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Auch am Morgen hörte ich wieder den Regen rauschen. Es war also überhaupt kein Grund vorhanden, frühzeitig das Bett zu verlassen. Erst kurz vor 10:00 Uhr stand ich heute in der Jugendherberge Coffs Harbour auf. ![]() Alex und Daniela waren auch erst kurz zuvor aufgestanden. Wir packten unsere Sachen zusammen und verließen kurz darauf die Jugendherberge, nachdem wir unsere Mitgliedsausweise wieder in Empfang genommen haben. Das Wetter änderte sich dann schnell zum positiven. Ziemlich schnell wurde es sonnig und die Temperaturen stiegen auch wieder an. Das Wetter scheint in dieser Region schnell zu wechseln. Nicht nur vom Wetter war ich häufig genervt. Ich konnte bei Daniela nicht landen, wie erhofft; das Wetter schlug mir aufs Gemüt und Alex und Daniela hatten damit bekommen mit zunehmender Tendenz schweizerdeutsch zu sprechen, was ich praktisch nicht verstehen konnte. Nachdem wir all unser Gepäck im Wagen verstaut hatten, fuhren wir zunächst in den Ortskern von Coffs Harbour, wo wir aber erst nach längerer Suche ein Cafe´ fanden, in dem wir frühstücken wollten. Alex und Daniela wollten das gute Wetter ausnutzen, um an den Strand zu gehen. Ich ging mit, hatte aber keine große Lust, mich in den Sand zu legen. Stattdessen unternahm ich eine längere Strandwanderung.
Alex fuhr zunächst bis Bellinger, wo wir gelangweilt durch den Ort schlenderten. Sonntage sind eben undankbare Tage für Stadtbummel. Jetzt fuhren wir zu einem Aussichtspunkt im Bellinger Tal. Hier gab es wunderschöne Natur zu bestaunen. Die Sonne zeigte, zu was sie in der Lage ist. Sie präsentierte die Umgebung in einem zauberhaften Licht. Auch die anschließende Weiterfahrt führte uns durch einzigartige Landschaften. Alex wählte die Tour über Bowraville nach Macksville. Von hier aus fuhr ich die nächsten Kilometer. Die Stimmung hatte sich jetzt wieder spürbar gebessert. Ich fuhr über den Highway 1 über Kempsey zur Abbiegung nach Wauchope. Es war schon 18:00 Uhr, als wir die großartige Jugendherberge inmitten bombastischer Natur im Hastings Valley erreichten. Das saubere und freundliche Gebäude lag elf Kilometer außerhalb von Wauchope. Rundherum gab es weder Geschäfte noch anderes. Aber dafür umso mehr schöne Pflanzen inmitten hügeliger Landschaft. Die Schlafräume waren sehr nett und mit viel Mühe eingerichtet. Von hier aus hatten wir einen idyllischen Ausblick ins Tal. Die freundliche Mrs Bradley begrüßte uns und sofort kamen auch ihre beiden niedlichen Hunde angerannt. Sie zeigte uns die Räumlichkeiten und die sanitären Anlagen. Sie beschenkte uns sogleich mit Früchten aus ihrem Garten. Alex ging mit dem Hund spazieren. Er hieß Bear und war eine Schäferhundmischung und sehr lieb. Der dicke Mops war nicht so recht mein Geschmack. Ich sah ihn aber auch selten draußen herumlaufen. Während Alex mit dem Hund unterwegs war, nutzte ich die Möglichkeit zu einem Gespräch mit Daniela. Ich erklärte ihr, dass ich kein lustvolles Monster sei; aber gern mit ihr schmusen möchte. Sie war jetzt wieder sehr lieb und bei mir keimte leichte Hoffnung auf. Sie setzte wieder ihr bezauberndstes Lächeln auf. Alex, Daniela und ich verbrachten den weiteren Abend im Haus. Bei Mrs Bradley konnten wir einige Lebensmittel einkaufen, so dass wir uns in der Küche etwas zu essen machen konnten. Ich briet mir ein paar Spiegeleier und aß Brot dazu. Die Eier kamen übrigens frisch aus Mrs Bradley´s Hühnerstall.
In dieser sehr familiären Jugendherberge lernten wir jetzt auch Sabine aus Berlin kennen. Mit ihr tauschten wir ein paar Reiseerfahrungen aus. Draußen war der Himmel sternenklar und die Grillen zirpten wunderschöne Melodien. Es war so friedlich hier. Daniela hatte sich wieder unauffällig in ihr Bett geschlichen. Auch ich legte mich bald hin, das außerordentlich bequem und gemütlich war. Ich las noch etwas in meinem Roman; bald danach überkam mich jedoch Müdigkeit und ich schlief bald ein. Ich war froh, dass der Tag noch so schön und positiv verlaufen war, nachdem es ja anfangs nicht so optimistisch ausgesehen hatte.
Mit ziemlicher Sicherheit gehörte die Jugendherberge Wauchope, die von Mrs Bradley geleitet wurde, mit zu den schönsten, die ich je in Australien gesehen habe. Hier stimmte wirklich alles. Ich stand bereits früh auf, denn der Himmel zeigte allerfeinstes Wetter, wie ich durch die riesigen Panorama-Fenster unschwer erkennen konnte, die es hier im Schlafraum gab. Alex schlief noch; von Daniela sah ich noch nichts. So schnappte ich mir Bear, den Hund und spazierte mit ihm über Wiesen und Wälder. Wir beide genossen den morgendlichen Walk durch diese unglaublich schöne Natur. Bear freute sich, dass ich mit ihm spazieren ging. Immer wieder sprang er um mich herum. Plötzlich hüpfte ein Känguru aus dem Gebüsch und ehe ich mich versah, war Bear verschwunden. Er war den Sprüngen des Kängurus klar unterlegen, aber der Jagdtrieb war offensichtlich geweckt. Ab und zu hörte ich ihn bellen und in unregelmäßigen Abständen flitzte er von einem Busch in den nächsten – nur kam er nicht mehr zu mir zurück. Mit leicht schlechtem Gewissen ging ich ohne Hund zu Mrs Bradley zurück, die mich aber sogleich beruhigte, denn eigentlich ist Bear immer allein unterwegs. Er würde schon wieder kommen und genau so war es dann auch. In der Küche kochte ich mir ein paar Frühstückseier; dazu aß ich ein paar Toastscheiben. Alex, Daniela und ich luden unser Gepäck wieder in den roten Toyota Corolla ein, der uns bisher so gute Dienste erwiesen hat. Mrs Bradley machte von uns und dem Hund noch ein schönes Erinnerungsfoto. Wir waren bereit zur nächsten Etappe. Wir nahmen Sabine, das Mädchen aus Berlin, bis nach Port Macquarie mit. Ich durfte heute den ganzen Tag fahren, was mich besonders freute. Von der schönen Landschaft bekam man aber am meisten mit, wenn man auf dem Beifahrersitz saß und sich nicht auf den Verkehr konzentrieren musste. Das Wetter zeigte sich wieder von seiner besten Seite. In Port Macquarie setzten wir Sabine an der dortigen Jugendherberge ab. Wir fuhren dann zu einem Koala-Krankenhaus am Rande der Stadt. In freier Wildbahn war es praktisch unmöglich, einen Koalabären in natura anzutreffen. Sie saßen oft in den Bäumen und waren daher von der Straße aus schwer erkennbar. Auch hier im Krankenhaus saßen die kranken Bären in den Eukalyptusbäumen und waren selbst dann schwer zu erkennen. Leider sind die Koalas in Australien vom Aussterben bedroht. Viele Menschen wünschen sich, mal einen Koala auf dem Arm zu tragen. Allerdings ist davon abzuraten, denn sie stinken wie die Pest und ihre Krallen sind scharf wie Messer, was in den hohen Bäumen, in denen sie vorwiegend leben, ja auch Sinn macht. Nach dem Besuch im Koala-Krankenhaus spazierten wir durch die Innenstadt von Port Macquarie. Ich erledigte wieder meine Bankgeschäfte und las anschließend in einem Cafe´ in der Tageszeitung, in das später auch Daniela kam. Um 12:00 Uhr fuhren wir dann weiter an einen wunderschönen Strand, wo auf einem Hügel ein weißer Leuchtturm stand. Die Stimmung bei uns war prima. Sogleich zogen wir uns um und stürzten uns in die erfrischenden Fluten. Wir ließen uns von den hohen Wellen umspülen. Danach wanderten Alex und ich etwas am Strand entland. Die Luft trocknete uns in kürzester Zeit ab. Alex hatte seinen Fotoapparat dabei und wir schossen ein paar schöne Bilder. Wieder im Auto fuhren wir in die Kleinstadt Wingham (5000 Einwohner), die berühmt für ihre Fledermauskolonie war. Die Kolonie fliegender Hunde (Flying Foxes) befand sich in einem winzigen Waldstück im Herzen des Ortes. Schon aus der Ferne hörten wir das ohrenbetäubende Geschrei der Fledermäuse. Und schon sahen wir sie. Es waren Tausende. Sie hingen kopfüber an den Zweigen und Ästen herunter; dicht an dicht! Wie Äpfel an einem Apfelbaum! Unglaublich! Auch so etwas sieht man nicht jeden Tag! Hin und wieder flog eine dicke Fledermaus davon und man konnte die enorme Flügelspannweite bewundern. Aber auch die spitzen Zähne der Tiere waren mühelos erkennbar. In diesem Waldstück gab es aber nicht nur Fledermäuse, sondern auch Moskitos in Hülle und Fülle, die uns arg plagten. Die Fledermauskolonie war aber den Abstecher nach Wingham unbedingt wert. Im Ortskern kauften wir im Supermarkt etwas Fleisch und Brot für ein abendliches Barbecue ein. Von einer Telefonzelle aus rief ich bei meiner Mutter an, die heute Geburtstag hatte. Sie berichtete mir von einem Brief von der Engländerin Sandra, mit der ich ja fast die gesamte