Australien, etwas anders
Man hört Australien und denkt an: Koalas, Kängurus, das Opernhaus von Sydney oder Uluru (Ayers Rock). Diesen nationalen Symbolen kann man sicher nicht entkommen, aber in Down Under gibt es viel, viel mehr zu entdecken. Wir nehmen Queensland unter die Lupe und einige, ungewöhnlichere Reiseziele - vom Outback mit seinem herben Charme bis zur weltgrößten Sandinsel, Fraser Island.
Was in aller Welt ist an einem Ziel so attraktiv, dass sich die weite Reise lohnt? Nach mehr als 20 Stunden Flug war diese Frage Leitmotiv für den Erkundungstrip durch Queensland. Und sie half, bei den vielen Eindrücken den Blick auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Erste Schlussfolgerung aus dieser Überlegung: Nach Australien sollte man auf jeden Fall mit einem gut dotierten Zeit-Konto reisen, möglichst nicht unter vier Wochen, sonst wird es sehr anstrengend. Zweite Schlussfolgerung: Nicht nur das Was zählt, das Wie ist ausschlaggebend. Die Australier verstehen es nämlich, dem Reisenden bei einem Abenteuerurlaub ein gutes Maß an Sicherheitsgefühl mitzugeben. Sie sind echte Kumpel, locker im Umgang, vielleicht mit einem Rest britischer Reserviertheit. Und sobald man aus der Wildnis in urbane Gefilde zurückkehrt, ist man auf vertrautem Terrain - einer Mischung aus Europa und Nordamerika. Also los geht's - zuerst ins Outback, nach Mount Isa.
Du kennst Mount Isa nicht? Nun, die Stadt wurde im Sommer 2008 weltweit bekannt, weil ihr Bürgermeister, ein Mr. Molony, etwas gegen den Frauenmangel in der Stadt tun wollte (Quote: 1:5). Seine Idee: Man solle doch unter nicht so gut aussehenden Frauen Werbung machen. Mount Isa mache Menschen so glücklich, dass schnell aus einem hässlichen Entlein ein wunderschöner Schwan werde. Na ja, was er damit gemeint hat, ist schleierhaft, das Echo war auf jeden Fall gewaltig - jetzt erhielt er die Auszeichnung "Sexistischster Mann des Jahres".
Mount Isa ist auch Rodeo-Hauptstadt Australiens und tatsächlich sehr "männlich geprägt"; die größte Zink-Kupfer-Mine der Welt mit ein paar Häusern drum herum und einer Hauptstraße, die 138 Kilometer lang ist, weil vor einiger Zeit der nächste Ort, Cluncurry, eingemeindet wurde. Natürlich gibt es ein Schaubergwerk, wo Eddie Donaldson sehr anschaulich die Härten des Berufes schildert und die Gäste selber bohren dürfen. Es wird nicht nur nach Erz geschürft, sondern auch nach paläontologischen Schätzen: Die Gegend ist berühmt für die Fossilien-Depots urzeitlicher Riesen-Emus und Dino-Krokodile. In Mount Isa werden die Knochen konserviert und die Viecher rekonstruiert.
Sehr typisch für australische Lebensart: die Flying Doctors und die School of the Air. Weil die Entfernungen so endlos sind, kommt der Arzt im Flugzeug und der Lehrer aus dem Telefon. "Unser Klassenzimmer ist so groß wie Deutschland", erklärt Direktor Tom Moers. Da 30 Prozent der isolierten Familien kein Internet haben, wird der Unterricht übers Telefon abgewickelt und per Post: Moers verschickt 5,5 Tonnen Schulunterlagen pro Woche.
Landschaftlich bezaubert der Boodjamala Nationalpark am Lawn Hill River. Mit Kanus paddelt man durch rotfelsige Schuchten, gesäumt mit üppigem Tropenwald, Seerosen wuchern auf der Oberfläche des türkisfarbenen Wassers. Im nahen Camp Adelsgrove organisiert Rod Low Mow Ausflüge und Touren, seine Frau Heidi kümmert sich um das Wohl der Rucksacktouristen und Camper.
Mit rund 2.000 Kilometern erstreckt sich das Great Barrier Reef fast entlang der gesamten Küste von Queensland - ein Paradies für Taucher. Es genügt jedoch, mit Taucherbrille und Schnorchel umgehen zu können, und schon kann man die Prachtgärten unter Wasser bewundern. Einziger Nachteil: Das Riff ist dem Festland vorgelagert, also nur per Schiff zu erreichen. Am einfachsten sind Tagesausflüge von Cairns aus zu buchen, weil dort die Korallenbänke nur 30 Kilometer entfernt sind.
Wer nicht so heiß aufs Tauchen ist, kann trockenen Fußes die Küste erkunden. z.B. mit Amphibienfahrzeugen in Town of 1770, dem Platz, an dem der Entdecker James Cook an Land ging. Die Lark sieht aus, wie ein Vehikel aus Star Wars und trägt ihre Passagiere über die Sandbänke und durch Wasserrinnen zu den Mangrovenwäldern an der Küste.
In Sachen Tourismus wird in Australien vieles erst entwickelt. Relativ neu ist das Vermieten von Ferienhäusern, ob im Kewara Beach Resort nördlich von Cairns oder Agneswater gut 1.000 Kilometer weiter im Süden. Diese Art des Urlaubs ist nicht billig, aber äußerst konfortabel; die Vermieter bieten besten Service. Im "Weißen Haus" von Agneswater, mit Tennisplatz, Schwimmbecken und einem Fast-Privatstrand, können drei Familien bequem logieren. Auf Bestellung kommt ein Koch ins Haus, der ein fertiges Menü auf den Tisch stellt.
