Darwin: Zufällig kommt hier niemand vorbei
Während der Regenzeit wird Darwin zur heißesten Stadt Australiens. Niemand geht hier einfach so aus dem Haus. Jeder Schritt, jede Entfernung muss bedacht werden. Trotzdem lohnt ein Bummel.
Morgens um fünf Uhr steht der Vollmond noch über Darwin, genauso prall und gleißend wie gestern in Frankfurt zurückgelassen. Müsste der Mond auf der anderen Seite der Erde nicht anders aussehen? Der Ankunftstag in der nördlichsten Stadt Australiens, ganz oben am Rand des fünften Kontinents, vergeht in einem neuen Gefühl von schwimmender, inkonstanter Zeit aus verschiedenen Zonen, die sich miteinander vermengen. Der Körper will nur noch Schlaf.
Es ist Regenzeit in Darwin. Brütende 35 Grad und eine Luftfeuchtigkeit, die das unmerkliche Element Luft in einen dichten, pastosen Körper verwandelt. Zu Weihnachten steuert die Regenzeit auf ihren Höhepunkt zu. Die Darwiner nennen die Zeit davor Build-up. Drückende Hitze, die immer drückender wird, bis sie sich in gewaltigen Gewittern entlädt. In den Straßen hängen Adventskränze mit Christbaumkugeln an den Bäumen und orangefarbene Lampions. Die Häuser wirken wie aus Gründertagen übrig geblieben. mehrgeschossige, schmucklose Gebäude, Flachdächer, Backsteinfassaden. Dazwischen grüne Einsprengsel. Amerikanischer Mittelwesten, wären die beiden Hochhäuser im Süden der City nicht.
Man muss sich die City von Darwin als eine Art abgeknickte Landzunge vorstellen, die in südöstlicher Richtung ins Meer hineinragt. Sechs längere Parallelstraßen, wie mit einem Lineal gezogen, und ein paar weitere, die sie queren, das ist Darwin City. Der Hafen schließt den Landriegel zum Meer hin ab. Ein Zentrum hat die Stadt nicht. Eine Einkaufsstraße als Fußgängerzone bildet die ungeklärte Mitte der City. Nur hier und da ragen dürre Büsche aus den Gehwegen, karge Bäume. Dafür scheinen die mehr als dreißig Vororte fast zu bersten. Dort gibt es schattenspendende hohe Palmen, Bougainvilleas in glühenden Purpurtönen, milchweiße, duftende Frangipani - beinahe jedes Grundstück ein eigener, kleiner Regenwald.
Auf den Gehwegen und Straßen keine noch so winzige Spur von Abfall oder Zigarettenstummeln, kein Hundekot oder andere Hinterlassenschaften. Supermärkte und Malls mit Klimaanlage werden zu sozialen Begegnungsstätten, weil sie gekühlte Verschnaufpausen bieten. Rund um die Uhr piepen die Fußgängerampeln schrill im immer gleichen Rhythmus, bevor sie auf Grün umspringen. Unten am Hafen, am Kai, liegt das Meer grauweiß und still, ganz leise plätschernd. Als sei es kein Meer, sondern ein Fluss, ohne Brandung, ohne Auftritt. Schlammiges Ufer mit Mangroven ziehen sich vom Hafen bis unter die Esplanade hin, die Prachtpromenade. Fast ein urzeitliches Bild. Das Terrain der Salzwasserkrokodile.
Von diesem Ufer aus wären die tropischen Nachbarn in Ost-Timor oder Indonesien schneller zu erreichen als der Süden Australiens, Sydney, Melbourne oder Perth. Der indonesische Ambon liegt weniger als tausend Kilometer entfernt. Zur Hauptstadt Australiens, Canberra, ist es dreimal so weit. Doch die Darwiner sind vor allem Australier. Und zugleich ganz besondere Menschen, dass sie sich diesen Ort zum Leben ausgesucht haben. Die Stadt kennt nur zwei Jahreszeiten, die zunehmend drückendere Regenzeit und die heiße Trockenperiode.