Nullarbor-Ebene durchquert hatte. Mit ziemlich hohem Tempo ging es dann über den Highway 1 nach Bulahdelah, wo wir dringend tanken mussten. Das letzte Teilstück führte uns bei hereinbrechender Dunkelheit in das Mini-Dorf Girvan, wo wir eine einmalig schöne Jugendherberge vorfanden. Das alte Holzhaus lag inmitten eines dichten Waldes - absolut traumhaft gelegen. Es handelte sich um eine ehemalige Schule, die vor vielen Jahren von nur einer einzigen Lehrkraft geleitet wurde. Auf unwegsamem Gebiet fuhren wir den Wagen von der Hauptstraße in das Waldstück hinein. Niemand war hier! Das kleine Haus war verschlossen. An der Tür fanden wir jedoch den Hinweis, dass wir den Haustürschlüssel auf der nahen Farm abholen können, auf die man gelangte, wenn man nur den Waldweg weiterfuhr. Das erledigte ich. Alex hatte eine Feuerstelle vor dem Haus entdeckt. Er begann mit dem Sammeln von Holz für das geplante Barbecue. Zwischenzeitlich hatte ich das Farmhaus erreicht. Ein wunderschönes Fleckchen Erde. Bellend begrüßten mich die Arbeitshunde, die mich längst entdeckt hatten. Die freundliche Farmersfrau übergab mir den Schlüssel für die kleine Jugendherberge und ich bezahlte $AUS 4 pro Person für die kommende Nacht. Mit aller Macht musste ich mich von der Frau losreißen, sonst hätte sie sich wahrscheinlich noch bis morgen früh mit mir unterhalten wollen. Ich fuhr zurück. Auf dem Weg zur Jugendherberge sprangen mir immer wieder Kängurus über den Weg. Mit Freude entdeckte ich, dass das Feuer schon entfacht war. Der Farmer war mittlerweile eingetroffen und hatte Alex und Daniela beim Feuermachen geholfen. Sogleich konnten wir das Fleisch auf den Grill legen. Kein Mensch wird sich diese großartig-romantische Lagerfeuerromantik vorstellen können, die wir hier jetzt genossen. Wir saßen unter dem sternenklaren Himmel; vor uns knisterte das Feuer, das Fleisch war unglaublich zart – schöner ging es nimmer. Die Ruhe im Wald war himmlisch, obwohl es manchmal im nahen Gebüsch raschelte. Wie viele Tieraugen uns wohl hier neugierig beobachteten? Menschen, die immer nur ihrer Arbeit nachgehen und solch spannende Länder nicht bereisen, werden nicht ermessen können, wie unglaublich schön es hier war. Die Toilette war nur ein primitives Plumpsklo. Hier hatten unzählige Spinnen und Moskitos hatten hier ihren Stammplatz. Im Plumpsklo befand sich eine winzige Lampe, die per Stromkabel mit dem Holzhaus verbunden war. Als einziger wagte ich den Gang unter die Kaltwasserdusche, die auf einfachste Art und Weise aus einem Wassertank kam. In der Dusche gab es jedoch kein Licht; hier musste ich eine Kerze entzünden. Brrr, war das Wasser kalt! Aber hinterher fühlte ich mich frisch wie der junge Morgen.
Alex, Daniela und ich saßen noch lange am Feuer zusammen. Längst hatte ich nach der Hand von Daniela gegriffen und streichelte zärtlich ihre Hand. Im Holzhaus legte ich mich zu ihr ins Bett. Sie sträubte sich jetzt ein wenig und flüsterte mir ins Ohr, dass sie keine Zärtlichkeiten wolle, wenn Alex dabei war. Dafür hatte ich Verständnis und verschwand in meinem Bett. Alex bewies eindrucksvolle Haltung. Umgekehrt hätte ich das wohl nicht so gekonnt. Wir löschten das Licht in der Jugendherberge. Nur wenige Menschen können sich wahrscheinlich vorstellen, wie schwarz eine Nacht sein kann. Es gab nicht die kleinste Lichtquelle. Es war stockdunkel! Wegen der vielen Mücken im Haus rieben wir uns alle gründlich mit Lotion ein.
In der Sprache der australischen Ureinwohner heißt der Koala »trinkt nicht«. Tatsächlich ernähren sich die bis zu 80 cm großen Tiere nur von Eukalyptusbäumen.
Bei der Ruhe, die hier in der Jugendherberge Girvan herrschte, konnten wir alle prima schlafen. Deshalb sind wir auch etwas zu spät aufgestanden; eigentlich wollten wir frühzeitiger aufbrechen, um die Zeit verstärkt in den Blue Mountains auszunutzen. Als wir am Morgen aus der Hütte traten, war der Himmel über den Baumwipfeln blau und es war bereits angenehm warm. Wir hinterließen die kleine Hütte aufgeräumt und schlossen es ab. Den Schlüssel übergaben wir dann wieder der Frau, die weiter oben die Farm bewirtschaftete. Auch heute war die Frau sehr freundlich zu uns. Sie zeigte uns noch ihre hübschen Papageien. Auch heute durfte ich zuerst fahren. Ich startete den Toyota Corolla und ließen Girvan schnell hinter uns. In Raymond Terrace legten wir den nächsten Stopp ein und nahmen ein schnelles Frühstück zu uns. Auch erledigten wir hier in einer Tankstelle unsere Toilettengänge – auf die Benutzung des Plumpsklos an der Jugendherberge hatten wir in der Frühe nämlich alle verzichtet. Während der weiteren Fahrt spürte man bereits den Atem der Weltstadt Sydney auf den Straßen, denn größtenteils ging der Verkehr nur stoßweise voran. Die Straßen waren stark befahren und ich benötigte all meine Konzentration. Immer wieder musste ich mich einordnen, anfahren oder abbiegen. Vor und hinter mir fuhren ständig riesige Lastkraftwagen. Aber ich war durchaus stolz auf meine fahrerische Leistung. Als saß auf dem Beifahrersitz und las zuverlässig die Karte. Teilweise hatten die Freeways mehrere Spuren und ich konnte dann ordentlich Gas geben. Über Hornsby und Penrith erreichten wir die zauberhaften Blue Mountains, die ich bereits zu Beginn meiner Australien-Reise besucht hatte. So war ich in der Lage, Alex und Daniela einige Tipps geben zu können. Auf einer besonders geraden und breiten Straße hatte ich wieder einmal besonders stark aufs Gaspedal getreten. Plötzlich kam es zu einer Polizeikontrolle. Das würde gewiss eine saftige Strafe nach sich ziehen. Eine Polizistin kam sogleich zu unserem Fahrzeug und begrüßte uns freundlich. Sie berichtete, dass ich 128 km/h statt der erlaubten 110 km/h gefahren bin. Ich musste ihr meinen Führerschein zeigen. Es war mein grauer Lappen, auf dem ich vom Passfoto her überhaupt nicht mehr zu erkennen war – hoffentlich würde das nicht zu zusätzlichen Schwierigkeiten führen. Ich erwartete in jedem Falle Unannehmlichkeiten. Die Polizistin nahm meinen Führerschein und ging damit zum Dienstwagen, der vor uns stand. Nach einer Weile kam sie zu uns zurück und fragte, wie lange wir noch in New South Wales bleiben wollen. Ich antwortete: “Bis Mitte April“. Von der Bürokratie her war es wohl zu schwierig, mir eine Zahlungsaufforderung auf dem Postwege zu übersenden. Es hatte den Anschein, als ob die Polizisten hier kein Geld annehmen durften. Ich hätte einen festen Wohnsitz in Australien haben müssen. Da dieses aber alles nicht funktionierte, blieb es bei einer Ermahnung und die freundliche Polizistin wünschte uns noch eine gute Fahrt und einen angenehmen Aufenthalt in New South Wales. Steine polterten mir gleich zentnerweise vom Herzen. Das ging ja äußerst glimpflich ab. Ich fuhr noch für eine Weile absolut vorschriftsmäßig und übergab das Steuer dann an Alex. Wir hielten an einem Informationsbüro an und ließen uns detaillierte Straßenkarten aushändigen. Wir waren dann an den Wentworth-Wasserfällen und schauten uns natürlich auch die drei Schwestern, dieses monumentale Felsengebilde, an. Das Wetter war schön wie damals, jedoch nicht mehr ganz so heiß. Am späten Nachmittag fuhren wir dann über Leura nach Katoomba, wo wir in der dortigen Jugendherberge übernachten wollten. Es war aber noch nicht ganz 17:00 Uhr und die Jugendherberge hatte noch geschlossen. Während Daniela und ich hier warteten, ging Alex im Ort eine Tasse Kaffee trinken. Es stellte sich heraus, dass sich eine größere Schulklasse in der Herberge aufhielt und das das Haus deshalb so gut wie voll war. Der Warden, der uns mittlerweile begrüßt hatte, bot uns freundlicherweise Matratzen als Notbetten im Gemeinschaftsraum an. Da wir aber das Auto hatten und entsprechend flexibel waren, konnten wir uns noch nach einer anderen Übernachtungsstätte umschauen. Campingplätze, die Kabinen anboten, konnten wir auf Anhieb nicht erkennen. So fuhren wir in den kleinen Ort Springwood, wo sich eine ähnlich romantische Jugendherberge befand wie gestern in Girvan. Das Haus befand sich im Norden des Ortes in wunderschöne Landschaft eingebettet. Wir befanden uns hier in einem Schutzgebiet, das sich Hawksbury Heights nannte. Auch hier mussten wir uns den Schlüssel beim Warden abholen, der in einer abseits gelegenen Straße wohnte. Es war dann gar nicht so einfach, die ziemlich abgelegene Jugendherberge zu finden. Pro Kopf hatten wir für die Übernachtung nur $AUS 5 bezahlen müssen. Ich liebte diese einfach ausgestatteten Jugendherbergen , die von den