazierte durch die herrliche Botanik zum Butterfly Park. Auch hier musste ich $SG 2,50 Eintritt bezahlen, was ich ebenfalls als nicht gerade billig empfand. Zuerst ging ich durch eine Ausstellung von exotischen Schmetterlingen, Heuschrecken, Käfern und Spinnen, die in Schaukästen ausgestellt waren. Noch interessanter waren die lebenden Insekten. Während die Schmetterlinge in einem überdachten Gehege überall herumflatterten, waren die Käfer, Taranteln und Skorpione gewiss nicht jedermanns Geschmack. Ich bestaunte diese Tiere lange, denn in freier Wildbahn wollte man ihnen nicht unbedingt begegnen. Ich hatte das Gefühl, dass ich hier der einzige Single war, der sich hier alles ansah. Alle Touristen waren in Begleitung. Ich kam mir deshalb ziemlich häufig einsam vor. Jetzt wanderte ich zum Strand. Hier befand sich eine Lagune, wo man schwimmen und Bootfahren konnte. Mit der Monorail-Bahn, einer Bahn, die nur auf einer Schiene fuhr, schaute ich mir ohne weitere Kosten die Insel an. Anschließend unternahm ich einen Spaziergang am Tanjong-Strand entlang. Es war jetzt sehr heiß! Zum Schwimmen war ich aber nicht in Stimmung. An einem Kiosk ruhte ich mich etwas aus und trank eine von vielen Colas. Auch die Getränke waren auf Sentosa Island teurer, als in der Stadt selbst. So langsam spazierte ich zum Fähranleger zurück und fuhr dann übers Wasser zum World Trade Center zurück. In einem Supermarkt kaufte ich noch Getränke, zwei Kiwis und eine Glückwunschkarte ein. Die Karte wollte ich meinem Kumpel Volkhard zum baldigen Geburtstag schicken. Mit dem Bus fuhr ich zurück in meine Unterkunft. In meinem Hotelzimmer ruhte ich mich dann einen Moment aus. Ich begann schon damit, meinen Rucksack für den morgigen Weiterflug zu richten. Später ging ich dann noch einmal durch die lebendige Chinatown. Es donnerte jetzt einige Male, blieb aber trocken. In einer der unzähligen Straßenküchen gönnte ich mir heute ein tolles Essen: knuspriges Hähnchen, Gemüse, Reis und eine Vorsuppe für das ich $SG 7,50 bezahlte. Ich ging dann weiter spazieren und entdeckte im Outram Park so etwas ähnliches wie eine Kirmes mit Karussells und Gewinnspielen. Hier hielt ich mich jetzt etwas auf und an einem Tisch schrieb ich einen Brief an meinen Schweizer Freund Alex, um ihm die Eindrücke Singapurs aus erster Hand zu schildern. Ich ging dann wieder zum Hotel. Es war noch nicht spät aber ich wusste jetzt nicht mehr so recht, was ich noch tun sollte. Ich fühlte mich etwas gelangweilt und wollte nicht noch mehr Geld ausgeben. Ich hoffte auf mehr Besserung im australischen Sydney, obwohl ich dort in einer Großstadtjugendherberge untergebracht sein würde, die ja bekanntlich so ihre Eigenarten hatten. Mein Optimismus war im Moment nicht so ausgeprägt.
Nach einer erfrischen Dusche lag ich dann schon gegen 21:00 Uhr im Bett und las in einem Buch, während draußen noch immer das Leben tobte.