Auf den ersten Blick wirkt Darwin wie einer sozialistischen Utopie entsprungen. Alle tragen Shorts und Shirts, wie in einer riesigen Freizeitgesellschaft. Es fehlen die sichtbaren Klassenunterschiede und man nennt sich nur beim Vornamen. "Die Darwiner sind keine Menschen, die anderen gern etwas vormachen", sagt der Lord Mayor Graeme Sawyer in seinem Büro im ersten Stock des Rathauses. Ein jugendlich wirkender etwa Fünfzigjähriger in fliederfarbenem Hemd und Jeans, den seine Sekretärin mit Lord Mayor anspricht. Die entspannte Freizeitkultur scheint nur die eine, äußerliche Seite von Darwin zu sein. Die andere besteht aus Resten britischer Tradition. Auch im Governor's House ist der Chef His Honour. Über der Durchgangstür im Büro des Lord Mayor hängen, fein säuberlich, schwarze Baseballmützen, mit den goldenen Aufschriften aller Schiffe der amerikanischen Kriegsmarine, die je Darwin besuchten.
Die Salzwasserkrokodile in der Hafengegend (Foto) zeigen sich selten, aber jeder weiß, dass es sie gibt. Etwa zweihundert von ihnen holt eine Spezialeinheit der Stadt jedes Jahr aus dem Hafen, um sie umzusiedeln. Nur die hüfthohen Zäune entlang der Esplanade erinnern daran: der Schlammstrand weiter unten ist Krokodilland. Robert Mills, ein Aborigine-Guide vom Stamm der Larrakia, führt den Rasensaum der Esplanade entlang, einst seiner Vorväter Land. Eine junge Frau mit weißer Haut sonnt sich am Strand, nicht weit von der Schlammregion, mit dem Rücken zum Wasser. "Niemals würde das einer von uns tun", sagt Robert Mills, "das ist wegen der Krokodile viel zu gefährlich". Er geht los, das Mädchen zu warnen.
Gepfegter Rasen und alte Bäume sorgen dafür, dass die Esplanade oberhalb des Meeres zur Prachtstraße wird. Ein Kuckuck ruft, es klingt, als rufe er in einem Dialekt. Wookoo, wookoo. An einer Aussichtsplattform mit spektakulärer Sicht über die See gedenkt ein Stein des Forschers Ludwig Leichhardt. Der deutsche Geologe aus Trebatsch in der Mark stieß von 1841 bis 1848 in den unerforschten Nordosten Australiens vor. Während seiner dritten Expedition verschwand er dort spurlos.
In dem kleinen Park am Ende der Cavenagh Street hängt eine rote Hibiskusblüte am Strauch schlaff nach unten. Eine mittelgroße Echse, der die Hitze wenig auszumachen scheint, läuft auf dünnen hohen Beinen im Watschelgang über den betonierten Weg. Der Rasen wirkt wie mit der Nagelschere getrimmt. Die Echse verharrt, scheint in der Bewegung wie eingefroren. Der schmale lange Kopf ist schwarzweiß längsgestreift, der Körper grünlich braun.
Australien liegt unterhalb der Wallace-Linie, die zwischen Bali und Lomkok in Indonesien verläuft. Sie trennt zwei Hemisphären von Arten, Europa gehört zur nördlichen, Australien zur südlichen. Die Echse mit dem gestreiften Kopf und den hohen Beinen zählt zu diesen von uns nie gesehenen Exemplaren, genauso wie die "schwarzen fliegenden Füchse" im Botanischen Garten, die wie Fledermäuse von den Bäumen hängen. Etwas weiter queren Vögel, die wie Truthähne aussehen, den Weg. Zwei Ibisse mit schwarzen Schwanzfedern picken im Rasen nach Essbarem. Vor dem Parlament füllt eine Politesse seelenruhig Strafzettel aus. In kurzen Shorts, festen Schuhen und einem Cowboyhut über langen blonden Haaren.
Während der Regenzeit wird Darwin zur heißesten Stadt Australiens. Niemand geht hier einfach so aus dem Haus. Jeder Schritt, jede Entfernung muss bedacht werden. Taxis befördern auch Kurstrecken von fünfhundert Metern oder weniger. Manchem wird der große Supermarkt in der Nähe mit seiner frostigen Kühle zum Fluchtpunkt. Genussvoll der Augenblick beim Wiedereintritt in die glühende Atmosphäre, das ganz langsame Aufwärmen der Glieder. Gegen elf Uhr joggen zwei ältere Männer die Esplanade entlang.