großen Touristenströmen verschont blieben. Auf extrem schlechten Waldpfaden erreichten wir schließlich das versteckt liegende Häuschen. Rundherum befanden sich hohe Bäume. Von hier oben hatten wir einen phantastischen Ausblick auf die unter uns liegende Großstadt Sydney. Das Lichtermeer bei Nacht war besonders imposant anzuschauen. So dicht lagen in Australien Millionenstadt und romantische Natur beieinander. Es hatte den Anschein, als ob wir die ganze Jugendherberge für uns allein hatten. Völlig überraschend stellten wir dann aber fest, dass das Häuschen nur unzureichend Sonnenenergie über die Solarzellen gespeichert hatte, denn bis auf ein Zimmer war im Haus alles stockdunkel. Zum Glück fanden wir einige Kerzen, die die gemütlich-romantische Atmosphäre noch steigerten. Es war total schön! Wann hatte man schon einmal so ein Glück, innerhalb von nur drei Nächten in drei so großartigen Jugendherbergen übernachten zu können, wie es bei uns mit Wauchope, Girvan und North Springwood der Fall gewesen war. Auch hier gab es nur Kaltwasserduschen. Das Wasser kam aus einem primitiven Wassertank. Die Toiletten befanden sich draußen. Es handelte sich allerdings nicht wieder um ein Plumpsklo, sondern um ein WC mit Wasserspülung. Wir duschten zunächst und nahmen eine Kerze mit. Als Alex unter der Dusche war, ergriff ich die Initiative und nahm Daniela in meine Arme. Ich streichelte sie zärtlich und wieder ließ sie mich gewähren, während sie im Beisein von Alex auch schon mal widerspenstig reagiert hatte. Jetzt durfte ich ihren Oberkörper streicheln und hörte sogar ihr kleines Herzchen schlagen. Nun war ich endgültig davon überzeugt, dass mehr geschehen wäre, wenn wir allein gewesen wären. Wir verließen dann die kleine Jugendherberge und fuhren nach Springwood zurück, wo wir etwas essen gehen wollten. Wir fanden ein kleines chinesisches Restaurant, wo aber nicht gerade nicht besonders viel Betrieb herrschte. Der freundliche Kellner ließ sich mit unserer Bestellung viel Zeit. Ich war sehr durstig und trank gleich drei Gläser Bier zur Mahlzeit, die mir prompt in den Kopf stiegen. Das Essen war wieder erstklassig. Chinesische Restaurants begeisterten mich immer wieder. Es war noch ein netter und geselliger Abend hier. Alex, Daniela und ich waren in bester Stimmung. Nach einem abschließenden Kaffee verließen wir das Restaurant und fuhren zur kleinen Jugendherberge nach North Springwood zurück. Völlig unerwartet entdeckten wir jetzt noch ein weiteres Auto vor der Jugendherberge. Das hatten wir nicht mehr erwartet. Zwei Typen, die wir schon flüchtig vor der Jugendherberge Katoomba gesehen hatten, waren auch hierher gekommen. Uns war nicht wohl bei dem Gedanken, dass wir all unser Gepäck ziemlich offen herumliegen gelassen haben. Das war etwas leichtsinnig gewesen. Die beiden Typen schliefen bereits. Alex, Daniela und ich wechselten in den Nachbarraum hinüber. Wir hatten noch eine abschließende Tasse Kaffee getrunken, die Alex netterweise zubereitet hatte. Dann war Schlafenszeit und ich ergriff die Gelegenheit, mit der kleinen Daniela wieder etwas zu schmusen, was jetzt aber das Missfallen von Alex erregte. Er hatte ja recht und ich legte mich in mein Bett. Was meine sexuellen Bedürfnisse anging, war ich völlig unbefriedigt; was aber die vielen Ereignisse des heutigen Tages betraf, war ich sehr zufrieden. Viele schöne Flecken, die es in Australien gab, hätte man ohne eigenes Fahrzeug nie und nimmer zu Gesicht bekommen. Darüber sollte sich jeder, der sich gegen ein Fahrzeug aber für einen Buspass ausspricht, vorher im klaren sein.
Für den heutigen Tag stand einiges an Terminen und Unternehmungen auf dem Programm. So war es dann auch notwenig, schon um 6.15 Uhr in der kleinem Jugendherberge North Springwood aufzustehen. Traumhaft schön dämmerte es und der Himmel färbte sich über Sydney rot. Während die beiden Reisenden, die gestern noch eingetroffen waren, nebenan schliefen, packten wir unser Gepäck zusammen. Die Temperaturen waren am Morgen noch ziemlich frisch. Die letzte Etappe im Toyota Corolla fuhr Alex heute nach Sydney. Schon bald begann der morgendliche Berufsverkehr auf dem High- und Freeway. Im Radio nervten die immer selben Werbespots, die scheinbar pausenlos abgenudelt wurden. Das ging an die Nerven und würde mich erstrecht davon abhalten, diese Produkte zu kaufen. Musik war im Radio Mangelware. Der Verkehr nahm jetzt immer mehr zu. Überall fuhren riesige Trucks und natürlich begaben sich die Berufstätigen auf den Weg zu ihrer Arbeit. Wir waren noch nicht einmal in Parramatta, als wir in einen Stau gerieten und fortan ging es nur noch stoßweise voran. Wie gut, dass wir so zeitig gestartet waren, sonst wären wir in Zeitnot geraten. Stop and Go – die ganze Zeit über! Immer wieder gab es Fahrbahnverengungen und rote Ampeln. Ständig musste man auf die Fehler der anderen Autofahrer achten, die häufig nicht blinkten, wenn sie die Fahrspur wechselten. Gegen 9:00 Uhr erreichten wir dann die Jugendherberge Forrest Lodge, in der ich ja zu Beginn meiner Reise schon abgestiegen war. Welch ein symbolischer Moment: Jetzt hatte ich den australischen Kontinent einmal umrundet! Die Betten in der Jugendherberge hatten wir schon vorher in Brisbane reservieren lassen. So war die Anmeldung jetzt nur noch reine Formsache. Ich reservierte gleich für die letzten Nächte Mitte April, die ich vor meinem Rückflug auch wieder hier verbringen will. Ich hatte Post von zu Hause sowie von meinem Freund Frank erhalten. Alex, Daniela und ich räumten den Toyota Corolla aus. Durch die engen Straßen brachten wir den Leihwagen nun zur Avis-Filiale in die William Street. Vorher tankten wir das Auto aber noch voll. Ohne dass es eine Kontrolle seitens des Vermieters gab, lieferten wir den Toyota Corolla ab, der uns so unglaublich treue Dienste geleistet hat und uns auch auf unwegsamen Straßen nie im Stich gelassen hat. Von den Angestellten schaute niemand nach, ob der Wagen überhaupt vollgetankt war oder ob er irgendwelche Schäden davongetragen hat. Das überraschte uns schon etwas. Das Wetter war heute nicht mehr so optimal. Den ganzen Tag über war es stark bewölkt. Gerade bei Sonnenschein ist es ein Genuss das Opernhaus und die Hafenbrücke zu betrachten. Dieses Vergnügen würden Alex und Daniela nicht haben, denn die beiden waren heute erstmals in Sydney. Aber im Augenblick waren wir alle hungrig und so gingen wir in ein Cafe´, um zu frühstücken. Hier las ich auch die beiden erhaltenen Briefe. Frank sorgte dabei für höchstinteressante Neuigkeiten. Er schrieb, dass er jetzt mit einer Frau und Kind zusammen lebe. Er sei ausgezogen und wohne jetzt in der Straße Am Salhop. Das kam aber plötzlich. In Buchholz kann man jetzt auch die privaten Fernsehsender SAT1 und RTL plus über Antenne empfangen. Survival-Experte Rüdiger Nehberg war auch in Buchholz gewesen. Anlässlich seiner Atlantik-Überquerung hatte er dort einen Vortrag gehalten. Die Veranstaltung, so schrieb Frank, fand im City Center stand und war scheinbar ein großer Erfolg. Über die Post habe ich mich in jedem Fall sehr gefreut. Nach dem Frühstück gingen wir in der Stadt jetzt vorübergehend getrennte Wege. Alex und Daniela wollten sich jetzt natürlich all die Sehenswürdigkeiten anschauen, die Sydney zu bieten hatte. Ich ging zum Büro der Garuda Indonesian Airways; meiner Fluggesellschaft, die sich aber nicht mehr in der Bligh Street befand, sondern nunmehr in der Clarence Street. In mein Ticket ließ ich jetzt die in Brisbane geänderten Flugdaten eintragen. Ich fliege ja jetzt erst am 15. April nach Frankfurt zurück. In einem Cafe´ vervollständigte ich dann meine Reisebuchchroniken. Die Hektik und Unruhe, die in Sydney herrschte, machte mich etwas nervös – daran war ich schon gar nicht mehr gewöhnt. Die Menschen drängelten; die Autos auf den engen Straßen sorgten für beträchtlichen Lärm und die Abgase der Fahrzeuge stiegen gleich in den Kopf. Ich ging jetzt zum Bahnhof. Ich hatte ja die Idee gehabt, über Ostern ein zweites Mal zu Peter Holland nach Melbourne zu fahren. Ob er Zeit hatte, war ja noch nicht klar. Ich ging in eine Telefonzelle und rief Peter’s Mutter in Caulfield an, genau wissend, dass Peter jetzt zur Arbeit bei Porsche war. Ich wollte aber die Telefonnummer bei seinem Arbeitgeber erfragen und dort anrufen. Peter’s Mutter machte einen besseren Vorschlag: Ich solle am Sonntag in Melbourne eintreffen und noch einmal anrufen, um zu bestätigen, mit welchem Bus oder Zug ich dann kommen würde. Das hörte