Auch in dieser letzten Nacht in Singapur wachte ich immer wieder auf. Wenigstens hatte ich diesmal genügend zu trinken dabei. Am Morgen frühstückte ich wieder im Hotel Majestic. Dann duschte ich noch schnell und packte meinen Rucksack zusammen. Kurz danach verließ ich das Hotel und begab mich nach draußen in das wieder tropisch-heiße Klima Singapurs. Mit dem Bus fuhr ich zunächst in die Stamford Street und von dort ging es weiter zum Flughafen Changi. Die Busfahrerei klappte problemlos. Ohne Wartezeit konnte ich dann am Schalter der Garuda Indonesian Airways einchecken. Meinen Rucksack gab ich zunächst nur bis Jakarta auf. Hoffentlich geht er nicht wieder verloren. Natürlich schaute ich mich noch etwas auf dem riesigen Airport um, ehe es dann pünktlich an Bord ging. Mit dem Start des Flugzeugs war das Thema Singapur vorläufig abgehakt. Der Flug GA 971 dauerte nur 1:20 Stunden. An Bord gab es dann zu trinken und ein leckeres Mittagessen. Während des Fluges, der nicht ausgebucht war, gab es immer wieder Luft-Turbulenzen. Start und Landung waren angenehm. Ohne meinen Rucksack auf dem Flughafen von Jakarta in die Hände zu bekommen, konnte ich mein Gepäck gleich weiter bis nach Sydney durchchecken. Eine etwas merkwürdige Methode. Hoffentlich ging das gut. Ich hatte ja noch ungute Erinnerungen an meinen verloren gegangenen Rucksack von Honolulu im Januar 1987.
Ich war total gelangweilt und wusste mich hier in der Transithalle nicht zu beschäftigen. Mit einem leichten Anflug von Neid schaute ich auf die anderen Flugreisenden in der Wartehalle, die fast alle in Begleitung waren. Mein Optimismus, was diese Reise betraf, hatte einen frühen Tiefpunkt erreicht. In der Transithalle hatte ich zwar eine Frankfurter Allgemeine Zeitung zu lesen; aber für sechs Stunden war das doch relativ wenig. Für die Transitreisenden gab es kostenlose Getränke und ein Sandwich. Später erfuhr ich dann, dass auf dem Weg nach Sydney auch in Denpasar auf der Insel Bali zwischengelandet wird. Die Wartezeit schien nicht zu vergehen. Wann ich wohl jemals zuvor in meinem Leben so viele Stunden nichts getan habe? Als dann gegen Abend auch noch eine Verspätung angezeigt wurde, ging ich voller Frust in das Restaurant und aß etwas. Da ich keine indonesische Währung besaß, nutzte ich meine Kreditkarte. Nicht einmal auf die Toilette gehen konnten die Transitreisenden, ohne dass das Reinigungspersonal Geld haben wollte. Ich wartete und wartete. Mittlerweile hatte ich in der Abflughalle in der Nähe von Gate 5 Platz genommen. Mit sage und schreibe 1 ½ Stunden Verspätung erhob sich die Boing 747 der Garuda Indonesian Airways dann vom Flughafen Jakarta. Es war mittlerweile 21:00 Uhr Ortszeit. Neben mir im Flugzeug saß ein originell aussehender Neuseeländer, der aber auch nicht besonders gesprächig war. Es ist schon ziemlich lange her, dass ein Tag derart langweilig war, wie der heutige. Dieses Resümee musste ich während des Fluges ziehen. Im allgemeinen ist der Auftakt dieser Reise alles andere als verheißungsvoll verlaufen. in Singapur machte ich keine einzige nette Reisebekanntschaft – und dann auch noch das Drama mit Edado und seinem ominösen Onkel! Sicher und ruhig setzte die Boing 747 dann um 22:30 Uhr auf der Landebahn des Flughafens Denpasar auf. Erstmals sah ich, wie die Passagiere über eine Gangway die Maschine verließen. Wir, die weiter nach Sydney flogen, durften das Flugzeug nicht verlassen. Neue Passagiere stiegen zu. Zu mir und dem Neuseeländer gesellte sich jetzt die hübsche und bezaubernde Schwedin Louise. Mit ihr wechselte ich ein paar Worte. Über jedes Gespräch war ich im Moment sehr dankbar. Der Aufenthalt in Denpasar war zum Glück nur kurz. Die Maschine rollte langsam zur Startbahn. Schon bald danach erfolgte der Start. Urplötzlich geriet das Flugzeug jedoch in eine Gewitterfront. Es blitzte heftig; draußen klatschte der Regen gegen die Fenster; die Maschine wurde beim Steigflug kräftig durchgeschüttelt.