Keinen Einwohner hat es je zufällig nach Darwin verschlagen, dafür ist der Anfahrtsweg zu weit. Die Stadt stand am Ende einer Anstrengung. Einer Fahrt mit dem Auto von Adelaide herauf, in dreieinhalb Monaten, wie bei Joy, oder aus einem endlos langen Flug wie bei Beatrice aus Zürich. "Man liebt es oder man hasst es", sagt der Lord Mayor über Darwin. "Aber in der Trockenzeit sieht das Leben in den Straßen hanz anders aus". So gesehen bilden die Bewohner auch eine Art Schicksalsgemeinschaft. Das Klima, die Krokodile, so etwas schweißt zusammen. Perlentaucher suchten in der Tiefe des Hafens ihr Glück. In den späten fünfziger Jahren zog der Goldrausch die Menschen an. Goldminen gibt es immer noch, weit außerhalb der Stadt. Im Cafe an der Marina von Cullen Bay ist der Palmwedel auf der geschäumten Milch in der Tasse handgemacht. Darwins Flat White, wie der Cappucciono hier heißt, schmeckt fast besser als in Italien.
Manchmal wirkt es auch so, als hätten die Darwiner eine Art Minderwertigkeitsgefühl. "Hier ist ja alles klein", sagen sie, oder: "Hier ist ja alles überschaubar", darin schwingt etwas Verzagtes mit. Den Vorteil, der darin liegt, scheinen sie nicht zu erkennen. In Australien werden sie wie die Letzten behandelt. Etwa in den Wetternachrichten der Fernsehsender. Da wird stets Alice Springs vor Darwin genannt, obwohl das viel kleiner ist. Vielleicht liegt es an der kontinentalen Entfernung zu den anderen, dass sich die Darwiner so schwer ihrer selbst vergewissern können. Nachts wird Darwin zur Metropole, zu einem riesigen Teppich aus selbstbewusst blinkenden Lichtpunkten, die sich weit hinziehen: Es gibt uns, es wird uns immer geben.
Dabei zählten in diesem Teil Australiens, anders als etwa in Sydney, keine Sträflinge zu den ersten Siedlern. Darwins Vorfahren waren koloniale Herren. Auf den Fotografien in den Landesarchiven vom Ende des neunzehnten und beginnenden zwanzigsten Jahrhundert posieren sie in eleganten weißen Anzügen mit schwarzer Fliege, geschmückt von Damen mit weißen Blusen und langen Röcken und entschlossenen Mienen. Siedler unterwegs im Auftrag der britischen Krone. Ein Dachfirst trägt wie ein Band kleine gekreuzte Speere. Den Hafen, der die Entdecker einst anzog, in eine moderne Hafenanlage umzubauen, sollte sich mehr als ein Jahrhundert später als ungemein schwierig erweisen, bei acht Metern Tidenhub.
Die Gegend wurde vom Meer her entdeckt, nicht von der beschwerlichen Landesseite her. Am 9. September 1839 machten John Clements Wickham, Kapitän des britischen Expeditionsschiffs Her Majesty's Beagle, und sein Leutnant John Lort Stokes bei ihrer Fahrt entlang der noch unentdeckten Küste Australiens einen natürlichen Hafen aus. Sie nannten ihn Port Darwin, nach dem Artenforscher Charles Darwin, der Jahre zuvor ihr Begleiter auf der Beagle gewesen war. "Der natürliche Hafen zog sie an", sagt Alan Powell, der die Frühgeschichte Darwins erforscht hat. Die Gründung Darwins geschah erst dreißig Jahre später. Einundachtzig Jahre nach Sydney und dreizehn Jahre nach Perth. Charles Darwin selbst hat nie einen Fuß in den Osten gesetzt. Das Land, das die Seefahrer entdeckt zu haben glaubten, gehörte den Larrakia, Eingeborenen. Aufnahmen zeigen sie mit runden Holzstäben quer durch die Nase und wie sie sich arglos fotografieren ließen. Die Tragödie, die folgte, ist bekannt.