sich vielversprechend und wenig aufwendig an. Eine gute Idee und ich freute mich auf das Wiedersehen mit den Holland’s am Sonntag! Ostern ist für diesen Besuch sehr viel optimaler, da Peter dann auch nicht zur Arbeit muss. Ich schlenderte noch ein wenig durch die Einkaufstraßen von Sydney. Müdigkeit machte sich bei mir breit. Von dem hektischen Stress war ich jetzt ganz schön geschlaucht. In einem weiteren Cafe´ ließ ich mir einen leckeren Apfelstrudel mit einer Tasse Kaffee schmecken. Ich gab dann noch ziemlich viel Geld für eine Straßenkarte von Victoria und Melbourne aus. Die Forrest Lodge-Jugendherberge war bekanntlich von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr geschlossen. Irgendwie musste ich die Zeit bis dahin herum bekommen. Viel lieber hätte ich mich jetzt etwas auf dem Bett lang gemacht und in meiner deutschsprachigen Zeitung gelesen, die ich vor wenigen Minuten in einem Kiosk erhalten habe. Um 15:30 Uhr verließ ich die Innenstadt und setzte mich vor die Tür der Jugendherberge, wo ich die Zeitung studierte. Die Auslosung im Fußball-Europapokal ergab ein direktes Zusammentreffen von Bayer Leverkusen und Werder Bremen. Die Bremer spielen immer noch erfolgreich in drei Wettbewerben mit. In der Bundesliga gewann Werder Bremen mit 3:1 gegen Bayern München. Der Hamburger SV verlor gleich mit 0:4 beim VfL Bochum. Über die Osterfeiertage wird in Berlin ein Vierländerturnier mit Schweden, Argentinien, der Sowjetunion und Deutschland ausgetragen. Ich werde davon nichts zu sehen bekommen. Mist! Nach Öffnung der Jugendherberge habe ich meine Wäsche gewaschen und trocknete sie anschließend im Trockner. Ich duschte dann noch und fühlte mich gleich wohler. Alex und Daniela kehrten jetzt von ihrer Besichtigungstour zurück. Auch sie waren arg kaputt. Sie hatten ihren Rückflug mit Qantas bestätigt. Am Schwarzen Brett fand ich eine Nachricht von Christine, die jemanden suchte, der mit ihr im Auto nach Melbourne fährt und das auch noch am kommenden Freitag! Das schien ja wie die Faust aufs Auge zu passen. Sogleich rief ich sie an. Wir verblieben, dass ich sie am Karfreitag um 10:00 Uhr erneut anrufe. Das scheint also zu klappen. Trotzdem war ich natürlich mit telefonischen Lifts etwas vorsichtig geworden. Oft waren aber auch die Anzeigen an den Schwarzen Brettern nicht mehr aktuell. Klar, dass ich eine Tour im Auto einer Bus- oder Bahnfahrt eindeutig vorziehen würde. Alex, Daniela und ich gingen dann in ein vietnamesisches Restaurant am Ende der Ross Street. Es war allerdings der chinesischen Küche sehr ähnlich, wie wir alle bestätigen mussten. Ich wurde satt, aber geschmacklich war es nicht so der Knüller. Alex war mit seinem Essen überhaupt nicht zufrieden. In der Jugendherberge saßen wir danach noch bei einer Tasse Kaffee beisammen. Ich war allerdings sehr müde und legte mich bald ins Bett, wo ich aber kurz darauf aufschreckte. Was war denn das? Der Typ unter Alex’ Bett röchelte plötzlich und gab würgeartige Laute von sich. Es hörte sich an, als ob er erstickte. Immer wieder bekam er während der Nacht diese lautstarken Anfälle. Offensichtlich litt er unter schwerem Asthma. An einen guten Schlaf war natürlich nicht zu denken; immer wieder wurde ich regelrecht aufgeschreckt. Auch der lautstarke Verkehr vor dem Haus sorgte für keinen besonders erholsamen Schlaf.
Der röchelnde Zimmergenosse stand schon am frühen Morgen auf. Von seinem vermutlich asthmatischen Leiden war jetzt gar nichts mehr zu spüren. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit würden wir in der kommenden Nacht dasselbe Vergnügen haben, denn es war nicht erkennbar, ob er die Jugendherberge verlassen würde oder nicht. Viel zu früh stand ich heute Morgen in der Jugendherberge Forrest Lodge in Sydney auf. Das war nämlich gar nicht nötig, denn im Vergleich zum gestrigen Tag hatte ich heute deutlich weniger zu erledigen. Zwiespältige Gefühle machen sich bei mir seit einiger Zeit breit. Zum einen wird mir der Abschied von Alex und Daniela morgen mit Sicherheit nicht leicht fallen. Das wird ein Einschnitt – zweifelsohne. Zu gut haben wir uns in der letzten Woche verstanden und all die interessanten Dinge zusammen erlebt. Der Trip nach Melbourne zu Peter ist aber eine gute Alternative. In zwei Wochen steht mein Rückflug nach Deutschland an. Zum einen freue ich mich auf das Wiedersehen mit meinem Hund Wurzel und zum anderen natürlich auch auf den Fußball. Andererseits graust mir bei dem Gedanken, wieder zur Arbeit gehen zu müssen. Aber auch das Thema Arbeit bereitete mir zwiespältige Gefühle. Optimal wäre es, wenn ich wieder im Buchholzer Krankenhaus anfangen könnte; schlecht wäre allerdings ein Job außerhalb von Buchholz, weil der finanziell zu schwer ins Gewicht fallen würde. Zunächst hieß es aber: Abwarten und Tee trinken! Noch war ich weit entfernt von alledem: noch befand ich mich in einer der schönste Städte dieser Welt und zugleich in einem der aufregendsten Länder. Mit dem Bus fuhren Alex, Daniela und ich später wieder in die City. Am Fähranleger aßen wir ein leckeres Sandwich und tranken Kaffee dazu. Erneut war es heute bewölkt. Ich hätte den weiteren Tag gerne mit den beiden Schweizern verbracht, weil es doch schließlich unser letzter gemeinsamer Tag war. Beide wollten aber unbedingt auf den Fernsehturm, wo ich ja schon gewesen bin, und nach Chinatown. Vier lange Feiertage standen ab morgen auf dem Programm. So musste ich heute schon einen Reisescheck in der Westpac-Bank gegen Bargeld eintauschen. Danach setzte ich mich irgendwo ans Wasser und schrieb Tagebuch. Für Peter’s Mutter kaufte ich noch ein paar Pralinen als Geschenk für den abermaligen Besuch. Ich kam dann auf die Idee das Goethe Institut aufzusuchen, um den langen Nachmittag mit dem Lesen von Zeitungen einigermaßen sinnvoll zu gestalten. Dazu fuhr ich mit dem Zug nach Edge Cliff (Hin- und Rückfahrt kosteten nur $AUS 1) und fand das Deutschland-repräsentierende Institut schließlich in der Ocean Street. Dummerweise hatte es geschlossen , was mich etwas ärgerte. Ich musste in die Innenstadt unverrichteter Dinge zurückfahren. In einem Cafe´ gönnte ich mir wieder einen Apfelstrudel mit Eis. Hat toll geschmeckt. Anschließend machte ich dann einen Spaziergang in den berühmten Hafen von Sydney, Darling Harbour, der zur Zeit völlig neu hergerichtet wird. Vieles steht noch im Bau; anderes ist aber bereits fertig. Ich wanderte auf der Promenade entlang und schaute mich in den Einkaufszentren um. Mit dem wieder restlos überfüllten Bus fuhr ich wieder zur Jugendherberge zurück. Es war erst 16:00 Uhr, aber ich war jetzt viel zu faul – ich konnte nicht weiter herum laufen; Städte dieser Größe sind zu anstrengend. Vor der Haustür las ich in der Zeitung. Nachdem die Tür geöffnet war, ging ich geradewegs unter die Dusche und ruhte mich ein wenig auf dem Bett aus. Alex und Daniela waren immer noch unterwegs! Die beiden mussten eine ungeheuere Kondition haben. Sie ließen wahrscheinlich keine Sehenswürdigkeit aus. Da es aber unser letzter gemeinsamer Tag ist, war ich doch etwas missgestimmt. Zumindest am Abend hätten wir doch noch gemeinsam essen gehen können, oder? Ich machte allerdings kein Geheimnis daraus, dass ich die süße Daniela sehr vermisste. Gegen 19:00 Uhr kehrten sie zurück. Sie stimmten dann beide meinem Vorschlag zu, gemeinsam essen zu gehen. Wir wollten uns heute mal an der französischen Küche versuchen und das Mädchen, das an der Rezeption arbeitete, empfahl uns ein Restaurant unweit der Jugendherberge in der MacArthur Street. Der Abend war noch angenehm mild und uns tat der Spaziergang gut. Ohne Mühe fanden wir das vorgeschlagene französische Restaurant, das von der Speisekarte her aber nur eine ziemlich eingeschränkte Auswahl hatte. Geschmacklich war es aber sehr wohlschmeckend. Allerdings hielt sich die Größe der Portion im Vergleich zu meinem Appetit ziemlich in Grenzen. So musste ich mir neben dem Hauptgericht noch Knoblauchbrot, Salat und sogar noch ein Stück Kuchen zum Nachtisch bestellen. Ich hatte wirklich großen Hunger; aber es ging auch wieder ziemlich an meine finanziellen Reserven. Aber das war mir unser letzter gemeinsamer Abend wert. Es fing an zu regnen. Wir saßen draußen allerdings unter einer Überdachung. Nach dem Restaurantbesuch gingen wir noch in ein kleines Studentencafe´, um noch eine Tasse Kaffee zu trinken. In der Jugendherberge erzählte ich Alex noch etwas über Singapur, wohin Daniela und er noch für ein paar wenige Tage flogen. Dann ging es zu Bett.
