Michaels Reisetagebuch: Singapur-Australien - Natur pur auf allen Ebenen

Natur pur auf allen Ebenen

Great Barrier Reef, Regenwälder, Kangaroo Island: Im Osten und Süden ist Australien unter und ober Wasser ein Dorado für Naturliebhaber

Wer auf dem Fünften Kontinent die Wunderwerke der Natur erleben möchte, sollte vielseitig sein: Die Größe und Weite des Great Barrier Reefs lässt sich am besten mit einem Wasserflugzeug aus der Vogelperspektive erfassen, seine bunte Unterwasserwelt aus 400 Korallen- und 1.500 Fischarten entdeckt man nur mit Schnorchel und Taucherbrille. Für einen Trip auf Kangaroo Island sollte das Fernglas nicht fehlen. Hier bekommt man nicht nur unzählige Kängurus und Koalas zu Gesicht, sondern auch Wallabies, Opossums und bizarre grau-orange Felsformationen.

The Great - das Große, Großartige: So nennen Australier eines der größten Naturwunder der Welt, das Great Barrier Reef. Groß ist es mit seinen 347.800 km2 tatsächlich. Doch um diese Größe und Großartigkeit komplett zu erfassen, muss man abheben oder eintauchen. Zuerst schwingen wir uns mit dem Wasserflugzeug in die Lüfte und erhaschen Blicke, die es sonst nur auf kitschigen Postkarten gibt: Tiefblauer Himmel, türkisfarbenes Meer, Korallenriffe - unendlich weit.

"Willkommen am Great Barrier Reef",lacht der Pilot und legt mit dem Wasserflugzeug an einem kleinen Boot an. Wir steigen um, betrachten die Unterwasserwelt durch die gläserne Kabine. Dann wird es ernst. Schwimmflossen, Taucherbrillen und -anzüge werden verteilt. "Keine Korallen anfassen", mahnt der Kapitän.

Die erste Flosse tastet sich zaghaft ins Wasser. Doch die Vorsicht ist schnell vergessen. Ein Sprung - und die bunte Unterwasserwelt leuchtet durch die Taucherbrille. 400 Korallen- und 1.500 Fischarten leben am Riff. Blau glitzernde und gelb leuchtende Fische schwimmen an uns vorbei, als wären wir gar nicht vorhanden. Andere wieder beäugen uns schüchtern inmitten der Korallen-Landschaft.

Nach einer Stunde in vollkommener Ruhe brechen wir auf - weiter zur Whitehaven Beach. Ein Strand, der seinen Namen verdient - angeblich ist er der weißeste der Welt. Hotels gibt es auf der Insel keine. Nur Camper und eine Handvoll Besucher, die hier nach einer Schnorchelrunde ein Strandpicknick genießen.

Jetzt haben wir Lust auf mehr, machen Halt auf Hayman, einer Nachbarinsel. Tropischer Regenwald umringt uns. Mitten drin das Hayman Island Resort, eines der schönsten Hotels der Welt - und auch das einzige auf der Insel. 500 Gäste finden hier Platz - bei 500 bis 600 Mitarbeitern. Empfangen werden wir auf dem Zimmer mit Champagner und einem reichhaltigen Obstkorb. Das wissen auch die Kakadus, die nur darauf warten, dass Touristen die Terrassentür offenlassen, um sich Früchte oder Knabbereien zu krallen und damit auf den nächsten Baum zu verschwinden.

Wenige Flugstunden entfernt, finden wir auf Kangaroo Island mediterranes, durchaus kühles Wetter. Die drittgrößte Insel Australiens wird ihrem Namen gerecht. Das erste Tier, das wir zu Gesicht bekommen, ist ein Känguru - tot, am Rand einer der wenigen asphaltierten Straßen.

Kangaroo Island ist trotzdem ein Naturparadies, in das der Mensch relativ wenig eingegriffen hat. Der Großteil der Insel ist Nationalpark. 4.300 Menschen leben hier. "Da werdet ihr alles finden - außer Nachtleben", klärt uns Fahrerin Nikki auf. Und sie zeigt uns eine Seite von Australien, die wir nicht erwartet haben: die Seal Bay. Die drittgrößte Seelöwen-Population Australiens lebt an diesem Strand. Der Zutritt ist nur mit Führer erlaubt. Der Mensch ist hier schließlich nur zu Gast.

Auf den Eukalyptus-Bäumen am Straßenrand dösen die Koalas vor sich hin. "1923 hat sie jemand auf die Insel gebracht. Jetzt sind es 27.000", erklärt Nikki. Um die Geburten-Explosion in den Griff zu bekommen, ist ein Sterilisationsprogramm gestartet worden.

Auch Kängurus gibt es in Massen. Sie halten unter Büschen und Bäumen ihren Mittagsschlaf und lassen Besucher bis auf wenige Meter an sich heran. Im trockenen Gras stoßen wir immer wieder auf ausgebleichte Knochen. "Die Kängurus leben hier - und sie sterben hier. Das ist eben der Kreislauf der Natur", sagt Nikki.

Wallabies, Opossums, Reptilien - zwei Tage Kangaroo Island ist ein Naturerlebnis der ganz besonderen Art. Ein Abstecher zu den Remarkable Rocks im Südwesten der Insel zahlt sich aus. Der starke Wind und das Salzwasser haben der grau-orangen Steinformation ein bizarres Aussehen geschenkt.

Magisch gibt sich die Insel unterirdisch: Die Kelly Hill-Höhlen im Flinders Chase Nationalpark sind eine phantastische Arbeit der Natur, die vor 500 Millionen Jahren ihren Anfang nahm.