Der Spuk war schnell vorbei. Mittlerweile befand sich die Boing 747 über der Wolkendecke. Die freundlichen Stewardessen servierten dann wieder ein Essen. Ich hatte allerdings überhaupt keinen Appetit. Ich war müde und wollte versuchen, etwas zu schlafen.
Unerwartet gut konnte ich im Flugzeug schlafen. Ich verpasste sogar den Kinofilm an Bord. Dadurch, dass ich so gut schlafen konnte, kam mir der Flug gar nicht so lange vor. Als ich erwachte, war es schon hell und wir befanden uns bereits über dem australischen Kontinent. Die Besatzung schenkte Getränke aus. Wir befanden uns schon über Sydney, durften aber offensichtlich noch nicht landen. Die Boing 747 befand sich in einer Warteschleife. Schließlich ging es abwärts und die Maschine setzte zur Landung an. Mit einem mächtigen Ruck berührten wir australischen Boden. Wie schon in Neuseeland vor einem Jahr, wurde auch hier der Innenraum der Maschine mit einem Desinfektionsmittel besprüht.
Ohne weitere Kontrolle und ohne die leidige Desinfektion meines Zeltes durfte ich den Gepäckzoll passieren. Erste Aktion in Australien war ein Telefongespräch mit dem Jugendherbergsverband, wo ich mir die Bezahlung meines Bettes in der Forrest Lodge-Jugendherberge bestätigen ließ. Mein australischer Freund Peter R Holland wollte diese Buchung ja für mich erledigt haben und nach einem längeren Gespräch bestätigte mir die Frau am anderen Ende der Leitung auch die eingegangene Bezahlung der Übernachtungsgebühr. Anschließend war es ein Kinderspiel, den richtigen Bus zu finden, der mich zunächst in die Innenstadt brachte. Es war Mittagszeit, glühend heiß und sonnig in Sydney. Ich beschloss meinen Rucksack zunächst zur Jugendherberge zu bringen. Dazu benutzte ich die Buslinie 440 ab George Street, der hiesigen Haupt- und Geschäftsstraße. Kurz darauf befand ich mich in der Ross Street, wo sich die Jugendherberge befand. Ich war ziemlich überrascht darüber, wie klein diese Herberge war, was ich aber sehr begrüßte. Die riesigen Bettenfabriken in anderen Großstädten hatten mich ja noch nie überzeugt. Leider war absolut keine Tür geöffnet, wo man sein Gepäck hätte abstellen können. Ich versteckte meinen Rucksack kurzerhand hinter einem Baum im Garten der Jugendherberge. Danach fuhr ich mit dem Bus wieder zurück in die Innenstadt. Sydney ist mit über drei Millionen Einwohnern die größte Stadt Australiens und die Hauptstadt des Bundesstaates New South Wales. Auf den ersten Blick erinnerte mich vieles an die größeren Städte in Neuseeland. Die Busse waren ähnlich, die Imbissbuden, die chinesischen Takeaways, der Linksverkehr auf den Straßen und die Namen der Bank- und Kreditinstitute. Die Besichtigung des weltberühmten Opernhauses und der Hafenbrücke sparte ich mir absichtlich auf, um morgen und an den nächsten Tagen auch noch etwas zu tun zu haben. Schließlich hatte Peter für mich insgesamt vier Nächte in Sydney gebucht und die mussten mit Unternehmungen und Besichtigungen gefüllt werden. In der erstbesten Bank erkundigte ich mich nach den Umtauschkursen meiner Reiseschecks und nach der Höhe der Umtauschgebühren. Auf dem Postamt besorgte ich mir Briefmarken und Aerogramme. Ich löschte wiederholt meinen Durst und ging dann zum Terminal der Greyhound-Busse. Ich bin ja