Der röchelnde Mann war nicht abgereist. Vorsichtshalber steckte ich mir noch Oropax in die Ohren, die aber irgendwann in der Nacht heraus fielen. Er röchelte auch in dieser Nacht wieder; aber nicht im entferntesten so schlimm wie gestern Nacht.
Heute war Karfreitag; also der Auftakt von vier Feier- und Wochenendtagen in Folge. Wenn man auf Reisen ist, sind solche Feiertage tödlich. Geschlossene Geschäfte! Geschlossene Postämter! Geschlossene Banken! Ausgestorbene Fußgängerzonen! Eingeschränkter bis völlig eingestellter Personennahverkehr und vieles mehr! Nur in der Natur kann man sich an solchen Tagen gut beschäftigen; aber das konnte man nicht immer so gezielt hinbekommen. Traurig stimmte mich heute der bevorstehende Abschied von Alex und Daniela. Beide traten heute zum Weiterflug nach Singapur an, wo sie aber nur zwei Nächte bleiben wollten. Danach kehren sie nach Genf zurück, wo sie am Dienstag bereits wieder ihre Arbeit aufnehmen müssen. Um 9:45 Uhr rief ich abermals bei Christine an. Sie hatte ja am Anschlagbrett jemanden gesucht, der mit ihr nach Melbourne fährt. Da es draußen in Strömen regnete, wollte sie schon zeitig in die Hauptstadt von Victoria aufbrechen, was mir sehr recht war. Sie wollte mich in Kürze von der Bushaltestelle an der Universität in der Parramatta Road abholen. Ich begleitete Alex und Daniela noch zu ihrem Bus, der sie in die Innenstadt und von dort zum Flughafen bringen sollte. Wir haben uns so freundschaftlich verabschiedet, wie wir uns vor rund drei Wochen in Cairns begrüßt haben. Von unserem Problem, das wir in Mackay hatten, war keine Rede mehr und das war auch gut so. Wir hatten nämlich vor und nach Mackay eine verdammt schöne Zeit zusammen gehabt. Wer weiß wie alles gekommen wäre, wenn wir uns in Brisbane nicht zufällig am Bahnhof wiedergetroffen hätten. Hier hatte eine einzige Sekunde über die nachfolgenden schönen Tage während unserer gemeinsamen Fahrt entschieden. Wäre ich damals nicht genau in diesem Moment am Bahnhof gewesen, hätte ich Alex und Daniela vermutlich nie wiedergesehen. Obwohl ich mich traurig fühlte, genoss ich den freundlichen Abschied von den beiden Schweizern. Daniela drückte mir noch einen flüchtigen Kuss auf die Wange. Zum Abschied schenkte sie mir noch ihr charmantestes Lächeln. Der Bus kam, sie stiegen ein und waren nach wenigen Minuten entschwunden. Bei jetzt strömendem Regen überquerte ich die Straße und setzte mich noch einen Moment unter das schützende Dach der Bushaltestelle. Ich wartete hier auf Christine, die mit leichter Verspätung auch um 10:45 Uhr erschien. Christine war übrigens eine Französin. Sie lebte nicht in Sydney, sondern im Melbourner Stadtteil Richmond. Sie hatte hier einen Bekannten besucht. Schnell lud ich meinen Rucksack in ihren Wagen ein. Sie fuhr einen Volvo. Jetzt begann unser gemeinsamer Trip nach Melbourne. Ich sage es gleich vorweg: Christine war überhaupt nicht mein Fall. Es gibt Antipathie auf den ersten Blick und das war hier leider der Fall. Am Telefon hatte sie sich nett und sympathisch angehört. Sie hatte aber harte, fast schon unangenehme Gesichtszüge und war nicht besonders hübsch. Sie machte einen bitteren, fast schon verhärmten Eindruck. Wenn ich mir eine Balletttanzlehrerin vorstellen müsste, würde ich sie exakt so beschreiben, wie Christine aussah und sich benahm. Aber sie arbeitete in der Werbebranche; hatte aber gerade Urlaub. Während der langen Fahrt ergaben sich kaum Gesprächsthemen. Häufig herrschte unangenehmes Schweigen. Christine interessierte sich für nichts, wovon ich anfing zu reden. Sie interessierte sich nicht für meine Reise, nicht für Politik, nicht für Sport, nicht fürs Kino und so weiter. Sie sprach aber davon, dass sie seit nunmehr zwölf Jahren in Australien lebte. Als ich sie nach ihrem Alter fragte, verweigerte sie die Antwort mit der Begründung, dass man eine französische Frau nicht nach ihrem Alter frage. Hat sie echt so gesagt! Es war in jedem Fall total schwer, ihr Alter einzuschätzen. Mit ihren strengen Gesichtszügen konnte sie ebenso Ende zwanzig wie Anfang vierzig sein. Sie sprach einen ziemlich starken Akzent und war nicht immer gut zu verstehen, was mir bei unseren zwei Telefonaten aber auch nicht aufgefallen war. Sie machte auf mich den Eindruck einer Emanze der eher negativen Art. Sie war auch recht männerfeindlich eingestellt; vielleicht war sie sogar lesbisch; verheiratet war sie auf jeden Fall nicht. Die gemeinsame Fahrt war kein Vergnügen für mich. Ich war neugierig und ich unterhielt mich so wahnsinnig gerne, um eine monotone Fahrt etwas aufzulockern. Das funktionierte aber nicht mit Christine. Ich glaube, sie wollte gar nicht aufgeheitert werden. Christine redete und schimpfte unablässig über die anderen Autofahrer, die Verkehrsschilder und den Zustand der Straßen. Das langweilte mich zutiefst. Die Fahrt ging zunächst nur im Kriechtempo voran, weil heftiger Verkehr auf den Ausfallstraßen von Sydney herrschte. Die Menschen nutzten die Chance für einen viertägigen Kurzurlaub im Umland. Mit dem Volvo fuhren wir zunächst über Liverpool und Goulburn nach Yass, wo wir einen ersten Stopp einlegten. Im Gegensatz zur Busfahrt vor einigen Wochen fuhren wir nicht heute nicht über Canberra, sondern über den Highway 31, der eine ganz ausgezeichnete Straßenqualität hatte. In Yass stellte Christine zu allem Übel auch noch ein lockeres Teil unter dem Wagen fest, was zu klappern begonnen hatte. Ich betete, dass die Reparatur nicht zu einem noch strapaziöseren Drama werden würde als es ohnehin schon war. Zum Glück hatte die Reparaturwerkstatt auch am heutigen Feiertag geöffnet. Ein Mechaniker entfernte ein Teil und damit schien das Thema auch schon erledigt zu sein. Das Wetter hatte sich enorm verbessert. Die Sonne schien; es war warm und insgesamt sehr angenehm. Auch der Verkehr war nun nicht mehr so dicht. Wir fuhren weiter nach Gundagei. Während der langweiligen Fahrt döste ich ein wenig und dachte an das Küken Daniela, die ich jetzt lieber neben mir sitzen gehabt hätte. Aber sie befand sich wahrscheinlich jetzt schon mit Alex über den Wolken und nahm Kurs auf Singapur. In Gundagei brauchte Christine einen Kaffee. Die Französin erzählte mir jetzt permanent, wie müde sie sei. Warum ließ sie mich dann nicht einen Moment fahren, wie ich vorgeschlagen hatte? Schließlich wollte sie mir eine zehnminütige Bewährungsfahrt erlauben (Kein Witz! Zehn Minuten Bewährung!). Ich nahm an, weil ich darin einen Ausweg aus der Langeweile sah. Ich fuhr die Strecke bis zur Staatengrenze nach Albury und das war zugleich die angenehmste Etappe der Tour. Nun hatte ich wenigstens eine kleine sinnvolle Aufgabe. Auch für Christine’s Geschmack fuhr ich langsam und vorsichtig genug. Sie hatte recht: Bei diesem Tempo würde uns keine Polizeistreife stoppen. Ich nahm es als besonderen Vertrauensbeweis zur Kenntnis, dass sie sogar auf dem Beifahrersitz einschlief, was nicht mal ich schaffte. Wir sind dann zu dem Entschluss gekommen, direkt bis nach Melbourne durchzufahren. Freundlicherweise bot mir die Französin dann sogar an, mit ihr in ihrem kleinen Häuschen zu übernachten. Mir würde auch gar nichts anderes übrig bleiben, denn bei der späten Ankunft in Melbourne würde ich keine andere Übernachtungsstätte mehr aufsuchen können und so nahm ich ihr Angebot an. Das würde ich auch noch überleben!
Kurz nach 22:00 Uhr erreichten wir schließlich den Melbourner Stadtteil Richmond. Durch die verkehrsreiche Innenstadt fuhr sie jetzt wie von der Tarantel gestochen. Sie benutzte jetzt auch unflätige Ausdrücke anderen Autofahrern gegenüber. Wir erreichten schließlich ihr Haus und sie zeigte mir das Zimmer, in dem ich übernachten konnte. Von der Architektur und von der Einrichtung her betrachtet, war das Haus wenig aufsehenserregend. Christine bewohnte das Haus offensichtlich allein. Einziger Mitbewohner war ihr Kater Mephisto. Ich war noch schnell unter der Dusche und zog mich dann umgehend in mein Zimmer zurück. Auf etwaige Dialoge hatte ich absolut keine Lust mehr. Ich konnte das strenge Gesicht der Französin nicht mehr sehen; war aber insofern inkonsequent, als das ich das Angebot, hier übernachten zu dürfen, nicht ausschlug. Positiv war natürlich, dass ich für die Übernachtung nichts zu bezahlen brauchte und daher Geld sparte. Allerdings übergab ich ihr die verabredeten AUS 30 für meinen Benzinkostenanteil. Das war echt günstig gewesen. Im Bus oder Zug hätte ich ein vielfaches dafür bezahlen müssen.