Die Aborigines, die heute in den Supermärkten und Malls von Darwin herumsitzen, wirken, als seien sie endgültig aus der Welt gefallen. Sie leben ausschließlich auf die eigene Kultur konzentriert, rückwärts gewandt. Man muss sein Gegenüber kennen, um es zu verstehen. "Wir sehen nach unten und den anderen nur an, wenn wir direkt angesprochen werden", erläutert Robert, der Aborigine-Jungunternehmer. "Ich weiß, für die Weißen ist das Auge der Spiegel der Seele. Wir haben untereinander nicht viel Augenkontakt." Er läuft barfuß über den sengenden Beton, Schuhe trägt er nur, wenn er muss.
Angestellte in Geschäftsanzügen sind kaum unterwegs. Man sieht sie nur, wenn sie im Cafe nebenan ihren White Flat zum Mitnehmen bestellen. Sie verlassen ihre klimatisierten Zonen nur, um in die nächste umzusteigen. Doch die Stadt mit heute etwa 120.000 Einwohnern versteht sich als eine Stadt von Gleichen. Unzählige Vertreter anderer Nationalitäten, von Chinesen bis Zyprioten, leben hier Tür an Tür. Sie tun das buchstäblich, Darwin kennt keine Gettos. Nur größere Gemeinden, wie etwa die der Griechen oder früher der Chinesen. Einer ihrer Tempel in der Litchfield Street steht noch, eine Rampe aus gestanztem Silberblech führt hinein. Das Innere ist grün und rot und etwa garagengroß. Auf einem roten Teller liegen zwei Clementinen. Am Dachfirst warten drei Windspiele auf Bewegung. Dann tropft es leicht, dann kommt -plötzlich und unangekündigt- ein Platzregen herunter. Binnen Sekunden steht das Wasser zentimeterhoch auf den Straßen. In der Ferne zucken lange Blitze am Himmel.
In der Fußgängerzone der Smith Street treffen zwei ältere Männer in Bermudashorts und umlaufenden, dunklen Sonnenbrillen am Eingang zur Mall aufeinander. "Hi", sagt der eine wie ein Australier, der andere antwortet mit "Hi". Dann fallen sie ins Griechische. Der Ort, an dem die Gerüche und Geschmacksnoten ihrer verschiedenen Heimaten wiederauferstehen können, liegen in Parap. Ein Feinkostladen, der keine Geschmackswünsche offenlässt. Alle Spezialitäten der Welt sind in den Regalreihen versammelt. Kapern in Salz, deutsche und Schweizer Schokoladen, spanischer Schinken. In der Wurstabteilung des Supermarkts an der Cavenagh Street sind in der Silberschale die Schinkenscheiben zu Röschen aufgestellt. Im Postamt sieht es aus wie in unseren Filialen, nur dass man auch heute ein Angelset kaufen kann. Darwin hat kein Opernhaus, aber ein Event Centre. An der Musikschule der Charles Darwin University proben Amateure den Messias von Händel, auf hohem Niveau. Männer und Frauen, viele tragen flache Sandalen mit Fußbett.
Darwin hat nichts Feudales, nichts Großbürgerliches mehr. Auf den Straßen sind europäische Nobelkarossen oder Luxuscabriolets kaum auszumachen. Japanische Mittelklassewagen, etliche mit Vierradantrieb und Känguru-Abwehrschild. Doch geblieben ist etwas Konservatives. Es hat wohl auch mit der Erfahrung zu tun, dass alles Bestehende in einem Augenblick verlorengehen kann. Am Heiligen Abend des Jahres 1974 hat ein Zyklon die Stadt fast dem Erdboden gleichgemacht. Von vierzehntausend Häusern blieben nur vierhundert stehen (Foto).
In Cullen Bay, wo die sehr Wohlhabenden wohnen, lassen sich keine geschwungenen Auffahrten zu Herrenhäusern finden. Satte Stille herrscht in den Straßen. Weiße Villen, neu-kolonial mit umlaufenden Veranden, mit Säulen oder kubistisch angehaucht. Tastaturen für den Code statt Nummernschildern. Eher neuer Reichtum als altes Geld. Selbst große Anwesen liegen nahe der Straße, das Grundstück kaum größer als das Haus darauf. Eng nebeneinander. Mancher Villenbesitzer könnte am Fenster mit der Hand fast die Hauswand des Nachbarn berühren. Soziale Abgrenzung. Distanz scheint nicht räumlich stattzufinden.