immer noch am überlegen, ob ich mir einen mehrwöchigen oder mehrmonatigen Buspass kaufen soll oder nicht. Die Entscheidung werde ich erst in Melbourne treffen. Im Greyhound-Büro buchte ich zunächst eine Fahrt in die zweitgrößte Stadt Australiens, Melbourne, mit Zwischenstopp in der Hauptstadt Canberra. In Melbourne wollte ich meinen Freund Peter treffen. Morgen will ich ihn per Postkarte über meinen geplanten Besuch informieren. In einem Park ruhte ich mich unter schattenspendenden Bäumen aus. Alle Erledigungen, die ich auf dem Zettel hatte, klappten problemlos. Ich trank noch einen Milkshake und fuhr mit dem Bus wieder zurück in die Ross Street. Bis zur Öffnung der Jugendherberge hatte ich aber immer noch eine Stunde Zeit. Ich freute mich über die Bekanntschaft mit der netten Kanadierin Sheila aus British Columbia. Wir unterhielten uns über unsere Reisen. Sie war bereits ein halbes Jahr unterwegs und so konnte sie mir einiges über Australien erzählen und ich ihr viel über Neuseeland, wohin sie als nächstes fliegen wollte. Für eine Großstadtjugendherberge machte die Forrest Lodge einen guten Eindruck. Sie war ausgebucht. Zum Glück war mein Bett ja reserviert. Über mein Sechs-Bett-Zimmer im ersten Stockwerk konnte man nicht meckern. Zuerst ging ich unter die Dusche und wusch einen Teil meiner Wäsche. Ich setzte sie dann zum Trocknen dem böigen Wind aus. Im Gemeinschaftsraum studierte ich dann erstmals das australische Jugendherbergsverzeichnis. Sheila und ich gingen dann noch auf einen kleinen Imbiss in einen Pub. Jetzt, am Abend, war es ziemlich kühl geworden. Das Wetter blieb aber einmalig schön. Zurück aus dem Pub saßen wir noch gemütlich im Gemeinschaftsraum der Jugendherberge zusammen, wo ich noch die eine oder andere Zigarette rauchte.
Gegen 22:15 Uhr ging ich auf mein Zimmer; ich war total erschöpft und schlief sehr schnell ein.
In dieser Nacht habe ich erstmals tief und fest durchgeschlafen. Erst gegen 9:15 Uhr stand ich heute Morgen auf und erneut zeigte mir der Blick aus dem Fenster, dass es auch anderes Wetter gibt als wie das, was man in Norddeutschland ständig ertragen muss: Es war den ganzen Tag sonnig ohne eine einzige Wolke am Himmel. Und dabei war es auch noch sehr heiß. Wirklich großartig!
Ins Opernhaus gingen Sheila und ich aber nicht. Eine Besichtigung wäre sehr teuer geworden; viele Reisebücher rieten von einer Besichtigung auch ab, weil es sich nicht besonders lohnen würde. Sheila und ich nahm dann direkt vor dem Opernhaus ein kleines Frühstück ein. Die Kanadierin machte dann den Vorschlag, die berühmte Hafenbrücke zu überqueren. Dazu spazierten wir zunächst durch den historischen Stadtkern mit seinen Steinhäusern. Von der Hafenbrücke hatten wir dann einen atemberaubenden Blick auf das Wasser des Port Jackson und auf die Opera. Es war möglich, einen der vier Brückentürme zu besteigen, was wir sogleich taten. Der Innenraum des Brückenpfeilers war mit interessanten Bildern vom Bau der Brücke behangen. Um die Mittagszeit herum beendeten Sheila und ich die Überquerung der Brücke. In einem Pub in Old Sydney tranken wir etwas. Es war heiß und das Getränk herrlich erfrischend. Jetzt gingen wir zurück zum Circular Quay. Mit der Fähre fuhren wir dann hinüber nach Manly. Für