Im Zimmer schlief ich auf dem Teppichboden in meinem Schlafsack. Ich war froh, dass dieser anstrengende und zugleich so langweilige Tag jetzt beendet schien.
Um 8:30 Uhr erwachte ich heute Morgen in Christines Haus im Melbourner Stadtteil Richmond. Nebenan hörte ich ihre Geräusche; sie war auch schon aufgestanden. Ich begann damit, meinen Rucksack zu packen. Lange aufhalten wollte ich mich hier auf gar keinen Fall. Ich erfrischte mich kurz im Badezimmer. Dann lief mir Christine auch schon über den Weg, die wieder recht mürrisch dreinblickte. Allerdings bekam ich von ihr noch einen wohlschmeckenden Kaffee, den ich nicht ablehnte. Kurz darauf verabschiedete ich mich von Christine und verließ das Haus. Das war überstanden! Geradewegs begab ich mich an die Hauptstraße, wo ich wenige Minuten später mit der Straßenbahn in das Zentrum von Melbourne fuhr. Ich hatte mir für $AUS 2,40 ein günstiges Tagesticket gekauft, das ich heute auch noch kräftig ausnutzen wollte. Vom Bahnhof in der Flinders Street telefonierte ich mit Russell. Zur Erinnerung: Russell und seinen Bruder Lyndon hatte ich am Anfang meiner Australienreise in der Jugendherberge Forrest Lodge in Sydney kennen gelernt. Gemeinsam waren wir damals in die Blue Mountains gefahren, wo wir einen sehr schönen Tag verbracht haben. Seinerzeit hatten wir Adressen und Telefonnummern ausgetauscht. Ich hatte Lust, beiden heute einen Besuch abzustatten. Meine Zeit würde dieses erlauben. Nur Russell war zu Hause. Sein Bruder Lyndon unternahm einen Ausflug mit einem Freund. Er hatte gegen einen Besuch nichts einzuwenden. Dazu später mehr. Anschließend telefonierte ich auch noch mit meinem Freund Peter R. Holland und teilte ihm mit, dass ich bereits in Melbourne eingetroffen war. Er war zwar heute Abend zu einer Party eingeladen, jedoch war ich trotzdem willkommen, was mir nur sehr recht war, denn sonst hätte ich noch die Jugendherberge oder ein Backpacker´s Hostel aufsuchen müssen. Zum Glück bot der Bahnhof die Möglichkeit, dort meinen Rucksack gegen ein kleines Entgelt abzustellen, was doch sehr erleichternd war. Hier begegneten mir viele mit Schals und Mützen bekleidete Sportfans, die offensichtlich zu einem Rugby- oder Footballspiel wollten. In der Fußgängerzone nahm ich dann ein kleines Frühstück ein und schrieb dort in mein Tagebuch. Vom Bahnhof in der Spencer Street fuhr ich um 12:20 Uhr mit dem Zug nach Moonee Ponds, dem Stadtteil in der Nähe von Essendon, wo Russell im Hause seiner Eltern lebte. Wie abgesprochen holte er mich vom Bahnhof ab. Unsere Begrüßung war freundschaftlich und ich freute mich über das Wiedersehen. Unglaublich, was seit unserer ersten Begegnung alles geschehen ist. Gemeinsam gingen wir in das Haus seiner Eltern, die mich ebenfalls nett willkommen hießen. Ich bekam sofort eine Tasse Kaffee gereicht und erzählte ihnen -und auch der anwesenden Tante von Russell- von den Erlebnisse meiner zu Ende gehenden Reise. Russell zeigte mir die bereits entwickelten Fotos, die er seinerzeit in den Blue Mountains aufgenommen hatte. Zwei davon durfte ich netterweise behalten. Im Garten hielt sich die zauberhafte Hündin Becky auf, die immerfort spielen wollte. Auch Russell hatte für heute Abend eine Einladung zu einer Party. Der Nachmittag ging schnell vorüber. Ich habe den netten Tag bei Russell und seiner freundlichen Familie sehr genossen. Russell brachte mich dann schließlich zur Haltestelle der Straßenbahn, die mich dann zurück in die City brachte. Ich war jetzt sehr hungrig und so begab ich mich in die Chinatown. Ich war überrascht, wie viele Geschäfte hier am Ostersamstag noch geöffnet hatten und wie viele Menschen jetzt unterwegs waren. Am Bahnhof nahm ich dann meinen Rucksack wieder in Empfang. Um 18:15 Uhr fuhr ich mit der Straßenbahn dann nach Caulfield, wo mein Freund Peter lebte. Vor 20:00 Uhr wollte ich aber nicht dort sein. Ich genoss die Fahrt mit der langsam fahrenden, romantischen Straßenbahn. Die Fahrt dauerte über eine halbe Stunde. Ich wollte mich noch einen Moment in einen Pub setzen, den es hier aber eigenartigerweise nicht gab. Sonst gab es im abgelegensten Dorf einen Pub; aber scheinbar nicht hier in einem Stadtteil der zweitgrößten Stadt Australiens. So setzte ich mich in einen ziemlich engen indischen Imbiss, wo ich unnötigerweise wieder nochmals Geld für einen kleinen Snack ausgab. Auf das der Dollar rollte. Um 19:45 Uhr war ich dann schließlich in der Ripley Grove, doch obwohl im Hause Licht brannte, schien niemand zu Hause zu sein. Ich ließ meinen Rucksack vor der Haustür stehen, rauchte noch eine Zigarette und machte noch einen kleinen Spaziergang um den Block. Nach meiner Rückkehr war es sehr geschäftig im Haus. Sogar Peter war noch da, obwohl ich angenommen hatte, dass er längst unterwegs zu seiner Party war. Er verschwand dann auch wenige Minuten später. Ich wurde wieder von allen freundlich begrüßt. Judy, die behinderte Schwester von Peter, freute sich besonders und küsste mich gleich stürmisch ab. Mit großer Überraschung nahm ich zur Kenntnis, dass Peters Zwillingsschwester Annette heute Abend ihre Konfirmation feierte und diese nun im Haus feiern wollte. Bereits jetzt waren viele Bekannte und Verwandte eingetroffen. Hätte mir jemand von einer Konfirmationsfeier erzählt, wäre ich heute Abend gewiss nicht gekommen. Allerdings war das Fest nicht mit einer deutschen Konfirmationsfeier zu vergleichen. Annette war ja auch schon dreißig Jahre alt. Zeitgleich feierte sie ihre Taufe. Am späteren Abend würde sie auch noch zur Arbeit gehen müssen; sie war ja Polizistin und hatte heute Nachtdienst. Natürlich berichtete ich ihr auch von der verkehrspolizeilichen Kontrolle auf dem Weg nach Sydney. Peter´s Mutter, Audrey, hatte ziemlich viele Mahlzeiten für die Gäste gekocht. Alle Gäste waren festlich gekleidet; da fiel ich mit meiner leicht staubigen Latzhose leider etwas aus dem Rahmen. Aber ich hielt mich sowieso eher abseits im Nebenraum auf, wo ich mich ausführlich mit der Schwester von Audrey unterhielt. Sie war sehr an meiner Reise interessiert; außerdem war sie sehr charmant und fragte immer gezielt nach Erlebnissen, die ich während meiner Reise hatte. Wieder und wieder wurden wir köstliche Speisen angeboten, dabei war ich schon lange satt! Aber aus Höflichkeit griff ich natürlich zu. Zusammen mit Peter’s behinderter Schwester Judy saß ich in der Küche. Ununterbrochen redete sie auf mich ein, was etwas anstrengend war, denn mittlerweile war ich ziemlich müde geworden. Hilfesuchend schaute ich mich um; aber niemand anderes setzte sich jetzt zu mir. Ich war sehr froh, hier zu sein. Hier konnte man sich familiär geborgen fühlen.
Die kleine Feier war dann schon bald beendet, weil Annette zur Arbeit musste. Zusammen mit den Tanten half ich Audrey beim Abwasch der schier unzähligen Teller und Tassen. Ein langer und sehr abwechslungsreicher Tag neigte sich dann dem Ende zu. Draußen vor der Tür rauchte ich noch eine letzte Zigarette. Audrey wies mir wieder das gemütliche Bett von damals zu. Ich war noch unter der Dusche und legte mich dann schnell hin, wo ich auch schon bald entschlummerte.
