Naturwunder Australien
Bizarre Landschaften, extreme Klimawechsel: Der fünfte Kontinent ist einer der schwierigsten Lebensräume der Welt. Tiere und Pflanzen kämpfen täglich ums Überleben und sind Meister in Tarnung und Anspassung.
Schnaufend sitzt der Koala in der Krone des Eukalyptusbaumes. Schon früh am Morgen brennen Temperaturen von über 40 Grad dem kleinen Australier auf den Pelz. Nicht mal die Blätter schmecken in der Hitze. Erschöpft klettert der Bär hinab, um sich im Schatten abzukühlen. Träge bleibt er dort hocken, wartet, dass die Hitzewelle endet. Auch wenn es Wochen dauert ...
Abenteuer Australien - Kaum ein anderes Land ist vielfältiger, kein anderer Kontinent extremer als der mit 7,58 Millionen Quadratkilometer kleinste Erdteil am Ende der Welt. Ob tropische Regenfälle, riesige Wüsten oder eisige Polarkälte: Fast jede Klimazone ist in »Down Under« vertreten. Oft wechselt das Wetter binnen Stunden, Temperaturschwankungen von 30 Grad sind normal. Für die 100.000 Tier- und Pflanzenarten ist das Klima-Chaos eine enorme Belastung. Und doch haben sie sich mit ihrer extremen Lebenssituation arrangiert und pfiffige Überlebenstricks gefunden.
Von Tropen zur Dürre: Wie im Norden und Westen Australiens, etwa Queensland. Zwischen Dezember und März bringt feuchte Tropenluft vom Indischen Ozean heftige Monsunregen. Seen und Sümpfe entstehen, verwandeln die Steppe in ein Futterparadies. Viele Tiere, wie die verbreiteten Bergkängurus und Großstörche, ziehen jetzt ihren Nachwuchs auf. Doch in den Folgemonaten dörren heiße Wüstenwinde das Land wieder aus. Damit die Küken nicht an Hitzschlag sterben, trägt der Indien-Großstorch in seinem Schnabel Wasser zum Horst. Erst gar nicht ins Schwitzen kommen die Roten Riesenkängurus: Sie besitzen keine Schweißdrüsen. Stattdessen belecken sie sich die Vorderpfoten; die Verdunstungskälte des Speichels bringt Erleichterung bei der Hitze. Den besten Trick aber kennt das Leistenkrokodil: Trocknet sein See aus, lässt es sich vom Schlamm einschließen. Dann senkt es die Herzfrequenz auf zwei Schläge die Minute und atmet nur einmal pro Stunde - schon hält es bis zur nächsten Regenzeit durch.
Mediterraner Süden - Fast europäisch dagegen das Klima des Südens, wie etwa New South Wales. Im Sommer herrschen selbst in den Wäldern Temperaturen bis zu 40 Grad; zwischen Juni und August bringen subpolare Winde Schnee. Neben den Weißkappen-Albatrossen und Seelöwen, die hier im Sommer ihre Jungen aufziehen, hat sich der mausähnliche Bergbilchbeutler optimal auf den Wetterwechsel eingestellt. Im Frühjahr mästet sich der Nager an jungen Larven und Insekten, dann zieht er sich zum siebenmonatigen Winterschlaf zurück; unter der Schneedecke sicher vor Kälte geschützt.
Todeszone Outback - Ganz anders das Überleben im Osten und Zentrum Australiens, den Outbacks. Von den Bergen des Great Dividing Range komplett abgetrennt, fällt in den ausgedehnten Steppen manchmal jahrelang kein Regen - gute Zeiten nur für Aasfresser wie den Keilschwanzadler. Für den »Lachenden Hans«, einem Verwandten der Eisvögel, hilft Teamwork über die Dürrezeit: Damit die Küken überleben, geht die ganze Sippe gemeinsam jagen. Die Dickschwanz-Schmalfuß-Beutelmaus hingegen trägt ihren Not-Tornister am Körper: Was sie auf ihren nächtlichen Streifzügen findet, wird sofort vertilgt und als Fettreserve im Schwanz gespeichert. Oftmals bringt ausgerechnet eine Katastrophe Rettung: Waldbrände, die durch die endzündlichen Öle der Eukalptusbäume verursacht werden. Aus der mineralreichen Asche ersprießen schon nach Tagen Keimlinge und Pilze - für viele Tiere ein lebensrettendes Picknick in der Ödnis.
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