die Hin- und Rückfahrt zahlten wir $AUS 2,80. Bei Manly handelte es sich aber nicht um eine Insel. Es war eher eine Landzunge und die Strecke dorthin war mit der Fähre schneller zu bewältigen. Die Überquerung mit der Fähre war bei dem herrlichen Wetter natürlich der pure Genuss. Nach einer halben Stunde erreichten wir Manly. Hier sollte es einen berühmten Strand geben, von dem wir hier am Anleger aber nichts sahen. Lediglich zwei kleinere Buchten mit vielen Menschen gab es hier. Alles war ziemlich überlaufen. Erst ging Sheila ins Wasser und ich passte auf ihre Wertsachen auf; danach ging ich ins erfrischende Nass. Aus Angst vor einem Sonnenbrand legte ich mich dann nicht in die pralle Sonne, sondern unternahm einen Spaziergang durch die Fußgängerzone von Manly. Durch Zufall entdeckte ich dann den wirklichen Strand von Manly am anderen Ende der Fußgängerzone: Manly Beach!. Hier gab es traumhaft hohe Wellen und einen unglaublich schönen Sandstrand. Aber auch hier war es ziemlich überlaufen. Es sind halt Schulferien in Australien; dazu kommt natürlich die große Zahl von in- und ausländischen Touristen. Ich ging zurück zu Sheila und berichtete ihr von dem schönen Strand. Zusammen gingen wir dort hin. Die Sonne sank tiefer und es bildete sich vermehrt Schatten. Jetzt war es angenehm, im Sand zu liegen. Wir spazierten noch etwas am Küstenstreifen entlang; anschließend gingen wir zum Fähranleger zurück. Wir fuhren in die City von Sydney zurück. Sheila war noch voller Elan und so gingen wir für weitere $AUS 4 auch noch auf den berühmten Fernsehturm, den Centrepoint, der sich ziemlich zentral in der City befand. Von oben genossen wir abermals einen traumhaft schönen Panorama-Blick. Was für eine tolle Stadt! Allerdings warteten wir nicht mehr auf den Sonnenuntergang; das erschien uns noch etwas zu lang. Wir nahmen noch einen kleinen Imbiss in einem chinesischen Takeaway ein. Das Essen schmeckte sehr lecker. Mit dem Bus fuhren wir dann –nach einem unglaublichen aktiven Tag- zurück in die Jugendherberge Forrest Lodge. Ich ging sofort unter die Dusche und betrachtete mit Sorge meine völlig geröteten Arme und Beine. Auch im Gesicht hatte sich ein Sonnenbrand gebildet. Wir saßen dann noch im Raucher-Raum beisammen und schrieben unsere Erlebnisse in unsere Reisetagebücher nieder. Zu uns gesellte sich noch der Neuseeländer Brian aus Tauranga, mit dem wir uns noch nett unterhalten haben.
Gegen 23:30 Uhr war dann Schlafenszeit. Ein prall gefüllter Tag in Australiens größter Stadt, Sydney, neigte sich nun sichtlich seinem Ende entgegen.
In dieser Nacht habe ich wieder nicht so berauschend gut geschlafen. Ich fürchtete mich etwas vor einer Erkältung wegen dem ständigen Wechsel von Kalt und Warm, dem man hier ausgesetzt war. Draußen herrscht große Hitze; geht man in ein Gebäude wird man von eisiger Klimaanlagen-Atmosphäre empfangen. Ich hatte leichtes Halskratzen und ein verstopfte Nase. Aber eine Krankheit brach ich heute nicht aus und das war die Hauptsache. Das Wetter war genauso phantastisch wie gestern. Erneut wollten Sheila und ich gemeinsame Unternehmungen tätigen. Die beiden jungen Australier Lyndon und Russell, mit denen wir zwischenzeitlich Bekanntschaft geschlossen haben, waren so freundlich, uns