Peter war schon ziemlich früh am Morgen wach. Es war 9:00 Uhr. Ich hatte nicht mitbekommen, um wie viel Uhr er von seiner Party zurückgekommen ist. In jedem Falle hat er nicht lange schlafen können. Draußen herrschte wolkenloser Himmel. Ideales Osterwetter also! Die Temperatur hielt sich allerdings in Grenzen. Es war zeitweise sogar ziemlich kühl. Peter und ich gingen in die Küche. Ich überreichte Audrey, Peter’s Mutter, die in Sydney gekauften Pralinen. Für Judy, Annette und Peter hatte ich jeweils ein Osterei dabei. Zum Frühstück gab es Müsli mit Milch und Obstsalat. Den Vormittag verbrachten wir im Haus; Peter musste das Auto eines Freundes unter die Lupe nehmen, das Probleme machte. Ich hatte die Zeit zum Tagebuchschreiben genutzt. Annette war am frühen Morgen von ihrer polizeilichen Nachtschicht heimgekommen; sie ruhte sich jetzt aus; bereits am Nachmittag würde ihre nächste Schicht beginnen. Judy hatte viel zu erzählen und Audrey verwöhnte mich mit ihren Freundlichkeiten und ihrer großzügigen Gastfreundschaft. Außerdem sortierte ich all die Papiere in meinem Rucksack. Später hatte ich dann erstmals Gelegenheit, Peter von meiner bisherigen Reise zu erzählen. Die Umrundung des australischen Kontinents habe ich ja erreicht, was ich mir damals in Melbourne –bei meinem ersten Besuch- nicht hätte träumen lassen. Zum Mittagessen gab es leckeres Rindfleisch mit Pilzen und Gemüse. Zum Nachtisch reichte Audrey auch noch Fruchtsalat mit Eis. Peter hatte derweil einen Film in seinen Fotoapparat gelegt und so machte er von uns ein paar Bilder im Garten. Am Nachmittag wollten wir einen Ausflug mit dem Auto unternehmen. Zunächst besuchten wir eine von Peter’s Tanten. Auf ihrem Grundstück will sich Peter, wahrscheinlich im September, sein eigenes Haus bauen lassen. Wir fuhren heute in seinem zweisitzigen Fiat. Er war zweifelsohne ein sehr guter Fahrer, was auch daran lag, dass er soviel Ruhe ausstrahlte. Zu seinem Job bei Porsche gehörte es unter anderem, Autos auf den Freeways der Umgebung zu testen, was er als eine große Verantwortung sieht. Allerdings hatte Peter die Ungewohnheit, mit seinem Fiat immer schnell anzufahren, um dann an der nächsten Kreuzung wieder in die Bremsen zu gehen. Das ließ auch meinen Mageninhalt entsprechend hin und her schwanken. Von Melbourne fuhr Peter jetzt nach Healesville. Bei dem schönen Wetter genossen wir eine zauberhafte Landschaft. Die Hügel boten ein besonders schönes Panorama. Wir durchfuhren kleine Ortschaften. Es herrschte aber ziemlich reger Osterverkehr. Die Idee, heute einen Ausflug zu machen, hatten nicht nur Peter und ich. Viele Menschen aus Melbourne nutzten das sonnige Herbstwetter zu einem Trip in die landschaftlich schöne Umgebung. Über Narbethong fuhren wir jetzt nach Marysville, wo wir uns ein Eis kauften. Unterwegs hielten wir oft an, um Fotos zu machen. Über kurvige Strecken erreichten wir schließlich den kleinen Ort Warburton , wo ich ja auch schon zu Beginn meiner Reise gewesen bin. Von hier aus fuhren wir dann nach Melbourne zurück, wo wir unseren netten Nachmittagsausflug beendeten. Zuvor genossen wir allerdings noch einen traumhaft-schönen Sonnenuntergang. Die Sonne ging wie ein glühender, roter Ball hinter den Hochhäusern der Millionenstadt unter. Um 18:30 Uhr waren wir zurück in Caulfield; genau richtig, um im Fernsehen die Weltnachrichten auf SBS zu verfolgen. Danach fuhren Peter und ich abermals in die Stadt, wo wir in einem italienischen Restaurant eine sehr leckere Pizza verspeisten. Vom Bahnhof in der Spencer Street holte ich mir noch Informationen über mein nachfolgendes Reiseziel ein.
Zurück bei Peter und Audrey ging ich unter die Dusche. Von den vielen Aktivitäten des gestrigen und heutigen Tages war ich ziemlich müde. Die Dusche munterte mich auch nicht lange auf. Der Abend klang mit sehr netten Gesprächen im gemütlichen Wohnzimmer aus. Um 22:15 Uhr lagen wir im Bett und bei der Ruhe konnte ich exzellent schlafen. In der Nacht schaltete sich der Videorekorder von Peter automatisch an. Er wollte das erste Formel-1-Rennen der Saison aufzeichnen und sich morgen anschauen.
Für den heutigen Ostermontag war ein weiterer Ausflug der größeren Art geplant. Für mich ergab sich nun doch noch die gar nicht mehr erwartete Möglichkeit, die Great Ocean Road mit den berühmten 12 Aposteln anzuschauen. Damals in Port Fairy war es ja mal geplant gewesen; hatte aber letztendlich doch nicht stattgefunden. Vor allen Dingen hatte es damals an Transportmitteln gemangelt. Da es bis zur Great Ocean Road ein ziemlich langer Weg, mussten wir zeitig aufstehen. Um 7:30 Uhr frühstückten Peter und ich in der Küche Müsli mit Milch, was Audrey schon alles bereitgestellt hatte. Kurz danach begann unser Ausflug. Wir benutzten heute einen Porsche, den Peter über die Osterfeiertage von seinem Arbeitgeber gestellt bekommen hatte. Der Wagen hatte wohl einen Defekt, der nicht immer auftrat. Anhand einer längeren Tour wollte Peter versuchen, das Problem zu lokalisieren. Während der Fahrt zogen wir alle Blicke auf uns. Überall wurde der Porsche bestaunt. Womöglich glaubten die Leute, in dem Fahrzeug würde die australische Elite sitzen, die nicht hin wisse wohin mit all dem Geld. Dass dort unter anderem ein armer Backpacker drin saß, der sich jeden Penny vom Mund absparen musste und mit einer verstaubten Latzhose bekleidet war, die mehr Löcher als zusammenhängenden Stoff zu bieten hatte, wurde wohl eher nicht vermutet. In der Innenstadt tankte Peter den Wagen voll und ich kaufte mir noch eine Zeitung. Den ganzen Tag über war es wolkig und ziemlich kühl; nur hin und wieder schaute die Sonne durch die Wolkendecke. Über den Freeway und über berühmte West Gate-Brücke verließen wir die Hauptstadt des Bundesstaates Victoria und fuhren nach Geelong, wo ich ja auch schon einmal Station gemacht hatte. Zwischendurch legten wir immer wieder Pausen ein, wo ich einen Kakao trank, um mich aufzuwärmen. Über Colac ging es dann weiter nach Camperdown, an das ich auch angenehme Erinnerungen hegte. Über schmale Straßen fuhren wir nun an das Meer an den Küstenort Port Campbell, dem Tor zur Great Ocean Road. Es war Mittagszeit und wir schauten uns hier etwas um. Der Ort war ziemlich klein; aber voller Ausflügler. Ein Pub, der allerdings noch geschlossen hatte, bot leckere Mahlzeiten an. Bis zur Öffnung mussten wir noch etwas warten. Schließlich bestellten wir uns ein total leckeres Fischgericht mit Gemüse und Salat. Dazu gab es ein Knoblauchbrot. Als Ausgleich für die anfallenden Benzinkosten habe ich Peter zum Essen eingeladen. Außerdem machte er eine Reihe von Fotos, die er mir demnächst zuschicken will. Im Pub waren schon nach kürzester Zeit alle Tische belegt. Das Mahl hat ausgezeichnet geschmeckt. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so delikaten Fisch gegessen habe. Auch Peter schien es augenscheinlich zu schmecken. Wir befuhren jetzt die Great Ocean Road. Leider schränkte der wolkenverhangene Himmel das schöne Panorama entsprechend ein. Wir fuhren zunächst an die Loch Ard-Schlucht, wo im 19. Jahrhundert ein europäisches Schiff an den Klippen zerschellt war. Damals hatten das Unglück nur zwei Menschen überlebt. Auch einen Friedhof gab es hier zu besichtigen. Wir machten Spaziergänge zu einem Blow Hole und an den dahinter befindlichen Sandstrand. Eindeutiger Höhepunkt der Great Ocean Road waren aber die 12 Apostel. Es handelte sich um zwölf spektakuläre Steinformationen, die aus dem tobenden Meer herausragten; erst recht bei Niedrigwasser, das jetzt herrschte. Im Laufe vieler Millionen Jahre haben die Gezeiten und das raue Klima die 12 Apostel , so geformt, wie sie jetzt aussahen. Peter fotografierte mich hier mehrere Male. Im Wagen siegte dann die Erschöpfung und ich schlief einige Minuten. An der Apollo Bay tranken wir abermals eine Tasse Kaffee. An der Küstenstraße entlang ging es nun nach Lorne und Anglesea zurück nach Geelong. Umso näher wir am Abend Melbourne kamen, umso klarer wurde der Himmel. So war es abermals möglich, einen Sonnenuntergang der Sonderklasse zu erleben. Die Temperatur ließ aber weiter zu wünschen übrig. Es war empfindlich kühl. So wird der Unterschied zum deutschen Klima wenigstens nicht zu groß sein, wenn ich demnächst wieder zu Hause bin. Von der West Gate-Brücke sahen wir das Lichtermeer der Millionenstadt Melbourne vor uns liegen. Als wir wieder in Caulfield waren, hatten wir stolze 590 Kilometer zurückgelegt – eine enorme Strecke. Judy stürzte sogleich auf mich zu und küsste mich ab. Peter’s Mutter hatte sich dann noch die Mühe gemacht und ein kleines Abendessen vorbereitet.
Ich erfrischte mich dann unter der Dusche und trank noch einen Kaffee. Peter zeigte mir noch ein paar Dias von seinen Reisen durch Europa. Der Abend klang sehr nett aus. Es gab immer noch so viele interessante Dinge zu besprechen; der Gesprächsstoff ging uns nie aus. Nur schweren Herzens würde ich morgen diesen gastfreundlichen Ort verlassen. Zu gut hatte es mir all die Tage hier gefallen. Wir mussten morgen früh wieder zeitig aus dem Bett. Peter musste wieder zur Arbeit und ich zum Bahnhof. So lagen wir um 22:30 Uhr in den Federn und ich war bald im Reich der Träume entschwunden.
