Michaels Reisetagebuch: Singapur-Australien - Fraser Island: Alles nur auf Sand gebaut

Fraser Island: Alles nur auf Sand gebaut

Australien ist der kleinste aller Kontinente, aber ein wahrer Abenteuerspielplatz. Jede Minute der langen Anreise wird belohnt.

Es dauert schon einen guten Tag, will man als Europäer Australien, sechstgrößtes Land und kleinster Kontinent der Erde, einen Besuch abstatten. Die Reise auf die andere Seite der Erdkugel oder -wie die Australier gerne sagen- Down Under, was ungefähr so viel bedeutet wie "irgendwo unter dem Äquator", lohnt sich auf jeden Fall, man sollte allerdings schon ein paar Wochen dafür reservieren. Denn auch wenn in Australien "nur" 21 Millionen Menschen leben, tun diese das auf einer Fläche von stolzen 7,7 Millionen km2, somit ist es ca. 90-mal so groß wie Österreich und sehr dünn besiedelt. Da kann es passieren, dass man stundenlang durch die Gegend fährt und keinen Menschen sieht. Dafür aber prächtige Naturlandschaften und Tierarten, die nur hier existieren und leben können - es existiert eine bemerkenswerte Vielfalt an Ökosystemen. Diese werden auch durch zahlreiche Nationalparks geschützt. Wüstenfans, Wanderer, Wassersportler, Natur- und Kulturliebhaber finden ungeahnte Möglichkeiten, das Land auf individuelle Weise zu entdecken. In Australien werden Träume geweckt - und die meisten bedingungslos erfüllt.

Einen einzigartigen Lebensraum bildet vor allem das über 2.000 Kilometer lange und bis zu 280 Kilometer breite Great Barrier Reef. Dieser größte lebende Organismus an der Nordostküste, 1981 zum Weltnaturerbe ausgerufen, liegt quasi vor der Haustür der Australier und ist auch Ziel vieler Reisender. Aber dazu mehr in einer anderen Geschichte.

Heute begeben wir uns auf den "größten Sandhaufen" -auch Fraser Island genannt- der Erde. Fast logisch, dass man diesen auf dem Kontinent der Superlative findet. Die meisten Menschen würden auf die Frage, wo der meiste Sand weltweit ist, mit "Sahara" antworten. Aber tatsächlich sind dort nur zehn Prozent Sandwüste. Fraser Island im Süden des australischen Bundesstaats Queensland besteht dagegen fast nur aus den feinen Sandkörnern und darf sich somit die größte Sandinsel der Welt nennen. Aber trotzdem sieht die Insel nicht wie eine Wüstenlandschaft aus. Die ganze Vegetation wächst hier auf Sand - und diese hat es wirklich in sich: Auf Fraser Island findet sich der einzige Regenwald der Erde, der auf dem nährstoffarmen Untergrund gedeihen kann. Palmen, uralte Farne und riesige Kauri-Fichten machen die komplexe subtropische Regenwaldformation aus. Inklusive dazu gibt es noch 40 Süßwasserseen, die nicht nur zum Schwimmen einladen und die von Mangroven- und Eukalyptuswäldern gesäumt sind. Lustiger -lehrreich dank eines Naturpark-Rangers sowieso- als erwartet kann da eine Kanufahrt durch die Wälder werden.

Dieses feine Stückchen Australien wurde 1992 zum Weltkulturerbe ernannt. "Fraser Island ist mehr als 120 Kilometer lang und zwischen 7 und 25 Kilometer breit. Die höchste Erhebung liegt bei 244 Metern", erklärt uns Enzo von der Fraser Island Company, der uns nach unserer Überfahrt zum Städtchen Hervey Bay -von hier aus setzen die Boote zur Sandinsel über, deren größter Teil auch ein Nationalpark ist- abgeholt. Einer Überfahrt, die es in sich hatte, wurde sie doch von Buckelwalen "begleitet". Das Gebiet um Fraser Island gilt als eines der besten "Whalewatching"-Gebiete weltweit. Buckelwale, Südliche Glattwale und Orcas können beobachtet werden, man braucht nicht einmal viel Glück. So tummeln sich auch an diesem Tag Buckelwale mit ihren Jungen vor unserem Boot. Majestätisch erheben sich die sanften Riesen aus dem Wasser und machen diesen Ausflug zu einem unvergesslichen Erlebnis. Und das nächste folgt sobald: Im Morgengrauen besteigen wir die 4-WD-Jeeps. Geländefahrzeuge sind die einzig erlaubten Autos auf der Insel. Los geht's zum Sandhighway Eastern Beach, einer mehr als 100 Kilometer langen Piste direkt neben der Brandung. Dieser Strand dient als Autobahn ohne Markierungen mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 Kilometern pro Stunde, aber auch als Lande- bzw. Startpiste für kleine Propellermaschinen. "Der Strand ist eine Straße. Liege nicht auf der Straße herum." Das wird einem mitgegeben und sollte dringend befolgt werden. "Der Jeep-Fahrer muss ab und an eben auch den Blick gen Himmel richten", erklärt uns Enzo die Verkehrsregeln. Man sollte auch sehr gut über die Gezeiten Bescheid wissen.

Und so brettern wir über den Eastern Beach - anhalten sollte man allerdings. Nicht nur, wenn man einen Dingo, die bekanntesten "Bewohner" der Insel, zu Gesicht bekommt, der es sich gerade auf der "Straße" gemütlich gemacht hat. Er extistiert nur noch hier in seiner Urform. Manchnmal huscht einer über den Weg oder eine der bis zu zwei Meter langen Warane. Brumbies, die wilden Pferde von Fraser Island, bekommen dagegen selbst die Ranger selten zu Gesicht. Vom Indian Head aus, einem Felsen aus vulkanischem Gestein, können wir noch zahlreiche Rochen, Haie und Wasserschildkröten beobachten. Auch zählt zweifellos der McKenzie Lake im Inselinneren zu den Höhepunkten des Eilandes. Die Mischung aus schneeweißem Sandstrand und kristallklarem Süßwasser mit einer Waldkulisse lädt uns staunend zum Baden und Picknicken ein. Kein Wunder, dass die australischen Ureinwohner, die Aborigines, die Insel K'Gari, Paradies, tauften. Erholung, die wir nach dem Durchrütteln der Pisten im Regenwaldgebiet brauchen - wo die bis zu tausend Jahre alten Baumriesen aber durchaus entschädigen. Schwimmen ist hingegen am Eastern Beach nicht erlaubt, es könnte zu einer Begegnung der unheimlichen Art kommen: Gehört er doch zu den Stränden mit der dichtesten Haibesiedelung in Queensland. Dafür gibt es als "Abenteuer-Ausgleich" Wrack-Stimmung mit der Maheno. Der Luxusliner strandete 1935 und rostet nun umgeben von Muscheln und Fischen vor sich hin. Bis heute hat das Meer drei Decks im Sand begraben, hier vor dem großartigen Great Barrier Reef - aber zum Korallenriff ein anderes Mal ...