Eine bequeme Alternative, die großen Distanzen zu bewältigen, ist die Eisenbahn. Im Queenslander, einem besonders komfortablen Zug mit Schlaf-, Salon- und Speisewagen zwischen Cairns und Brisbane, lässt man bei einem kühlen Drink oder einem üppigen Mahl die Landschaft an sich vorbeiziehen und nähert sich in beschaulichem Tempo seinem nächsten Ziel.
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Wenn sich ein ganzer Reisebus leert und die Insassen unter "Ja, schau ..."-Rufen sich um ein Tier scharen, das wie ein ziemlich verwahrloster Hund aussieht, dann sind wir in Australien. Das Tier am Strand ist nämlich kein Hund, sondern ein Dingo und daher eine Sehenswürdigkeit.
Beim Zwischenstopp huscht ein Schatten über die Straße: Der Aborigines-Tourguide Bill winkt seine Passagiere heran, fährt sie durch das Gestrüpp am Straßenrand und deutet auf einen Steinhaufen. Nach einigem Suchen entdecken auch die Augen des Europäers den Leguan, eine fast einen Meter lange Echse, perfekt getarnt mit graubraun gezeichnetem Rücken. Bill kommentiert die Entdeckung wehmütig: "Wenn ich euch nicht führen müsste, hätte ich jetzt ein köstliches Mittagessen", grinst er.
Tiere sind in Queensland allgegenwärtig: beim Frühstück im Weingarten die freche Magpie (Flötenvogel, unserer Elster ähnlich), die sich ein paar Brocken holt; beim Warten auf den Zug Dutzende Galah-Kakadus, die fröhlich kreischend den Zaun am Bahndamm bevölkern, oder der Kookaburra, der in einem Eukalyptusbaum sein spöttisches Gelächter erklingen lässt.
Und natürlich die Kängurus: Zwar wird gern gefragt: "War das jetzt ein Wallaby?", welche Gattung Känguru da gerade vorbeihoppelt, können nur erfahrene Einheimische sagen, immerhin gibt es zehn verschiedene Gattungen mit zahlreichen Unterarten. Dass es viele gibt, merkt man an den zahllosen road kills, den Kadavern entlang den Straßen. Streicheln kann man sie nur im Zoo.
Ein Höhepunkt ist natürlich das Beobachten der Wale (whale watching). Herveys Bay am südlichen Ende des Great Barrier Reef gilt als einer der besten Plätze dafür, weil Buckelwale auf dem Weg in den Süden in der geschützten Bucht Kraft tanken. Die Ausflugsfirmen garantieren ihren Kunden, dass sie Wale sehen werden (Foto). Besonders begehrt: Die Fluke (Schwanzflosse), noch besser: ein springender Wal. Ausflugsschiffe dürfen sich den Meeressäugern nur bis auf 100 Meter nähern, aber wenn die Wale näher kommen, wird man nicht selten nassgespritzt.
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K'Gari heißt die größte Sandinsel der Welt bei den Aborigines, die Weißen nannten sie Fraser Island. Beide Namen haben mit Frauen zu tun. Eliza Fraser, Frau des Kapitäns der Stirling Castle überlebte 1836 Schiffbruch und Kämpfe mit Eingeborenen auf der Insel. Die Aborigines-Geschichte hört sich da schon viel schöner an: K'Gari war eine der Göttinnen aus der Traumzeit, die die Welt schuf. Sie verliebte sich in ihr Werk und wollte für immer auf der Erde bleiben. Ihr Begleiter, Yendingie, verwandelte die daraufhin in eine Insel. Und seitdem liegt sie vor der Küste und schaut mit ihren kristallklaren Augen (den Seen im Inneren der Insel) in das Firmament.
Peter Meyer, Ranger in Kingfisher Bay und Top-Fotograf, erzählt die Legende mit genauso viel Begeisterung wie botanische Fakten: dass auf der Insel sieben verschiedene Klimazonen zu finden seien, von der Wüste bis zum tropischen Regenwald, dass die üppige Vegetation nur wegen einer fruchtbaren Symbiose zwischen Wurzeln und einer bestimmten Pilzart möglich sei; dass der größte Baum, die Satinay-Pinie, über 15 Meter hoch werde und einen Umfang von etwa 4,5 Metern habe.
Gleichzeitig steuert er den schweren Bus mit Allrad-Antrieb durch die Hohlwege im Sand und freut sich, dass es recht leicht ginge, weil Regengüsse dieselben Strecken in Schlammlöcher verwandeln. Abenteuer-Urlauber, die die Tücken des Sandes nicht kennen, bleiben öfters hängen. "Kein Problem, in drei Stunden wird jemand bei euch sein", ruft Peter ihnen aufmunternd zu, und meint es auch so. Zeit spielt hier eine andere Rolle.
Faszinierend auch die Süßwasser-Seen, die Augen von K'Gari: Sie sind meist mit weißem, siliziumreichen Sand umgeben, und ihr Wasser ist derart reich an Mineralien, dass es im See kaum Vegetation zulässt und daher kristallklar ist. Wer sich die Insel aus der Luft ansehen möchte, startet und landet auf der 75-Miles-Beach, mitten zwischen Autos, die den Strand als Nord-Süd-Verbindung nützen (es gilt die australische Straßenverkehrsordnung).
Fünf Camps gibt es auf Fraser Island, wobei das Kingfishherbay Resort Fünf-Sterne-Qualität bietet. Wem das zu komforabel ist, kann auch in einem der Zelt-Camps übernachten, ohne auf Annehmlichkeiten wie Toiletten und Duschen verzichten zu müssen.