Michaels Reisetagebuch: Singapur-Australien - Wo Gott keine Menschen wollte

Wo Gott keine Menschen wollte

Australien: Das Trinkwasser geht zur Neige, Verschwender bestraft die Wasserpolizei

"Gott hat nicht gewollt, dass Australien von Menschen bewohnt wird", stöhnten die ersten Pioniere, die vor etwa 200 Jahren aus Europa kamen und sich als Bauern ansiedelten. Ihr größter Gegner: Wassermangel durch unzureichenden Regen.

Trotz der sich häufenden Zyklone und Überschwemmungen im isolierten Norden, steckt der größte Teil des trockensten Kontinents der Erde seit fünf Jahren in einer Dürre, wie sie nach australischen Quellen nur alle hundert Jahre auftritt. Auf den Feldern verdorrt der Weizen, die Obstplantangen sind vertrocknet, auf den Weiden krepiert das Vieh an Futter- und Wassermangel.

In einem Pub in Gippsland im Südosten sitzen die Farmer mit grimmigen Gesichtern zusammen: Einer von ihnen soll am Morgen auf die Weide gegangen sein, seine Kühe und dann sich selbst erschossen haben, wird erzählt. Die Farmer verlassen zu Hunderten ihre wertlos gewordenen Betriebe.

Die Wasserkrise hat dramatisch auch auf die Städte von Queensland und New South Wales über Victoria und South Australia bis auf Western Australia übergegriffen. Dort ist bereits die Nutzung von Wasser von den Behörden scharf beschränkt worden. In einigen Landstädten wie Euroa und Violet Town, in denen die Staudämme versiegt sind, muss das Trinkwasser mit Tankwagen angeliefert werden. Selbst die Evakuierung der wasserlosen Orte wird für den Notfall geplant.

Besonders prekär ist die Lage der Großstadt Melbourne. Das Wasser in dem größten Reservoir der Stadt, dem Thomson Dam, ist nach Ansicht der Experten bereits auf 19,6 Prozent der Kapazität abgesunken und würde in den nächsten Wochen "knochentrocken" sein, wie die Opposition im Landesparlament behauptet.

Die Regierung in Melbourne hat im März 2007 einen riesigen transportablen Swimmingpool im Tenniszentrum für die damals laufende Schwimm-WM installiert, der Millionen Liter wertvolles Trinkwasser verbraucht. Viele waren so empört über "diese Verschwendung", dass die Organisatoren Eintrittskarten für das Ereignis an den Schulen verteilen mussten. Die Bevölkerung wird für dieses Sportereignis die Kosten zu zahlen haben. Seit 1. Mai 2007 sind neue präzedenzlose Wasser-Nutzungsbeschränkungen in Kraft getreten. Die Bestimmungen der "Stufe Vier"-Beschränkungen verbieten etwa jegliche Bewässerung der Gärten und das Autowaschen. Jeder Haushalt soll 17,5 Prozent Wasser einsparen. Auch die Industrie muss sich einschränken. Postwendend wurde angekündigt, dass unter diesen Umständen weitere Betriebsinvestitionen ausbleiben könnten.

Damit die Bevölkerung die Beschränkungen einhält, patroulliert eine spezielle "Wasserpolizei" durch die Straßen. Wer Wasser verpritschelt, muss mit einer Geldstrafe rechnen, in schweren Fällen kann sogar die Wasserzulieferung an die "verschwenderischen Haushalte" reduziert werden.

Während Perth im Westen bereits eine Meerwasser-Entsalzungsanlage gebaut hat und über einen 4.000 Kilometer langen Kanal aus der regenreichen Kimberley-Region diskutiert, warten die anderen Staaten noch ab. An einigen Orten werden trotz Ablehnung durch die Bevölkerung wiederaufbereitete Abwässer dem Trinkwasser zugesetzt. In Melbourne und Adelaide behandelten Ärzte bereits etwa 250 Erkrankungsfälle, die Folgen der durch den Wassermangel verminderten Hygiene sind.

Die Meteorologen sind vorsichtig geworden und verweigern offizielle Wettervorhersagen. Privat äußern sie aber, es gebe Anzeichen für baldige ausreichende Regenfälle. In einem neuen Experiment sollen Australier nun versuchen, 40 Stunden lang mit nur 40 Liter Wasser auszukommen. Normalerweise verbraucht der Durchschnitts-Australier mehr als 200 Liter pro Tag.

In Australien sinkt die jährliche Erntemenge an Weizen aufgrund der Dürre kontinuierlich: 2006 waren es 11 Millionen Tonnen - weniger als die Hälfte einer "normalen" Ernte.