Von Peter’s Mutter wurde ich um 6:30 Uhr geweckt. Eile war schon am frühen Morgen angesagt. In ziemlicher Hast packte ich meinen Rucksack zusammen und bekam anschließend von Audrey letztmalig Müsli mit Milch gereicht. Für einen kochend-heißen Instand-Kaffee reichte die Zeit nicht mehr. Traurig nahm ich Abschied von Audrey und Judy. Zu freundlich waren sie in all den Tagen gewesen; ich habe mich hier sehr wohl gefühlt. So etwas nennt man Gastfreundschaft! Annette hatte über die Ostertage sehr viel Dienst bei der Polizei zu leisten; sie hatte ich kaum zu Gesicht bekommen und deshalb konnte ich mich von ihr auch nicht verabschieden. Der Himmel war wieder wolkenlos und das würde tagsüber auch so bleiben. Wir luden meinen Rucksack in den Kofferraum des Porsche und fuhren in die Innenstadt. Peter setzte mich dann am Bahnhof in der Spencer Street ab. Wann würden wir uns wohl mal wiedersehen? Peter konnte sich im Augenblick keine kostspielige Europareise leisten, will er sein Geld in seinen Hausbau investieren musste. Vielleicht würde er im nächsten Jahr Zeit haben für einen fünf- bis sechswöchigen Europatrip. Bekanntlich kommt er ja immer dann gern nach Europa, wenn auch die Formel-1-Rennen dort stattfinden, die er dann live vor Ort verfolgt. Ich verabschiedete mich von Peter, der jetzt zu seinem Arbeitsplatz fuhr.
Die nachfolgenden Stunden verliefen dann auch wenig aufregend. Im Bahnhof kaufte ich mir ein Eisenbahnticket nach Bairnsdale. Zur Bezahlung nutzte ich meine Kreditkarte, die mir während meiner gesamten Reise gute Dienste geleistet hat. Einen Reisescheck hätte ich heute in keiner Bank umtauschen können, denn zu meiner großen Überraschung waren alle Kreditinstitute geschlossen und ich wusste nicht warum. Es war doch ein ganz normaler Dienstag! Im Bahnhofscafe´ trank ich noch eine Tasse Kaffee und aß ein Sandwich. Von Gleis 8 fuhr dann der Gippslander nach Bairnsdale ab. Im Zug las ich dann während der vierstündigen Fahrt die Zeitung und meinen Roman. Natürlich nutzte ich auch die Chance zu einem kleinen Nickerchen. Einmal mehr bestätigte sich, dass das Zugfahren in Australien nicht nur billiger, sondern auch deutlich angenehmer ist als das grausige Fahren mit dem Bus. Von all den Greyhounds, DeLuxe oder Ansett-Bussen hatte ich mehr als genug. Die Züge sind durchaus mit den europäischen Eisenbahnen zu vergleichen. Auf den Sitzplätzen hat man genügend Beinfreiheit; es gibt in den meisten Zügen ein kleines Restaurant, wohin man sich mal die Beine vertreten kann. Die Toiletten sind sauber und geräumig; in manchen Zügen gibt es sogar Duschen. Der Nachteil des Bahnfahrens ist, dass es nur ein vergleichbar kleines Streckennetz gibt. Es gibt in Australien viele Gebiete, wo es absolut keine Bahnverbindungen gibt! Bekannt ist auch, dass zwischen Perth und Cairns keine Bahnlinie vorhanden ist. Besonders angenehm sind die Züge, die um die Metropolen herum pendelten. Während der Fahrt über Dandenong, Warragul und Traralgon durchquerte der Zug von Farmland bestimmte Landschaften. Der blaue Himmel sorgte für ein einzigartiges Panorama. Der Zug erreichte pünktlich um 12:45 Uhr den Ort Bairnsdale Von hier stieg ich in den Überlandbus nach Lakes Entrance. Es handelte sich hierbei um eine fünfunddreißig Kilometer lange Strecke und gegen 14:00 Uhr wurde ich in unmittelbarer Nähe der Jugendherberge abgesetzt. Für die Fahrt mit dem Zug hatte ich $AUS 20,60 und für die Fahrt mit dem Bus $AUS 4,20 bezahlt. Die Jugendherberge befand sich auf einem Campingplatz und die Betten waren in Kabinen untergebracht. Mal etwas anderes! Die Übernachtung kostete mich nur $AUS 6,50 und war damit sehr günstig. Ich teilte die Kabine mit dem Australier John aus Melbourne und einem anderen Reisenden, den ich allerdings nicht kennen lernte. In der relativ engen Kabine mit vier Betten übernachteten wir also zu dritt. Da noch Osterferien waren, war in Lakes Entrance ziemlich viel los. Viele Familien nutzten die Ferien für einen Kurzurlaub. Ich war jetzt hungrig und ging in den Ort, wo ich mir ein halbes Hähnchen und noch einen Hamburger gönnte. Trotz des wolkenlosen Himmels war es aber sehr kühl. Ich ging deshalb bald wieder zurück. Von der Innenstadt bis zur Jugendherberge war es eine etwa zwei Kilometer langer Weg, den man zurücklegen musste.
Auf meinem Bett in der Jugendherberge ruhte ich mich etwas aus. Andere Reisende, mit denen man Gespräche führen konnte, waren hier nicht anwesend, was ich auch nicht so vermisste. Auf der anderen Seite war es aber ziemlich langweilig. Bei dem Gedanken, hier zwei Nächte zu bleiben, war mir gar nicht wohl. Zum Duschen war es am Abend echt zu kalt. Die Temperatur ging richtig in den Keller. Ich verzog mich deshalb ziemlich früh ins Bett und beendete das Lesen meines Romans Wie ein Hauch von Zauberblüten von Heinz G. Konsalik. Dummerweise fand ich heute nirgends die deutschsprachige Zeitung Diese Woche in Australien, die mir die nächsten Stunden gewiss versüßt hätte.
Mit dem sonnigen und wolkenlosen Wetter war es heute nun wieder vorbei. Den ganzen Tag über war es wolkig. Da es am Morgen nicht absehbar war, wie sich das Wetter entwickeln würde, sah ich vom Mieten eines Fahrrades und von einer Strandwanderung ab. Ein weiterer langweiliger Tag zeichnete sich ab. Ich bin heute Morgen ziemlich spät aufgestanden; das Ausschlafen war zur Abwechslung mal wieder wichtig. Später ging ich dann in den Ortskern von Lakes Entrance. Im Reisebüro buchte ich dann meinen für morgen geplanten Bustrip nach Bega und bezahlte dafür stolze $AUS 26. Kurzstrecken sind immer wieder teuer! Bei der Bank löste ich dann einen weiteren Reisescheck ein. In einem Modegeschäft kaufte ich mir dann zwei tolle, farbenprächtige T-Shirts. Auf dem einen war Lakes Entrance abgebildet und auf dem anderen ein schnappendes Krokodil. Nun brauchte ich noch eines mit einem Känguru! Im Imbiss, wo ich bereits gestern gewesen bin, nahm ich dann mein Frühstück ein und las dabei –wie üblich- in der Tageszeitung. Die Temperaturen in Deutschland liegen immer noch bei mageren 11 – 14 °C. Etwas unglücklich war ich, weil ich auch heute nirgendwo die deutschsprachige Zeitung bekam, die ja schließlich nur in Australien erscheint und nur hier verkauft wird. Ich hätte nicht erwartet, dass es zwischen den Millionenstädten Melbourne und Sydney so schwierig war, diese Zeitung zu kaufen. Gerade hier leben bekanntlich viele Deutsche, die vor Jahren nach Australien ausgewandert sind. Meine Erledigungen waren damit schon wieder beendet. Ich ging gelangweilt zur Jugendherberge zurück und schaute dort etwas Fernsehen. Später legte ich mich dann auf mein Bett und verfolgte mit Spannung den Start meines neuen Romans Das geschenkte Gesicht; ebenfalls von Heinz G. Konsalik. Im Gemeinschaftsraum wechselte ich noch ein paar Worte mit dem 20-jährigen Österreicher Martin aus Vorarlberg. Der Australier John und ich hatten uns dann verabredet, gemeinsam im Ort etwas essen zu gehen. Uns schloss sich noch ein weiterer Australier aus Melbourne an, der auch John hieß. So gingen wir den recht langen Weg zurück in die Stadt. Wir entschieden uns dann für ein Pub-Restaurant, das auch warme Mahlzeiten anbot. Es war sehr voll hier – also durfte man Qualität erwarten. Dummerweise bestellte ich irrtümlicherweise das falsche Menü. Nachdem mich in Port Campbell der Fisch so begeistert hatte, wollte ich diesen hier abermals ausprobieren und so bestellte ich Snapper, der mir ja schon immer in Neuseeland so gut geschmeckt hatte. Leider war der Fisch aber voller Gräten – es war eben kein Filet (das hatte ich übersehen). Sogar die toten Augen glotzten mich noch an und schienen mich auszulachen, weil ich mich mit den Gräten so dumm anstellte. Zum Fisch gab es Salat und Pommes frites. Ich ließ aber mehr als die Hälfte übrig. Das war Pech! Man musste beim Bestellen eben genau prüfen oder notfalls auch mal fragen. Plötzlich bekam ich eine Gänsehaut. Der Grund kam aus dem Fernsehgerät im Hintergrund, der auch Sky Channel ausstrahlte. Es wurden darin Ausschnitte des englischen Fußball-Pokals zwischen Arsenal London und Nottingham Forest gezeigt. Ein enorm aufregendes Spiel. Nach so langer Fußballabstinenz wurde mir wieder einmal bewusst, welch großartiger Sport Fußball doch ist. Da John, der in meinem Zimmer übernachtete, längere Zeit in London gelebt und gearbeitet hatte, war er erstaunlich gut informiert, was Australier ja gewöhnlich überhaupt nicht sind. Aber so führten wir noch ein paar sehr nette Gespräche zum Thema Nummer 1. Wir tranken drei Bier und gingen dann zur Jugendherberge zurück. Heute Abend war es milder als gestern, was wohl durch die dichte Wolkendecke begründet war. Als wir zurück waren, legte ich mich bald ins Bett und las noch etwas. In dieser Nacht schlief nur John mit in meinem Kabinenzimmer und so genossen wir eine sehr ruhige Nacht.
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