in ihrem Auto in die Innenstadt mitzunehmen. Sheila hatte noch ein paar Reiseschecks einzulösen. Ich wollte versuchen, den Freund von meinem kanadischen Wegbegleiter in Neuseeland, Harold J. Travis, telefonisch zu erreichen, doch unter der angegebenen Nummer meldete sich niemand. In der Nähe des Circular Quay nahmen wir dann ein Frühstück ein. Ich aß ein üppig belegtes, frisches Sandwich; dazu gab es Kaffee, was zusammen nur &AUS 4,20 kostete. Gegen Mittag fuhren Sheila und ich dann mit der Fähre vom Terminal zum Taronga Zoo. In diesem Tierpark war unheimlich viel Betrieb. Die Fähren schifften die Touristen in Massen heran. An den einzelnen Gehegen und Käfigen konnte man zum Teil nicht so gut sehen; so viele Menschen drückten sich hier die Nasen platt. An manchen Gehegen konnte man zudem nur durch kleine Fenster oder Löcher in den Innenraum schauen. Der Zoo lag aber wunderschön gelegen oberhalb der Bucht. Von Anhöhen aus hatten wir einen wunderschönen Blick auf die Hafenbrücke und das Opernhaus. Der Tierpark bot eine reichhaltige Auswahl an Tiergattungen an. Besonders interessant waren natürlich die australischen Tiere. Zu besichtigen gab es Kängurus, Koalas, Dingos und den Tasmanischen Teufel. Leider konnte man das Schnabeltier nicht besichtigen. Auch das große Aquarium mit Haien, Rochen und Seepferdchen war interessant anzuschauen. Sheila und ich wanderten bei der großen Hitze von Gehege zu Gehege. Immer wieder mussten wir unseren Durst löschen. Im Zoo trafen wir dann auch Lyndon und Russell wieder. Gegen 17:30 Uhr fuhren Sheila, Lyndon, Russell und ich mit der Fähre zum Sydney-Terminal zurück. Im Schnellrestaurant Hungry Jack´s haben wir ein paar Hamburger gegessen. Mit dem Stadtbus fuhren wir dann zur Jugendherberge zurück. An der Rezeption wollte ich eigentlich mein Bett für den geplanten Aufenthalt in der Jugendherberge Canberra reservieren lassen. Doch ich musste mit einigem Erstaunen zur Kenntnis nehmen, dass die Jugendherberge voll belegt sei. Hoffentlich war das ein Einzelfall; sonst könnte es auf meiner weiteren Reise natürlich problematisch werden. Auf meiner Landkarte versuchte ich dann die Ortschaft Rosbud zu finden. In dieser Stadt wohnt die Tante von Jenny, die ich gern besuchen möchte. Lyndon und Russell, die in Melbourne leben, haben mich auch zu sich eingeladen, so dass mittlerweile drei Besuche auf meinem Programm stehen. In meiner Übersichtskarte trug ich noch die Jugendherbergen ein, um so besser planen zu können. Am Abend saßen wir noch im Raucherzimmer der Jugendherberge Forrest Lodge beisammen. Die beiden australischen Boys wollen mich morgen zu einem Ausflug in die Blue Mountains mitnehmen. Also hatte ich auch für den morgigen Tag schon ein interessantes Angebot. An der Wand des Gemeinschaftsraumes entdeckte ich noch eine riesige Spinne. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, nicht zu wissen, ob das Tier giftig oder harmlos ist. Bekanntlich leben ja in Australien die mit Abstand meisten Gifttiere, um nur an die all die Spinnen und Schlangen zu erinnern. Von den Krokodilen im Norden, den giftig-tödlichen Quallen und den Haien wollen wir hier jetzt gar nicht reden.
Gegen 22:45 Uhr verschwand ich dann in meinem Bett und erwartete den neuen Tag.
