Michaels Reisetagebuch: Singapur-Australien - Australien: Der Gifttier-Kontinent

Australien - der Gifttier-Kontinent

Eine kleine Auswahl

Schon Douglas Adams, bekannt als literarischer Galaxis-Tramper, hat sich in seinem Buch "Die letzten ihrer Art" darüber beschwert, dass Australien so voll von supergiftigen Tieren ist. Die Trichterspinnen-Art Atrax robustus etwa gibt es nur in Sydney und Umgebung. Angeblich tauchen die bis zu vier Zentimeter langen Achtbeiner gerne in Swimmingpools unter und können dort bis zu dreißig Stunden ausharren. Der Biß der Männchen hat seit 1927 insgesamt dreizehn Menschen getötet. Atrax gilt damit als die "tödlichste Spinne der Welt" - vielleicht auch nur deshalb, weil in manchen tropischen Ländern weniger Statistik betrieben wird als in Australien. Die Bewohner Sydneys allerdings haben seit über zwanzig Jahren wieder mehr Freude am Wasserbad als zuvor: 1981 wurde ein gutes Gegengift entwickelt.

Wer in Australien Tauchen lernt, kommt in den Theorie-Stunden nicht am Blaugeringelten Octopus vorbei. Der Tintenfisch lebt in australischen Wassern, unter anderem am Great Barrier Reef. Es gibt zwei Arten: Hapalochlaena lunalata und Hapalochlaena maculosa. Beide werden, inklusive Armen, nicht länger als zwanzig Zentimeter. Das Gift, das unter anderem aus dem vom Fugu bekannten Tetrodotoxin besteht, injizieren die Tiere über eine Bißwunde in die Haut. Kurz und tatsächlich schmerzlos geschieht das, allerdings nur dem, der ihn fängt und als Spielball missbraucht. Schon Udo Lindenberg hat gesungen, dass "Menschen nicht aus Knetgummi" sind. Die Folge sind Lähmungen der Atem- und Herzmuskulatur. Den Weg dorthin erlebt der Mensch bei vollem Bewußtsein, ohne reagieren zu können. Es gibt kein Gegengift. Man kann Patienten jedoch durch stundenlange Beatmung und Herzdruckmassage retten, denn irgendwann ist das Gift wieder abgebaut. Tief durchatmen!

Schnabeltiere wirken auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Donald Duck und dem Kleinen Maulwurf. Doch diese eierlegenden Ursäuger aus Australien sind nicht ganz so drollig, wie sie aussehen. Sie haben, wie es sich für den Giftkontinent Nummer eins gehört, an den Innenseiten der Hinterfußgelenke Giftstacheln, die allerdings nur die Männchen bis ins Erwachsenenalter behalten. Sie brauchen die Dornen offenbar, um ihre Rivalen um die Gunst der Weibchen auszubooten. Dingos, die das Gift abbekommen, sterben an Atem- und Herzstillstand. Der Schnabeltier-Experte Peter Temple-Smith von der University of Melbourne hat dieses einzige im Selbstversuch getestet. Eine kleine Dosis, in den Unterarm injiziert, verursachte ihm "rasende Schmerzen".

Nacktkiemer der Gattung Glaucus ernähren sich von Quallen. Das Gift ihrer Beute stört sie wenig. Im Gegenteil: Die Toxine aus den Nesseln der Opfer werden aus dem Darm in die hohlen Auswüchse am Rücken der Tiere transportiert und gespeichert. So lassen sie sich vorzüglich zur Verteidigung einsetzen. Die Quallenfresser gibt es ausnahmsweise nicht nur in Australien, sondern fast überall im Ozean.

Die Seewespe ist eine Qualle mit meterlangen Nesselarmen. Die See-Wespe, Chironex fleckeri, gehört zu den Würfelquallen, die es vor allem rund um den Gifttier-Kontinent Australien gibt. Eigentlich fangen die kleinen Hohltiere mit ihren Giftarmen Fische. Aber Menschen gehen eben auch gerne baden. Die Nesselzellen verursachen extreme Schmerzen und Hautreizungen, manchmal auch Schwächeanfälle und Krämpfe, die zum Tode führen können. Auch wenn sie vor den starken UV-Strahlen kaum schützen, gibt es in Australien also noch einen Grund, mit langärmeligem T-Shirt ins Wasser zu gehen. Selbst dünne Textilien schützen vor den Armen der Qualle. Weitere Information zur Seewespe findest du hier.