Nach außen protzt niemand mit seinem Wohlstand. Die weißen Yachten, die auf der Rückseite der Häuser sanft im Wasser schwanken, sind von vorn nicht zu sehen. Der wahre Glanz liegt innen. "In einem Haus fließt Wasser in einem Kanal im Boden, in dem Barramundi-Fische schwimmen", weiß ein Immobilienmakler aus Cullen Bay, "ein anderes ist innen ganz aus weißem Marmor, einfach schön, wie in einem Werbespot". Andere verfügen über automatisch geregelte Glaswände, je nach Klima. Ein Schleusenmeister sorgt auch dafür, dass stets genug frisches Wasser in der Bay vorhanden ist. Von der Veranda auf die Yacht ins Meer. Wer hier lebt, ist dem Paradies nicht mehr allzu fern.
Darwin ist eine noch nicht wirklich wachgeküsste Schönheit. Nur während der Regenzeit liegen die feinkörnigen Sandstrände in Casuarina in hellem Saharabeige unberührt und schattenlos da, das Meer brandet heran mit weißem Schaumkrönchen. Giftige Quallen verbieten das Baden bis zur Trockenzeit. Ein paar Meter weiter lärmen Zikaden in den Baumwipfeln, beinahe ohrenbetäubend. Nachts kühlt es nur wenig ab.
Die Hitze bestimmt das Leben, jeden Augenblick. Aber wohin fliehen? Die nächste Stadt wäre Hunderte von Kilometern entfernt, dazwischen liegen Outback oder Meer. Wer kann, verlässt Darwin zumindest um die Weihnachtszeit herum dennoch. Es ist die Zeit der Mangofrüchte. In Darwin gehören sie zu Weihnachten dazu wie bei uns die Orangen. Deshalb heißt der Zustand, der manche befällt, die das immer weitere Verdichten der drückend-feuchten Hitze nicht mehr aushalten, im Volksmund Mango-Madness.
Vor der Küste von Darwin treffen sich der Indische und der Pazifische Ozean. In der Hafengegend hat sich die See zurückgezogen, schlammiger Strand bleibt zurück - Krokodilland. Die Darwiner essen das Krokodilfleisch. Local Crocodilemeat - 16 Dollar pro Kilo. Steht an einem Marktstand in Parap, manches Restaurant hat Crocodileburger aus Filetstücken auf der Karte. Von Darwin ist es nicht allzu weit zum Kakadu Nationalpark, den auch Ludwig Leichhardt noch erreichte, bevor er spurlos verschwand.
Von den sechs Gotteshäusern in der City nennt sich nur das katholische St Mary's Kathedrale. Obwohl es rein äußerlich eher wie ein Betonbunker aussieht. An diesem Tag stehen gegen Mittag alle Türen und Fenster weit offen. Im Inneren betet ein Mann um die Vierzig in einer der vorderen Bänke ganz für sich. Ein anderer kniet in der Marienkapelle im Seitenschiff in der ersten Reihe, den Rosenkranz in der Hand. Die Kirchen der Stadt wirken dennoch nicht wie einflussreiche Instanzen. Eher wie individuell nutzbare Tankstellen der Religiösen. Die meisten Bänke sind Spenden, jede hat ihre Legende auf einer Plakette verewigt. "Zur Erinnerung an unseren Sohn Rex, der im Einsatz getötet wurde. Oktober 1943, 21 Jahre alt", steht da etwa. Ein Jahr zuvor hatten die Japaner Darwin bombardiert. "Religion spielt eine Rolle, aber für jeden seine eigene", sagt Alan Powell, der Historiker.
Kurz vor sieben abends im Darwin Sailing Club. Das Lokal am Meeresufer erinnert an eine große, nach drei Seiten offene Pergola. Robuste Tische und Stühle. Segelboote dümpeln rechts und links im Bild. Das Wasser ist nur wenige Schritte entfernt. Dramatisch leuchtet der Himmel in Geld- und Rottönen. Das Schauspiel hält einige Minuten an, dann ist die Sonne weg. Das grüne Leuchten soll hier zu sehen sein - im Moment, da die Sonne noch nicht ganz verschwunden ist. Doch das wilde Leuchtgemälde am Himmel zeigt sich erst, als die Sonne schon nicht mehr zu sehen ist. Apres-Sunset, der Himmel glüht tiefrot. Es duftet nach Seeluft und nach Bier. Dann deckt Dunkelheit die Außenwelt wie mit einer leichten Decke zu.