Der neue Tag begann mit einem weiteren heißen und wolkenlosen Tag in Sydney. Für heute war eine Autotour mit Lyndon und Russell, den beiden Jungs aus Melbourne, angesagt. Ziel sollte der Naturschutzpark Blue Mountains in der Nähe von Katoomba sein. Russell ist neunzehn Jahre alt und Student. Sein Bruder Lyndon ist zwanzig Jahre alt und arbeitet als Drucker. Beide haben mich zu einem Besuch bei sich im Melbourner Stadtteil Essendon eingeladen. Nach einem kurzen Frühstück in der nebenliegenden Milchbar ging es dann auch schon bald los. Es dauerte eine ziemliche Weile, bis wir die Millionenstadt Sydney durchquert hatten. Ich bat Lyndon und Russell jeweils nur eine Fensterseite geöffnet zu haben, um unnötigen Durchzug zu vermeiden. An den australischen Dialekt muss ich mich erst noch gewöhnen. Die beiden Jungs hatten schon einen heftigen Akzent und ich musste mich beim Zuhören ziemlich konzentrieren. Besonders Lyndon liebte es, Slangworte in seine Sätze einzufügen. Es war eine recht lange Strecke; ich schätze 270 Kilometer hin und zurück. Trotz fast immer leerer Straßen durfte man nur 100 km/h fahren. Lyndon war ein sehr guter Fahrer und er richtete sich auch an die Straßenverkehrsregeln. Nach längerer Fahrt stoppten wir an einem Tourist-Büro und ließen uns Kartenmaterial aushändigen. Von einem Aussichtspunkt betrachteten wir einen Wasserfall, der mitten im Buschgebiet der Blue Mountains lag. Es war ein traumhafter Anblick, speziell mit dem azurblauen Himmel im Hintergrund. Das Naturschutzgebiet war voller Eukalyptusbäume. Die Blätter der Bäume sondern ein Öl ab, was die Wälder aus der Ferne blau erscheinen lässt, was den Namen Blue Mountains erklärt. Bevor wir Sydney verlassen hatten, war ich von langen Wanderungen durch den Park ausgegangen; deshalb hatte ich auch meine prall gefüllte Wasserflasche mitgenommen; es blieb aber bei eher kurzen Spaziergängen, die keine großen Anforderungen an die körperliche Verfassung stellten. Ständig schaute ich auf den Waldboden, um ja nicht auf eine auf dem Weg ruhende Giftschlange zu treten. Der Grund war total ausgetrocknet. Ohne jedes Erbarmen knallte die Sonne vom Himmel. Wir kamen sofort ins Schwitzen. Wir setzten unsere Fahrt nach Katoomba fort. Hier besichtigten wir die seltsame Felsenformation Three Sisters. Es waren drei spitz und steil aufgerichtete Felsen, die in der Tat wie Drillinge aussahen. Viele Touristen besichtigten diese Attraktion. Immer wieder mussten wir aufgrund der Hitze zu unseren Getränken greifen. Es gab nur wenig Schatten. Es gab hier ein kleines Informationsbüro für Touristen. Dort holten sich bunte Papageien ihr Futter ab. Das war alles sehr zauberhaft. Es ist einfach ein tolles Gefühl, frei umherfliegende Papageien und Sittiche zu sehen. Unser Ausflug führte uns jetzt weiter in die Nähe von Lithgow. Hier wollten wir mit der urigen ZigZag-Eisenbahn fahren. Es handelte sich um eine Dampflokomotive, die uns für $AUS 4,50 etwa eine Stunde lang durch eindrucksvolle Natur führte. Leider hielt die Bahn immer wieder an, um auf ein Nebengleis auszuweichen. Abenteuerlich war, dass man auch draußen direkt auf den Einstiegsstufen sitzen konnte. So etwas wäre in Deutschland aus Sicherheitsgründen bestimmt nicht möglich und mit mehreren Ketten zugehangen worden. Vom Schornstein fiel dann allerdings dreckiger Staub auf mich herab. Um 16:00 Uhr war dann dieser Trip beendet und Lyndon, Russell und ich brachen zur Rückfahrt auf. In der Nähe von Bell suchten wir noch einen schönen Badesee auf, in den wir auch postwendend sprangen und uns herrlich erfrischten. Das Wasser war angenehm warm. In der Sonne trockneten wir uns ab. Nach dieser Stippvisite am Badesee ging es nun schnurstracks über den Highway zurück nach Sydney. Zurück in der Jugendherberge waren wir gegen 19:00 Uhr. Ich ging noch in ein kleines Restaurant in der Ross Street, wo ich eine Portion Spaghetti verspeiste. Dazu gab es Knoblauchbrot.
Wieder zurück in der Jugendherberge ging ich unter die Dusche. Ich schrieb dann noch einen weiteren Brief an Alex nach Genf und eine Postkarte an meine Mutter nach Buchholz. Am weiteren Abend unternahm ich nicht mehr viel. Ich saß im Gemeinschaftsraum und rauchte noch eine abschließende Zigarette. Gegen 22:30 Uhr begab ich mich dann in mein Bett und freute mich über einen gelungenen Tag.
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